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Ukraine statt Türkei!

Mölzer fordert grünes Licht für EU-Beitritt der Ukraine 

Wiktor Juschtschenko, neu gewählter Präsident der Ukraine, besucht heute Brüssel. Unmittelbar nach seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Putin gilt seine zweite politische Reise dem Europäischen Parlament. Für 15. Februar ist eine Zusammenkunft mit dem Kommissionspräsidenten Barroso geplant.

   Mit diesen politischen Kontaktaufnahmen unterstreicht Juschtschenko das große Interesse seines Landes an einem Beitritt zur europäischen Staatengemeinschaft.

   Österreichs EU-Parlamentarier Andreas Mölzer begrüßt diese Bemühungen: "Die Ukraine muss vor allem uns Österreichern um ein Vielfaches willkommener sein als die Türkei, mit der dieses Jahr Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden".

   Er erklärt seine Präferenz auch mit der historischen Verbundenheit: "Galizien, die Karpato-Ukraine und die Bukowina waren bis 1918 Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie".

   Die Ukraine sei somit nicht nur europäischer als die zum größten Teil asiatische Türkei, sondern hätte auch ihre historische Entwicklung weitgehend in einem zentraleuropäischen Staatenverbund mit gemeinsamer kultureller Tradition gemacht, meint Mölzer und fordert von der Kommission ein Umdenken ihrer Erweiterungspolitik.
 


 

Stenzel: Ukraine braucht jetzt Unterstützung der EU

"EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner blieb heute in einer intensiven Aussprache mit dem außenpolitischen Ausschuss des Europaparlaments bei der Linie des Rates und der Kommission zur EU-Nachbarschaftspolitik und zum Verhältnis zur Ukraine. Ich glaube dennoch, dass es im Bereich des Möglichen sein sollte, über das ausschließliche Angebot des Aktionsplans hinaus noch einige Schritte weiterzugehen und der Ukraine eine Freihandelszone anzubieten", sagte heute, Dienstag, ÖVP-Delegationsleiterin Ursula Stenzel in Brüssel. Ferrero-Waldner stellte sich erstmals in ihrer Funktion als EU-Außenkommissarin einem Feuerwerk an Fragen der Mitglieder des außenpolitischen Ausschusses. Der Themenbogen spannte sich dabei von den transatlantischen Beziehungen über die Rolle der EU im Nahen Osten bis hin zur EU-Nachbarschaftspolitik und dem Verhältnis zu Russland.

    Ferrero-Waldner wich dabei keiner Frage aus, blieb jedoch bei der Linie der Kommission, vor allem in Bezug auf die künftige Ukraine-Politik der Union. "Das Parlament hat in seiner Entschließung schon durchaus Verständnis für die ukrainischen EU- Ambitionen gezeigt. Wir haben dafür plädiert, sich nicht nur mit dem bisherigen Aktionsplan für die Ukraine zufrieden zu geben, sondern diesen zu erweitern", so Stenzel. Dennoch gebe es auch im Parlament durchaus unterschiedliche Meinungen in dieser Frage. Polen und Balten möchten die orange Revolution unter Präsident Juschtschenko mit der reellen Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft belohnen, vor allem deutsche CDU-Abgeordnete sowie der Ausschussvorsitzende Elmar Brok forcieren eine Alternative in Form eines europäischen Wirtschaftsraumes.

    "Die Ukraine und die EU müssen von einer nüchternen Bestandsaufnahme ihrer Interessen ausgehen. Es ist im Interesse der EU, die Ukraine demokratisch und wirtschaftlich zu konsolidieren. Ob dazu das ausschließliche Angebot des Aktionsplans ausreicht, sei dahingestellt", betonte Stenzel. Die ÖVP-Europapolitikerin wies auch darauf hin, dass sich die Europäische Union in Sachen Nachbarschaftspolitik in einem Argumentationsnotstand befinde, seit man mit der Türkei einen Beitrittsprozess beschlossen hat. "Auch darauf muss Rücksicht genommen werden, wenn wir unsere Politik gegenüber anderen Ländern formulieren", so Stenzel weiter.

