Strache zu Sofiensäle: Privater
Sponsor zeigt offenbar mehr Verantwortungsbewußtsein als die gesamte Wiener
Stadtregierung!
Durch Häupls Untätigkeit verrotten die Sofiensäle zusehends!
Offenbar muß immer erst ein privater Sponsor die "heißen Kastanien" aus dem
Feuer holen, denn die Stadt Wien stiehlt sich mittlerweile seit fast 5
Jahren bei den Sofiensälen aus der Verantwortung. Wenn jetzt ein privater
Sponsor, wie heute in der Tageszeitung "Die Presse" exklusiv berichtet,
wirklich bereit sein sollte, die im August 2001 abgebrannten Sofiensäle neu
zu beleben, so sei dies zwar wirklich sensationell, es sollte jedoch den
Rathausverantwortlichen, allen voran Bürgermeister Michael Häupl, die
Schamesröte ins Gesicht treiben, so reagierte heute der Klubobmann der
Wiener FPÖ, LAbg GR Heinz-Christian Strache, auf die neueste Entwicklung bei
der Brandruine in der Landstraße.
Er, Strache, habe bereits seit dem Jahr 2001, kurz nach dem verheerenden
Brand, sowohl den Wiederaufbau als auch die restlose Klärung der
Brandursache mehrfach eingefordert. Auch hätten oftmalige Urgenzen nur dazu
geführt, daß sich weder die Stadt noch der Bund für die denkmalgeschützten
Sofiensäle verantwortlich gefühlt hätten. Wenn es jetzt wirklich gelingen
sollte, daß Peter Püringer als Sponsor für einen Wiederaufbau gewonnen
werden kann, so sollte man diesem Mann nicht nur die Wiener
Ehrenbürgerschaft verleihen, so Strache abschließend.
SOFIENSÄLE: Kaum historisch wertvolle Substanz zerstört
Bei den eingehenden Recherchen, die die Bürgerinitiative seit einigen Wochen
betreibt, stellte sich überraschend eine neue Sicht der Dinge heraus.
Bekannterweise haben große Teile des Saales den Brand vom 16. August dieses
Jahres mit nur geringen Schäden überstanden. Bisher offenbar unbekannt ist,
dass die meisten Teile die zerstört wurden, kaum älter als 50 Jahre waren, und
ihr Verlust, rein kunsthistorisch gesehen, damit wohl kaum von Bedeutung sind.
Die Sophiensäle wurden ab 1948 umfassend renoviert, wobei von der originalen
Dachkonstruktion aus dem 19. Jh. wenig erhalten blieb. Ebenso war der
Bühnentrakt, der aus angeblichen Sicherheitsgründen nach dem Brand abgetragen
werden musste, großteils eine Neuschöpfung aus den Nachkriegsjahren. Die
aufgehenden Wände des Saales (mit originalen gußeisernen Konsolträgern aus den
1840ern) sind historisch und aus denkmalpflegerischer Sicht am wertvollsten.
Ihre dekorative Ausgestaltung erfolgte 1871, im gleichen Jahr, in dem auch der
Wiener Musikvereinssaal errichtet wurde. Die Wände blieben fast unbeschadet
erhalten, was durch aktuelle Untersuchungsergebnisse bestätigt wird.
Als die Sofiensäle in den 1980er Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurden,
reichte die historische Substanz für die Unterschutzstellung durch das
Bundesdenkmalamt aus. Besonders ausschlaggebend war, dass die Sofiensäle als
"Gesamtkunstwerk" einer historischen Veranstaltungsstätte gesehen wurden, die
bis in unsere Zeit intensiv genutzt war. Die heute noch vorhandenen Teile der
Brandruine, gemeinsam mit der historischen Bedeutung des Ortes, rechtfertigen
jedenfalls die weitere Unterschutzstellung der Sofiensäle. Einzig das
Deckendekor (1948 verändert, Malereien aus dem Makart-Atelier) mit den
Deckenträgern wurde endgültig vernichtet. Alles spricht aus unserer Sicht für
die Beibehaltung des Denkmalschutzes. Wir sind zuversichtlich, dass auch der
Denkmalbeirat, der in wenigen Tagen einberufen wird, um die weitere
Schutzwürdigkeit zu prüfen, zur gleichen Ansicht gelangen wird. Aus den
genannten Gründen setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass ein Wiederaufbau
nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erfolgt, wie ihn schon Prof. Michael
Petzet, Präsident von ICOMOS (UNESCO-Weltkulturerbe) fordert. Unser Appell an
die Verantwortlichen: Es muss so schnell wie möglich ein Notdach errichtet
werden, damit weitere Schäden am Gebäude, besonders durch Frost, verhindert
werden.
