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Schmerztherapie

 


 

 

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Aktuelles aus der Schmerzmedizin - Schmerztherapie

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Labopharm erhält in Frankreich Zulassungsbescheid für nur einmal täglich zu verabreichendes Tramadol

Die französische Zulassung ebnet den Weg für die Markteinführung in ganz Europa

gab heute bekannt, dass das Unternehmen von den französischen Behörden den Zulassungsbescheid für die einmal täglich zu verabreichende Rezeptur von Tramadol erhalten hat. Das Mittel wurde mit der Auszeichnung "nur einmal täglich zu verabreichen" bei einer Gabe von 100 bis 400 mg pro Tag für die Behandlung mittlerer bis schwerer Schmerzen zugelassen. Die Zulassung in Frankreich ermöglicht Labopharm, das gegenseitige Anerkennungsverfahren nach behördlicher Zulassung (Mutual Recognition Procedure, MRP) nun auch für die anderen Länder der europäischen Union anzustossen.

   "Die behördliche Zulassung unseres ersten Medikaments ist für uns der bisher bedeutungsvollste Meilenstein", sagte James R. Howard-Tripp, Präsident und Chief Executive Officer von Labopharm Inc. "Dieses Ereignis ist eine deutliche Anerkennung unseres firmeneigenen Verfahrens zur kontrollierten Freisetzung und unserer Fähigkeit, Medikamente erfolgreich von der Entwicklung bis zur Vermarktung zu bringen. Die Markteinführung unseres Medikaments ist für die zweite Jahreshälfte geplant, sodass wir gute Chancen haben, dann unsere ersten kommerziellen Erlöse zu erzielen".

   Labopharm hat bereits zusammen mit den französischen Zulassungsbehörden den Antrag zur Anbahnung des MRP-Verfahrens für das nur einmal täglich zu verabreichende Tramadol vorbereitet. Darüber hinaus befasst sich das Unternehmen z.Z. mit der Preis- und Erstattungszulassung in Frankreich. Labopharm arbeitet eng mit all seinen europäischen Partner zusammen, um die Vorbereitungen für die Markteinführung des Mittels zum Abschluss zu bringen.

   Der europäische Markt für Tramadol ist sehr gross und wächst bei einem Umsatz von über 570 Mio. USD für den Zeitraum von September 2003 bis September 2004 mit einer kombinierten jährlichen Wachstumsrate von 18 % gegenüber den vorangegangenen fünf Jahresperioden. In Frankreich, dem grössten Markt für Tramadol, überstieg der Umsatz 160 Mio. USD für den Zeitraum von September 2003 bis September 2004 und zeigt eine kombinierte jährliche Wachstumsrate von 26 % gegenüber den vorangegangenen fünf Jahresperioden.

   Wie bereits angekündigt, hat Labopharm mit Sanofi-Aventis für Frankreich, HEXAL AG für Deutschland, Gruppo Angelini für Italien, Esteve SA für Spanien und Portugal und CSC Pharma für 13 osteuropäische Länder und Österreich bereits Lizenz- und Vertriebspartner für seine nur einmal pro Tag zu verabreichende Rezeptur von Tramadol. Zusammengenommen decken diese Marketingpartnerschaften ca. 80% des gesamten europäischen Marktes für Tramadol ab, wobei vier der fünf grössten nationalen Märkte darin bereits enthalten sind. Das Unternehmen führt z.Z. sehr aktive Gespräche mit potenziellen Partnern für die verbleibenden europäischen Märkte, wie z.B. Grossbritannien.
 


 

Schmerzgesellschaft will postoperativen Schmerzen vorbeugen
Start der 4. Österreichischen Schmerzwoche

Die Verbesserung der chronischen und postoperativen Schmerztherapien durch bessere Ausbildung und interdisziplinäre Schmerzambulanzen sind die Schwerpunkte der 4. österreichischen Schmerzwoche, die heute, Montag, beginnt. 67 Prozent der Patienten haben vermeidbare postoperative Schmerzen, wie eine von IAMS http://www.imas.at durchgeführte Umfrage ergab. "Die schmerzmedizinische Versorgung in Österreich bleibt leider weit hinter jenem Niveau zurück, das angesichts der Entwicklungen der modernen Schmerzmedizin heute Standard sein müsste und könnte", sagte Eckhard Beubler von der Universitätsklinik Graz in der Auftakt-Pressekonferenz der Österreichischen Schmerzgesellschaft http://www.oesg.at .

Sowohl der präventiven als auch der postoperativen Beratung wurde in der von IMAS durchgeführten Studie ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Obwohl der Anteil der informierten Patienten in den letzen zehn Jahren von 28 Prozent auf 65 Prozent anstiegen ist, gaben nur 33 Prozent der Befragten an, nach ihrer letzen Operation völlig schmerzfrei gewesen zu sein. Und nur jeder zweite Patient erhält derzeit vor einer Operation eine schmerztherapeutische Beratung. Aber auch die chronische Schmerztherapie spielt im Rahmen der Schmerzwoche eine wichtige Rolle. Denn durchschnittlich leidet ein Patient in Österreich 5, 8 Jahre an chronischen Schmerzen bevor er behandelt wird, wie eine vom Unternehmen Mundipharma http://www.mundipharma.at durchgeführte Studie zeigte. "Sowohl bei chronischen als auch bei postoperativen Schmerzen ist eines der gravierenden Probleme die mangelnde Kenntnis in der Schmerzdiagnostik", betonte Walter Fiala, Vorsitzender der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin.

