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Schizophrenie

 


 

 

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Australische Forscher entdecken Schizophrenie-Gen
Frühdiagnose der psychischen Störung möglich

Wissenschaftler der Queensland University of Technology (QUT) http://www.qut.edu.au haben gemeinsam mit Forschern des Royal Brisbane and Womens Hospital ein Gen entdeckt, das mit der Entwicklung von Schizophrenie in Zusammenhang gebracht wird. Die Forscher gehen seit längerem davon aus, dass Schizophrenie vererblich ist. Über den genetischen Hintergrund der Krankheit war bisher aber wenig bekannt, berichtet der Australisch-Neuseeländische Hochschulverbund http://www.ranke-heinemann.de .

Die Forscher nehmen an, dass es sich bei dem Gen um eine bestimmte Art eines Dopamin-Rezeptor-Gens handelt. Sein Vorhandensein äußert sich durch eine übergroße Anzahl besonderer Gehirnzellen, den so genannten D2-Dopamin-Rezeptoren. Eine Überaktivität dieser Zellen wurde bereits zuvor als wichtiger Faktor bei der Entwicklung von Schizophrenie erkannt. "Die neuen Erkenntnisse sind sehr bedeutend, da alle Medikamente, die derzeit zur Behandlung von Schizophrenie angewendet werden, die Aktivität der D2-Rezeptoren blockieren oder vermindern", erklärt Bruce Lawford, einer der Studienautoren. "Dies legt nahe, dass dem D2-Rezeptor eine Schlüsselfunktion bei der Erkenntnisgewinnung über Schizophrenie zukommt", so der Psychiater. "Menschen, die besonders gefährdet sind, Schizophrenie zu entwickeln, könnten mithilfe eines genetischen Tests diagnostiziert werden, der das Vorhandensein der überaktiven Form des Dopamin-Rezeptor-Gens überprüft."

Menschen, bei denen diese Rezeptor-Gene gefunden werden, könnten bereits vor Ausbruch einer Krankheit mit Hilfe vorbeugender Maßnahmen behandelt werden. Das Forschungsteam, dem unter anderem auch noch Ross Young und Angela van Daal angehören, will damit erreichen, dass potenziell gefährdete Personen besonders vor Umwelteinflüssen geschützt werden, die dafür bekannt sind, Schizophrenie auszulösen. Dazu zählen etwa Stress, aber auch Drogenmissbrauch. Eine regelmäßige psychologische Betreuung sei für diese Menschen allerdings unerlässlich. Schizophrenie ist eine weit verbreitete, schwerwiegende psychische Störung, von der rund ein Prozent der Weltbevölkerung betroffen ist.
 


 

Fehlerhafte Gehirnwellen erklären Schizophrenie
Aktivität im Gammawellenbereich fehlt bei Bildverarbeitung

Wissenschafter der Harvard Medical School http://hms.harvard.edu/hms/home.asp haben jene fehlerhaften Gehirnwellen identifiziert, die die Symptome von Schizophrenie erklären sollen. Zellen tauschen im Gehirn Informationen über die Umwelt aus und bilden mentale Eindrücke, die bei Schizophreniepatienten weniger aktiv waren. Damit könnten die Halluzinationen und das veränderte Denken von Betroffenen erklärt und auch behandelt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences http://www.pnas.org veröffentlicht.

Das Team untersuchte laut BBC die Gehirnwellenmuster von 20 Patienten mit Schizophrenie und 20 Personen einer Kontrollgruppe. Die Teilnehmer wurden ersucht, auf eines von zwei Bildern mit jeweils vier Pac-Man-Figuren zu schauen. Bei der Darstellung dieser Figuren handelt es sich um Kreise mit jeweils einem fehlenden Viertel. Bei einem Bild waren die vier Figuren so angeordnet, dass ein Quadrat in der Mitte wahrnehmbar sein sollte. Die Teilnehmer sollten einen Knopf drücken, um festzustellen, ob sie das Quadrat sahen oder nicht. Gleichzeitig wurden die Gehirnwellen mittels EEG beobachtet. Beide Gruppen waren in der Lage innerhalb einer Sekunde auf die Bilder zu reagieren. Die Schizophreniepatienten machten allerdings mehr Fehler und brauchten rund 200 Millisekunden länger für die Verarbeitung des Bildes.

