Türkei: Papst-Attentäter wünscht Gute Besserung und verkündet Ende
der Welt
Mehmet Ali Agca, der Papst-Attentäter von 1981,
sitzt seitdem im Gefängnis und ließ nun über seinen Anwalt in einem
Brief seine Genesungswünsche an den Papst weiterleiten, der momentan
im Krankenhaus liegt.
Darin erwähnt Mehmet Ali Agca, dass er und der
Papst wegen der Erfüllung eines göttlichen Plans leiden müssen und
der Papst bestätigen soll, das Ende der Welt sei nahe und er betont:
'Dies ist die letzte Generation der Menschheit auf dem Planeten
Erde.'
Seit dem Attentat verbüßt Mehmet Ali Agca auch
wegen anderen Delikten eine mehrjährige Haftstrafe. Was es mit der
rätselhaften Botschaft auf sich hat, ist nicht ersichtlich. Die
Hintergründe des Attentats sind bis heute nie aufgeklärt worden.

Strache: Parteienpakt zur
Türkei-Volksabstimmung "Augenauswischerei" made by Schüssel!
Der sg. "Parteienpakt" zur Volksabstimmung über einen möglichen Beitritt der
Türkei zur EU sei eine "Augenauswischerei" und einzig und allein dafür
gedacht, den Österreicherinnen und Österreichern "Sand in die Augen" zu
streuen. Bundeskanzler Schüssel habe es beim EU-Gipfel im Dezember nicht
fertig gebracht über seinen eigenen Schatten zu springen und ein Veto gegen
Verhandlungen einzulegen - jetzt versuche er mit Taschenspielertricks von
seinem eigenen Versagen abzulenken. Diese Vorgehensweise sei reine
Augenauswischerei und höchst durchsichtig, so heute FP-Landesparteiobmann
Heinz-Christian Strache vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion zum
Parteienpakt.
Wen interessiere in 10 oder 15 Jahren ein Pakt der heute im Parlament
vertretenen Parteien und ihrer Repräsentanten, wenn nicht garantiert sein
könne, dass diese Parteien in weiterer Folge eine entsprechende Mehrheit im
Parlament hätten, stellt Strache die unbeantwortete Frage in den Raum.
Einzig eine jetzt festgemachte und beschlossene Volksabstimmung wäre ein
ehrlicher und nachvollziehbarer Weg gewesen. Alles andere wären
Beschwichtigungen und der Sache kaum dienlich, so Strache.
Es sei jetzt an der Zeit einen politischen "Elchtest" der staatstragenden
Parteien durchzuführen, um den Menschen zu zeigen, wer sich wirklich für
ihre Anliegen einsetzt. Wenn sich über 70% der österreichischen Bevölkerung
gegen den Türkeibeitritt aussprechen, so habe Schüssel mit seinem Ja zu
Verhandlungen einfach grob fahrlässige und entgegen dem Willen des Plebiszit
gehandelt. Jetzt könne er diese Scharte in seinem politischen Curriculum nur
wieder gutmachen, wenn er schleunigst Parteienverhandlungen mit der SPÖ
aufnimmt und ehebaldigst - zumindest aber noch bis zum Sommer - eine
Volksabstimmung beschließen lässt. Die FPÖ werde, so Strache abschließend,
mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln so ein Vorhaben unterstützen.

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Türkei:
Es geht nicht um Europa, sondern um Innenpolitik" (von Michael Jungwirth)
Der Countdown läuft: In genau einer Woche entscheiden die 25
EU-Staaten, darunter auch Österreich, über das Schicksal der Türkei. Es geht
um viel, und somit ist es nur zu verständlich, dass bei einigen bereits
heute die Nerven blank liegen, weil mit zum Teil hohen Einsätzen gepokert
wird. Vor allem Ankara versucht noch mit allerlei Drohgebärden der EU ein
Maximum an Zugeständnissen abzutrotzen.