In diesem Sinne sind Prävention, bessere Information und Beratung durch ein effizienteres schmerzmedizinisches Netzwerk innerhalb und außerhalb des Krankenhauses die Hauptziele der Mediziner. "Ein Arzt, der einem Schmerzpatienten nicht helfen kann, soll diesen an eine multidisziplinäre Fachambulanz überweisen können", so Beubler. "Man wolle Leidenswege durch bessere Kommunikation zwischen Fachärzten und Allgemeinmedizinern verkürzen", betonte Hans-Georg Kress vom Wiener AKH. Dies soll durch eine bessere Grund-, Aus- und Weiterbildung, wie zum Beispiel durch die Einführung des Zusatzfaches Schmerzmedizin erreicht werden. Auch mehr Interdisziplinäre Schmerzambulanzen nach Vorbild der seit kurzem aktiven Schmerzambulanzen im Wiener AKH und im LkH Klagenfurt sind wichtige Anliegen. Qualitätskontrolle für Schmerzambulanzen sei in diesem Zusammenhang eine wichtige Forderung, so Beubler. Auch die Organisationsstruktur und die Verantwortlichkeit für postoperatives Schmerzmanagement müsse, besonders in den Spitälern, verbessert werden, unterstrich der Mediziner.


 

Placebo wirkt wie Schmerzkiller
US-Studie untersucht Wirkung von Medikamenten im Tomographen

US-Forscher der beiden Universitäten Princeton und University of Michigan in Ann Arbor sind dem Geheimnis von Placebos auf die Spur gekommen: Die nur scheinbar wirksamen Medikamente dämpfen die Aktivitäten gewisser Regionen im Hirn, berichten die Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science http://www.sciencemag.org . Die Aktivitäten des Gehirns konnten die Wissenschaftler mit Hilfe von Kernspintomographen sichtbar machen.

Die Forscher haben den Probanden Stromschläge verpasst und sie Hitze ausgesetzt, ihnen dann aber erklärt, dass ihnen eine angeblich schmerzstillende Creme helfen wird, diese äußeren Beeinträchtigungen zu ertragen. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Probanden nach der Information tatsächlich anders auf die Schmerzen reagierten. "Wir haben einen engen Zusammenhang zwischen dem Glauben der Probanden an das Placebo-Medikament und dem Glauben an die Schmerzlinderung festgestellt", so Studienleiter Tor Wager von der University of Michigan. Unter dem Einfluss der Creme war die Region im Gehirn, die für die Schmerzen verantwortlich ist, der Orbitofrontale Cortex, weniger aktiv als ohne Placebo-Medikament. Diese Hirnregion ist auch für Angst zuständig.

Wager ist der Meinung, dass dies ein Hinweis darauf sei, dass das Placebo die Schmerzempfindung veränderte. Außerdem konnten die Forscher feststellen, dass unter Einfluss des Placebos andere Hirnregionen aktiv wurden: Nervenzellen, die den Körper auf drohende Schmerzen hinweisen, waren in einer Art Dauerbereitschaft. "Die Schmerzerwartung spielt eine wesentliche Rolle in diesen Untersuchungen", erklärte Steve Cohen, Psychologe am Institut für Psychiatrie gegenüber BBC-Online http://news.bbc.co.uk . Der Experte sieht die Einschränkung der in der Studie aufgestellten Thesen: "Wenn der Proband damit rechnet, dass er ein Schmerzmittel erhalten wird, hat er weniger Angst vor dem Schmerz", so der Experte, der zu Bedenken gibt, dass nicht jeder auf die Placebos gleich reagiert.


 

Schmerzen führen zu dauerhafter Gehirnschrumpfung
Experten befürchten Irreversibilität des Phänomens

Chronische Schmerzen führen zu einer dauerhaften Schrumpfung des Gehirns, glauben US-Forscher. Ein Team von der Northwestern Universität http://www.northwestern.edu/ hat nachgewiesen, dass Patienten mit Rückenschmerzen eine verminderte Aktivität in einer bestimmten Gehirnregion, dem Thalamus, aufwiesen. Diese Region ist wichtig für Entscheidungsfindung und Sozialverhalten. Die Forscher vermuten, dass die Veränderungen irreversibel sind und Schmerzbehandlung unwirksam machen.

Wird diese These verifiziert, würde das bedeuten, dass es wichtig ist, Schmerzen frühzeitig zu behandeln, um dauerhafte Veränderungen zu vermeiden. Die Wissenschaftler untersuchten die Gehirne von 26 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und 26 gesunden Personen. Das Gehirn der Patienten mit den Rückenschmerzen, die von einer Schädigung des Nervensystems verursacht wurden, war um elf Prozent geschrumpft, eine äquivalente Menge zu der grauen Substanz (Hirnoberflächengewebe), die in zehn bis 20 Jahren normaler Alterung verloren geht.

Der Rückgang des Gehirnvolumens stand in Zusammenhang mit der Dauer der Schmerzen. Jedes Jahr mit Schmerzen schien die graue Substanz um 1,3 Kubikzentimeter zu dezimieren. Nun wollen die Forscher herausfinden, ob der Verlust dauerhaft ist oder mit einer speziellen Behandlung rückgängig gemacht werden kann. Laut Vania Apkarian, der an der aktuellen Studie beteiligt war, deutet das Absterben der Nervenzellen des Rückenmarks darauf hin, dass die Gehirnveränderungen irreversibel sind.


