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Fußball: Kontroverse
um Anti-Rassismus-Kampagne
Nike wehrt sich gegen Nevilles Vorwürfe
Gary Neville, Verteidiger von Manchester United,
hat Nikes Engagement hinsichtlich der Initiative "Stand up, speak
up" hinterfragt, berichtet Sportinglife
http://www.sportinglife.com ."Man muss sichergehen, dass die
Kampagne in der richtigen Art und Weise geführt wird. Sie sollte
nicht für PR-Zwecke missbraucht werden, wie es momentan einige
Sportfirmen handhaben", so Neville. Nike wehrt sich vehement gegen
Nevilles Beschuldigungen.
Nike, Sponsor von Nevilles Klub Manchester United, unterstützt die
von Thierry Henry ins Leben gerufene Anti-Rassismus-Kampagne (pte
berichtete:
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=050202043 ). Im gestrigen
Länderspiel England - Holland trugen die Teams von Nike angefertigte
Spezialtrikots, um den Kampf gegen den Rassismus zu unterstützen
(pte berichtete:
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=050209034 ) und die Kampagne
zu fördern. Neville: "Der englische Fußballverband (FA) und die
Nationalmannschaft haben sich immer für den Kampf gegen den
Rassismus eingesetzt. Wir müssen aufpassen, dass Firmen wie Nike
unser Engagement nicht 'billig' erscheinen lassen, indem sie von der
PR profitieren." Neville war einer von vier Manchester-Spielern, die
vergangene Woche beim Match gegen Arsenal kein "Stand up, speak
up"-Shirt zum Einlaufen getragen hatten. Nun ist klar, welche Gründe
dahinter stecken.
Nike wehrt sich gegen Nevilles Vorwürfe und streitet ab, bei der
Kampagne nur an die damit verbundene Publicity gedacht zu haben. Die
Kampagne sei für Nike keine billige Form von PR. Man wolle daraus
keinen Nutzen ziehen, sondern gegen den Rassismus im Fußball aktiv
werden.
Großbritanniens Sportminister Richard Caborn begrüßte, dass gestern
mit den Trikots klare Zeichen gegen den Rassismus gesetzt wurden:
"Es war großartig, wie England und Holland im Kampf gegen den
Rassismus vereint waren." Es dürfe aber keine einmalige Sache
gewesen sein. "Wir müssen kämpfen, bis der Fußball vom Rassismus
befreit ist", so Caborn. |
SJÖ fordert Bundesförderung für ZARA
Anti-Rassismus-Arbeit hat für Bundesregierung keinen Stellenwert
Ludwig Dvorak, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Österreich (SJÖ),
fordert von der schwarz-blauen Bundesregierung Bundesförderungen für den in
seiner Existenz bedrohten Verein ZARA (Zivilcourage und
Anti-Rassismus-Arbeit). "Der Verein leistet wertvolle Arbeit im Bereich der
Beratung und Dokumentation. Für die Bundesregierung müsste es eigentlich
außer Zweifel stehen, dass Anti-Rassismus-Arbeit in ihrem
Verantwortungsbereich liegt, und diese auch finanzieller Mittel bedarf", so
Dvorak am Dienstag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ.
Dvorak verwundert es aber nicht, dass sich gerade ÖVP und FPÖ einer
Förderung verschließen: "Gerade die FPÖ ist es, die permanent Vorurteile
schürt, indem sie gegen MigrantInnen hetzt. Sie versucht von sozialen
Spannungen, die nicht zuletzt durch die Sparpolitik der Bundesregierung
hervorgerufen werden, zu profitieren. Ohne diese soziale Brandstifterei
könnte diese Partei auch nicht überleben, denn die Tatsache, dass diese
Partei den Leuten das Geld aus der Tasche zieht, lässt sich schlecht
verkaufen."
Für Dvorak ist es skandalös, wie konsequent diese Bundesregierung sinnvolle
Projekte aushungert, während sie selbst das Geld für die sinnlosesten
Unterfangen hinauswirft: "Die Fälle reichen von Männerabteilungen, die bis
heute keinerlei verwertbaren Output geben, außer dass diese Abteilung keine
Existenzberechtigung hat, über Abfangjäger, die kein Mensch braucht, bis hin
zu steuerfreien Vereinen, die angeblich dem Allgemeinwohle dienen, weil im
Mittelpunkt die Person des Finanzministers steht. Die Bundesregierung könnte
sich hervortun, und zur Abwechslung einmal etwas Sinnvolles tun."
Ursachen der Fremdenfeindlichkeit in Österreich: Autoritarismus und
Antisemitismus
Seit dem Fall der Berliner Mauer ist in ganz Europa ein Ansteigen von
Fremdenfeindlichkeit (Xenophobie), Rassismus, Nationalismus und
Ausgrenzungsbereitschaft zu beobachten. Daher untersuchte Ass.Prof. Dr.
Günther Rathner von der Universität Innsbruck Fremdenfeindlichkeit und deren
Ursachen in einer repräsentativen Stichprobe der österreichischen Bevölkerung.