    Stenzel unterstrich, dass das Europäische Parlament in der Weiterentwicklung des Verhältnisses zwischen der EU und der Ukraine eine wichtige politische Triebkraft sein könne. "Wir werden diese Aufgabe auch wahrnehmen. Dazu wird gleich Gelegenheit sein, wenn Präsident Juschtschenko am kommenden Donnerstag vor dem Plenum des Europaparlaments spricht. Uns muss klar sein, dass mit den Wahlen alleine in der Ukraine noch nichts gewonnen ist. Juschtschenko braucht jetzt jede Unterstützung der EU, um die demokratischen Kräfte für die Parlamentswahl im März 2006 zu stärken", sagte Stenzel abschließend.
 


 

Karas: Nachbarschaftspolitik allein könnte für Ukraine nicht ausreichen

"Die bisherigen Instrumente der EU-Nachbarschaftspolitik könnten nicht ausreichen. Das zeigt die veränderte Situation im Verhältnis zwischen der Europäischen Union und der Ukraine nach der Wahl des neuen ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko deutlich. Im Gegensatz zur Auffassung der EU-Staats- und Regierungschefs glaube ich nicht, dass wir mit Worten allein das Auslangen finden können", sagte heute, Dienstag, der Vizepräsident der EVP-ED-Fraktion im Europäischen Parlament, Mag. Othmar Karas, bei einer Podiumsdiskussion an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Im Vorfeld des Besuches Juschtschenkos im Europaparlament am Donnerstag dieser Woche forderte Karas eine Konkretisierung der EU- Nachbarschaftspolitik: "EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner kann hier jetzt Nägel mit Köpfen machen", so Karas.

    Der österreichische Europaparlamentarier forderte die Europäische Kommission auf, rasch  Modelle für eine institutionelle und institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen der EU und der Ukraine auszuarbeiten und vorzulegen. "Es geht nicht darum, jetzt den EU-Beitritt zu versprechen. Es geht aber um eine funktionierende und beiden Seiten genügende Zusammenarbeit", betonte Karas. Nach dem Motto eines EWR-Plus könnte eine solche institutionelle Zusammenarbeit im Rahmen einer konkreten EU- Nachbarschaftspolitik gestaltet werden, in die auch sinnvoller Weise die parlamentarische Versammlung des Europarates eingebunden werden müsste.

    "Ein EWR-Plus oder ähnlich gelagerte Modelle könnten einem Beitrittskandidatenstatus und Beitrittsverhandlungen vorgelagert sein oder sogar eine Alternative dazu sein. In jedem Fall trägt die Europäische Union Mitverantwortung für die Zukunft der Ukraine. Man muss daher auch einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Partnern verlangen, mit konkreten, realistischen und realisierbaren Vereinbarungen statt euphorischer Versprechungen", sagte Karas abschließend.
 


 

Außenministerin Plassnik: Wahlen in der Ukraine Erfolg für die Demokratie

Als einen "Erfolg für die Demokratie" bezeichnete Außenministerin Ursula Plassnik den - nach Berichten der OSZE-Wahlbeobachtermission freien und fairen - Verlauf der Stichwahl um das Amt des ukrainischen Staatspräsidenten. "Die Beharrlichkeit der ukrainischen Bevölkerung und die internationalen Vermittlungsbemühungen haben sich gelohnt: Die Menschen in der Ukraine haben eine neue Chance erhalten, ihren demokratischen Willen uneingeschränkt und unverfälscht zum Ausdruck zu bringen - und sie haben diese Chance auch genützt", meinte Plassnik.

   Dem Wahlsieger Viktor Juschtschenko sei zu seinem Erfolg zu gratulieren, sagte Plassnik, Juschtschenko stehe nun vor einer "Herausforderung, die vielleicht noch größer ist, als jene der vergangenen Wochen": Der neue ukrainische Präsident werde den Weg entschlossener politischer und wirtschaftlicher Reformen fortsetzen müssen. "Er muss jetzt aber auch das Vertrauen jener gewinnen, die ihn nicht gewählt haben, und daran arbeiten, dass die ukrainische Gesellschaft im Interesse der Zukunft zu stärkerer Gemeinschaft findet."

   Plassnik betonte, dass im Lichte dieses Wahlergebnisses nun auch die Europäische Union gefordert sei: "Das war auch ein klares Ja zu unseren gemeinsamen europäischen Werten und zur europäischen Zusammenarbeit", unterstrich die Ministerin. Die Union und die Ukraine sollten den - im Grundsatz bereits beschlossenen - "Aktionsplan" für ihre weitere Kooperation jetzt "so schnell wie möglich in Kraft setzen". Zu dessen Zielen gehört unter anderen die Verwirklichung einer Freihandelszone zwischen der EU und der Ukraine.