 

Protein macht Männer weniger schmerzempfindlich
Erkenntnis soll Entwicklung frauen-spezifisischer Medikamente vorantreiben

Ein wesentlicher und geschlechtsspezifischer Unterschied in der Übertragung von Schmerzsignalen zwischen den Nervenzellen macht Männer weniger schmerzempfindlich. Bei Männern spielt das Protein GIRK2 eine zentrale Rolle für die Empfindung von Schmerzen und für die Reaktion auf Medikamente. Für Frauen spielt GIRK2 keine Rolle. Wird das Protein allerdings entfernt, herrscht Gleichstand zwischen den Geschlechtern: Männer und Frauen halten Schmerzen gleich gut aus. Die Ergebnisse könnten die Entwicklung neuer, frauen-spezifischer Schmerzmittel vorantreiben, berichten zwei US-Forschergruppen im Fachmagazin Proceedings of the National Acadamy of Sciences (PNAS) http://www.pnas.org .

Ursprüngliches Ziel der Forschergruppen von der University of California/San Francisco (UCSF) http://www.ucsf.edu und der University of Texas/Austin war es nicht, Geschlechtsunterschiede ausfindig zu machen. Das Team um Allan Basbaum von der UCSF untersuchte die Schmerzempfindlichkeit bzw. die Wirkung von schmerzstillenden Medikamenten an Mäusen. Die Forscher wollten herausfinden, wie die Medikamente Morphium und Clonidin arbeiten. Das University-of-Texas-Team untersuchte die Wirkung von Ethanol, Nikotin und Cannabinoiden. "Die Ergebnisse des geschlechtsspezifischen Unterschiedes sind ein Zufallsprodukt", erklärte R. Adron Harris http://www.utexas.edu/pharmacy/harris von der University of Texas.

Das GIRK2-Protein ist Teil jenes Systems, durch das ein Medikament oder ein Botenstoff (Neurotransmitter) das Schmerzsignal im Nerv dämpft. Es ist für die elektrische Signalübertragung zwischen den Nervenzellen wichtig. Die Wissenschaftler stellten beim Vergleich von normalen Mäusen mit Mäusen, bei denen ein "Knock-out" des GIRK2-Gens erfolgte, einen Unterschied zwischen den Geschlechtern fest. Fehlte GIRK2, lag die Schmerzgrenze deutlich niedriger als bei normalen Tieren. Die Schmerztoleranz-Grenze entsprach bei diesen jener von weiblichen Mäusen.

Zur Überraschung der Forscher aktivierten beinahe alle Schmerzmittel GIRK2 – aber nur bei bei den männlichen Versuchstieren. Bei den "Knock-out"-Tieren, wirkten Medikamente, die normalerweise bei den Männchen besser wirken, bei beiden Geschlechtern gleich. Die Tatsache, dass Schmerzmittel bis zu einem gewissen Grad, selbst wenn GIRK2 fehlt, wirken, lässt die Forscher annehmen, dass es eine unterschiedlichen und vielleicht noch nicht entdeckten Mechanismus für die Schmerzempfindung gibt. Bei der Übermittlung von Schmerzsignalen spielt GIRK2 sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine unterschiedliche Rolle.


 

Enzymstruktur liefert Ansatz für körpereigene Schmerzausschaltung
Blockierung von FAAH verlängert Wirkung von speziellem Cannabionoid
 

Chemische Botenstoffe ermöglichen die Kommunikation zwischen den Zellen des Zentralnervensystems. Bislang sind die Mechanismen der Signalübertragung bzw. Regulierung als wenig bekannt. Forscher des "The Scripps Research Institute" (TSRI) http://www.scripps.edu haben jetzt die Struktur eines Enzyms entschlüsselt, das die Funktion des zentralen Nervensystems wie die Schmerzempfindung, die Wahrnehmung und den Schlaf moduliert. Könnte dieses Enzym blockiert werden, bedeute dies Schmerzausschaltung ohne Nebenwirkungen.
 

Bei dem Enzym handelt es sich um FAAH (fatty acid amide hydrolase). Dieses Enzym baut bestimmte fetthaltige Signalmoleküle in den Lipidmembranen von Zellen des Zentralnervensystems ab. FAAH moduliert die fetthaltigen Signalmoleküle durch einen ungewöhnlichen Mechanismus: Es schält die Lipide aus der Zellmembran und "zerkaut" diese.
 

Die Entschlüsselung dieses Mechanismus könnte die Entwicklung neuer schmerzhemmender Substanzen einläuten. "Könnte man spezifische FAAH-Inhibitoren entwickeln, könnte der Schmerz ohne Nebenwirkungen gängiger Schmerzmittel bekämpft werden, erklärte einer der Studienautoren, Benjamin Cravatt von der Abteilung für Zellbiologie und Chemie des TSRI im Fachmagazin Science http://www.sciencemag.org : "Structural Adaptations in a Membrane Enzyme that Terminates Endocannabinoid Signaling".
 

Die Suche nach der Schmerzbekämpfung ohne Nebenwirkung geht auf Hippocrates zurück. Jede bislang bekannte Methode zur Schmerzbehandlung von Opiaten über Hypnose bis hin zur Elektrotherapie zeigen mehr oder weniger unerwünschte Nebenwirkungen. Der Haken ist, ob die Schmerzreduktion oder die Nebeneffekte dringlicher sind. Eine heiß diskutierte Substanz zur Schmerzbehandlung in den vergangenen zehn Jahren war der aktive Marihuana-Wirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). THC ahmt die Wirkung natürlicher Cannabinoide nach, die der Körper als Reaktion auf Schmerzstimuli herstellt. Die schmerzreduzierende Wirkung erreicht THC durch die Bindung an so genannte CB1-Rezeptoren, die in einer bestimmten Region des Rückenmarks vorkommen. In dieser Region wird die Schmerzempfindlichkeit gesteuert.
 

