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Wiener-Politik

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Mag. Karl-Heinz Grasser begehrt Urteilsveröffentlichung

"Im Namen der Republik

Durch die Behauptung, Mag. Karl-Heinz Grasser habe berufliche und private Interessen vermischt und seine massiven persönlichen Abhängigkeiten würden die Amtsführung seines Ressorts beeinflussen, weil eine Weisung erteilt worden sei von einer Zollprüfung beim Unternehmen Swarovski Abstand zunehmen, in der OTS-Aussendung OTS 0187 5 II 0173 SPK0010 WI vom 18.5.2005 unter der Überschrift "Kräuter zu "Swarovski-Weisung": Bundeskanzler Schüssel muss handeln" wurde Mag. Karl-Heinz Grasser die Erteilung einer Weisung aus persönlichen Motiven, die Vermischung privater mit beruflichen Interessen und die persönliche Abhängigkeit bei der Dienstausübung vorgeworfen, er somit eines unehrenhaften Verhaltens beschuldigt. Es wurde daher in bezug auf ihn das Tatbild der Üblen Nachrede erfüllt.

Für die dadurch erlittene Kränkung wurde die Sozialdemokratische Partei Österreichs als Medieninhaberin der genannten Aussendung zur Zahlung einer Entschädigung von Euro 2.500,-- an Mag. Karl-Heinz Grasser sowie zur Urteilsveröffentlichung verurteilt.

Landesgericht für Strafsachen Wien am 15.11.2005"
 


 

Einem: 5 Jahre Regierung Schüssel

Geht es Österreich besser? 

"Zweifellos war es legitim, dass Wolfgang Schüssel im Jahr 2000 eine kleine Koalition mit den Freiheitlichen gebildet hat. Diese Regierung hatte eine ausreichende parlamentarische Mehrheit. Es war legitim, wenn auch nicht anständig. Denn versprochen hat er etwas anderes", stellte der Europasprecher der SPÖ und ehemalige Minister der letzten SPÖ-geführten Regierung Caspar Einem zum heutigen fünften Jahrestags von Schwarz-Blau fest. Und es sei auch ein normaler Schritt in Demokratie, dass die Regierung von Zeit zu Zeit wechselt.

Der Anspruch der neuen Regierung sei gewesen, alles besser zu machen als die vorangegangene Regierung - an der Schüssel allerdings auch in führender Rolle tätig gewesen sei, auch wenn er das nachher vergessen machen wollte.

Die Frage zum heutigen Jahrestag müsse an die Bevölkerung gerichtet werden, so Einem. "Was ist besser geworden?" Österreich habe die höchste Arbeitslosigkeit seit 1945, und die Regierung tue nichts dagegen. Vielen Beziehern kleinerer und mittlerer Einkommen gehe es heute wirtschaftlich schlechter als 1999. Vor allem Pensionisten könnten ein Lied davon singen. Nur die Kapitaleigentümer klatschten Beifall. Sie seien die Gewinner von zahlreichen Entlastungen für Unternehmen und der Senkung der Körperschaftssteuer. "Und deshalb geht es Österreich besser?", fragte Einem. "Es wird Zeit, diese Frage empirisch zu klären. Am besten bei bundesweiten Wahlen. Und es wird Zeit, endlich vom bloßen Regierungsmarketing zur Problemlösung über zu gehen. Das Projekt muss heißen: Arbeit schaffen - Wirtschaft ankurbeln. Dafür wird es aber vermutlich neuerlich einen Regierungswechsel brauchen. Denn die Regierung Schüssel beschränkt sich lieber aufs Verkaufen - das Tafelsilber der Republik und sich und ihre angeblichen Leistungen", schloss Einem.


 

Pilz nach OLG-Entscheid zu Grasser-Finanzverfahren: Schwere Niederlage für Finanzminister

   Leiter der Staatsanwaltschaft muss nun ordentliches Verfahren ermöglichen

"Eine schwere Niederlage für Grasser und die Regierungsanwälte", kommentiert Peter Pilz, Abgeordneter der Grünen, die Entscheidung der Ratskammer, dass das in der Homepage-Affäre anhängige Finanzstrafverfahren gegen Karl-Heinz Grasser nicht eingestellt werden darf. "Der Finanzminister steht jetzt nicht mehr unter dem Schutz der Wiener Justiz."