 


 

Juschtschenko in NEWS: "2005 wird Ukraine neuen Präsidenten haben."

Vor zwei Monaten lag Viktor Juschtschenko noch lebensbedrohlich krank im Wiener Rudolfinerhaus, heute sagt er im NEWS-Exklusiv-Interview: "Ich war schwer krank, das ist richtig, aber die Ärzte haben mich perfekt behandelt, es geht mir wieder gut. Zum Glück habe ich mich rasch von meiner Krankheit erholt und konnte den gesamten Wahlkampf aktiv gestalten. Ich habe genug Kraft für zwei Präsidentschaftsperioden."

   Viktor Juschtschenko spricht erstmals auch über seine Familie (er ist verheiratet und hat fünf Kinder aus zwei Ehen): "Es gab während des Wahlkampfes mehrere Anrufe mit konkreten Drohungen. Meine drei kleinen Kinder können seither nicht mehr in den Kindergarten. Meine Frau und die Kinder haben Kiew verlassen, wir haben sie an einen sicheren Ort gebracht, ins Haus eines guten Freundes. "

   Über die Neuwahlen meint er: "Die Wahl wird wiederholt und wird demokratischer ablaufen, das ist der Schlüssel für den Weg aus der Krise. Die Neuwahlen stellen in keinster Weise ein Problem dar für das Land. Die Ukraine wird bereits zu Beginn des neuen Jahres einen neuen Präsidenten haben. "

   Eine Gefahr für einen Bürgerkrieg in der Ukraine sieht der Oppositionskandidat nicht: " Millionen demonstrieren friedlich auf der Straße. Sie wenden keine Gewalt an, beschädigen keine Autos, zerschlagen keine Fenster, setzen nichts in Brand. Sie wollen nur, dass die Machthaber die richtigen Entscheidungen treffen."

   Für die vermittelnde Rolle Europa zeigt sich Juschtschenko dankbar: "Ohne Vertreter dritter Länder wäre ein Dialog wohl nicht zustande gekommen. Die dritte Seite führte dazu, dass eine gewisse Disziplin und Prozedur in die Kontakte gekommen sind. " Und: "Ich bitte darum, dass Europa verstärkt und öffentlich die Demokratie-Bestrebungen  in der Ukraine unterstützt und uns die nötige Hilfe zur Ausführung einer ordentlichen Wahl leistet."
 


 

Ärztekammer mahnt ärztliche Schweigepflicht ein

Der Präsident der Österreichischen Ärztgekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, wies Mittwoch in einer Aussendung im Zusammenhang mit den laufenden Diskussionen über die Erkrankung   des
ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Juschtschenko darauf hin, dass die ärztliche Schweigepflicht eine der Grundpfeiler des Verhältnisses zwischen Ärzten und Patienten ist.

   Diese ärztliche Schweigepflicht sei unteilbar und betreffe - unabhängig von ihrer Stellung in der Öffentlichkeit - alle Patienten und Ärzte und könne nur von einem Patienten selbst aufgehoben werden. Selbst in diesem Fall sei aber äusserste Zurückhaltung geboten, so der Ärztepräsident.

   Brettenthaler: "Mit Sorge und ausdrücklicher Missbilligung verfolge ich nunmehr die öffentliche Diskussion über die Erkrankung des ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Juschtschenko und fordere alle Beteiligten unmissverständlich auf, sich an die Regelungen betreffend die ärztliche Schweigepflicht zu halten. Ich mache ausdrücklich auf disziplinarrechtliche Folgen aufmerksam, die eine Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht nach sich ziehen."
 


 

30 verletzte Austria-Wien-Fans in Ukraine - "Am Schauplatz" war dabei

Während sich in der Ukraine die politische Lage zuspitzt - die Opposition will, dass der ukrainische Präsident Regierungschef Janukowitsch entlässt - und sogar die Gefahr einer Spaltung des Landes droht, ist die Ostukraine Schauplatz einer ganz anderen Konfrontation: 30 ukrainische Hooligans haben Fans des Fußballklubs Austria Wien krankenhausreif geschlagen. Christian Schüller und Ed Moschitz waren für "Am Schauplatz" aktuell dabei. Auch die Dreharbeiten für den ORF verliefen nicht ganz glimpflich:
Ukrainische Fans griffen den Kameramann an, um ihn am Filmen zu hindern. Fazit: Der Kameramann bekam Schläge auf den Kopf und ins Gesicht. ORF 2 zeigt die "Am Schauplatz"-Reportage am Dienstag, dem 30. November 2004, um 22.30 Uhr.

