Chemnitzer Forscher recyclen Autoreifen
Verfahren auf der Materialica-Messe vorgestellt
Wissenschaftlern der Technischen Universität von Chemnitz ist es
erfolgreich gelungen, Gummi zu recyclen. Das neue Verfahren wird auf der
Münchner Materialica Messe
http://www.materialica.de , die heute, Montag, begonnen hat, der
Öffentlichkeit präsentiert. Laut Experten zufolge, ist die Methode
spektakulär, da es bisher nicht gelungen ist, Gummi in diesem Maße
werkstofflich wiederzuverwerten. Innerhalb der EU wird es außerdem ab 2005
verboten sein, Altgummi zu verbrennen.
Dem Chemnitzer Institut für Allgemeinen Maschinenbau und Kunststofftechnik,
Abteilung Kunststoffverarbeitungstechnik
http://www.tu-chemnitz.de/mbv/KunstStTechn ist es gelungen, Altreifen
zuerst in kleine Teilchen von 0,2 bis 0,4 Millimeter zu zerkleinern und dann
auf 150 Grad zu erhitzen. Dann wird dem Gummi-Mehl geschmolzener Kunststoff
beigefügt. "Das ist die eigentliche Sensation", so Hannes Michael, Forscher an
der TU-Chemnitz. Diese Verknüpfung entspreche einer Legierung von Metallen.
"Normalerweise verbindet sich nämlich das Gummimehl nicht", so der
Wissenschaftler zu pte. Der neuentstandene Stoff, ein sogenanntes
Thermoplastisches Elastomer (TPE), konnte bisher nur aus Kautschuk in der
Mischung mit Kunststoff gewonnen werden, erklärt der Forscher.
Das neue TPE heißt mit dem technischen Namen Elaplasten und ist in seiner
Konsistenz ähnlich wie Kunststoff: unzerbrechlich, stoßfest und stabil. "Elaplasten
ist darüber hinaus auch wesentlich temperaturbeständiger als herkömmliche
Kunststoffe. Bei Temperaturen von minus 20 bis plus 60 Grad ermüden und
brechen normale Kunststoffe", so Michael. "Besonders stolz sind wir auch
darauf, dass Elaplasten selbst bis zu acht Mal recyclefähig ist", meint der
Wissenschaftler. Der neugewonnene Kunststoff ist auch noch um die Hälfte
billiger als aus der Mischung von Kunststoff und Kautschuk gewonnene TPEs.
Von der Materialica-Messe erwarten sich die Chemnitzer Wissenschaftler
weitere Kontakte zur Automobilbranche und anderen Industriezweigen. "Das
Interesse für unser Elaplasten war auch bei der Messe in Bangkok und beim
vietnamesischen Institut für Tropische Technologie ITT sehr groß", so Michael.
"Vietnam ist immerhin der zweitgrößte Naturkautschukproduzent. Die Vietnamesen
wollen auch testen, wie sich der neue Kunststoff in den Tropen bewährt", meint
Michael. Die Erwartungen bei der Materialica-Messe, wo Anwendungen
verschiedenster Stoffe vorgestellt werden, sind jedenfalls hoch.
Mikrowellen-Plasma zersetzt FCKW-Abfälle
Wissenschaftler nutzen Prinzip der Leuchtstoffröhren
Ein mikrowellenbeheiztes Plasma soll FCKW-haltige Abfälle der chemischen
Industrie zersetzen. Ein entsprechendes Verfahren wollen Wissenschaftler des
Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT in Pfinztal bei Karlsruhe http://www.fraunhofer.de
entwickeln.
Der Reaktor-Prototyp des so genannten "Plasmafasses" besteht aus
einer elliptischen Metallkammer von rund 70 Zentimetern Durchmesser. In der
einen Brennlinie werden Mikrowellen eingestrahlt, in der anderen zünden sie
das etwa einen Meter lange Plasma. "Das Prinzip ist das gleiche wie bei
Leuchtstoffröhren", erläuterte Mathias Kaiser, Leiter des Projekts.
"Bei der elektrischen Entladung im Gas entsteht nicht nur Licht, sondern
auch eine wilde Mischung aus Atomen, Elektronen und verschiedenen Gas-Ionen.
Im Plasmafass besitzt dieser vierte Aggregatzustand der Materie eine etwa
10.000 Mal höhere Dichte."
Das Plasma im Fass wird von den Mikrowellen mit der gleichen Frequenz
erzeugt, wie sie im heimischen Herd herrscht. Dabei steigen die entstehenden
Temperaturen allerdings nicht über 40 bis 100 Grad. "Das hat zwei
wesentliche Vorteile", so Kaiser weiter. "Zum einen kann die Anlage
aus kostengünstigen Serienteilen hergestellt werden. Die Strahlungsemissionen
liegen ebenfalls unterhalb der gesetzlichen Vorgaben." Zum anderen
arbeite das Plasmafass außerordentlich energiesparend: Da ein
"kaltes" Plasma den Gasstrom nicht sonderlich aufheizt, geht auch
nicht viel Wärme verloren.
Die hochenergetischen Teilchen im Plasma sollen schließlich die jeweiligen
Schadstoffe zersetzen. Im Idealfall bliebe etwa von einem Lösungsmittel nur
noch Wasserdampf und Kohlendioxid übrig. Eventuell entstehende Salz- oder
Flusssäuren könnten mit einem konventionellen Gaswäscher neutralisiert
werden.