"Jetzt muss das Verfahren an einen seriösen Staatsanwalt übertragen werden, der bereit ist, das Verfahren korrekt zu führen", fordert Pilz angesichts des Umstands, dass der derzeit verfahrensführende Staatsanwalt alles versucht, um das Verfahren einzustellen. "Die Ratskammer des OLG hat das Ansehen der Justiz wieder hergestellt - jetzt liegt es am Leiter der Staatsanwaltschaft Wien, ein ordentliches Verfahren zu ermöglichen."
 


 

Gewerbeverein: PISA-Frage: Wenn Deutschland 131.000 Beamte hat, wieviel..?
Das Ergebnis für Österreich kann nur ein PISA-Eleve oder die Regierungverstehen!

Bei der PISA-Studie 2003 wurde auch Problemlösungs- oder Plausibilitätswissen hinterfragt. Dabei wurden Fragen etwa rund ums Überbein am Fuß gestellt. Eine wichtigere Frage wäre jedoch nahe liegender: Wenn Deutschland 130.826 Bundesbeamte hat, wieviel beschäftigt dann das zehnmal kleinere Österreich? Vielleicht wäre bei der Qualität unserer PISA-Antworter die faktische Antwort herausgekommen: 160.000!

Der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) hat sich mit der Gesamtzahl der öffentlich Bediensteten Österreichs im Sommer 2004 auseinander gesetzt. Dabei gingen wir grob von dem Größenverhältnis Österreich zu Deutschland von 1:10 aus. Österreich hat 750.000 öffentlich-rechtlich Bedienstete in Bund, Ländern und Gemeinden. Deutschland findet mit 4.000.000 das Auslangen. Dies legte den Schluss nahe, dass wir verglichen mit der noch immer komfortablen Beamtenrepublik Deutschland um 350.000 Öffentlich-rechtliche zu viel beschäftigen.

Es kommt aber wohl noch etwas ärger, wenn man nur die Kern-Beamtentruppen beider Länder vergleicht:

+ Österreichs Bundesverwaltung beschäftigt 160.000 Beamte,
+ Deutschland - jenes Land, das laut Grasser an der Herz-Lungenmaschine hängt - lediglich 130.826 (Quelle: Destatis, Stand 30.6.2003)

Wenn man also das zehnmal so große Deutschland mit weniger Beamten verwalten kann als es in Österreich gibt, dann fragt man sich, warum nur der ewig kluge Gewerbeverein auf dieses krasse Missverhältnis draufkommt?

Selbstverständlich ist klar, dass das 1:10 nicht generell argumentiert werden kann. So braucht ein Land - egal wie groß es ist - jeweils annähernd gleich viele Präsidentenchauffeure, egal ob Luxemburg oder Russland. Aber dass sich Österreich eine größere Kerntruppe an Beamten hält als Deutschland kann nur als schlechter Witz angesehen werden.

Der ÖGV fordert die rasche Abschaffung der bestehenden Pragmatisierung. Wir schleppen sonst den Ballast an überdotierten Beamten noch über Jahrzehnte mit. Es ist ja schließlich auch in Deutschland gelungen, die Doppelverwaltung nach der Wiedervereinigung zu schrumpfen. Und auch heute reißt sich kein Beamter einen Haxn (pardon: sein Bein) in Erfüllung seiner Aufgaben aus!


 

NEWS: Politisches Asyl für Saddam-Freund in Wien

Enger Vertrauter des Ex-Irak-Diktators bekam blitzartig Asyl in
      Österreich. Geheime Asyl-Akte spricht von "Intervention" 

Das Nachrichtenmagazin NEWS berichtet in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe, dass der einst enge Vertraute und langjährige Maler der offiziellen Portraits des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein, Mukhaled Al-Mukhtar, jetzt in Österreich Asyl bekommen hat. Al-Mukhtar war am 30. Oktober 2004 über Wien-Schwechat mit einem gültigen Visum, ausgestellt von der österreichischen Botschaft in Amman (Jordanien), eingereist. Am 11. November hat er Asyl beantragt, schon am 12. November wurde er in Traiskirchen einvernommen.