Bei der Untersuchung der Gehirnwellenmuster zeigte sich, dass die Schizophreniepatienten in einem bestimmten Wellenbereich bei der Lösung der gestellten Aufgabe keine Aktivität aufwiesen. In der Kontrollgruppe wurde im Vergleich dazu eine sichtbare Gammawellenaktivität nachgewiesen, die nahe legte, dass die Gehirne die visuelle Information entsprechend verarbeiteten. Der leitende Wissenschafter Robert McCarley erklärte, dass die festgestellten Unterschiede sehr deutlich seien. "Findet die leistungsfähigste Kommunikation zwischen Neuronen bei 40 Hertz statt und verwenden Schizophrene eine niedrigere Frequenz, ist eine fehlerhafte Kommunikation zwischen den Zellanordnungen und den Gehirnregionen wahrscheinlich." Aus diesem Grund könnten Medikamente, die eine normale Gammareaktion fördern, bei der Behandlung von Schizophrenie sinnvoll sein.


 

Schizophrenie auf Blei zurückzuführen
US-Forscher findet Zusammenhang zwischen Umweltgift und Geisteskrankheit

Forscher der Columbia Universität http://www.columbia.edu in New York haben Hinweise dafür gefunden, dass Bleibelastungen zu Schizophrenie führen können, berichten die Wissenschaftler beim Treffen der American Association for the Advancement of Scienes AAAS http://www.aaas.org , das derzeit in Seattle stattfindet. Die Daten beziehen sich auf Untersuchungen von schwangeren Frauen in den 60-er Jahren, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk .

Ezra Susser von der University of Columbia hat zwischen 1959 und 1966 Aufzeichnungen von mehr als 20.000 Schwangeren in Kalifornien untersucht. Damals waren in den USA ebenso wie in den meisten anderen Staaten der Welt bleihaltige Treibstoffe üblich. Demnach entwickelten Menschen, deren Mütter höheren Bleibelastungen ausgesetzt waren, doppelt so oft die Geisteskrankheit wie andere Erwachsene. "Es ist das erste Mal, dass irgendein Umweltgift und die Belastung damit mit Schizophrenie in Verbindung gebracht wird", so Susser, der davon ausgeht, dass in Zukunft auch anderen Umweltgifte auf eventuelle Auslöser von Geisteskrankheiten untersucht werden. Der Experte nimmt an, dass das Blei das Wachstum der Nervenzellen in einer bestimmten Entwicklungsphase, der so genannten Synaptogenese, im Gehirn der Ungeborenen stört.

Susser meint, dass Blei ähnlich auf das Ungeborene wirkt wie etwa der erhöhte Alkoholgenuss von Schwangeren. "Auch dabei wird das Gehirn des Ungeborenen durch Alkohol geschädigt", so der Experte. Die Entstehung von Schizophrenie, einer der gefährlichsten Geisteskrankheiten, die häufig mit Selbstmord endet, ist bisher ein wissenschaftliches Rätsel gewesen.
 


 

Gen erhöht Schizophrenie-Risiko
Nogo-Variante in Durchschnittsbevölkerung entdeckt
 

November 02/08:10) - Forscher der University of Toronto http://www.utoronto.ca haben laut eigenen Angaben das erste "Risikogen" für Schizophrenie entdeckt. Anders als in bisherigen Studien wurde das Gen in der Durchschnittsbevölkerung und nicht in einer spezifischen ethnischen Bevölkerungsgruppe gefunden. Wie die Forscher im Fachblatt Molecular Brain Research berichten, erhöht eine ungewöhnliche Variante des Gens namens Nogo, wenn es von beiden Elternteilen vererbt wird, das Schizophrenie-Risiko.
 