In der Sache selbst sind die Weichen gestellt. Die Regierungschefs werden
grünes Licht für den Start von Beitrittsverhandlungen im Jahr 2005 geben.
Die EU ist den Türken seit Jahren im Wort, und für eine glaubhafte
Alternative ist der Zug bereits abgefahren. Worum es noch geht, sind die
Rahmenbedingungen. Bis zur letzten Minute werden die Premiers über die
genauen Formulierungen ringen, und es bedarf keiner hellseherischen
Qualitäten, um vorherzusehen, dass die Debatte noch an Schärfe zunehmen
wird.
Sieht man sich die Diskussionen quer durch die Länder an, verblüfft eines:
Es geht nicht um Europa, sondern um Innenpolitik. Die Debatten reflektieren
die nationale Gefühlslage und das innenpolitische Kräfteverhältnis. Die
Regierung in Berlin hat sich zum Türkeibefürworter aufgeschwungen, weil sie
auf die Stimmen der in Deutschland lebenden Türkei bei den Wahlen hofft. Die
Briten machen sich für die Türkei stark, weil sie die EU schwächen wollen.
In Frankreich steht Jacques Chirac unter massivem Druck seiner
Parteifreunde. Die Niederländer stellen nach dem Mord an einem Filmemacher
durch einen Islamisten das Konzept der Multikulti-Gesellschaft in Frage, und
in Österreich lehnt eine breite Mehrheit der Bevölkerung einen
Türkeibeitritt rundweg ab.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel kämpft in der Türkeifrage an zwei Fronten
(Brüssel und Österreich) und pokert dabei besonders hoch. Dass mit dem Start
der Verhandlungen keine Beitrittsgarantie verknüpft ist, ist nicht mehr
strittig. Unstrittig sind auch die zum Teil harten Auflagen, die die Türkei
zu erfüllen hat. Ankara wird auch einige permanente Ausnahmen schlucken
müssen, was auf eine Art "EU-Mitgliedschaft light" hinausläuft - und
gleichzeitig die Frage aufwirft, wie ernst es der EU wirklich mit der Türkei
ist.
Schüssel will im Text unbedingt mehrere Optionen verankert sehen - bis vor
kurzem ein aussichtsloses Unterfangen. In diesem Punkt hat er plötzlich in
Jacques Chirac einen Verbündeten gefunden. Chirac als Retter in der Not, das
ist doch was vier Jahre nach Ende der Sanktionen.

Stenzel: Und wohin geht die
Türkeireise der SPÖ?
"Während sich Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel engagiert für einen
ehrlich ergebnisoffenen Verhandlungsprozess mit Optionen mit der Türkei
einsetzt, spielt die SPÖ ihr gewohnt doppeltes Spiel zwischen Wien und
Brüssel: Hier Josef Cap, für den nur die privilegierte Partnerschaft infrage
kommt, dort Hannes Swoboda, der keinen Zweifel am Endziel eines
Vollbeitrittes der Türkei lässt", kommentierte die ÖVP- Delegationsleiterin
im Europäischen Parlament, Ursula Stenzel, heute Aussagen des
SPÖ-Klubobmanns Cap.
"Während Cap das Wort Beitritt gar nicht in den Mund nimmt und sich
ausschließlich für eine privilegierte Partnerschaft einsetzt, stimmt Swoboda
im Europaparlament für das Ziel eines Vollbeitrittes der Türkei. Wie gehen
Cap und die SPÖ mit diesem Stimmverhalten des eben erst mit 99,83 Prozent
gewählten SPÖ-Bundesvorstandsmitglieds Hannes Swoboda um", fragte Stenzel.