   Bei seiner Einvernahme gab er an: "Ich wurde von den jordanischen Behörden aufgefordert, das Land zu verlassen, da ich auf den irakischen Fahndungslisten stehe. Entweder lassen mich die irakischen Politiker verhaften und richten mich hin oder die amerikanischen Besatzungstruppen nehmen mich fest, foltern mich und liefern mich dann den Irakern aus, damit sie mich hinrichten."

   Bereits am 9. Dezember wurde Al-Mukhtar nach nur einer einzigen Einvernahme Asyl nach § 7 Asylgesetz 2003 gewährt. In seiner Asylakte ist zudem von einer "Intervention" die Rede, die man heute im Innenministerium allerdings in Abrede stellt. Vielmehr habe das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung überprüfen wollen, ob für Al-Mukhtar interveniert worden sei, zudem hätte seine Identität noch einmal überprüft werden müssen.

   Im NEWS-Interview bedankt sich Al-Mukhtar überschwänglich bei Österreich: "Ich bin den Behörden, der Regierung und besonders dem Innenministerium unendlich dankbar. Das Innenministerium hat mir als Künstler sehr geholfen. Darum werde ich große Bilder malen über die Kultur der Menschlichkeit in Österreich. Ich werde diese Bilder einem österreichischen Museum schenken."

   Über seine Zeit bei Saddam Hussein sagt Mukhtar: "Ich habe die offiziellen Portraits für ihn gemalen. Ich habe ihn persönlich gut gekannt und oft getroffen. Er kannte alle bedeutenden Künstler und war überhaupt sehr an Kunst interessiert. Saddam suchte Leute, die bekannt und populär waren. Als der Generaldirektor des "Saddam Art Center" neu zu besetzen war, hat er jemanden gesucht, der diesen Anforderungen entspricht. So ist man auf mich gekommen."
 


 

NEWS: Augenzeuge erklärt: "Grasser urlaubte völlig ungestört."

Manager des Baros-Holiday-Resort auf den Malediven über
      Feriengast K.H. Grasser: "Er genoss den Urlaub sehr."
      Nobelurlaub kostete lt. Preisliste (exkl. Flug) 9.566 Euro. 

In einem Interview mit der Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS erklärt Mohammed Zihunee, Resident Manager des Baros Holiday Resort auf den Malediven, wo Finanzminister Karl-Heinz Grasser in der Woche nach der Flutkatastrophe in Südostasien seinen Urlaub fortsetzte: "Er genoss den Urlaub sehr. Ein paar Stunden war es unbequem, aber durch das Riff der Insel war hier sehr wenig Wasser. Es gab kaum Probleme. Wir hatten immer Vollbetrieb."

   Dass Grasser, der in Österreich erklärt hatte, dass ab dem 26. Dezember sein Urlaub vorbei gewesen sei, "mehr als andere Gäste, die ihre Büros oder Familien informiert hätten, telefoniert hat, ist uns allen nicht aufgefallen". Ebenso wenig wie Grassers Kontakte mit Behörden und Tourismusindustrievertretern. Zihunee: "Es gab, so viel wir gesehen haben, keinen offiziellen Besuch - er konnte ungestört Ruhe und Erholung tanken. Grasser ist oft, wenn auch nicht täglich tauchen gegangen."

   Zihunee abschließend: "Grasser und seine Begleiterin waren sehr glücklich bei uns - vom ersten bis zum letzten Tag ihres Aufenthalts." Der übrigens laut Preisliste von Aseatica-Tours nicht gerade billig gewesen sein dürfte: In der Weihnachtsaison kostet das Doppelzimmer pro Tag 462 USD, der Zuschlag für einen Wasserbungalow macht täglich 200 USD aus, Mittags- und Abendbuffett kosten pro Person 116 USD. Ohne Extras wie Ausflüge, Speedboottransfer vom Flughafen und die - ohnehin vergleichsweise billigen Flugtickets - kommt dieser Luxusurlaub für zwei Personen laut Preisliste auf 12.516 USD, nach derzeitigem Kurs 9.566 Euro.
 