Die Studie unter der Leitung von Teresa Tallerico zeigte, dass einer von fünf Schizophrenie-Patienten das Risiko-Gen besitzt. 17 von 81 Patienten, also 21 Prozent, hatten die Nogo-Variante von beiden Elternteilen geerbt. Im Vergleich dazu hatten nur drei Prozent der Kontrollgruppe das Gen von beiden Elternteilen vererbt bekommen. Prinzipiell besteht nur dann ein Schizophrenie-Risiko, wenn beide Elternteile die Nogo-Genvariante weitergeben. Die Forscher halten aber fest, dass das Gen kein Diagnose-Tool für Schizophrenie ist, sondern Träger lediglich stärker veranlagt sind, die Krankheit zu entwickeln.
 

Eine Funktion des Nogo-Gens ist u.a. die Produktion von Proteinen, die das Wachstum von Nervenenden im Gehirn verhindern. Anders als die herkömmliche Nogo-Form besitzt die variante Form in einer Region des Gens, das die Proteinproduktion reguliert, drei zusätzliche chemische Basen. Wie sich herausstellte, ist die Aktivität der Nogo-Gene bei postmortalen Gehirnproben von Schizophrenie-Patienten höher. Möglicherweise führen die Extra-Basen des varianten Nogo-Gens zu einer verstärkten Protein-Produktion, schreiben die Forscher. Dadurch könnte sich die Zahl der Nervenenden in Gehirnregionen, die mit Schizophrenie-Symptomen assoziiert sind, reduzieren, erklärte der Pharmakologe und Psychiater Philip Seeman. Um dies zu bestätigen ist allerdings noch mehr Forschungsarbeit nötig.
 

Noch sind die Ursachen der Schizophrenie unbekannt. Eine Theorie ist, dass sich in den Gehirnen von Schizophrenie-Patienten das Nervensystem anders entwickelt und dies zu Symptomen wie Halluzinationen und Größenwahnsinn im jungen Erwachsenenalter führt. Die aktuellen Studienergebnisse nähren diese Theorie, resümiert Seeman.
 


 

Schizophrenie: Weg von der medikamentösen "Zwangsjacke" - ein Hilferuf der modernen Psychiatrie an verantwortliche Stellen

Wiener Spezialist Univ.-Prof. Dr. Dr. Siegfried Kasper: "Die Behandlung akuter psychotischer Erkrankungen muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln erfolgen - wie die Therapie eines Herzinfarkts auch."

Kardiologen oder Chirurgen zögern bei Lebensgefahr nicht, die modernsten und wirksamsten Mittel zur Rettung des Patienten einzusetzen. Die Psychiatrie ist hier partiell hintennach: Noch immer erhält nur ein Teil der Menschen, die an einer Schizophrenie leiden, die modernsten, wirksamsten und zugleich nebenwirkungsärmsten Medikamente - die so genannten atypische Antipsychotika. In ihrer modernsten Art müssen sie nur noch alle zwei bis drei Wochen einmal in Form einer Depotspritze injiziert werden.

"Eine akute psychiatrische Erkrankung, wie sie die psychotische Episode eines Schizophrenen darstellt, sollte sich in der Medizin in ihrer Wertigkeit für die Therapie nicht von einem akuten Herzinfarkt unterscheiden. Zusätzlich ist eine zweite psychotische Phase genau so zu verhindern, wie ein zweiter Herzinfarkt", erklärte jetzt Univ.-Prof. Dr. Siegfried Kasper, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Psychiatrie am Wiener AKH.

Der Hintergrund: Obwohl es seit Jahren in der Form der atypischen Antipsychotika (z.B. "Risperidon") besser verträgliche und auch besser wirksame Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie gibt, bekommen noch immer viel zu wenige der Patienten dieser Medikamente. Kasper: "An unserer Klinik erhalten zwar schon rund 80 Prozent der Schizophrenie-Patienten diese atypischen Antipsychotika, in der niedergelassenen Praxis liegt dieser Anteil aber zum Teil weit darunter."

Stigmatisierung und irreversible Nebenwirkungen verhindern!

