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Umweltmedizin

 

Straßenverkehr führt zu kardiovaskulären Erkrankungen
Schadstoffe wirken auf Blutgerinnung und Herzrhythmus

Die im Straßenverkehr auftretende Belastung mit feinen Partikeln und Schadstoffen erhöht die Wahrscheinlichkeit der Fahrer für eine Thrombose oder eine Entzündung und verändert die Regelmäßigkeit des Herzrhythmus. Eine Studie vom Institute of Occupational Health Sciences http://www.unil.ch/fbm/ in Lausanne beobachtete in Zusammenarbeit mit Kollegen von einer Reihe von Instituten in den USA die Herz-Kreislauf-Risiken für Autofahrer.

Forschungsleiter Michael Riediker wollte die direkten Auswirkungen verschiedener Quellen fahrzeugbedingter Verschmutzung auf Streifenpolizisten untersuchen. Die Streifenpolizisten wurden ausgewählt, weil sie den ganzen Tag im Auto verbringen und damit besonders stark belastet sind. Die Forscher analysierten die Quellen der Schadstoffe, die in den Streifenwagen von neun gesunden jungen Streifenpolizisten in North Carolina auftraten.

Auf Basis früherer Erkenntnisse konzentrierten sich die Forscher auf Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind und die sich tief in der Lunge ablagern. Sie fanden heraus, dass diese Partikel von verschiedenen Quellen stammten, die aufgrund bestimmter Elemente identifiziert werden konnten. Silizium und Aluminium stammten von einer abgenutzten Straßenoberfläche, eine weitere Quelle war der Verschleiß mechanischer Fahrzeugteile, der eisen-, chrom- und titanhältige Partikel produzierte. Benzinverbrennung führte zum Auftreten von Benzol und Kohlenmonoxid, weiters war das Niveau von Kupfer-, Schwefel- und Aldehydteilchen erhöht. Der Herzrhythmus der Fahrer wurde während und nach ihrer Fahrten gemessen. Zusätzlich wurden Blutproben entnommen, um Entzündung und Gerinnung zu beobachten.

Das Ergebnis der Studie war, dass Verkehr, bei dem sich die Geschwindigkeit immer wieder veränderte, den signifikantesten Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit der Versuchsobjekte hatte, in Form von entzündeten Zellen und Proteinen, einer Aktivierung der Blutgerinnung und einem variablen Herzrhythmus. Es war den Forschern jedoch nicht möglich, genau festzustellen, wie eine einzelne Quelle auf ein Symptom wirkte. Experten gehen von 800.000 jährlichen Todesfällen weltweit aus, die auf die Verschmutzung durch den Straßenverkehr zurückzuführen sind.


 

Schon niedrige Dosen Benzol gesundheitsschädigend
Reduktion der weißen Blutkörperchen

Eine Studie an chinesischen Fabrikarbeitern hat gezeigt, dass eine Aussetzung an die Chemikalie Benzol diverse Typen von Blutzellen zerstört. Diese Auswirkungen wurden unter der in den USA maximal erlaubten Konzentration beobachtet. Die Studie wurde von Wissenschaftlern der Universität von Kalifornien http://www.berkeley.edu/ unter der Leitung von Martin Smith in Kooperation mit dem Chinesischen Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention durchgeführt. 16 Monate begleiteten sie 250 Arbeiter in einer Schuhfabrik in der Nähe von Tianjin, die verschiedenen Graden von Benzolkonzentration ausgesetzt waren. Die Forscher verglichen die Zahlen ihrer Blutzellen mit denen von Arbeitern aus einer nahe gelegenen Kleiderfabrik, die keinem Benzol ausgesetzt waren.