Erst am Dienstag habe Swoboda bei der Abstimmung im außenpolitischen
Ausschuss über den Türkei-Bericht des Europäischen Parlaments klar gegen die
Möglichkeit eines offenen Verhandlungsausgangs gestimmt. Swoboda habe auch
alle Anträge weggestimmt, die eine schärfere Beachtung der Umsetzung des
politischen Kriteriums forderten. "Swoboda hat für das Endziel eines
Vollbeitritts gestimmt und daran keinen Zweifel offen gelassen", betonte
Stenzel, die sich als Mitglied des außenpolitischen Ausschusses selbst für
die Aufnahme eines alternativen Verhandlungsergebnisses eingesetzt hatte und
gegen den Türkeibericht stimmte, weil er die Alternativmöglichkeiten nicht
klar genug formuliert hatte.
"Die Position der SPÖ in der Türkei-Frage ist tief gespalten. Es wird
sehr interessant sein zu beobachten, wie die SPÖ im Nationalrat am 15.
Dezember stimmt und welche Position zur gleichen Zeit im Europaparlament die
SPÖ-Delegation zum Türkei-Bericht einnehmen wird. Die Trickser sitzen an
beiden Orten - und gehören zur SPÖ", sagte Stenzel abschließend.

Strache: In Türkeifrage weiter auf
Schüssel und ÖVP einwirken
Der Landesparteiobmann der FPÖ Wien, Heinz-Christian Strache,
begrüßte heute ausdrücklich das Bekenntnis der Bundespartei für die
Fortsetzung des Freiheitlichen Widerstandskurses gegen einen EU-Beitritt der
Türkei und die damit im Zusammenhang stehenden vorbereitenden Handlungen
durch den Bundeskanzler.
Sowohl der Bundesparteivorstand der FPÖ als auch die Bundesparteileitung
hätten in ihren gestrigen Sitzungen auf seine Initiative hin einen
einstimmigen Beschluss dahingehend gefasst, alle parlamentarischen
Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen, um Einfluss auf die Entscheidung von
Bundeskanzler Schüssel im Hinblick auf die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu bewirken. Strache: "Das ist die
Bestätigung der Richtigkeit des konsequent-kritischen Türkei-Kurses der FPÖ
Wien, die einen Beitritt sowie Verhandlungen darüber ablehnt und statt
dessen ein Vorantreiben eines Modells zur privilegierten Partnerschaft von
Nutzen beider Seiten bevorzugt." FPÖ-Klubobmann Herbert Scheibner habe jetzt
ein Repertoire an Möglichkeiten an der Hand ,den FPÖ-Kurs im Interesse
Österreichs umzusetzen, meinte der Wiener FPÖ-Obmann. Er sei überzeugt
davon, dass das im Hauptausschuss des Nationalrates auch genutzt werde.

Stenzel lehnt Türkei-Bericht des
Europaparlaments ab
"Die trotz harter Verhandlungen mit Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen
erreichten Kompromisse zum Türkei-Bericht des Europäischen Parlaments sind
mir nicht weit genug gegangen. Vor allem die Alternative eines dritten Weges
für EU und Türkei zwischen Ablehnung und Vollbeitritt sind viel zu wenig
ausgeprägt formuliert. Aus diesem Grund habe ich im außenpolitischen
Ausschuss dem Bericht in seiner Gesamtheit nicht zustimmen können", sagte
heute ÖVP-Delegationsleiterin Ursula Stenzel in einer ersten Analyse im
Anschluss an die Sitzung des außenpolitischen Ausschusses in Brüssel. ****
Stenzel hatte sich ihre Entscheidung als Mitglied des Ausschusses nicht
leicht gemacht: "Ich habe letztendlich entsprechend meiner Überzeugung und
meines politischen Gewissens abgestimmt. Es ist zwar wichtig, die Türkei auf
ihrem Weg der Reformen und vor allem deren Umsetzung zu bestärken. Daher
habe ich auch den Kompromissanträgen des Berichterstatters weitestgehend
zugestimmt. Dies vor allem aus dem Grund, um nicht die unkritische Mehrheit
von Liberalen, Grünen und Sozialdemokraten für einen Vollbeitritt der Türkei
zu unterstützen", so Stenze weiter.