Echte Fans: Wintereinbruch, Autopanne, 30 Verletzte und minus 13 Grad

Ein alter VW-Bus voll mit Österreichern - unterwegs auf abenteuerlicher Reise in den Osten: Als eingefleischte Anhänger des Fußballklubs Austria Wien haben die "Bulldogs" seit zwölf Jahren kein Spiel ihrer Mannschaft versäumt. Um der Austria auch in schwierigen Zeiten die Treue zu halten, musste man diesmal trotz Wintereinbruchs bis in die Ostukraine, nach Dnjepropetrowsk kommen. Als der 17 Jahre alte Wagen des Weinbauern Krumbeck aber überraschend den Geist aufgibt, sind die "Bulldogs" plötzlich mit einer politischen Revolution konfrontiert. Trotz aller Verständnisschwierigkeiten kriegen die Österreicher eines mit: Die Ukrainer haben zurzeit weniger Fußball im Kopf als die Zukunft ihres Landes. Doch kaum haben sich die Austria-Fans an diese Umstände gewöhnt, passiert etwas, womit sie auf gar keinen Fall gerechnet haben: 30 ukrainische Hooligans schlagen die Gäste krankenhausreif - u. a. auch den 71-jährigen Pensionisten Karl Bartl. Weil aber weder ein gebrochener Finger noch ein verbundener Kopf ein ausreichender Entschuldigungsgrund wären, stehen die "Bulldogs" auch diesmal bei minus 13 Grad treu im Stadion.

Weitere ORF-Berichterstattung zur politischen Lage in der Ukraine:

Der ORF berichtet weiterhin in allen seinen Medien - Fernsehen, Radio, ORF.at und ORF TELETEXT - über die Lage in der Ukraine. Das "Weltjournal" am Mittwoch, dem 1. Dezember, um 22.35 Uhr in ORF 2 meldet sich aus einem anderen Landesteil, nämlich aus ehemaligen k. u. k. Stadt Lemberg, der Hauptstadt der Westukraine. Hier ist alles ganz anders als im Osten: Der Richtung Westeuropa orientierte Teil der Ukraine sympathisiert mit dem Präsidentschaftskandidaten der Opposition, Juschtschenko.
 


 

Erklärung der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft zu den Präsidentenwahlen in der Ukraine

Angesichts der gespannten Lage in der Ukraine nach der Präsidentenwahl gibt die Österreichisch-Ukrainische Gesellschaft (Präsident BM a.D. Rudolf Edlinger) folgende Erklärung dazu ab:

   "Die Österreichisch-Ukrainische Gesellschaft hat die Gründung der Ukraine als unabhängigem Staat 1991 sehr begrüßt und auch die wirtschaftliche und politische Entwicklung seither für positiv für die Menschen des Landes und die Entwicklung Europas gehalten. Denn die Ukraine war seit jeher mit der Geschichte und Kultur des Kontinents aufs engste verbunden. Sie ist auch Mitglied des Europarates, der sich mehrfach mit der Ukraine und seiner politischen Entwicklung befasst hat.

   Mit den Fortschritten in der Ukraine wuchs daher auch folgerichtig die Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und der Ukraine. Es kamen zahlreiche Abkommen zustande, die beiden Seiten Nutzen brachten und die Perspektive einer weiteren Annäherung und Verbesserung des Lebens eröffneten, zumal die Ukraine seit der Erweiterung im Mai 2004 zu einem direkten Nachbarn der EU geworden ist.

   Die Perspektive, dass die Ukraine Mitglied der Europäischen Union werden könnte, hat durch die Ereignisse rund um die Präsidentenwahlen allerdings einen schweren Rückschlag erlitten.

   Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine als "nicht demokratischen Normen entsprechend" kritisiert sowie dass sie zu einem guten Teil auch nicht den Standards des Europarats und zahlreicher anderer europäischer Normen für demokratische Wahlen entsprochen haben. Es wurde von zahlreichen Unzulänglichkeiten und unkorrekten Vorgangsweisen vor, bei und nach den Wahlen berichtet.