Benzol, das als industrielles Lösungsmittel verwendet wird und auch in Zigarettenrauch und Auspuff-Abgasen auftritt, wurde lange Zeit mit der Blutkrankheit Leukämie in Verbindung gebracht. Die aktuelle Studie zeigt, dass bereits niedrige Konzentrationen der Chemikalie das Blutsystem schädigen. Arbeiter, die Benzol ausgesetzt waren, wiesen eine Reduktion der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen auf. Arbeiter, die den höchsten Niveaus von Benzol ausgesetzt waren, über 10 parts per million (ppm), hatten um 24 Prozent weniger weiße Blutkörperchen als ihre Gegenstücke in der Kleiderfabrik. Sogar jene, die weniger als einem ppm ausgesetzt waren, hatten eine Verminderung der weißen Blutkörperchen um 15 Prozent. Bei vielen Typen weißer Blutzellen waren die Zellenzahlen reduziert, einschließlich der Granulozyten, der Lymphzellen und der B-Zellen. Deshalb vermuten die Forscher, dass Benzol bereits die Vorläuferzellen schädigt.

Weiters identifizierten die Forscher zwei genetische Varianten, die die Schädigung durch das Benzol beschleunigen könnten. Jene mit bestimmten Versionen zweier Stoffwechselenzyme, die das Benzol in noch schädlichere Komponenten umwandeln, weisen niedrigere Zellenzahlen auf. Menschen mit aktivierten Versionen dieser Enzyme sind eher dafür anfällig, Schäden davon zu tragen, so Nathaniel Rothman vom US National Cancer Institute. "Mehr als 50 Prozent der Allgemeinbevölkerung haben eine Variante mit hoher Aktivität", so der Experte. Rothman forderte andere Wissenschaftler auf, die Ergebnisse seines Teams zu replizieren, um die Gesundheitsgefahren zu bestätigen. Das könnte ein Überdenken der rechtlichen Bestimmungen zur Obergrenze der Belastung notwendig machen.


 

Zunahme von Gesundheitsschäden durch Verkehr
VCÖ fordert politische Maßnahmen zur Verminderung der Verkehrsbelastung

 

Die wachsenden Gesundheitsprobleme stehen direkt mit den Belastungen aus dem Straßenverkehr in Zusammenhang. Dies geht aus einer aktuellen Studie des VCÖ http://www.vcoe.at zum Thema "Gesundheit und "Verkehr" hervor, die heute im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert wurde. Unfälle, Abgase und Lärm sowie Bewegungsmangel durch zunehmende Motorisierung verursachen jährlich 3.500 Todesfälle. Der VCÖ fordert eine verfassungsrechtliche Verankerung des Grundrechts auf Gesundheit sowie Maßnahmen zur Schadstoffentlastung und Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Im Vorjahr wurden in Österreich 109.000 Tonnen Stickoxide und 5.700 Tonnen Feinstaub im Verkehr emittiert. Diese stellen eine besonders hohe Belastung für Lunge und Atemwege dar und wirken sich in weiterer Folge auf die Entstehung von bodennahem Ozon aus, das wiederum asthmatische Allergien, Kopfschmerzen und Atembeschwerden bedingt. Die wachsende Feinstaubbelastung korreliert mit einem steigenden Risiko für Lungenkrebs und Herzinfarkt. 4,8 Mio. Österreich leben in Gebieten, wo der Verkehrslärm weit über den Richtwerten der WHO liegt. Ein hoher Schallpegel fördert Bluthochdruckerkrankungen und das Herzinfarktrisiko. Die Möglichkeiten einer aktiven Lärmbekämpfung sind vielfältig. Lärmarme Reifen, niedrigere Tempolimits, lärmarmer Straßenbelag, Automatikgetriebe und Motorkapselung könnten die Lärmbelastung um mindestens 10 Dezibel verringern, was einer Halbierung des wahrgenommenen Verkehrslärm gleichkäme.

