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Künstliche Zellen nehmen Gestalt an
Proteine für die medizinische Verwendung züchten

US-Forscher haben primitive bakterienähnliche Zellen geschaffen. Diese synthetischen Zellen sind nicht wirklich am Leben, denn sie können sich nicht replizieren oder entwickeln. Aber sie können tagelang am laufenden Band Proteine produzieren, die zur Medikamentenproduktion eingesetzt werden könnten. Vincent Noireaux und Albert Libchaber von der Rockefeller Universität http://www.rockefeller.edu/ru.home.php in New York ist es gelungen, einen Teil der molekularen Maschinerie einer Zelle in einer künstlichen, bakteriengroßen Membran zu verpacken. Diese Membran kann durchlöchert werden, so dass Nährstoffe und energiereiche Moleküle aus der Umgebung in die Zelle gelangen können.

Diese Protozellen enthalten die erforderliche Maschinerie um Proteine aus ihren unverarbeiteten Bestandteilen, den Aminosäuren, zu generieren. Damit könnten sie als Miniatur-Fabriken dienen, um Proteine für die industrielle und medizinische Verwendung herzustellen. Solche Proteine, beispielsweise Insulin, werden routinemäßig von genetisch erzeugten Bakterien produziert. Künstliche Zellen wären viel einfachere Protein-Fabriken. Fertige Mixturen der Biomoleküle, die eine Zelle für die Proteinproduktion benötigt, sind im Handel erhältlich. Sie werden von Bakterien wie Escherichia Coli extrahiert. Diese Mixturen können spezifische Proteine erzeugen, aber sie arbeiten nur etwa zwei Stunden, wenn sie nicht kontinuierlich mit Rohmaterialien versorgt und von Abfallprodukten gereinigt werden.

Noireaux und Libchaber haben mikroskopische Tröpfchen des Zellenextrakts mit Öl umgeben, um eine den natürlichen Zellen nachempfundene Zellwand zu schaffen. Seifenähnliche Moleküle, die Phospholipide genannt werden, umgeben die Oberfläche dieser Tröpfchen so wie emulgierende Wirkstoffe die Tröpfchen in einem Salat-Dressing umhüllen und sie so vor einem Verschmelzen bewahren. Dann umgaben die Forscher die Tröpfchen mit einer zweiten Schicht von Phospholipiden. Um das Verhalten der Zellen zu beobachten, integrierten die Wissenschaftler DNA, die ein fluoreszierendes Protein kodiert. Wenn die Zellen dieses Protein produzierten, begannen sie zu leuchten. Während dem herkömmlichen Zellenextrakt nach zwei Stunden die Luft ausging, erhielt die Membranhülle das System mehr als doppelt so lang "am Leben".

David Deamer, Chemiker an der Universität von Kalifornien http://www.ucsc.edu/public/ in Santa Cruz, bezeichnete die Arbeit als großen Schritt vorwärts. Noireaux und Libchaber arbeiten nun daran, Moleküle an den Wänden der Protozellen anzubringen, die die Membranen zusammendrücken, so dass sich die Zellen teilen, so wie Bakterien. Das könnte der erste Schritt dabei sein, künstliche Zellen zu entwickeln, die sich replizieren.


 

Genom des Stickstoff-Bakteriums entschlüsselt
Suche nach Gentech-Pflanzen für stickstoffarme Böden beginnt
 

Wissenschaftler aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Kanada und den USA haben das Genom des Stickstoff-Bakteriums Sinorhizobium Meliloti entschlüsselt. Durch die Entschlüsselung könnte eine Verbesserung des Stickstoffgehalts von Böden ohne künstliche Düngung erreicht werden, heißt es im amerikanischen Wissenschaftsmagazin "Science" http://www.sciencemag.org . Wie Alfred Pühler von der Universität Bielefeld http://www.uni-bielefeld.de gegenüber pressetext.deutschland sagte, habe die Sequenzierungsarbeit zwei Jahre gedauert. Das Genom des Stickstoffbakteriums bestehe aus drei Bestandteilen, so Pühler: einem Chromosom, dessen Entschlüsselung von der EU gefördert wurde, und zwei Plasmiden, deren Sequenzierung zum einen an der Stanford University http://www.stanford.edu , zum zweiten in einer Kooperation deutscher und kanadischer Forscher gelang. http://sequence.toulouse.inra.fr/meliloti.html
 

Insgesamt setzt sich Genom des Bakteriums aus rund 6,7 Mio. Säurepaaren zusammen. Das Bakterium wandelt das in der Atmosphäre vorkommende Gas Stickstoff in Ammonium-Ionen um. Diese Form des Stickstoffs wird in die Proteine der Pflanzen eingebaut und gelangt so in den Stoffkreislauf von Tieren und Menschen. Eiweiße und DNA bestehen zum Teil aus Stickstoff.
 