Der Hintergrund: Die herkömmlichen Neuroleptika haben zwar vor Jahrzehnten die Schizophrenie erst behandelbar gemacht, indem sie wirksam die "positiven Symptome" (Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Stimmenhören, Denkstörungen etc.) verringern. Doch die oft gleichzeitig auftretenden "negativen Symptome" (Apathie, Rückzug aus dem sozialen Leben, Affektverflachung, Depression, Antriebsschwäche etc.) blieben. Kasper: "Die Patienten laufen mit den alten Medikamenten häufig 'wie Roboter', 'ferngesteuert' herum."

Gerade das macht die Betroffenen auffällig für die Umgebung. Stigmatisierung und Diskriminierung sind erst recht die Folge. Ein Teil der Betroffenen scheut daher auch vor der Einnahme der Medikamente zurück. Ein Teufelskreis kommt in Gang. Gerade das können die neuen Antipsychotika verhindern. Gut 80 Prozent der Patienten könnte mit ihnen gut behandelt werden.

Ein ganz wichtiger Punkt: Unter den alten Arzneimitteln kommt es nach längerer Anwendung bei manchen Patienten zu irreversiblen Bewegungsstörungen (Spätdyskinesien). Die Betroffenen können nur noch in Trippelschritten gehen. Ihr Gesicht wird durch Grimassen entstellt. Sind diese Symptome einmal da, verschwinden sie auch nicht mehr, wenn die Medikamente abgesetzt werden.

Langzeitbehandlung: Jetzt auch in modernster Form, daher weg von der medikamentösen "Zwangsjacke"

Deshalb sollten Menschen mit psychotischen Störungen modern und langfristig behandelt werden. Der Wiener Spezialist: "Nach dem Auftreten einer ersten psychotischen Episode sollte die medikamentöse Therapie ein bis zwei Jahre dauern. Dann kann man einmal beobachten, wie es weiter ohne Arzneimittel aussieht. Bei zwei Phasen wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Lebens-begleitende Therapie ins Auge fassen müssen."

Vor allem in der Langzeittherapie der Schizophrenie können injizierbare Depot-Antipsychotika eine wichtige Rolle spielen. Kasper: "Nicht immer sind die Patienten in der Lage, regelmäßig die Tabletten einzunehmen. Das führt oft dazu, dass es bald wieder zu einer stationären Aufnahme ins Spital kommt." Im Krankenhaus war der Patient gut auf die Medikamente eingestellt, doch das reale Leben draußen ist einfach anders. Der Rückfall kann so vorprogrammiert sein.

Der Wiener Spezialist: "Deshalb können Depot-Antipsychotika hier eine wertvolle Hilfe sein. 20 bis 30 Prozent der an Schizophrenie Erkrankten bekommen solche Medikamente als Depot injiziert. Jetzt gibt es auch erstmals ein atypisches Antipsychotikum in dieser lang wirksamen Form."

Eine Injektion alle zwei bis drei Wochen!

Es gibt es nun eine wesentliche Verbesserung. Kasper: "Das erste atypische Antipsychotikum muss nur alle zwei bis drei Wochen - je nach Patient - injiziert werden." Damit wurde die langfristige Wirkung der Depot-Anwendung mit den Vorteilen der modernsten Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie kombiniert.

Damit stünden die Vorteile der atypischen Antipsychotika auch für jene Betroffenen zur Verfügung, die einfach nicht täglich Tabletten schlucken können oder wollen, mit der regelmäßigen Einnahme Probleme haben oder ihre sonst gut behandelte Krankheit zwischen den Arztbesuchen einfach "vergessen" wollen.

Die Voraussetzung: Medizin und Gesellschaft (Finanzierung) erkennen, dass zwischen dem Herzinfarkt und der Psychose kein Unterschied in der Bedeutung, die der Therapie der jeweiligen Krankheit zugemessen wird, mehr sein darf.

Moderne Therapie reduziert Kosten!

Den Krankenkassen steht mit dieser neuen Depot-Form erstmals seit langem - genau gesagt seit rund 30 Jahren - eine Applikationsform zur Verfügung, die anerkannte positive Eigenschaften eines Depots mit den Vorteilen der atypischen Antipsychotika verbindet.