Zwtl.: Breite Unterstützung der Bürgerinitiative durch Prominente
Da uns bewußt ist, dass ein Beschluss zum weitgehenden Wiederaufbau nicht nur
vom Denkmalamt, sondern auch von der Politik mitgetragen werden muß, spricht
unsere überparteiliche und unabhängige Bürgerinitiative im Namen von vielen
tausend Menschen, die uns bereits mit ihrer Unterschrift unterstützen (derzeit
ca. 5000). Besonders erfreut sind wir von der breiten und deutlichen
Zustimmung unter Prominenten aus Kultur, Wirtschaft und Politik, und dies über
alle Parteigrenzen hinweg:
U.a.: Wolfgang BACHMAYER, Ruth BRAUER, Boris BUKOWSKI, Peter CORNELIUS, Dave
DAVIES (The Kinks), Johannes DITZ, Valie EXPORT, Wolfgang FELLNER, Ernst
FUCHS, Herbert FUX, Hans GRATZER, Waltraud HAAS, Karl-Heinz HACKL, Herbert
HAUPT, Dominic HEINZL, Clemens HELLSBERG (Wr. Philharmoniker), Christiane
HÖRBIGER, Michael JEANNEE, Elfriede JELINEK, Udo JÜRGENS, Hilde HAVLICEK,
Peter KRAUS, Geri KESZLER, Dagmar KOLLER, Hannes LEOPOLDSEDER, Edith LEYRER,
Peter LODINSKY, Ernst Wolfram MARBOE, Dominik MENTHA, Alois MOCK, Günter Mo
MOKESCH, Fritz MULIAR, Rudi NEMECZEK (Minisex), Günther NENNING, Hermann
NITSCH, Cecile NORDEGG, Elisabeth ORTH, Helene PARTIK-PABLE, Werner PLONER,
Maria RAUCH-KALLAT, Konstantin SCHENK, Jeannine SCHILLER, Mat SCHUH, Bernd
SEBOR, Wilfried SEIPEL, Julia STEMBERGER, Erwin STRAHL, Franz SUHRADA, Bruno
THOST, Gerhard TÖTSCHINGER, Peter TURRINI, Werner URBANEK, Franz Ferdinand
WOLF, Josef WEGROSTEK, Georg ZANGER, Adriana ZARTL, Helmut ZILK
THEATER AN DER WIEN: Monika Gugganig, Adrian Manz, Doris Marlies, Karsten
Kammeier, Jennifer Lee Mitchell, Caspar Richter, Harald Tauber, Annette Wimmer
Mit weiteren öffentlichen Stellungnahmen unsererseits ist in den nächsten
Tagen und Wochen zu rechnen!
Festarchitektur im Fegefeuer der Vergangenheitsverklärung?
Am Gebäude der Sofiensäle sind im August 2001 unwiederbringliche
Substanzverluste entstanden. Die denkmalpflegerische Befundung hat wegen
akuter Einsturzgefahr noch nicht begonnen: es fehlen elementare
Entscheidungsgrundlagen für einen Neubeginn. Aber eigennützige Zurufe sowohl
für den Abbruch, als auch überwiegend für eine Rekonstruktion übertönen
Fachargumente.
Zuletzt hat sich sogar das "International Council on Monuments and Sites" (ICOMOS),
der UNESCO-Fachbeirat für das Weltkulturerbe, für eine "Rekonstruktion der
zerstörten Teile" ausgesprochen und damit auf das Glatteis reiner Spekulation
begeben. Offenbar ist nicht nur dort die Sehnsucht nach verklärter
Vergangenheit größer als der Respekt vor Denkmalwerten. Bis zur Aussage des
Bundesdenkmalamts über den Status des geschützten Sofiensaals sind die
Bedingungen für Baumaßnahmen offen.
Der Befund könnte ergeben, dass die Reste ausreichen, um damit die
Authentizität des Hauptraumes wiederherzustellen. Böte die Ruine diese
Perspektive aber nicht mehr, wäre das Objekt aus dem Denkmalschutz zu
entlassen. Das trotzdem seit dem Brand popularisierte Wunschdenken, dem Ort
wäre nur eine Rekonstruktion zumutbar, erachtet die Architektenschaft daher
als voreilig und baukulturell fragwürdig.
Einerseits negiert dieses nur auf ein historisches Bild abzielende Streben das
Wesen des Denkmalschutzes, der auf Substanzerhalt zentriert ist und sich nicht
in der Nachbildung altvorderer Zustände verwirklicht. Andererseits ignoriert
jeder imitative Ansatz die Tatsache, dass nur Architektur auf der Höhe das
Zeug zum Denkmal hat. Eine Teilrekonstruktion, aufbauend auf Originalsubstanz
mit architektonischer Rahmenhandlung von heute, wäre der baukulturell
akzeptable Grenzfall. Eine Gesamtrekonstruktion samt belanglosen Zubauten, vor
allem nach Aufhebung des Denkmalschutzes, eine baukulturelle
Bankrotterklärung.
Die Sofiensäle waren ein unbeachteter Sanierungsfall, angedachte
Hotelergänzungen wollten kein architektonisches Zeichen setzen. Der Eigentümer
sollte sich durch das vom Brand erweckte öffentliche Interesse herausgefordert
fühlen, das Potenzial seiner Liegenschaft endlich seriös auszureizen. Dem
Quartier nahe von Wien-Mitte stünde eine Aufwertung durch eine baukünstlerisch
einwandfrei konzipierte Kultur- und Tourismuseinrichtung gut an.
Die Architektenschaft nimmt ihre baukulturelle Warnpflicht wahr, wenn sie
darauf hinweist, dass die stereotype Forderung nach einer Rekonstruktion des
Sofiensaals weder gängiger Denkmaldefinition noch den Entwicklungszielen des
Standorts genügt. Eine rückwärts gewandte Debatte führt eine konkret
vorstellbare Festarchitektur in das populistische Fegefeuer restaurativer
Sehnsüchte.