Aus Sicht der ÖVP-Delegationsleiterin sollte dieser Türkeibericht ein
wichtiges Signal an den Rat senden: "Wir wollen und können einer
Verhandlungsaufnahme mit der Türkei nicht ohne wenn und aber zustimmen. Vor
allem müssen wir im Interesse der EU aber auch der Türkei deutlich machen,
dass Verhandlungen nicht gleichbedeutend mit einem Beitritt sind", betonte
Stenzel. Der Verhandlungsprozess müsse daher klar als offener Prozess
definiert sein, dessen Ausgang sich zur Zeit nicht vorhersagen lasse. "Die
Integrationsfähigkeit der Europäischen Union muss ebenso berücksichtigt
werden wie die Möglichkeit die Verhandlungen zu unterbrechen", betonte die
ÖVP-Europaparlamentarierin.
Stenzel trat auch für die ernsthafte Überlegung von Dauerausnahmen ein.
Hier nannte sie beispielsweise die Arbeitnehmerfreizügigkeit oder Bereiche
der Kohäsions- und Agrarpolitik. "Wir dürfen auch nicht vergessen: Mit der
Türkei werden erstmals Beitrittsverhandlungen mit einem Land erwogen, das in
der Umsetzung von Menschenrechten, insbesondere den Rechten der Frau, der
Minderheiten und der Religionen, große Defizite aufweist. Der
Berichtsentwurf des Ausschusses weist hier mindestens ebenso große Defizite
auf. In dieser Form kann der Bericht meine Zustimmung daher nicht finden",
sagte Stenzel abschließend.

Bösch gegen EU-Vollbeitritt der
Türkei
In Bezug auf die jüngst vorgeschlagenen Kriterien der EU,
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei betreffend, sprach sich heute der
freiheitliche Europasprecher und stellvertretende Klubobmann Dr. Reinhard E.
Bösch erneut gegen einen Vollbeitritt der Türkei zur EU aus. Die neuen
Bedingungen (Anerkennung Zyperns, permanente Schutzklausel für den Zugang
türkischer Staatsbürger zum EU-Arbeitsmarkt, "spezielle Vereinbarungen" für
die EU-Regional- und Agrarförderungen, sowie die Möglichkeit, sich für ein
"offenes Ende" der Beitrittsverhandlungen auszusprechen) seien begrüßenswert
und müßten konsequent vertreten werden. ****
Eine weitere Vergrößerung der Union dürfe es nur auf europäischem Boden
geben und erst auf Grundlage einer soliden wirtschaftlichen Basis und nicht
eines politischen Kraftaktes erfolgen. In sensiblen Bereichen wie der
atomaren Sicherheit oder den Menschenrechten müsse sichergestellt sein, daß
künftige Beitrittskandidaten europäischen Standard einhielten. Hinsichtlich
der Ausweitung der Unionsgrenzen gelte es festzuhalten, daß eine echte,
tiefe Integration nur dann gelingen werde, wenn die Staaten und Völker einen
vergleichbaren politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Hintergrund
hätten - und wenn sie, geographisch betrachtet, auch auf europäischem Boden
beheimatet seien.
Bösch sieht die Türkei mehrheitlich weder auf europäischem Boden noch
kulturell und ideologisch auf gleichem Stand mit den derzeitigen
Mitgliedsländern. Bösch erinnert auch an die Schwierigkeiten der Türkei, die
Kopenhagen-Kriterien zu erfüllen. Diese schreiben eine stabile Demokratie,
eine funktionierende Marktwirtschaft und die Fähigkeit, EU-Recht umzusetzen,
vor.
Ein angemessenes Lohnniveau in den Beitrittskandidatenländern sei für die
volle Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt ein unabdingbares Muß für den
Beitritt zur EU. Eine wirtschaftlich und politisch starke Union könne nur
aus annähernd wirtschaftlich gleich potenten Partnern bestehen. "Laut einer
Studie der London School of Economics kostet der EU der Beitritt der Türkei
in den ersten drei Jahren 45 Milliarden Euro an Förderungsgeldern. Das sind
elf Prozent des gesamten europäischen Haushaltes, oder gleich viel Geld, wie
die Aufnahme der zu Jahresbeginn beigetretenen zehn neuen Mitgliedsländer
gekostet hat."