Auf Grund des deutlich verringerten Rückfallsrisikos durch diese neue Form der Medikamentenverabreichung hat nicht nur der Patient enorme Vorteile, sondern es ermöglicht auch den Krankenkassen eine gesamtwirtschaftliche Einsparung bei den Therapiekosten - denn nichts ist teurer in der Therapie der Schizophrenie als ein Krankenhausaufenthalt, der heute "nur noch" rund einen Monat dauert.
 


 

Schizophrenie: Rechtsvorschriften führen zu Diskriminierung
Österreichische Wissenschaftler editieren neue Empfehlungen zur Behandlung
 

Schizophrenie ist eine Erkrankung, die typischerweise in der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter beginnt. Sie ist charakterisiert durch Störungen des Denkens und der Wahrnehmung, durch unangepasste Gefühle und Verhaltensweisen. Die Vorstellung, dass die Erkrankung unbehandelbar und chronisch ist, spiegelt sich auch in rechtlichen Bereichen wider. Zu diesem Schluss kommen Karin Gutierrez-Lobos und Heinz Katschnig von der Uni-Klinik in Wien anlässlich der Vorstellung neuer Aspekte über die Krankheit Schizophrenie, die heute, Dienstag, stattgefunden hat.
 

"Im Zivil- und Kirchenrecht, finden sich etwa Bestimmungen, die im Falle einer psychischen Krankheit die Ehe für nichtig erklären", so Karin Gutierrez. Auch hinsichtlich der Erfüllung von Patientenrechten und dem Recht auf Selbstbestimmung finden sich bei psychisch Kranken Unterschiede zu somatisch erkrankten Personen. "So ist etwa die freie Wahl von Hilfsangeboten kaum gegeben, in fast allen Verträgen privater Zusatzversicherungen findet sich der Passus, dass Leistungen für psychische Störungen nicht oder wenn, nur in deutlich geringerem Umfang gewährt werden. Betroffen davon sind in der Regel die Gewährung von Taggeld für Krankenhausaufenthalte, Pflegeunterstützung aber auch Auslandsversicherungen und Reiserückholversicherungen", so Katschnig, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien.
 

"Schizophrenie trifft im gleichen Ausmaß Männer als auch Frauen, der Beginn ist bei Frauen aber meistens etwas später", so Karin Gutierrez-Lobos. In Österreich sind rund 60.000 Menschen davon betroffen. Die Schizophrenien können akut und traumatisch verlaufen oder schleichend und für außen Stehende kaum erkennbar. Die Ursachen der Erkrankung sind immer noch unbekannt. Die Wissenschaft gehe davon aus, dass verschiedene Faktoren wie eine besondere Verletzlichkeit, eine spezielle Disposition und auch Botenstoffe im Gehirn eine Rolle spielen.
 

Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen entscheidet aber die Diagnose nicht über die Prognose. Im Vergleich zu körperlichen Krankheiten, etwa zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zum Tode führen können, wenn keine Behandlung erfolgt, kann eine Schizophrenie auch ohne psychiatrische Intervention ausheilen. Die jeweilige Therapie muss sich nach der Art und der Manifestation des Krankheitsbildes richten, sie muss auf die Krankheitssymptome abgestimmt sein und soll den Betroffenen helfen, ihr Leiden aktiv zu bewältigen. Die erfolgreiche Behandlung inkludiert daher verschiedene therapeutische Maßnahmen wie die Therapie mit antipsychotisch wirksamen Medikamenten, psychosoziale Interventionen und Arbeitsrehabilitation.
 

Die Akut- und Langzeitbehandlung der Krankheit war lange Zeit durch so genannte "typische Antipsychotika" dominiert, die zahlreiche Nebenwirkungen aufweisen. Eine neue Generation von Antipsychotika, die seit einigen Jahren erhältlich ist, weist nicht nur viel weniger Nebenwirkungen auf, sondern hat auch die spezielle Eigenschaft, die Patienten zu motivieren, an psychosozialen Therapien und am sozialen Leben teilzunehmen. Das ist auch eine wichtige Voraussetzung für ihre Integration.
 