   Die europäische öffentliche Meinung und Öffentlichkeit ist darüber betroffen, besorgt und auch enttäuscht, dass der Prozess der Demokratisierung und Annäherung zwischen der EU und der Ukraine zum Stillstand gekommen ist. Auch die Österreichisch-Ukrainische Gesellschaft ist tief betroffen, dass ihre zunehmend erfolgreichen Bemühungen um Verständigung und Annäherung zwischen der EU und der Ukraine dadurch einen schweren Rückschlag erlitten haben.

   Die EU fordert eine Überprüfung des umstrittenen Wahlergebnisses und droht der Ukraine mit Konsequenzen, was sicher nicht im Interesse der Ukraine oder der Menschen des Landes und seitens der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft auch nicht gewünscht wäre.

   Die Österreich-Ukrainische Gesellschaft appelliert daher an die ukrainische Regierung, eine Überprüfung der Wahlergebnisse durch internationale Organisationen wie die OSZE zuzulassen und die Schlussfolgerungen daraus auch zu akzeptieren. Sie appelliert an die ukrainische Regierung auch, den Dialog mit Viktor Juschtschenko und den anderen Vertretern der demokratischen Opposition zu suchen und mit friedlichen Mitteln aufrecht zu erhalten.

   Die Ukraine steht an einer wichtigen Weggabelung ihrer Geschichte. Die nächste Zeit wird darüber entscheiden, ob die Ukraine den bisherigen erfolgreichen und für die Menschen nutzvollen Weg Richtung EU weitergeht. Ein Weg, der zu weiter wachsendem Wohlstand, zunehmenden Zukunftschancen des Landes, zu weiterer Demokratisierung und letztlich zu einer Integration der Ukraine in der EU führen würde. Oder ob die Ukraine einen anderen Weg einschlägt."
 


 

Ukrainischer Geschäftsträger ins österreichische Außenministerium zitiert

Im Auftrag von Außenministerin Ursula Plassnik und im Einklang mit den Beschlüssen der EU hat der Generalsekretär des Außenministeriums, Botschafter Johannes Kyrle, den ukrainischen Geschäftsträger in Österreich, Yuriy Polurez, am 24. November ins Außenamt zitiert.

   Kyrle brachte gegenüber Polurez die große Besorgnis Österreichs über den Verlauf der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine aus. Die OSZE sowie die internationale Wahlbeobachtungsmission hätten festgestellt, dass zahlreiche internationale Normen verletzt worden seien. Besonders fragwürdig seien die atypisch hohe Zahl von Wahlkartenwählern in manchen Wahlbezirken und der Umstand, dass noch am Wahltag 5% der Wähler neu registriert worden seien.

   Ebenso wie der EU-Vorsitz habe Österreich unter diesen Umständen berechtigte Zweifel, dass die vorläufigen Ergebnisse, welche die Zentrale Wahlkommission der Ukraine bekannt gegeben habe, den Willen der ukrainischen Wähler richtig widerspiegeln.

   Ebenso wie alle anderen EU-Staaten fordere Österreich, wie Kyrle betonte, die ukrainischen Behörden nachdrücklich auf, den gesamten Wahlprozess und die Wahlergebnisse gemeinsam mit der OSZE und dem OSZE-Büro für Demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) zu überprüfen.

   Außenministerin Ursula Plassnik steht ihrerseits mit dem Direktor von ODIHR, dem Österreichen Botschafter Christian Strohal, der sich während der gesamten Wahl in Kiew aufgehalten hat, in ständigem Kontakt. Die Außenministerin erinnerte die ukrainische Regierung daran, dass es in diesen Tagen gerade auch von ihrem Verhalten abhängen werde, dass es zu keinem dauerhaften, tiefen Bruch in der ukrainischen Gesellschaft komme. "Es liegt im Interesse der Regierung, den Dialog mit Viktor Juschtschenko und den anderen Vertretern der demokratischen Opposition zu suchen und mit friedlichen Mitteln aufrecht zu erhalten", betonte Plassnik.

   Plassnik betonte, dass die Ukraine grundsätzlich das Potential habe, zum strategischen Partner der Europäischen Union zu werden. "Es ist aber klar, dass die Qualität unserer weiteren Zusammenarbeit sehr entscheidend davon abhängen wird, wie die kommenden Tage in der Ukraine verlaufen", schloss die Außenministerin.
 