 

Aktuelle Stellungnahme der Austrian Airlines Group

Die Austrian Airlines Group hält in der aktuellen Diskussion abschließend fest, dass Bundesminister Mag. K.-H. Grasser, wie bekannt, als Privatperson auf die Malediven gereist ist. Austrian Airlines sieht ihn dennoch als Spitzenrepräsentant des anteilsmäßig größten Eigentümers aber vor allem auch als guten Kunden und hat sich demnach entschlossen für diese Reise ein Upgrading in die Austrian Business Class durchzuführen.
 


 

Grassers-Flugaffäre: Wurde für Grasser ein Hilfsflugzeug umgebaut?

Im Zusammenhang mit der Flugaffäre von Finanzminister Grasser sind für die stellv. Bundessprecherin der Grünen, Madeleine Petrovic, noch immer einige Fragen offen. Finanzminister Karl Heinz Grasser und seine Verlobte konnten mit Billigtickets ohne Aufpreis in der Business-Class auf die Malediven fliegen. Die Vorfälle rund um den Weihnachtsurlaub des Finanzministers sind nach Ansicht der Grünen mehr als aufklärungsbedürftig.

   Petrovic: "Die AUA soll alle außerordentlichen Vergünstigungen für Privatreisen von PolitikerInnen offen legen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum Finanzminister Karl-Heinz Grasser nicht am 29.12. nach Wien zurückflog. Hat tatsächlich eine Intervention des Finanzministers dazu geführt, dass von der AUA an diesem Tag ein Krankenbett aus einem Hilfsflugzeug ausgebaut wurde, um Platz für den Bundesminister zu schaffen?" Grasser zog es jedoch bekanntlich vor, seinen Weihnachtsurlaub bis zum 3. Jänner zu verlängern.
 


 

Grassers-Flugaffäre: Für Grüne ist Grasser jetzt völlig abgehoben

"Jeder Minister in einem zivilisierten Land würde Konsequenzen ziehen", so kommentiert die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Madeleine Petrovic, die jüngste Flugaffäre des Finanzministers. Grasser hat sich offensichtlich mit Billigtickets seinen Maledivenurlaub finanziert. Grasser und seine Verlobte Nathalia Corrales-Diez haben für ihren Flug lediglich den günstigen Tarif der Economy-Class, durften aber laut Anweisung des AUA-Generaldirektors trotzdem in der teuren Business-Class Platz nehmen. Für die Grünen reiht sich die Flugaffäre nahtlos in das völlig abgehobene Verhalten des Finanzministers. "Grasser agiert weltfremd, geschmacklos und unverschämt", so Petrovic.
 


 

Darabos: Rücktritt von Grasser längst überfällig

Für "längst überfällig" hält SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos einen Rücktritt von Finanzminister Grasser angesichts der Meldung des Nachrichtenmagazins "profil", wonach Grasser mit einem Billig-Ticket in der Business-Klasse auf die Malediven geflogen sein soll. "Es vergeht eigentlich kaum mehr ein Tag, an dem nicht irgendwelche Ungereimtheiten des Finanzministers ans Tageslicht gelangen. Bereits zum wiederholten Male wurde der Finanzminister dabei ertappt, wie er für sich ungeniert Vergünstigungen in Anspruch nimmt", stellte Darabos am Samstag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst fest. ****

Die Inanspruchnahme eines Billigtickets in der Business-Klasse gehöre in eine Reihe von "zahllosen Unregelmäßigkeiten", die bei Grasser zu Tage getreten sind, erklärte der SPÖ-Bundesgeschäftsführer weiters. Darabos erinnerte in dem Zusammenhang an die Finanzierung der privaten Homepage des Finanzministers, an den Sozialfonds von Grasser, den Verkauf der Bundeswohnbaugesellschaft, den VOEST-Verkauf und die weit überhöhten Berater- und Werbungskosten. "Besonders geschmacklos" sei das Verhalten Grassers, was seinen Verbleib auf den Malediven während der Flutkatastrophe betrifft. Dabei habe sich Grasser in widersprüchliche Aussagen verstrickt und der Öffentlichkeit nachweislich die Unwahrheit gesagt. "In jedem anderen europäischen Land wäre ein Minister mit dieser ellenlangen Liste an Skandalen schon längst zurückgetreten oder jedenfalls vom Regierungschef seines Amtes enthoben worden. Dass Kanzler Schüssel weiter an Grasser festhält, zeigt nur all zu deutlich, wie gering das Niveau der politischen Moral der Regierung Schüssel ist", so Darabos abschließend.