THC bindet aber auch an Rezeptoren in anderen Gehirnteilen wie z.B. im Gedächtniszentrum bzw. im Informationsverarbeitungszentrum des Hippokampus. Nebenwirkungen wie Probleme der Wahrnehmung, Koordinationsverlust, Desorientierung, beschleunigter Herzschlag, Blutdruckanstieg, Angst- und Panikattacken sind nicht auszuschließen. Die Herausforderung im Einsatz von THCs und anderen Cannabinoiden liegt darin, zu einer wirksamen und lang andauernden Schmerzbefreiung zu kommen – ohne diese Nebenwirkungen. Die Lösung liegt laut Cravatt in der einer Steigerung der Wirksamkeit der natürlichen, endogenen Cannabinoide (so genannte Endocannabinoide). Endocannabinoide werden vom Körper selbst als Schmerzreaktion produziert.
 

Vor allem ein spezielles Cannabionoid, das so genannte Anandamid, wird vom Körper zur Schmerzbekämpfung freigesetzt. Es bekämpfen den Schmerz, da es an CB-1 bindet und die Übertragung des Schmerzsignals blockiert. Der Effekt ist allerdings nur von kurzer Dauer, da FAAH die Anandamine sehr rasch umwandeln. Durch die Hemmung von FAAH würde sich durch die Verlängerung der Lebensdauer der Anandamine die schmerzstillende Wirkung verlängern.
 


 

Substanz mit Marihuana-Wirkung macht nicht "high"
Forscher: "Ajulämische Säure zur Behandlung von chronischen Schmerzen in zwei Jahren"
 

Forscher der University of Massachusetts testen zurzeit eine synthetische Substanz, die die selbe Wirkung wie Marihuana besitzt, aber nicht "high" macht. Bei der Substanz handelt es sich um die ajulämische Säure, ein synthetisches Analog zum psychoaktiv wirkenden Teil von Marihuana, Tetrahydrocannabinol (THC). Das THC-Stoffwechselprodukt soll zur Behandlung chronischer Schmerzen, Arthritis und Multipler Sklerose eingesetzt werden. Wie die Forscher heute, Mittwoch, auf dem 224. Jahrestreffen der American Chemical Society berichteten, erwies sich die Substanz in jüngsten Tierversuchen um das zehn bis 50-fache wirksamer als THC. Laufende Tests an einer Patientengruppe mit chronischen Schmerzen legen nahe, dass ein entsprechendes Medikament innerhalb von zwei bis drei Jahren erhältlich sein wird.
 

Forschungsleiter Sumner Burstein von der University of Massachusetts Medical School in Worchester ist optimistisch, dass "die Substanz Aspirin und in der Wirkung ähnliche Medikamente vor allem aufgrund der nicht vorhandenen Nebenwirkungen ersetzen wird." Bei Sicherheits-Tests der Substanz in Frankreich, allerdings lediglich an 15 Probanden, wurden keine Nebenwirkungen und Stimmungsveränderungen festgestellt. Die ajulämische Säure wurde auch an 21 Patienten mit chronischen Schmerzen getestet, allerdings stehen die Ergebnisse nicht zur Verfügung. Die Forscher planen nun Versuche, bei der die Wirkung der Substanz bei Patienten mit Multipler Sklerose ermittelt werden soll.
 

In den vergangenen Jahren ist sowohl die Zahl der Entdeckungen von medizinisch wirksamen Substanzen in Marihuana, als auch das Streben der Forscher, diese für therapeutische Zwecke ohne psychoaktive Wirkung zu nutzen, gestiegen. So wurde Marinol, als einziges von der US-Gesundheitsbehörde FDA http://www.fda.gov zugelassene Medikament, als Appetitanreger für Aids-Patienten und gegen Übelkeit im Zuge einer Chemotherapie auf den Markt gebracht. Die Substanz ist ebenfalls ein synthetisches THC-Derivat, machte aber einige Patienten "high", resümierte Burstein.
 


 

NÖ: Innovationspreis 2002 für Minigerät zur Schmerzbekämpfung
Entwicklung von Biegler Medizinelektronik macht Patienten mobil
 

Die Wirtschaftskammer Niederösterreich hat den Innovationspreis 2002 verliehen. Diesjähriger Sieger: Ein medizintechnisches Gerät zur Schmerztherapie im Miniaturformat der Firma Biegler Medizinelektronik GmbH http://www.biegler.com .
 

Das miniaturisierte Stimulationsgerät, gemeinsam entwickelt mit Ärzten des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH), basiert auf der Punktualstimulation. Dabei wird über Nadeln ein elektrischer Impuls verabreicht. Bisher scheiterte diese seit Jahren erfolgreich in der Schmerztherapie eingesetzte Methode an der Größe und Immobilität der Stimulationsgeräte, die nur in der Praxis oder in der Klinik angewendet werden können.
 

Biegler Medizinelektronik ist es gelungen, die Elektronik, die bisher in großen Tischgeräten steckte, auf einer Fläche von 55 x 25 mm unterzubringen. Das Gewicht beträgt nur mehr sieben Gramm. Mit dieser Miniaturausgabe können nun laut eigenen Angaben erstmals Patienten mit starken Schmerzen (z.B. nach Operationen) über vier Tage therapiert werden. Das Gerät wird am Ohr angebracht und ermöglicht daher die volle Mobilität des Patienten.
 

Das innovativste Projekt im "Wettstreit der besten niederösterreichischen Innovateure" wurde in St. Pölten mit dem Karl Ritter von Ghega-Preis ausgezeichnet. Landesrat Ernest Gabmann und Niederösterreichs Wirtschaftskammerpräsidentin Sonja Zwazl überreichten die Ernennungsurkunde sowie einen 10.000-Euro-Scheck an Biegler-CEO Ingeborg Biegler. Im Rahmen der Verleihung wies Zwazl auch auf die zentrale Rolle der Technologie- und Innovationsbüros (TIBs) zur Förderung der Innovations-Freudigkeit in Niederösterreich hin. Die TIB´s werden z.B. von der Europäischen Union den Osteuropäischen Entwicklungsagenturen als "Best-practice"-Beispiele zur Nachahmung empfohlen, betonte Zwazl.
 