Das Bakterium lebt in Symbiose mit Pflanzen, in deren Wurzeln es eindringt. Die Bakterien versorgen die Pflanze mit Stickstoff. Dafür empfängt es von der Pflanze Kohlenhydrate. Die Forscher wollen nun anhand des Genoms untersuchen, wie besonders stickstoffhaltige Pflanzen wie Hülsenfrüchte mit dem Bakterium zusammenleben. Da diese Pflanzen deshalb auch auf stickstoffarmen Böden gedeihen, hoffen die Forscher jene genetischen Abschnitte an Hülsenfrüchten ausfindig zu machen, die zu der Symbiose führen. Diese Abschnitte könnten dann gentechnologisch in andere Pflanzen eingebracht werden, die dann ebenfalls in der Lage wären, auf stickstoffarmen Böden zu wachsen.
 


 

Zukunftsvision: Bis 1.000 Jahre alt werden
SENS-Projekt erlaubt Altern ohne Verfall

Bis an die 1.000 Jahre will der Genetiker Aubrey de Grey den Menschen werden lassen. Altern ist nur ein physikalisches Phänomen und diesem will der Forscher mit seinem Projekt SENS (Strategies for Engineered Negligible Sensescence) http://www.gen.cam.ac.uk/sens mit medizinischem Know-how entgegenwirken, berichtet BBC-Online.

De Grey will alle Arten von molekularen und zellulären Störungen und Fehlern, die sozusagen mit der Zeit kommen, reparieren. Jede Methode, die dazu geeignet ist, das zu tun, funktioniert bereits, befindet sich gerade in klinischen Tests oder basiert auf Technologien, die bereits existieren, aber noch mit anderen kombiniert werden müssen. Das bedeutet auch, dass das gesamte Lebensverlängerungsprojekt innerhalb der kommenden zehn Jahre zuerst bei Mäusen funktionieren muss, ehe es dann weitere zehn Jahre später beim Menschen angewendet werden kann.

Wenn diese Therapien wirken, werden Altersschwäche und Gebrechlichkeit der Vergangenheit angehören, zeigt sich der Forscher überzeugt. Dass damit das Leben unendlich lange dauert, das verspricht der Forscher aber nicht, denn sowohl Unfälle als auch Schlangenbisse und neue Influenza-Erreger werden uns auch dann noch das Leben verkürzen. Der Forscher geht sogar davon aus, dass heute 60-Jährige die Ersten sein werden, die 1.000 Jahre alt werden.

Der Wissenschaftler sieht das Altern als sehr komplexen Vorgang. "Es gibt sieben Typen molekularer und zellulärer Zerstörung inklusive dem Zellverlust ohne Ergänzung sowie Mutationen in den Chromosomen, die tatsächlich zu umgehen sind", erklärt de Grey. Die meisten dieser Schäden können bereits heute mit den gängigen Technologien oder mit jenen, die gerade entwickelt werden, behoben werden.

"Die Lebenslänge wird wesentlich variabler werden und Gebrechlichkeit wird sich nicht einstellen", so de Grey. Typische Alterserscheinungen sollen der Vergangenheit angehören und Älter werden bedeutet dann nicht, all jene Problemen zu haben, an denen ältere Menschen heute leiden. De Grey, der das SENS-Projekt an der Cambridge University leitet, hält derzeit auch den Methusalah Mouse Prize für die Lebensverlängerung von Mäusen.
 


 

Erstmals Proteintransport in Zellen nachgewiesen
Fluoreszierende Eiweiße machen Wechselwirkungen sichtbar

 Erstmals ist es gelungen, den Transport von Eiweißen zwischen den verschiedenen Bereichen innerhalb einer Zelle sichtbar zu machen. Die Proteine werden dabei in Bläschen oder röhrenähnliche Strukturen sortiert, die das Ziel des Transports bestimmen. Diesen Mechanismus konnten die Wissenschaftler des Göttinger Max-Planck-Instituts http://www.mpibpc.gwdg.de/ und der Universität Cambridge http://www.cam.ac.uk/ nachweisen.