 

"profil": Finanzminister Grasser flog mit Billig-Ticket in der Business-Klasse auf die Malediven

Wie das Nachrichtenmagazin in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, hat Finanzminister Karl-Heinz Grasser bei den Malediven-Flugtickets für sich und seine Verlobte Nathalia Corrales-Diez tüchtig gespart. Das Paar bezahlte lediglich den Billig-Tarif, durfte aber laut Anweisung des AUA-Generaldirektors in der Business-Klasse Platz nehmen.

   Der Economy-Tarif der AUA für die Strecke Wien - Male - Wien liegt in der Weihnachts-Hochsaison bei 1199 Euro pro Person, der günstigste Business-Sitz kostet 1849 Euro. Somit ersparten sich die zwei Reisenden 1300 Euro.

   Grassers Kabinettschef Matthias Winkler verteidigt den gestützten Tarif gegenüber "profil" so: "Da der Herr Bundesminister als Privatperson seit vielen Jahren Fluggast dieser Linie ist, wurde ihm durch das Flugunternehmen dieser Upgrade wie auch anderen Kunden zuteil."

   Die AUA erklärte auf Anfrage, sie behalte es sich vor, "guten Kunden in Einzelfällen eine Bonifikation zu gewähren. In unserem Fall eben ein Upgrade in die Business Class."
 


 

(Ö3): Ernst Strasser: "Ich habe schon 1992 gesagt, dass ich nicht als Politiker in Pension gehen werde."

Ex-Innenminister Strasser zu Gast im "Ö3 Frühstück bei mir"  =

Sein Rücktritt kam am Freitag vollkommen überraschend: Nach fast fünf Jahren legte Ernst Strasser sein Amt als Innenminister zurück, um in die Privatwirtschaft zu gehen. Im "Ö3 Frühstück bei mir" mit Claudia Stöckl spricht Strasser über die Beweggründe für seinen Rücktritt und zieht Bilanz über seine Zeit in der Regierung.

Im Folgenden Auszüge aus dem Gespräch zwischen Claudia Stöckl und Ex-Minister Ernst Strasser.

Claudia Stöckl: "Herr Strasser, Sie gehen ja jetzt in die Privatwirtschaft, was würden Sie als Topmanager sagen, wenn einer Ihrer Mitarbeiter Sie erst zwölf Stunden vorher von seiner Kündigung informiert?"

Ernst Strasser:"Das würde mir nicht gut gefallen, wenn Sie da auf das anspielen, was in den letzten Wochen passiert ist, so war es auch nicht."

Claudia Stöckl:"Also Wolfgang Schüssel hat schon früher gewusst, dass Sie als Innenminister zurücktreten?"

Ernst Strasser:"Ich glaube, dass das ganz korrekt ist, wie er das in der ZIB 2 dargestellt hat."

Claudia Stöckl: "Er (Schüssel,Anmerkung der Red.) hat gemeint, dass Sie am Vorabend telefoniert haben miteinander, und dass er das dann akzeptiert hat. Das heißt, er hat das erst am Vorabend erfahren, so habe ich das seinen Worten entnommen."

Ernst Strasser: "Aber das war nicht das erste Gespräch, das wir geführt haben. Wir waren hier im Gespräch."

Claudia Stöckl:"Trotz allem wird ja jetzt sehr viel besprochen, dass das Verhältnis zwischen Ihnen und Wolfgang Schüssel als unterkühlt zu bezeichnen ist. Sie haben ganz deutlich gesagt, dass Sie nicht Freunde sind, sondern dass das eine reine Arbeitsbeziehung ist."

Ernst Strasser:"Ich habe zwei Freunde und ich habe da einen sehr engen Begriff von Freundschaft. Die zwei Freunde sind außerhalb der Politik(...), das sind jahrzehntelange Freundschaften. Ich habe das auch in der Wirtschaft damals gelernt, dass das überhaupt nicht notwendig ist, dass man mit einem Vorstandskollegen gemeinsam auf Urlaub fährt, sondern es ist notwendig, dass eine respektvolle Arbeitsbeziehung besteht. Und ich hatte auch immer das Gefühl, dass die von Wolfgang Schüssel mir gegenüber besteht."