 

Gen schaltet den Schmerz ab
Biomediziner Josef Penninger deblockiert Ausschüttung körpereigener Opioide
 

Biomedizinern ist es im Mäuseversuch gelungen, das Schmerzempfinden auszuschalten. Durch Abschalten des Gens namens DREAM konnten sie die Ausschüttung körpereigener Opioide - morphinähnlicher Substanzen - deblockieren. Damit wurden die Mäuse schmerzunempfindlich, wie die Wiener Zeitung Der Standard http://www.derstandard.at vorab berichtet. Gegenüber dem Standard erklärte der Mediziner und Direktor des neuen Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien, Josef Penninger: "Das gilt mehr oder weniger für alle Schmerzarten." Die Entdeckung machte der Österreicher nach eigenen Angaben zufällig.
 

Penninger, derzeitig tätig am Biotech-Unternehmen Amgen http://www.amgen.com in Toronto, hofft, mit diesem Ansatz in den nächsten Jahren ein hauptsächlich gegen chronische Schmerzen wirksames Präparat zu entwickeln. Laut Angaben der Schmerzambulanz des Wiener Allgemeinen Krankenhauses werden allein an dieser Einrichtung jährlich 23.000 Patienten mit chronischen Schmerzen ambulant behandelt. Diese Ambulanz ist die größte im deutschsprachigen Europa, sagte Hans Georg Kress, Chef der Schmerzambulanz am AKH-Wien. Insgesamt leiden 700.000 Österreicher an chronischen Schmerzen. Weltweit sind es Hunderte Millionen.
 

Weitere Infos zum neu gegründeten Institut für Molekulare und Zelluläre Bioinformatik, (IMBA), einer 100-prozentigen Tochter-GmbH der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unter: http://www.oeaw.ac.at/deutsch/about/unternehmen/imba.html
 


 

Medikament verhindert Phantomschmerz nach der Amputation
Memantine verringert Auftreten um 80 Prozent
 

Forscher der Eberhard Karls Universität Tübingen http://www.uni-tuebingen.de haben nachgewiesen, dass die zusätzliche Verabreichung des Medikaments Memantine das Vorkommen von Phantomschmerzen nach einer Amputation deutlich verringern kann. In der ersten Woche nach der Operation erhalten die meisten Patienten eine lokale Betäubung zur Blockierung der Schmerzbahnen des verbleibenden Körperteils. So kann laut dem leitenden Wissenschaftler Klaus Mathiak zwar das Ausmaß aber nicht die Wahrscheinlichkeit des folgenden Schmerzes verringert werden. Mit Memantine reduzierte sich das Auftreten eines Phantomschmerzes innerhalb des ersten Jahres nach der Amputation auf 20 Prozent, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com
 

Das Team behandelte 19 Patienten so rasch wie möglich nach einem Unfall, bei dem sie zumindest einen Finger verloren hatten. Zusätzlich zur örtlichen Betäubung in der ersten Woche erhielten die Teilnehmer eine orale Dosis Memantine. Dieses Medikament ist dafür bekannt, dass es einen dämmenden Effekt auf verschiedene Nervenebenen im Rückgrat und dem kortikalen Bereich hat. Phantomschmerzen treten auf, wenn Bereiche im Gehirn von benachbarten Regionen übernommen werden, die zuvor Signale vom fehlenden Körperteil erhalten haben. Derzeit ist nicht klar, ob die Schmerzprävention bei den Studienteilnehmern von Dauer sein wird. "Erst eine Langzeit-Beobachtung kann feststellen, ob es sich um einen anhaltenden Effekt oder nur um eine Verzögerung der Reorganisation handelt", erklärte Mathiak, der die Ergebnisse der Studie auf dem Annual Meeting der Society for Neuroscience http://www.sfn.org in San Diego präsentierte.
 


 

Amputations-Schmerzen haben verschiedenen Ursprung
Studie untersucht Wirksamkeit von Morphium und Lidocaine
 

Der Schmerz, den Amputations-Patienten im Stumpf empfinden, hat einen anderen Ursprung als jener, der in Phantomgliedern auftritt. Zu diesem Ergebnis ist laut BBC eine Studie der Johns Hopkins University http://www.hopkinsmedicine.org/anesthesiology gekommen. Diese Erkenntnis liefert entscheidende Hinweise darauf, welches Schmerzmittel für welchen Schmerz am geeignetsten ist. So stellte sich heraus, dass Morphium bei beiden Schmerzarten gute Ergebnisse erzielt. Das Schmerzmittel Lidocaine konnte jedoch nur den Schmerz im Stumpf stillen, berichteten die Forscher auf dem Annual Meeting der American Society of Anesthesiologists (ASA) http://www.asahq.org/homepageie.html in New Orleans.
 

Bei Schmerzen im Stumpf wird davon ausgegangen, dass sie durch Nervenverletzungen im Bereich der Amputation hervorgerufen werden. Diese Verletzungen führen in der Folge zur Bildung von so genannten Neuromen, gutartigen Geschwüren, die sich am Ende der verletzten Nervenfasern bilden. Die Tumore können willkürlich Schmerzimpulse auslösen oder Schmerzsignale freisetzen, wenn sie von anderem Gewebe wie Muskeln eingeengt werden. Bei Phantomschmerzen wird angenommen, dass ihren Ursprung im Gehirn haben.
 