 

Laut CVU 2,8 Millionen manipulierte Stimmzettel bei ukrainischer Wahl

   Kiew, Ukraine, November 24 (ots/PRNewswire) - Wie das unabhängige
Ukrainische Wählerkomitee (CVU) heute dem täglich  erscheinenden
Geschäfts-Mitteilungsblatt Ukrainian Journal berichtete, wurden
mindestens 2,8 Millionen Stimmzettel zu Gunsten des Prämierministers
Viktor  Janukowitsch manipuliert.

   "Die Fälschung erfolgte systematisch, an der mindestens 85.000
örtliche  Beamte der ganzen Ukraine beteiligt waren", erklärten der
stellvertretende  Vorsitzende der CVU Oleksij Koschel und der
Rechtsexperte Andrej Duda dem  Blatt. Sie sagten: "Das ist der
grösste Wahlbetrug in der Geschichte der  Ukraine".

   Die Beobachter berichten, dass die Regionen Donezk, Luhansk,
Saporischja  und Mykolajiw am stärksten vom Betrug betroffen waren.
In einer Pressemeldung  vom 22. November nannte die CVU als schwerste
Verstösse mit Beeinflussung der  Wahlergebnisse: Massenstimmabgabe
organisierter Briefwahl; ungewöhnlich hoher  Anteil an Wählern, die
zuhause ihre Stimmzettel abgaben; ungewöhnlich hohe  Wahlbeteiligung
in den östlichen Gebieten der Ukraine; kriminelle Einmischung  in den
Wahlvorgang einhergehend mit Gewalt gegen Beobachter, Journalisten
und  Angriffe auf einzelne Wahllokale.

   Ukraine, ein Land mit einer Bevölkerungszahl von 48 Millionen,
hielt am  Sonntag, den 21. November eine Präsidentenstichwahl ab. Die
Mehrheit der  ukrainischen Wähler stimmte für den demokratischen
Oppositionsführer Viktor  Juschtschenko. Er war Herausforderer des
amtierenden Prämierministers Viktor  Janukowitsch.

   Die zentrale Wahlkommission des Landes hatte bei erfolgter
Auszählung von  99 % der Wahlbezirke bekannt gegeben, dass Viktor
Juschtschenko 14.154.153  Stimmen (46,71 %) und Prämierminister
Janukowitsch 14.966.336 der Stimmen  (49,39 %) erhalten habe.

   Die ukrainischen Wähler glauben nicht, dass eine freie und faire
Wahl in  der Ukraine stattgefunden hat und halten die Ergebnisse der
zentralen  Wahlkommission für realitätsfremd. Internationale
Wahlbeobachter bestätigten  die Befürchtungen der Wähler, als sie
eine Manipulation des Wahlvorgangs  durch die Regierung bezeugten.

   Weitere Informationen über das Ukrainische Wählerkomitee finden
Sie im  Internet unter der Adresse http://www.cvu.org.ua. Nähere
Informationen über  die Präsidentenwahl in der Ukraine finden Sie
unter folgenden Websites:  http://www.pravda.com.ua und
http://www.razom.org.ua.

    Website: http://www.cvu.org.ua
             http://www.pravda.com.ua
             http://www.razom.org.ua
 


Ukraine: Unentdeckter Markt mit viel Zukunftspotential - Österreichs Exporte verzeichnen ein Plus von 30 %

"In der derzeitigen Situation scheint die relative Abgeschottetheit vom Weltmarkt ein Plus zu sein. Die ukrainische Wirtschaft wächst bereits das zweite Jahr mit fast 10 %", stellt Christian Gessl, Handelsdelegierter in Kiew fest.: "Das Wachstum wird trotz Konjunktureinbruch in der Weltwirtschaft weitergehen, sind sich alle Analysten einig. Und mit der Wirtschaft wächst auch der Außenhandel, abnehmend mit dem nach wie vor größten Handelspartner der Russischen Föderation, stark steigend mit Österreich und den anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union", so der Handelsdelegierte.

Seit dem Jahr 1999 wächst die Industrieproduktion wieder zweistellig und seit dem Jahr 2000 die gesamte Wirtschaft. Über zwei Jahre ist der Wechselkurs der ukrainischen Grivna zum US$ stabil. Die Inflation soll heuer rund 6 % betragen. In Anerkennung der positiven Entwicklung haben der Währungsfonds und Weltbank Ihre Zahlungen an die Ukraine wieder aufgenommen.