Claudia Stöckl: "Es wurde sehr viel interpretiert über die wahren Gründe Ihres Rücktritts und viele Analysten haben dann auch gesagt, es liegt an einer Enttäuschung, weil Sie eben nicht den Posten des EU-Kommissars bekommen haben, weil Sie nicht den Posten des Außenministers bekommen haben. Kann man darin auch einen Grund finden?"

Ernst Strasser:"Der Außenminister, das ist Unsinn, der Kommissar für Inneres und Justiz, da hätte ich darüber nachgedacht. Allerdings wüsste ich jetzt nicht, wenn ich gefragt worden wäre, wie ich mich entschieden hätte. Weil es ist schon so, ich bin jetzt auf dem Weg hin zum 50er, ich bin 48 Jahre alt, und ich habe mich so mit meinen Freunden und mit meiner Frau lange und eingehend besprochen, was denn die Perspektiven sind. Und es stimmt, Innenminister der Republik Österreich sein zu dürfen, es gibt nicht sehr viel in der Politik in Österreich, was nachher reizvoll ist. Und was darüber stehen würde wie Kanzler, Vizekanzler und Parteiobmann, dafür fühle ich mich nicht geschaffen, das empfinde ich als eine Nummer zu groß für mich."

Claudia Stöckl: "Ganz ehrlich, Sie wollten nie Bundeskanzler oder Vizekanzler werden?"

Ernst Strasser:"Ich glaube, man muss eine große Geduld haben im Finden von Kompromissen, das ist nicht meine Stärke. Bekanntlich gibt es in Österreich aller Voraussicht nach keine Alleinregierung und egal mit welchem Regierungspartner man zusammen wäre, es ist immer notwendig, hier irgendwelche Kompromisse zu suchen und oft halt auch Kompromisse, die dann auch von den Bürgern nicht wirklich verstanden werden.(..) Ehrlich gesagt, da ist der Wolfgang Schüssel Weltmeister, das macht er ganz hervorragend, da ist er wie geboren dafür.  Das ist nicht meine Stärke, meine Stärken liegen eher darin, dass ich eine Situation gut analysieren kann, dass ich dann die Mitarbeiter motivieren kann, dass wir ein gemeinsames Konzept entwickeln und auf Grund dieser Analyse wird dieses Konzept dann umsetzen."

Claudia Stöckl:"Warum muss man vorzeitig zurücktreten?"

Ernst Strasser:"Es ist richtig, dass jetzt das Arbeitsprogramm in meinem Bereich abgeschlossen ist und gleichzeitig, in meinem persönlichen Bereich, wo ich auf die 50 zugehe und wenn man so eine große Veränderung durchführt, ist es notwendig, das davor zu machen. Das sind einfach meine Gründe."

Claudia Stöckl:"Wann hatten Sie denn das erste Mal das Gefühl, Ihren persönlichen Karriereweg korrigieren zu müssen? Sie sprechen immer davon, dass Sie im Spätsommer diese Entscheidung getroffen haben, als Innenminister zurückzutreten?"

Ernst Strasser:"Beschäftigt haben wir uns seit dem Frühsommer damit, ich, meine Frau und ein paar wenige gute Freunde, das ist auch aus meiner Sicht keine Korrektur. Erwin Pröll hat mich 1992 in die Politik geholt. (...) Ich habe das in meiner ersten Pressekonferenz als Politiker gesagt, dass ich nicht als Politiker in Pension gehen werde, das war im April 1992. Es gibt seit einem Jahr, oder ein bisschen länger, ein sehr schönes Angebot aus der Privatwirtschaft, irgendwann im Frühling habe ich dann zu denken begonnen."

Claudia Stöckl:"Also es gab zuerst das Angebot und dann den Gedanken dazu und nicht zuerst den Willen, sich zu verändern?"

Ernst Strasser:"Ja, so ungefähr."

Claudia Stöckl:"Man hat ja auch von der Umfärbung des Innenministeriums unter Ihrer Führung gesprochen."

Strasser:"Ja, das ist so. Wenn es strukturelle Veränderungen gibt, bedingen die auch personelle Veränderungen."