Im Test stellte sich heraus, dass Lidocaine, ein Medikament, das vor allem im peripheren Nervensystem wirksam ist, bei Phantomschmerzen keine Linderung brachte. Morphium hingegen beeinflusst das periphere Nervensystem und das Zentralnervensystem. An der Studie nahmen 32 Amputations-Patienten teil. Zwölf Patienten litten unter Schmerzen im Stumpfbereich, neun berichteten von Phantomschmerzen. Bei elf Teilnehmern trat eine Kombination von beiden Schmerzarten auf. An drei aufeinanderfolgenden Tagen erhielt jeder der Patienten entweder eine Morphium-, eine Lidocaine- oder eine Placebo-Injektion. Im Zeitraum 30 Minuten vor bis 30 Minuten nach der Injektion wurde alle fünf Minuten das Ausmaß der Schmerzen und die Zufriedenheit der Patienten aufgezeichnet.
 


 

Spiegel-Therapie hilft bei Complex Regional Pain Syndrome
Tests bei chronischer Krankheitsform erfolgreich
 

 Wissenschaftler der University of Bath http://www.bath.ac.uk haben ein neues Verfahren zur Behandlung des Complex Regional Pain Syndrome (CRPS) erfolgreich getestet. Die so genannten Spiegel-Therapie kann laut BBC bei Verletzungsschmerzen helfen, die das normale Ausmaß bei weitem übersteigen. Die Betroffenen berichten meist von einem starken Brennen in Arm oder Bein. CRPS soll auf eine gestörte Verarbeitung von Schmerzinformationen im Gehirn zurückzuführen sein. Die eingesetzten Spiegel ermöglichen diesen Mechanismus zu umgehen, und die entscheidenden Informationen entsprechend zu verändern.
 

Patienten mit einem schmerzenden rechten Arm setzten sich so vor einen Spiegel, dass sie nur ihren gesunden linken Arm sehen können. Dann wurden sie vom Team um David Blake gebeten, ihren gesunden Arm auf und ab zu bewegen. Sichtbar waren so nur die schmerzfreien Bewegungen des gesunden Körperteils. Laut Blake nimmt das Gehirn in der Folge an, dass der kranke Arm problemlos bewegt werden kann und löscht die Schmerznachricht im Gehirn. Die Wissenschaftler testeten das Spiegel-Therapie an neun Patienten mit akutem CRPS und sieben Teilnehmern mit einer chronischen Krankheitsform. Dabei zeigte sich, dass das neue Verfahren nur bei chronischen Erkrankungen funktioniert.
 

Laut Blake können Patienten dieses Verfahren problemlos selbst durchführen. Derzeit sei jedoch nicht genau bekannt, warum diese Therapieform funktioniere. "Wir glauben, dass die Realität in im überreizten Wahrnehmungssystem der Hirnrinde zurückgesetzt wird." Amerikanische Wissenschaftler haben die Spiegel-Therapie bereits erfolgreich zur Behandlung von Phantomschmerzen eingesetzt.
 


 

Schmerzmittel schädigen gesunde Nieren doch nicht
Langzeitstudie hält gemäßigte Einnahme für unbedenklich
 

Die Einnahme von Schmerzmitteln wie Aspirin oder Paracetamol steht bei gesunden Nieren doch nicht mit dem erhöhten Risiko einer Schädigung in Verbindung. Zu diesem Ergebnis ist eine Langzeitstudie des Brigham and Woman's Hospital http://www.brighamandwomens.com gekommen, an der zwischen 1982 und 1995 11.032 gesunde Männer teilnahmen. Das Team um Kathryn M. Rexrode fand keine signifikanten Verbindungen zwischen der Einnahme von Aspirin, Paracetamol und anderen so genannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen und Nierenschäden. Frühere Studien waren teilweise zu gegenteiligen Ergebnissen gekommen. The Journal of the American Medical Association (JAMA) http://jama.ama-assn.org/issues/v286n3/abs/joc02209.html
 

Das Team untersuchte die Teilnehmer jährlich, überwachte ihre Einnahme von Schmerzmitteln und die Kreatininwerte. Hohe Kreatininwerte sind für Nierenprobleme charakteristisch. Gemessen werden dabei die Werte im Körper und der für die Reinigung des Blutes notwendige Zeitraum. Nur vier Prozent der Männer hatten überdurchschnittliche Kreatininwerte und 11,5 Prozent verfügten über eine unterdurchschnittliche Clearance. Eine Verbindung zwischen der Einnahme und Auswirkungen auf die Kreatininwerte oder die Clearance konnte auch bei Teilnehmer nicht hergestellt werden, die in diesem Zeitraum teilweise mehr als 2.500 Tabletten eingenommen hatten. Trotz der Notwendigkeit weiterer Forschungen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die gemäßigte Einnahme von Schmerzmitteln bei Menschen ohne beeinträchtigter Nierenfunktion zu keiner Steigerung des Risikos führt.
 


 

Haschisch hilft Patienten bei Übelkeit
Droge überzeugt nicht als Schmerzmittel

Zwei Studien haben ergeben, dass Cannabis Krebspatienten bei der Bekämpfung von Übelkeit besser hilft als herkömmliche Medikamente. Weniger gut eigne sich Haschisch bei akuten und chronischen Schmerzen, so die Ergebnisse, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "British Medical Journal" http://www.bmj.org veröffentlicht wurden. Die Forscher des Nottingham´s Pain Management Institute und Hopitaux Universitaires in Genf gehen aber davon aus, dass es durch die Nebenwirkungen der Cannabinoide nicht zu einer umfassenden Behandlung kommen wird.