"Nach dem Plus von 64 % im Jahr 2000 gegenüber 1999 ist mit der Steigerung von 30 % von Jänner bis August 2001 wieder ein ausgezeichnetes Ergebnis für das Gesamtjahr zu erwarten", schildert Gessl die positive Exportentwicklung. "Bei einem stärkerem Engagement österreichischer Firmen wäre aber noch viel mehr möglich, so der Handelsdelegierte. Bei einer fast ausgeglichenen Handelsbilanz importiert Österreich aus der Ukraine insbesondere Rohstoffe und Eisen- und Stahlerzeugnisse. Wichtigster Importeur ist die Firma Decometall, die mehr als die Hälfte der Importe abwickelt und in der Ukraine mit einer Vertretung und Joint Ventures vertreten ist.

An erster Stelle der österreichischen Exporte in die Ukraine liegen Maschinen und Fahrzeuge, die rund die Hälfte der Lieferungen ausmachen. Zuletzt besonders erfolgreich waren Nachrichtengeräte sowie Papier und Pappe. Zu den erfolgreichsten Exportfirmen gehört die Firma Plasser & Theurer. Das ukrainische Schienennetz bedarf dringender Reparaturen und auch neue Strecken werden gebaut. Auch der Boom in der Lebensmittelindustrie geht an den österreichischen Exporteuren nicht vorbei. Das bedeutet Aufträge für die Firmen Schaller Lebensmitteltechnik, Bertsch-Laska und Kosme. Die Modernisierung von Kraftwerken brachte zuletzt einen Auftrag für die Fa. VA Tech.

Den ukrainischen Lebensmitteleinzelhandel hat der Markteintritt von Billa völlig verändert. Billa bietet in seinen inzwischen sieben Supermärkten zu rund 80 Prozent hochqualitative ukrainische Produkte in moderner Weise an. Das ist in diesem Land eine logistische Glanzleistung. Die rasche Expansion in der Ukraine zeigt den enormen Bedarf an modernen Einkaufsmöglichkeiten. Zu den 15 größten Banken in der Ukraine zählt die Raiffeisenbank Ukraina. Als größte und erfolgreichste ausländische Bank in der Ukraine wird in Kürze mit dem Aufbau eines Filialnetzes gerechnet. Für österreichische Exporteure und Investoren ein zusätzliches Stück Sicherheit bei der Bearbeitung des ukrainischen Marktes.

Dass man als österreichischer Investor in der Ukraine auch Gewinne machen kann, zeigt das österreichisch-ukrainische Joint Venture Novolog, das im Hafen von Odessa einen Verladeterminal betreibt. Seit vielen Jahren erfolgreich tätig ist auch die Skifabrik Fischer-Mukatschewo, eine 100%ige Tochter der österreichischen Fa. Fischer International. In einem großen Fabriksgelände an der ukrainisch-ungarischen Grenze werden Alpinski, Langlaufski und Eishockeyschläger zu nahezu 100 % für den Export produziert. Einer der Marktleader bei der Produktion von Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtzubereitungen für Joghurt ist die Firma Podilja Obst, eine 100%-Tochterfirma der Steirerobst. Ein guter Teil der Produktion geht in den Export. Um die Rohstoffbasis zu sichern, werden inzwischen auf einigen Hundert Hektar Erdbeeren, andere Beeren und Obst mit ausgezeichnetem Erfolg angebaut.

Trotz dieser Beispiele ist das Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Die Ukraine verfügt mit ihren rund 50 Millionen Einwohnern über ein riesiges Heer an gut ausgebildeten und noch relativ günstigen Arbeitskräften und ist der ideale Standort für eine Produktion mit Zielmärkten in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Neben der individuellen Betreuung der österreichischen Firmen setzt die Außenhandelsstelle Kiew laufend Schwerpunktaktionen um neue Märkte für österreichische Produkte zu erschließen.

Im Jahr 2002 wird es zwei Wirtschaftsmissionen geben. Geplant ist Lemberg - Winniza - Lugansk (ein Querschnitt durch die Ukraine) und Odessa - Saporozija und die Krim, der touristische aber auch industrielle Süden der Ukraine mit seinen großen Häfen.