Claudia Stöckl:"Man sagt, dass Österreich jetzt eines der schärfsten Asylgesetze hat, Sie sind deswegen als Hardliner kritisiert worden. Persönlich waren sie Jungscharführer und man hat das Gefühl, dass Sie in Ihrem Leben die Werte der christlichen Nächstenliebe schon auch pflegen. Wie leicht war es denn, diese Gratwanderung ganz persönlich zu machen?"

Ernst Strasser:"Christliche Nächstenliebe hängt damit zusammen, dass diejenigen, die Asyl brauchen, das auch bekommen. Das ist eines der Ziele, der Vorschläge, die wir ausarbeiten lassen müssen. Christliche Nächstenliebe bedeutet auch, dass selbstverständlich eine Verpflichtung besteht, dort, wo ein Missbrauch besteht, den abzustellen. Das ist leider der Fall. Das Schwierige an der Sache ist, diese beiden Gruppen von Asylwerbern zu unterscheiden. Wie ich das Ministerium übernommen habe, hatten wir 2.300 betreute Flüchtlinge, jetzt haben wir 27.000, mehr als das Zehnfache."

Claudia Stöckl:"Wie sehr haben Sie sich überhaupt persönlich mit den Schicksalen befasst, darf man da überhaupt Gefühle aufkommen lassen?"

Ernst Strasser:"Selbstverständlich, das muss man durchaus auch persönlich an sich heranlassen. Ich kenne Gott sei Dank auch keinen Fall, wo so eine Hilfe nicht stattgefunden hätte. Was schwerer wiegt ist, es ist notwendig, aus Gründen der Sicherheit, aus Gründen der Klarheit, aus Gründen des sozialen Friedens, dass in der Frage des Asyls ein sehr klarer und konsequenter, von manchen als harter Kurs bezeichnet,  gefahren wird. Manche haben das auch bemerkt, dass hier das Hirn des Innenministers und das Herz des Ernst Strasser nicht immer ganz gleich ticken."

Claudia Stöckl:"Gibt es Dinge, über die Sie froh sind, dass Sie diese jetzt zurück lassen? Was werden Sie ganz sicher nicht vermissen?"

Ernst Strasser: "Es gibt da schon ein paar Dinge. Ich bin Zivildiener und habe mir nie etwas aus Uniformen gemacht. Zum Schrecken meines Kabinetts - und jetzt kann ich es ja zugeben - habe ich nie gelernt, was welche Abzeichen bedeuten und die Mitarbeiter im Kabinett haben mir so eine Tafel vorgelegt, das musst Du jetzt endlich erlernen, damit Du das weißt! Ich weiß nicht warum, ich habe mich immer dagegen gesträubt und habe mir gedacht, das wird schon so auch gehen, wie man sieht, ist es ja auch gegangen."

Claudia Stöckl:"Wissen Sie schon, wann Sie nächstes Jahr in die Privatwirtschaft gehen werden?"

Strasser:"Wenn es so weit ist. Im ersten Quartal 2005 möchte ich mich entscheiden und dann hängt das von den gemeinsamen Zielsetzungen ab."
 


 

"Neues Volksblatt" Kommentar: "Hoffnungen" (Von Michael Kaltenberger)

Ausgabe vom 13. Dezember 2004


Nach der Erklärung von Bundespräsident Heinz Fischer, vormals stellvertretender SPÖ-Vorsitzender, die vorläufige Übernahme des Innenministeriums durch Verteidigungsminister Günther Platter sei durch die Verfassung gedeckt, ist der Opposition der Wind aus den Segeln genommen. Dazu kommt noch die Ankündigung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, das Provisorium spätestens in der zweiten Jännerhälfte zu beenden. Denn auch Schüssel weiß natürlich, dass Militär und Exekutive in einer Hand keine Dauerlösung sind; jedenfalls nicht in einer funktionierenden Demokratie wie in Österreich. Die Hoffnungen der Opposition, aus dem Ministerwechsel parteipolitischen Profit schlagen zu können, haben sich also nicht erfüllt. Genauso wenig wie sich die Hoffnungen erfüllen werden, dass mit dem Rücktritt von Ernst Strasser eine Kehrtwende in der Asylpolitik vollzogen wird. Oder soll Asylwerbern, die zu Unrecht Asyl beanspruchen, die Tür geöffnet werden? Sollen Asylanten, die straffällig werden und das Asylrecht missbrauchen, nicht abgeschoben und von uns durchgefüttert werden? Ziemlich unwahrscheinlich, dass die Österreicher das wollen!
 