Für die erste Studie zu Schmerzbekämpfung mit Cannabis wurden mehr als 200 Patienten untersucht. Die Schmerzen waren dabei von unterschiedlicher Ursache. Sie rührten entweder von einer Operation her, waren auf Krebs zurückzuführen oder chronisch gutartig. In acht der insgesamt neun Tests schnitt Haschisch in der akuten Schmerzbekämpfung nicht besser ab als gewöhnlich verabreichtes Codein. Deshalb raten Forscher, Cannabinoide den Krebspatienten nicht bei akuten Schmerzen nach einer Operation zu verabreichen. In der zweiten Studie am Genfer Unikrankenhaus wurden insgesamt 1.300 Patienten mit Haschisch-Tabletten und –Injektionen behandelt. Sie erhielten Haschisch für die Bekämpfung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie. Hier schnitt das Rauschgift wesentlich besser ab.

Für den Klinikgebrauch scheint Haschisch aber dennoch nicht geeignet zu sein, da es einerseits trotz angenehmer Nebenwirkungen wie Euphorie auch unangenehme Zustände wie Depressionen und Halluzinationen hervorruft. Cannabis-Befürworter meinen, dass die positiven Haschisch-Wirkungen nur beim Rauchen auftreten und nicht durch ein einzelnes Cannabinoid entstehen. Lesly Gibson von der britischen Cannabis Internet Aktivistengruppe: "Die Droge muss als Ganzes gesehen werden, denn viele Cannabinoide in Haschisch kann man nicht isolieren und die Wirkung bleibt aus."

 

 


BMBF intensiviert Schmerzforschung
Wissenschaft und Patienten-Versorgung sollen enger miteinander verknüpft werden

Das Bundesbildungsministerium http://www.bmbf.de will die Schmerzforschung intensivieren. Dafür sollen in den kommenden Jahren 30 Mio. Mark investiert werden. Die Erweiterung des Wissens soll jedoch nicht alleiniges Ziel der geförderten Projekte sein. Vielmehr ist angedacht, Wissenschaft und Versorgung besser miteinander zu verknüpfen.

Schmerzzustände gehören zu den häufigsten und belastendsten Krankheiten in Deutschland. "Dabei werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse nur unzureichend ausgeschöpft", sagte Bildungsministerin Edelgard Buhlmann. Die jeweiligen Entwicklungen müssten schneller Einzug in den Arbeitsalltag der Arztpraxen halten und den Patienten entsprechend früh zu Gute kommen. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung leiden an chronischen Kopfschmerzen, 40 Prozent mindestens einmal im Jahr an Rückenschmerzen. Auch die finanziellen Folgen für die Gesellschaft sind beachtlich: Bei Rückenschmerzen werden die Kosten für Behandlung, Rehabilitation und vorzeitige Rente auf über 30 Mrd. Mark pro Jahr geschätzt, bei Kopfschmerz liegen sie bei etwa fünf Mrd. Mark.

"In den vergangenen Jahren sind beachtliche Fortschritte bei der Therapie chronischer Schmerzzustände gemacht worden", so Buhlmann. Die Therapie von schweren oder lang anhaltenden Schmerzzuständen ist jedoch weiter problematisch, da manche Patienten nur unzureichend auf Medikamente reagieren.


 

Manuelle Medizin zur Schmerztherapie 


Utl.: Weiterbildung für Ärzte in Schloss Hofen =

Eine Weiterbildung für Ärzte veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin in Schloss Hofen in Lochau. ****

Die manuelle Therapie hilft bei vielen Arten von Schmerzen an Bewegungsorganen. Acht Tage informierten sich 26 praktische Ärzte, Neurologen und HNO-Ärzte aus Vorarlberg und Süddeutschland über die Grundlagen und die praktische Ausführung der manuellen Therapie an der Wirbelsäule und den Extremitätengelenken.

Bei der manuellen Medizin versucht der Arzt über Berühren mit den Händen und Bewegen von Weichteilen, Knochen und Gelenken Einfluss auf gestörte Körperfunktionen zu nehmen, Schmerzen zu lindern und normale Beweglichkeit wiederherzustellen. "Eine weitere Besonderheit der manuellen Medizin ist ihr ganzheitlicher Ansatz und ein vertieftes Arzt-Patient Verhältnis" definiert der Seminarleiter Hermann Locher. Der Facharzt für Orthopädie hat sich in seiner Praxis in Tettnang auf Schmerztherapie an der Wirbelsäule spezialisiert und unterrichtet Manuelle Medizin und Schmerztherapie.


 

Bakteriengift verringert Rückenschmerzen
Botulinus-Toxin wirkt auf Reizleitungsrezeptoren
 

Forscher der Uniformed Services University http://www.usuhs.mil haben bei Versuchen mit Botulinus-Toxinen der Gruppe A eine schmerzreduzierende Wirkung bei chronischen, tiefliegenden Rückenschmerzen festgestellt. Die Substanz, die gewöhnlich für Lebensmittelvergiftungen verantwortlich ist, scheint Schmerzrezeptoren zu beeinflussen und die Reizweiterleitung von sensorischen Bahnen zu reduzieren, wie das Journal Neurology http://www.neurology.org berichtet. Die Forscher sind sich aber im Klaren, dass die Versuchsgruppe der randomisierten, doppelblinden Studie zu klein war und weitere Studien notwendig sind.
 