"Eine Verkehrspolitik, die den Umstieg vom PKW auf Gehen, Radfahren und Öffentliche Verkehrsmittel fördert, leistet einen großen Beitrag für die Gesundheit der Bevölkerung", führte Wolfgang Rauh (Foto), der wissenschaftliche Leiter des VCÖ-Forschungsinstituts, aus. Der Experte kritisierte, dass die österreichische Politik in die entgegen gesetzte Richtung arbeiten würde. Seiner Ansicht nach hat es die Politik bislang verabsäumt, den Öffentlichen Verkehr insbesondere in den ländlichen Regionen durch eine klarere Regelung von Zuständigkeiten und Finanzierung zu verbessern, strengere Schadstoffgrenzwerte für PKW und LKW zu implementieren und strikte Grenzwerte für Reifen einzuführen. Weiters fordert der VCÖ Imagekampagnen für Fußgänger und Radfahrer, die Angleichung der Mineralölsteuer von Diesel und Benzin sowie die Einführung eines Punkteführerscheins mit umfassendem Deliktkatalog nach dem Vorbild von Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
 


 

Luftverschmutzung erhöht Herzinfarkt-Risiko
Partikel werden über die Atemwege aufgenommen

Ein Forscherteam von der Universität von Südkalifornien http://www.usc.edu/ kommt zu dem Schluss, dass Luftverschmutzung durch Verkehr und Fabriken zu Herzinfarkt führt. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Verschmutzung eine Verengung der Arterien verursacht, ein Vorstadium zum Herzinfarkt. Das Team von der Universität von Südkalifornien untersuchte 800 Menschen über 40, die im Gebiet von Los Angeles leben. Das berichtet die BBC http://news.bbc.co.uk .

Studienautor Nino Kuenzli sagte, die Folgerungen aus diesen Erkenntnissen für die öffentliche Gesundheit "könnten immens sein". Mittels Ultraschall maßen die Forscher die Dicke der inneren Auskleidung der Halsschlagader. Arteriosklerose, der Aufbau fetthältiger Materialien in den Arterien, die den Blutkreislauf blockieren, steht schon seit längerem mit Rauchen, Diabetes und Übergewicht in Zusammenhang.

Die Forscher untersuchten die Niveaus der Verschmutzung in den Gebieten, wo die Studienteilnehmer lebten. Sie maßen PM2,5 Partikel, die gewöhnlich produziert werden, wenn fossile Kraftstoffe verbrannt werden, wie von Autos oder bei der Verarbeitung von Metallen. Die Partikel sind so winzig, dass sie über die kleinsten Atemwege eingeatmet werden. Die Verschmutzung bewirkt, dass der Körper Oxidationsmittel produziert, die wiederum Entzündungsreaktionen im Atemtrakt und den Blutgefäßen auslösen, was dann zu Schäden der Arterien führt. Die PM2,5 Niveaus werden in Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) gemessen. In der aktuellen Studie rangierten die angaben zwischen 5,2 und 26,9 µg/m3. Die Forscher fanden heraus, dass jeder Anstieg um 10 µg/m3 die Dicke der Auskleidung der Halsschlagader um 5,9 Prozent erhöhte.

Nachdem das Team andere Faktoren wie Alter und Lebenswandel einbezog, erhöhte sich die Arteriendicke zwischen 3,9 und 4,3 Prozent um jeden Anstieg des PM2,5 Niveaus um 10 µg/m3. Der stärkste Zusammenhang wurde bei Frauen über 60 nachgewiesen, mit einem Anstieg der Arteriendicke um 15,7 Prozent für jeden Anstieg der Verschmutzung um 10 µg/m3. Kuenzli sagte: "Wir wissen, dass Menschen in stärker verschmutzten Gebieten früher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben." Die aktuelle Studie habe herausgefunden, dass Luftverschmutzung ebenso wie Rauchen in einem sehr frühen Stadium zu diesen Krankheiten beitrage, und Arteriosklerose verstärkt, die Herz-Kreislauferkrankungen vorausgeht. Alison Shaw, eine Krankenschwester der Britischen Herz Foundation (BHF) http://www.bhf.org.uk/ , sagte, bestimmte Schadstoffe hätten einen entzündungsauslösenden Effekt auf die Auskleidung der Arterien, was Arteriosklerose und eine Entzündung der Lungen verursachen könne. Das wiederum verschlimmere existierende Lungenprobleme. Sie fügte hinzu, die BHF erwarte die Ergebnisse einer Studie zu Luftverschmutzung und Herzinfarkt in drei Jahren.

 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:40
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