Verleger: Medien spielen positive Rolle
Neun Journalisten mit Theodor-Wolff-Preisen geehrt
Die deutschen Zeitungsverleger sehen die Rolle der Medien bei der
Berichterstattung über die Terroranschläge in New York und Washington positiv.
"Es gab sie eben nicht, die falschen, lauten Töne, den unreflektierten Schrei
nach Vergeltung", sagte das Ehrenmitglied des Bundesverbandes Deutscher
Zeitungsverleger (BDZV), Rolf Terheyden, bei der Verleihung der
Theodor-Wolff-Preise am Dienstag im Palais Schaumburg in Bonn.
Neun Journalisten haben den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen
erhalten. Die mit 11.000 Mark dotierte Auszeichnung in der Kategorie
"Essayistischer Journalismus" erhielt Heribert Prantl von der Süddeutschen
Zeitung für sein Porträt zum 70. Geburtstag von Alt-Kanzler Helmut Kohl unter
dem Titel "Lob der Provinz".
Die mit je 9.000 Mark dotierten Preise in der Sparte "Allgemeines" gingen
an Jana Simon vom Berliner Tagesspiegel für ihren Artikel "Broszehls Leben",
Joachim Rogosch für seinen Beitrag "Timo spricht drei Sprachen mit den
Fingern" in der Stuttgarter Zeitung sowie Thilo Knott und Michael Thiem für
ihre Reportage "Illegale Ware aus dem globalen Doping-Dorf", die von der
Esslinger Zeitung veröffentlicht wurde.
In der Kategorie "Lokales" wurden geehrt: Silke Lambeck von der Berliner
Zeitung für eine Erzählung über die wechselvolle Geschichte eines Kreuzberger
Hauses, Frank Schauka von der Märkischen Allgemeinen in Potsdam für die
Reportage "Neulich am See" sowie Suska Döpp und Jens Meifert für den Beitrag
"Preisnachlass bis zu 23 Prozent" in der Kölnischen Rundschau. An der
Ausschreibung des Preises hatten sich 338 Journalisten beteiligt.
Rolf Terheyden, der auch Vorsitzender des Kuratoriums Theodor-Wolff-Preis
ist, sagte auf der Preisverleihung, gerade die Zeitungen hätten mit
umfassenden Hintergrundberichten für Reflexion und Einordnung des Geschehens
am 11. September gesorgt. Das hätten Fernsehen und Hörfunk unter dem Druck der
permanenten Live-Berichterstattung nicht leisten können. Terheyden appellierte
an die Medien, besonnen und kritisch zu bleiben. Bei der Berichterstattung
über Terroranschläge dürften keine Feindbilder aufgebaut werden. "Die
wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit und die Wahrung der Menschenwürde
sind oberste Gebote", betonte er.
Terheyden wies darauf hin, dass im Verlauf des Konflikts mit Zensur und
Nachrichtensperren zu rechnen sei. Journalisten seien dann auf das angewiesen,
was militärische Sprecher mitteilten. In dieser Auseinandersetzung stünden
Journalisten täglich vor einem ethischen Dilemma und auch vor der Gefahr,
"vereinnahmt zu werden".