Untersucht wurde der Transport des so genannten KDEL-Rezeptors "Erd2". "Besetzt man diesen Rezeptor, der sich normalerweise im Golgi-Kompartiment http://www.cells.de/cellsger/medienarchiv/archiv/cd1golg.htm aufhält, durch ein KDEL-Protein, so wird er rasch in Transport-Vesikel umsortiert", erläutert Dr. Irina Majoul vom Max-Planck-Institut. "Die Transport-Vesikel bringen den besetzten Rezeptor in ein anderes Kompartiment, das endoplasmatische Retikulum http://www.cells.de/cellsger/medienarchiv/archiv/cd1er.htm ." Solche Sortier- und Transportvorgänge beruhen auf sehr fein abgestimmten Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Regulatorproteinen. Indem die Wissenschaftler spezifische Fusionsgene herstellten, die in der Zelle etwas veränderte Proteine erzeugen, konnten sie dieses Zusammenspiel sichtbar machen: Die durch die Fusionsgene veränderten Proteine besaßen die Fähigkeit, zu fluoreszieren.

"Man kann fluoreszierende Proteine mit unterschiedlichen spektralen Eigenschaften verwenden und dabei den Charakter der leuchtenden Proteinanteile in einer ganz bestimmten Weise wählen", so Majoul. "Die Fluoreszenz eines Proteins, das kürzere Wellenlängen absorbiert, regt dann ein Fluoreszenzprotein mit Absorption im langwelligen Bereich zum leuchten an." Dieses Phänomen ist als Fluoreszenz-Resonanz-Energietransfer (FRET) bekannt. Nachweisen lässt sich ein FRET-Phänomen aber nur, wenn beide fluoreszierende Komponenten näher als sechs Nanometer (= sechs millionstel Millimeter) beieinander liegen. Majoul: "Das Auftreten von FRET zwischen zwei Fusionsproteinen kann daher als Hinweis auf eine Interaktion dieser Proteine gewertet werden."

Um festzustellen, ob nach der Besetzung des KDEL-Rezeptors bestimmte Proteine miteinander in Wechselwirkungen treten, boten die Wissenschaftler der zu untersuchenden Zelle von außen ungiftig gemachtes Choleratoxin an. Chloratoxin kann in gleicher Weise an den KDEL-Rezeptor binden wie zelleigene KDEL-Proteine. "Bei lebenden Zellen, in denen verschiedene Paarungen von fluoreszierenden Fusionsproteinen auftraten, ging die Besetzung des KDEL-Rezeptors durch Choleratoxin bei bestimmten Paarungen mit zeitgleichen Änderungen des FRET-Signals einher", erinnert sich Majoul. "Damit war bewiesen, dass die Besetzung des Rezeptors zunächst mehrere Rezeptormoleküle miteinander reagieren lässt (Oligomerisierung) und dass der besetzte, oligomerisierte KDEL-Rezeptor anschließend mit bestimmten weiteren Proteinen interagiert." Damit wird der so genannte "budding"-Komplex eingeleitet. Dieser bewirkt Membranausstülpungen, aus denen letztlich Transport-Vesikel und -Tubuli entstehen. Gleichzeitig wird der besetzte KDEL-Rezeptor in die Membranausstülpungen einsortiert.

Darstellen konnten die Wissenschaftler ihre Entdeckung mit Hilfe der Multifokalen Multiphoton-Mikroskopie (MMM). Bei dieser Methode wird die Fluoreszenz nicht mit tiefblauem oder ultraviolettem Licht ausgelöst, sondern im nahen Infrarot, das im allgemeinen für die Zelle verträglicher ist. Der Farbstoff wird nicht mit einem, sondern mit zwei gleichzeitig absorbierten Infrarot-Photonen angeregt (Multiphotonen-Absorption). Da dieser Prozess nur bei ausreichender Photonendichte stattfindet, wird die Fluoreszenz nur in einer relativ dünnen Schicht um die Fokalebene herum aktiviert. Das verbessert die Lokalisation der fluoreszierenden Fusionsproteine in der Zelle und erhöht die Messpräzision von FRET. Zudem besitzt MMM eine rotierende, mit 30 Mikrolinsen versehene Scheibe, die den Laserstahl in 30 Teilstrahlen aufteilt. So wird die auf die einzelnen Abschnitte der Zelle einstrahlende Energie vermindert und gleichzeitig der Beobachtungsbereich in 20 bis 30 mal kürzerer Zeit abgetastet. Dynamische Vorgänge in Zellen können damit auch über längere Zeitabschnitte (ein bis drei Stunden) beobachtet werden.



 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:46
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