Kürzlich wurden von Heinz Katschnig, H. Donat, W. Fleischhacker und U. Meise im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie http://www.oegpp.at "4 x 8 Empfehlungen für die Behandlung von Schizophrenie" in der Edition "pro mente" publiziert.
 


 

Schizophrenie: Chromosom 13 und 15 entscheidend
Genetische Ursachen bei ethnischen Gruppen unterschiedlich
 

Ein amerikanisches Wissenschaftlerteam hat in einer großangelegten Studie vier Chromosome darauf untersucht, ob sie Gene enthalten, die die Prädisposition für eine Schizophrenie-Erkrankung erhöhen. Bei den Chromosomen 13 und 15 konnte ein derartiger Zusammenhang nachgewiesen werden, bei 12 und 16 nicht. Laut der Molekulargenetikerin Debby Tsuang von der University of Washington http://www.washington.edu ist die Veterans Administration Cooperative Study die erste Studie, an der zahlreiche Familien mit Vorfahren aus Europa und Afrika teilgenommen haben. Es konnte nachgewiesen werden, dass nur bei der ersten Gruppe ein Zusammenhang zwischen dem Chromosom 15 und Schizophrenie besteht.
 

Tsuang erklärte auf dem Annual Meeting des American College of Neuropsychopharmacology (ACNP) http://www.acnp.org, dass wahrscheinlich verschiedene Kombinationen von Genen in unterschiedlichen ethnischen Gruppen zum Entstehen einer Erkrankung beitragen. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass eine Prädisposition für Schizophrenie aus der Interaktion einer großen Anzahl von Genen resultiert, von denen jedes für einen ganz speziellen Effekt verantwortlich ist. Die Chromosome 13 und 15 beherbergen mehrere dieser Gene. Diese genetischen Faktoren interagieren ihrerseits mit Umwelteinflüssen, die ebenfalls von großer Bedeutung sein können. Die Unterschiede in den genetischen Ursachen bei verschiedenen ethnischen Gruppen erklären laut Tsuang, warum Studien zu unterschiedlichen oder sich widersprechenden Ergebnissen gekommen sind.
 

Die Wissenschaftlerin untersuchte eine Stichprobe von 168 Familien mit zwei oder mehreren Mitgliedern, die an Schizophrenie erkrankt waren. Neben Interviews wurden DNA-Analysen und statistische Untersuchungen durchgeführt. "Die Regionen der Chromosome 13 und 15, die mit Schizophrenie in Zusammenhang stehen, enthalten hunderte von Genen, die eine Rolle spielen könnten. Derzeit gibt es kein exaktes Verfahren zur Ermittlung, welche Gene genau verantwortlich sind." Details: Eurekalert http://www.eurekalert.org/pub_releases/2001-12/acon-ist120601.php
 


 

Zerstörung des Gehirns durch Schizophrenie erstmals abgebildet
Krankheit breitet sich wie Waldbrand aus
 

 Gehirnforscher der University of California (UCLA) http://www.ucla.edu haben mit einem neuen leistungsstarken Analyseverfahren erste Bilder von der Zerstörung des Gehirns durch eine Schizophrenie-Erkrankung hergestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine dynamische Welle der Gewebezerstörung das Gehirn der Patienten im Teenager-Alter überflutet. Diese Erkenntnisse sollen in Zukunft ermöglichen, einen anormalen Gewebeverlust früher zu entdecken. Neue Medikamente könnten den Gewebeverlust bekämpfen. Fortschritte in der Behandlung würden in der Folge mit Hilfe des bildgebenden Verfahrens direkt messbar. http://www.ucla.edu/Templates/NewsItem2.html
 

Der leitende Wissenschaftler Paul Thompson erklärte, dass diese Studie erstmals die Entwicklung der Schizophrenie im Gehirn sichtbar macht. "Es war bis jetzt nicht genau bekannt, wie sich die Krankheit entwickelt und ob es zu physikalischen Veränderungen im Gehirn kommt. Wir waren erstaunt, eine sich ausbreitende Welle des Gewebeverlusts zu entdecken, die in einer kleinen Gehirnregion ihren Ausgang nahm. Sie breitete sich über das Gehirn wie ein Waldbrand aus, der immer mehr Gewebe zerstörte." Proceedings of the National Academy of Sciences http://www.pnas.org
 

