Das Tanzquartier Wien startet als erstes Produktions- und
Veranstaltungshaus Österreichs, das ausschließlich dem Genre zeitgenössischen
Tanz und Performance gewidmet ist, am 3. Oktober seinen Spielbetrieb. Details
wurden am Donnerstag in einem Pressegespräch präsentiert, an dem
Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny, der Leiter des Kulturamtes Dr.
Bernhard Denscher, sowie das gesamte Team des Tanzquartiers Wien
teilnahmen.****
Es sei ein historischer Moment, dass Wien erstmalig ein Tanzquartier errichtet
habe und betreibe, betonte Stadtrat Mailath-Pokorny. Interessant sei in diesem
Zusammenhang, dass dieses Haus nicht irgendwo allein für sich stehe, sondern
vielmehr im Museumsquartier einen Standort gefunden habe. Auch international
sei es beachtenswert, dass sich die Stadt dem Tanz in einer so breiten Form
widme. Der Stadtrat dankte seinem Amtsvorgänger und anderen, die daran
mitgeholfen haben. Er wolle Kontinuität festschreiben, auch unter seiner Führung
des Kulturressorts werde dem Tanz eine wichtige Rolle eingeräumt. Er verwies
in diesem Zusammenhang auf 80 Millionen Schilling, die die Stadt für diese
Kunstform zuschießt. Dies sei sehr viel, wenn man bedenke, welche Rolle dem
Tanz in der Bundesverwaltung zukomme.
Das Tanzquartier Wien wird über einen ganzjährig betriebenen Studiokomplex
mit drei Studios und einem Theorie-Informationszentrum verfügen. Der
Veranstaltungsbetrieb wird schwerpunktmäßig in der ehemaligen
Winterreithalle stattfinden, den so genannten Hallen G und E.
Das Eröffnungsprogramm - vom 3. bis 13. Oktober - umfasst die Produktionen
"rrr
(reading readings reading
); "in.tent/frame 2;
"Good Enough; "Views From Vertical; "A bras le corps;
"Ten2hundred.
Für die erste Spielzeit wird das Haus Arbeiten von Milli Bitterli (Österreich),
John Jasperse (USA), Jennifer Lacey (USA/Frankreich), Claude Wampler (USA) und
Tom Plischke (Deutschland) produzieren bzw. koproduzieren. Die Mehrzahl dieser
Produktionen sind dialogisch ausgerichtet, sie wurden im Dialog von österreichischen
und internationalen Künstlern entwickelt.
Tanzquartier Wien eröffnet am 3. Oktober
Am 3. Oktober eröffnet das Tanzquartier Wien als erstes Produktions- und
Veranstaltungshaus Österreichs, das ausschließlich den Genres zeitgenössischer
Tanz und Performance gewidmet ist. Standort des Hauses ist das neugegründete
MuseumsQuartier Wien - ein Verbund unterschiedlicher autonomer
Kultureinrichtungen auf dem Gelände der ehemaligen Hofstallungen im Zentrum
Wiens -, das zu den größten Kulturarealen der Welt zählt. Innerhalb dieses
Areals gehört das Tanzquartier Wien zu den wichtigsten institutionellen
Neugründungen der Stadt Wien in der jüngeren Vergangenheit. Es verfügt über
einen ganzjährig betriebenen Studiokomplex mit drei Studios, einem Theorie-
und Informationszentrum und Verwaltungsräumlichkeiten, dessen Besuchereingang
im Haupthof (Hof 1) des Geländes gelegen ist. Der Veranstaltungsbetrieb des
Hauses findet schwerpunktmäßig in der ehemaligen Winterreithalle statt, den so
genannten Hallen G und E, die gleichfalls im Zentrum des Areals situiert sind.
In einer stark von bildender Kunst und Architektur geprägten Umgebung steht
das Tanzquartier Wien allgemein für die performative Kunst auf dem
Kulturgelände: für den Liveact in zeitgenössisch-aktueller Ausrichtung. Über
Details wurde am Mittwoch in einem Pressegespräch berichtet.****
Dabei erinnerte Kulturstadtrat Peter Marboe an den langen Weg, der vor vier
Jahren begonnen hat. Es gehöre zu den schönen Dingen, dass es in Wien ein
Tanzhaus geben wird, das keinen Vergleich zu scheuen braucht. Die
Rahmenbedingungen seien da, nun gehe es los.