 

UN-Menschenrechtskomitee / amnesty international fordert mehr Druck auf die Ukraine / Menschenrechtslage in der Ukraine ist unbefriedigend / Folter und Misshandlung an der Tagesordnung

  
   Meinungsfreiheit gerät immer stärker unter Druck / ai appelliert
an das UN-Menschenrechtskomitee, mehr Druck auf die Regierung in Kiew
auszuüben
  
   Zehn Jahre, nachdem die Ukraine als unabhängiger Staat aus dem
Zusammenbruch der Sowjetunion hervorgegangen ist, sind Folter,
Misshandlung und Einschränkungen der Meinungsfreiheit immer noch an
der Tagesordnung. Dies dokumentiert amnesty international in dem
heute veröffentlichten Bericht Ukraine before the United Nations
Human Rights Committee. Anlass für den Bericht ist die heute in Genf
beginnende Sitzung des UN-Menschenrechtskomitees, das die
Menschenrechtslage überprüft. Mitte November wird sich auch das
UN-Komitee gegen Folter mit der Ukraine beschäftigen.
  
   "Zwar hat das Land Fortschritte gemacht, etwa durch die
Abschaffung der Todesstrafe. Trotzdem müssen die ukrainischen
Behörden noch viel tun, um die Menschenrechtssituation zu
verbessern",  sagt Gerd Domer, Osteuropa-Experte von amnesty
international. "Die beiden UN-Komitees sollten auf die Ukraine
einwirken, um weitere Fortschritte zu erzielen", so Domer.
  
   Der Bericht von amnesty international belegt, dass Folter und
Misshandlung immer noch gängige Praxis in der Ukraine sind. Gefangene
werden geschlagen oder mit Gegenständen misshandelt. In einigen
Fällen haben die Misshandlungen zum Tod der Gefangenen geführt. In
vielen Fällen wird Häftlingen der Zugang zu rechtlichem Beistand
verwehrt, häufig können sie nicht einmal ihre Familien über ihre
Festnahme oder Verhaftung informieren. Offenbar werden Folter und
Misshandlung vor allem eingesetzt, um Geständnisse zu erpressen.
  
   In den ukrainischen Streitkräften ist Brutalität weit verbreitet.
Gewalt unter Soldaten wird von der militärischen Führung erlaubt oder
geduldet, in manchen Fällen beteiligen sich Offiziere sogar an der
Misshandlung von Rekruten. "Manche Rekruten sehen den Selbstmord als
einzigen Ausweg, um weiteren  Misshandlungen und Folterungen zu
entgehen", sagt Gerd Domer.
  
   Auch die Pressefreiheit ist in den vergangenen Jahren immer
stärker unter Druck geraten. Die Herausgeber unabhängiger Zeitungen
und Fernsehsender klagen über ständige Kontrollen durch die Behörden,
die darauf abzielen, die Arbeit zu behindern. Journalisten leiden
unter Belästigungen, Drohungen und körperlichen Angriffen, die in
manchen Fällen zum Tode führten. Die Übergriffe werden fast nie
aufgeklärt, und nur in selten Fällen werden die Verantwortlichen vor
Gericht zur Verantwortung gezogen.
  
   Der Fall des regierungskritischen Journalisten Georgij Gongadse,
der möglicherweise unter Mitwirkung staatlicher Stellen dem
"Verschwindenlassen" zum Opfer gefallen ist, hat im In- und Ausland
Aufmerksamkeit erregt und zu weltweiten Protesten geführt. Die
ukrainischen Behörden haben bislang jedoch keine unabhängige
Untersuchung diesbezüglich eingeleitet.
  
   Der Bericht von amnesty international enthält eine Reihe von
Empfehlungen: So werden die ukrainischen Behörden aufgefordert,
umgehend konkrete Schritte zu unternehmen, um die Grundrechte ihrer
Bürger zu schützen, sowie dafür Sorge zu tragen, dass Folter und
Misshandlungen nicht geduldet werden und Verantwortliche vor Gericht
zur Rechenschaft gezogen werden. amnesty international fordert die
ukrainische Regierung außerdem nachdrücklich auf, Medienvertreter
nicht in ihrer journalistischen Arbeit zu behindern. "Nur wenn die
Ukraine alle ihre internationalen Verpflichtungen einhält, wird sich
das Land von den dunklen Kapiteln der Vergangenheit lösen können", so
die Einschätzung amnesty internationals.
  
 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:40
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