Die Studie wurde an nur 31 Patienten mit Schmerzen im tiefen Rückenbereich durchgeführt. 15 Personen der Versuchsgruppe erhielten eine Botulinus-Toxin A Injektion, 16 Patienten eine salzhaltige Lösung. Drei Wochen nach der Behandlung berichteten 73 Prozent der Botulinus-Gruppe von einer Schmerzreduktion, verglichen mit 25 Prozent der Kontrollgruppe. Selbst acht Wochen nach der Injektion kehrten bei 67 Prozent der Toxin-Gruppe beziehungsweise 19 Prozent der Vergleichsgruppe die Schmerzen nicht im ursprünglichen Ausmaß zurück. Eine Stichprobe von sechs Patienten sprach laut Studie noch nach drei bis vier Monaten von einem positiven Effekt des Toxins. Negativerscheinungen seien nicht aufgetreten.
 

Botulinus-Toxin gilt als ein extrem muskelerschlaffendes Medikament, worauf unter anderem die Wirkung beim chronischen Spannungskopfschmerz mit erhöhter Muskelspannung beruhen soll. Botulinus-Toxin wird seit über 15 Jahren bei einer Reihe neurologischer Erkrankungen mit gutem Erfolg und geringer Nebenwirkungsquote eingesetzt. Im Hinblick auf einen zukünftigen Einsatz bei tiefliegenden Rückenschmerzen sei allerdings noch zu klären, ob auch wiederholte Injektionen Wirkung zeigen. "Bei Patienten mit Muskelspannungen und -spasmen war dies der Fall", so einer der Studienautoren, Bahman Jabbari.
 


 

Schmerzmittel arbeiten anders als bisher bekannt
Zentralnervensystem und entzündete Region betroffen
 

Wissenschaftler des Massachusetts General Hospital http://www.mgh.harvard.edu haben erstmals nachvollzogen, wie so genannte nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAIDs) durch die Wirkung im Zentralnervensystem und der entzündeten Region arbeiten. Bis jetzt wurde die Wirksamkeit von Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln nur mit der konkreten Entzündung in Verbindung gebracht. Diese Erkenntnisse sollen von entscheidender Bedeutung für die zukünftige Schmerzbehandlung und die Entwicklung sicherer, effektiverer Medikamente und Transportsysteme werden. Nature http://www.nature.com
 

NSAIDs verringern den Entzündungsschmerz durch die Blockierung der Enzyme Cox-1 und Cox-2. Cox-1 schützt normalerweise im Magen gegen Säureschäden und spielt bei Blutplättchen in der Gerinnung eine Rolle. Cox-2 wird in Haut oder Gelenken gebildet, nachdem eine Entzündung entstanden ist. Dieses Enzym ist für die Bildung von Prostaglandin E2 (PGE2) notwendig, das die Empfindlichkeit der Nerven für Schmerzen steigert. Die Hemmung von PGE2 an der Entzündungsstelle wurde für die entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung von NSAIDs verantwortlich gemacht. http://www.eurekalert.com/releases/mgh-mrs032001.html
 

In der aktuellen Studie zeigte das Team um Clifford Woolf, http://www.etherdome.org dass die Bildung von Cox-2 an der Entzündungsstelle zusätzlich ein Wirksamwerden in Nervenzellen vieler Regionen von Rückenmark und Gehirn verursacht. Diese bisher unbekannte zentralisierte Expression führt zur Produktion von PGE2 im gesamten Zentralnervensystem. PGE2 steigert die Reizbarkeit von Nervenzellen in Form der so genannten zentralen Sensibilisierung, die Woolf 1983 entdeckte. Diese Sensibilisierung verändert die Verarbeitung von Schmerzmeldungen, so dass das normalerweise schmerzfreie Bewegen eines Gelenks schmerzhaft wird.
 


 

Protein steigert Wahrnehmung chronischer Schmerzen
"NR2B" bietet neuen Ansatz für Behandlung

Forscher der Washington University School of Medicine http://medinfo.wustl.edu haben nachgewiesen, dass ein Protein, das Nervenzellen die Kommunikation ermöglicht, die Wahrnehmung von chronischen Schmerzen steigern kann. Das Protein NR2B führt bei Mäusen über einen längeren Zeitraum zu einer gesteigerten Wahrnehmung kleinerer Schmerzreize. Nature Neuroscience http://www.nature.com/neuro

"Die anhaltende Reaktion der Mäuse scheint nachzuahmen, was bei Menschen passiert, die lange nachdem der Auslöser verschwunden ist noch immer Schmerzen verspüren," erklärte der leitende Wissenschaftler Min Zhou. "Aus diesem Grund könnte NR2B bei Menschen Behandlungsmöglichkeiten für chronische Schmerzen bieten. Wir glauben, dass bei einer Verletzung, die NMDA Rezeptoren in Bereichen des Vorderhirns eine wichtige Rolle in der Verarbeitung des resultierenden Unbehagens spielen." http://www.eurekalert.com/releases/wustl-mpc012601.html

NR2B gehört zu den Bausteinen wichtiger zellularer Proteine, den so genannten NMDA Rezeptoren. Sie sind vor allem Anzeiger für die Neuronenaktivität. Sie funktionieren nur, wenn Anzahl und Stärke der neuronalen Botschaften einen vorgeschriebenen Wert erreichen. Aus diesem Grund sind die NMDA Rezeptoren bei wichtigen Gehirnfunktionen wie Lernen, Gedächtnis, Gehirnverletzungen und chronischen Schmerzen entscheidend.

Die Forscher untersuchten einen gentechnisch veränderten Mäusestamm, den das Team um Joe Tsien von der Princeton University mit einem verstärkten NR2B Vorkommen im Vorderhirn geschaffen hatte. Es stellte sich heraus, dass die Gen-Mäuse auf akuten Schmerz gleich wie ihre normalen Artgenossen reagierten. Sie zeigten jedoch stärkere oder längere Reaktionen auf zwei verschiedene Modelle von anhaltenden Schmerzen.

                                                               

 

 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:31
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