Das UCLA-Team scannte gemeinsam mit Forschern des National Institute of Mental Health http://www.nimh.nih.gov mit einem bildgebenden Verfahren wiederholt die Gehirne einer Gruppe von an Schizophrenie erkrankten Teenagern. Das neue Kernspinresonanztomografie-Verfahren identifiziert bereits sehr geringe Veränderungen im Gehirn. Es zeigte sich ein Verlust an grauer Substanz von mehr als zehn Prozent zuerst in den seitlichen Regionen des Gehirns. Innerhalb von fünf Jahren wurde das gesamte Gehirn in Mitleidenschaft gezogen. Die Patienten mit dem größte Gewebeverlust litten an den schwersten Symptomen wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen, bizarren und psychotischen Gedanken, Stimmenhören und Depressionen. Die genauen Auslöser für eine Schizophrenie-Erkrankung sind derzeit nicht bekannt. Die Krankheit beginnt in den meisten Fällen ohne Vorwarnung in den späten Jugendjahren.


 

Tolle Preise zu gewinnen!
Eli Lilly Schizophrenie-Preis 2001 ausgeschrieben
Menschen, die an Schizophrenie leiden, sind nicht gefährlich. Sie leiden
auch nicht an einer Persönlichkeitsspaltung. Trotzdem halten sich die Mythen
über diese Krankheit hartnäckig. Der Eli Lilly Schizophrenie-Preis 2001 soll
Medienberichte und Projekte auszeichnen, die zu einem besseren Verständnis
der Krankheit und zu einer Reintegration der PatientInnen in die
Gesellschaft beitragen.

Der Eli Lilly Schizophrenie-Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Er soll zum
Verständnis für diese Krankheit, zur Toleranz gegenüber Erkrankten und zur
Reintegration Betroffener beitragen.

Jetzt wurde der Preis 2001 ausgeschrieben: Eingereicht werden können
Projekte, die nachweislich die Reintegration von Schizophrenie-Patientinnen
in die Gesellschaft fördern und journalistische Beiträge, die zum
allgemeinen Verständnis und zur objektiven Aufklärung über Schizophrenie
beitragen.

Kein unabwendbares Schicksal
Weltweit leidet rund ein Prozent der Bevölkerung an Schizophrenie, bis 2020
wird mit einer Zunahme der Erkrankungen auf 1,25 Prozent gerechnet. Die
Grundsymptome der Schizophrenie können als eine Art seelischer
Desorganisation der Denkvorgänge und Affekte beschrieben werden. Es kommt zu
Halluzinationen, also Trugwahrnehmungen und Wahnideen, sowie Symptomen wie
vermindertem Interesse und Affektverflachung.

Das pharmazeutische Unternehmen Eli Lilly, das sich unter anderem auf die
Behandlung von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems spezialisiert hat,
will mit diesem Preis Aktivitäten fördern, die zur Reintegration von an
Schizophrenie Erkrankten beitragen.

Ausgezeichnet werden:
a) Einrichtungen und Projekte aus den Bereichen Medizin, Pflege,
Sozialarbeit, Selbsthilfegruppen, die die Reintegration Betroffener
unterstützen

b) Medienberichte, die durch sachliche und fundierte Berichterstattung
mithelfen, über Schizophrenie, das Leben Erkrankter und moderne
Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären.

Die Preise
a) für Einrichtungen:
1. Platz: ATS 45.000,00
2. Platz: ATS 30.000,00
3. Platz: ATS 15.000,00
b) für JournalistInnen:
1. Platz: ATS 30.000,00
2. Platz: ATS 20.000,00
3. Platz ATS 10.000,00

Einsendeschluss ist der 15. September 2001. Die Preisverleihung findet am
10. November 2001 statt.
Machen Sie mit!

Unterlagen und Auskünfte:
B&K Kommunikation
Sabine Fisch
Thurngasse 8/16
1090 Wien
t: 01/319 43 78 13
f: 01/319 43 78 20
m: fisch@bkkommunikation

 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:31
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