"Als vor 40 Jahren damit begonnen wurde", so Bösch weiter, "der Türkei
Avancen in Bezug auf einen Beitritt zu machen, war die Lage eine ganz
andere. Wir hatten es mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu tun,
die ausschließlich ökonomische Ziele verfolgt hat. Die lange Dauer von vier
Jahrzehnten ist ein deutlicher Beweis dafür, daß schon damals alle
Beteiligten wußten, daß dieses Angebot nie ernst gemeint war. Heute sind wir
nicht mehr nur eine Wirtschafts-, sondern eine politische Wertegemeinschaft
geworden, die eine ganz klare Zukunftsvorstellung hat."
Abschließend forderte Bösch Bundeskanzler Schüssel auf, im Sinne Österreichs
und der EU, die Verhandlungen mit der Türkei nicht in Richtung Beitritt,
sondern in Richtung der Gestaltung politischer und wirtschaftlicher
Beziehungen anzulegen. Dieser zukünftige Vertrag mit der Türkei sollte laut
Bösch Modellcharakter für die Verhältnisse mit anderen Ländern, wie zum
Beispiel der Ukraine und Weißrußland, haben. Länder, mit denen die EU gute
Beziehungen haben müsse, welche aber nie Mitglied werden könnten.

Türkei: Einreiseverbot für "Reporter ohne
Grenzen"-Generalseketär
Generalstabschef Kivirikoglu wurde als "Feind der
Pressefreiheit" kritisiert
Die Türkei hat dem Generalsekretär der Journalistenorganisation "Reporter
ohne Grenzen" (ROG)
http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ , Robert Ménard, die Einreise
verweigert. Anlass ist eine von ROG im Pariser Bahnhof Saint-Lazare auf dem
Boden ausgelegte Weltkarte, auf der neben Saddam Hussein oder Fidel Castro
auch der türkische Generalstabschef Hüseyin Kivirikoglu als "Feind der
Pressefreiheit" abgebildet ist. Die Türkei hatte Frankreich deswegen bereits
Donnerstag vergangener Woche mit dem Abbruch der militärischen Beziehungen
gedroht, ROG hatte ursprünglich für heute, Freitag, in Istanbul eine
Pressekonferenz geplant.
Die Journalistenorganisation zählt Kivirikoglu zu den 38 Personen und
bewaffneten Organisationen, "die für die weltweit gravierendsten
Einschränkungen der Pressefreiheit verantwortlich sind". Um diese Einschätzung
zu erläutern, hatte Ménard um ein Treffen mit Vertretern der türkischen
Regierung und des Militärs gebeten. Das nun verhängte Einreiseverbot zeigt
nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation erneut, "dass die Türkei nicht zu
den demokratischen Staaten gezählt werden kann".
Laut ROG-Angaben wurde in der Türkei im vergangenen Jahr gegen mehr als 50
Journalisten und Verleger wegen ihrer Veröffentlichungen Anklage erhoben.
Mindestens eine Journalistin sowie fünf Journalisten befänden sich derzeit auf
Grund ihrer Berichterstattung in Gefängnissen. Der Chefredakteur der
Zeitschrift "Idea Politika" steht wegen "Beleidigung der Armee" und
"Beleidigung der Republik" in drei verschiedenen Prozessen vor Gericht, weil
er in einer Artikelserie die Ansicht vertreten hatte, dass die Armee den
Beitritt zur EU verhindere. Nach Ansicht von ROG verfügen die türkischen
Behörden "über ein Arsenal an repressiven Mitteln, um Journalistinnen und
Journalisten zum Schweigen zu bringen, die über Minderheitenprobleme,
Menschenrechte oder die Rolle von Armee und Polizei in der Gesellschaft
berichten und damit ein von der Armee errichtetes Tabu brechen".