2000 Österreicherinnen und Österreicher im Alter von 15 bis 75 Jahren wurden
persönlich interviewt. Die verwendeten Fragebögen erfaßten einerseits
Fremdenfeindlichkeit und Ausländerablehnung, andererseits deren mögliche
Ursachen wie Autoritarismus, autoritäre Reaktion, rigides Verhalten,
Rechtsextremismus, Pseudopatriotismus, Revanchismus und Nationalismus sowie
persönliche und wirtschaftliche Verunsicherung. Gerade in Österreich wurde es
für nötig gehalten, die Rolle des Antisemitismus in der Entstehung von
Fremdenfeindlichkeit zu berücksichtigen.
Diese Studie zeigte, daß ein Viertel der ÖsterreicherInnen eindeutig nicht
fremdenfeindlich ist, ein weiteres Viertel ist "neutral" und fast die Hälfte
zeigen eine hohe (22 %) oder sehr hohe (26 %) Fremdenfeindlichkeit. Zählt man
die "Neutralen" zu den Nicht-Fremdenfeindlichen, so ergibt sich das Bild einer
in der Mitte gespaltenen Gesellschaft: Die eine Hälfte ist fremdenfreundlich
bis gemäßigt, die andere Hälfte fremdenfeindlich.
Der Kern des Autoritarismus ist autoritäre Unterordnung ("tun was verlangt
wird"), autoritäre Aggression ("nach unten treten") und Konventionalismus. In
dieser Studie wurden erstmals bei österreichischen Frauen und Männern die
California F-Skala (Adorno) und andere Autoritarismus-Kurzskalen eingesetzt.
Zusammengefaßt ist knapp die Hälfte der ÖsterreicherInnen nicht autoritär, ein
knappes Drittel ist mäßig autoritär und ein Viertel sehr stark autoritär.
In der Rechtsextremismus-Skala (z.B. "Hitlers Fehler war der Zweite Weltkrieg,
ansonsten waren die Nationalsozialisten vernünftige Leute.") ist die Hälfte
der Befragten eindeutig nicht rechtsextrem, ein knappes Viertel zeigen einen
niedrigen Rechtsextremismus. Allerdings ist fast jeder zehnte Österreicher als
rechtsextrem einzustufen: 6 % geben einen hohen und 3 % einen sehr hohen
Rechtsextremismus an. Dazu kommen noch einer von sechs Österreichern (17 %),
die sich auf dieser Rechtsextremismus-Skala "neutral, untentschieden" zeigen,
damit also zum Rekrutierungspotential des Rechtsextremismus gehören, da sie
sich "neutral" gegenüber massiv antidemokratischen Einstellungen verhalten.
Somit kann jeder vierte Österreicher als rechtsextrem oder als sehr
empfänglich für rechtsextreme Einstellungen bezeichnet werden.
Beim Antisemitismus wurden auch subtile Formen erfaßt (z.B. "Durch ihr
Verhalten sind die Juden an Verfolgungen nicht ganz unschuldig."), denn
offenkundiger Antisemitismus unterliegt heute einer gewissen Verfälschung.
Dennoch ist das Bild des Antisemitismus in Österreich über ein halbes
Jahrhundert nach dem Holocaust eindeutig: Fast die Hälfte der 15-75jährigen
Österreicher sind nicht oder nur leicht antisemitisch. Ein Drittel kann als
moderat antisemitisch bezeichnet werden. Jeder fünfte Österreicher ist stark
(14 %) oder sehr stark (6 %) antisemitisch.
Dieses Muster von Fremdenfeindlichkeit, Autoritarismus und Antisemitismus ist
in größeren Städten weniger häufig anzutreffen. Übersteigerter Nationalstolz,
Pseudopatriotismus ("Österreicher sind besser als die Bewohner anderer
Länder.") und Revanchismus ("Südtirol sollte wieder zu Österreich kommen.")
sind mit Fremdenfeindlichkeit verknüpft.
Die Analyse der Ursachen von Fremdenfeindlichkeit ergab, daß folgende Faktoren
in abnehmender Bedeutung Fremdenfeindlichkeit voraussagen: Autoritarismus ist
die wichtigste Ursache. Es folgen Antisemitismus, höheres Alter, große
persönliche Verunsicherung und die politische Selbsteinstufung eher rechts bis
rechts. Die nächsten Faktoren sind Pseudopatriotismus, Rechtsextremismus,
geringere Schulbildung und rigides Verhalten. Schließlich ist noch die große
wirtschaftliche Verunsicherung zu erwähnen. Diese eindeutigen Ergebnisse
bieten verschiedene Ansatzpunkte für eine Veränderung der Situation.
Keine Vorhersagekraft für Fremdenfeindlichkeit haben Gemeindegröße, bevorzugte
politische Partei (ein Detail: SPÖ- und ÖVP-Nahe zeigen gleiche Werte auf
vielen Skalen!), Beruf, Einkommen, Geschlecht, politische Richtung der Eltern
und politische Informiertheit.
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