Der Leiter der Kulturabteilung, Dr. Bernhard Denscher, erinnerte daran, das im
Jahre 1990 für Tanz 3,8 Millionen Schilling zur Verfügung gestanden haben,
jetzt seien es 19 Millionen Schilling. Im Laufe der Zeit seien viele Standorte
diskutiert worden, man könne glücklich sein, dass sich letztlich das
MuseumsQuartier angeboten habe.
Sigrid Gareis, die Künstlerische Intendanz, dankte eingangs Stadtrat Marboe,
er sei der wichtigste Motor für das jetzt bestehende Haus gewesen. Wie sie
ausführte, sei sie über den politischen Konsens glücklich. Dem Team werden u.a.
Richard Schweitzer als Interimistischer Geschäftsführer angehören, Jeroen
Peeters für den Bereich Dramaturgie/Research sowie Milli Bitterli und Nik
Haffner für Weiterbildung/Training.
Das Modell des Tanzquartier Wien ist durch ein wechselndes Veranstaltungs-,
Workshop- und Theorieprogramm geprägt und nicht durch die künstlerische Arbeit
einer einzelnen Tanzkompanie bestimmt.
Die Arbeit am Haus gestaltet sich im konzeptuellen und lebendigen
Zusammenspiel unterschiedlichster Präsentations-, Weiterbildungs- und
Diskussionsformen im Tanz- und Performancebereich in dessen Zentrum der
Künstler und die Künstlerin, ihre Arbeit, ihr Denken und ihre
Auseinandersetzung mit dem Publikum stehen. Leitlinie des Hauses ist ein
risikobereiter, dem künstlerischen Prozess verpflichteter "Factory-Gedanke",
der sich nicht vordringlich an historisch begründeten
Repräsentationsfunktionen des Tanzes orientiert, sondern das Publikum in
unmittelbaren Kontakt mit aktuellen Tendenzen der Tanz- und
Performanceentwicklung bringt.
Das Tanzquartier Wien wird als Arbeits- und Kommunikationsort nationaler und
internationaler TänzerInnen, ChoreografInnen und PerformerInnen aufgebaut und
steht nachhaltig für die Idee, das neue Kulturareal im Zentrum der Stadt Wien
als "KünstlerInnenQuartier" zu definieren.
Der besonderen Lage des Hauses im räumlichen Verbund unterschiedlichster
Kulturinstitutionen wird nicht nur durch eine interdisziplinär ausgerichtete
Programmkonzeption entsprochen. Ziel des Hauses ist es vielmehr auch,
kooperativ in den künstlerischen Dialog mit anderen Institutionen im
MuseumsQuartier, in der Stadt und in Österreich zu treten. Durch diese aktive
Kooperationshaltung und das gezielte Eingehen auf die örtlichen Bedingungen
möchte das Haus in seiner Programmarbeit zum einen internationalen
KünstlerInnen das Angebot machen, sich in ihre Arbeit mit dem besonderen
Ambiente des Tanzquartier Wien, der kulturellen Dynamik der Stadt Wien und
nicht zuletzt auch mit ihrer geografischen Lage am Schnittpunkt zwischen Ost-
und Westeuropa auseinander zu setzen. Zum anderen erwartet die lokalen
TänzerInnen, ChoreografInnen und PerformerInnen ein Haus, das nicht nur eine
Vielzahl an professionellen Weiterbildungs- und Recherchenmöglichkeiten
bereitstellt, sondern sie auch verstärkt zum Austausch mit nationalen und
internationalen Kollegen und Kolleginnen einlädt. Mit dieser dialogisch
ausgerichteten Programmpolitik will das Tanzquartier Wien nicht nur der
starken Uniformierung im internationalen Tanzbereich, sondern auch einer
möglichen Ghettoisierung der lokalen Szene entgegenwirken.
Dem bekanntermaßen tanzbegeisterten Wiener Publikum öffnet sich mit dem
Tanzquartier Wien ein junges Haus, das umfangreich das künstlerische Schaffen
einer lebendigen nationalen und internationalen Tanz- und Performanceszene in
Gastspielen und Eigenproduktionen dokumentiert sowie Entwicklungen der Sparten
in Symposien und Vorträgen analysiert und reflektiert. Try-outs und Labore
gewähren direkten Einblick in den Entstehungsprozess von künstlerischen
Arbeiten. Im besonderen Zuschnitt auf seine Stadt erfährt der Besucher den
zeitgenössischen Tanz und die Performance als zwei der aktuellsten,
experimentier- und diskursfreudigsten Kunstsparten der Gegenwart.
Die Arbeit des Hauses wird sich in fünf Schwerpunkte gliedern:
Präsentation, Produktion, Recherche, Weiterbildung und Theorie/Information