 

Lopatka: Unwidersprochener Grüner Ruf nach Sanktionen unerträglich

Die Forderung der Grünen - zuerst vom Grünen Europaabgeordneten Voggenhuber artikuliert und heute in der ORF-"Pressestunde" von der stv. Grünen-Chefin Eva Glawischnig nicht widersprochen - neuerlich Sanktionen gegen Österreich zu verlangen, sei für die Österreicher "unerträglich und auf das schärfste zurückzuweisen", sagte heute, Sonntag, ÖVP- Generalsekretär Abg.z.NR Dr. Reinhold Lopatka.

    "Glawischnig hat sich ebenso wie Bundessprecher van der Bellen nicht klar von Voggenhuber distanziert, der in der Asylfrage neuerlich eine Sanktionsdebatte anzetteln möchte. Das ist unerträglich", so Lopatka. Überhaupt habe Glawischnig auch in allen anderen Fragen klare Positionen vermissen lassen. "Wer nicht einmal in der eigenen Partei die Verantwortung übernehmen will, der darf sich auch nicht wundern, warum er mit der SPÖ auf der Oppositionsbank sitzt." Die Grünen müssten "Erwachsen" werden und sich entscheiden, ob sie in Zukunft Fundamentalopposition betreiben oder mehr Verantwortung für Österreich übernehmen wollen, betonte der ÖVP-Generalsekretär.

    Es sei schade, dass Glawischnig im Bereich der Bildungspolitik in "billige Polemik" verfalle und nur nach Finnland schiele, anstatt sich ernsthaft mit inhaltlichen Beiträgen an der Diskussion zur Steigerung der Qualität der Schule zu beteiligen, so Lopatka. "Glawischnig soll sich in Erinnerung rufen, dass es Ministerin Gehrer war, die die Zukunftskommission eingesetzt hat und dass diese ihre Vorschläge zur Qualitäts-Steigerung im Auftrag der Bildungsministerin ausgearbeitet hat." Derzeit arbeite die Zukunftskommission ihren Endbericht aus, der Grundlage für die Umsetzung der Maßnahmen sein wird. Dieser werde von Ministerin Gehrer gemeinsam mit der Zukunftskommission Anfang des Jahres 2005 präsentiert.

    Zudem haben Glawischnig eine "äußerst schwache Performance in Grünen Kernbereichen" geboten. "Wieder nur alte Hüte von den Grünen" - so sei etwa die Forderung nach Erhöhung der Mineralöl- steuer für Diesel "inakzeptabel", betonte Lopatka. Auch was das Zukunftsprojekt ITER betrifft, sollte Glawischnig besser zuhören. "Gehrer hat sich nie für die Kernspaltung ausgesprochen." Bei dem Fusionsforschungsprojekt ITER gehe es um ein Grundlagenforschungsprojekt, von dem sich Wissenschafter für die Zukunft eine sichere und saubere Energiequelle erhoffen, mit der unter anderem auch Kernspaltungskraftwerke ersetzt werden können. Es wäre blauäugig, wollte man auf ein derartiges Forschungsprojekte verzichten, betonte Lopatka.

    Insgesamt sei der Auftritt von Glawischnig im "Oberflächlichen stecken geblieben", sie habe "wenig substanzielles, wenig aktuelles" geboten und "keine einzigen neuen oder eigenen Vorschlag" gebracht, so Lopatka abschließend.
 


 

Strasser-Rücktritt: Für Sicherheitssprecher Schober verantwortungslos

Für den Sicherheitssprecher der Kärntner Sozialdemokraten, LAbg. Rudolf Schober, ist der Rücktritt Strassers ebenso verantwortungslos, wie seine Personalpolitik im Innenressort. "Jetzt wo die eigentlichen Probleme bei der Umsetzung der Polizeireform erst beginnen, wird Strasser fahnenflüchtig", so Schober.

   Vom neuen Innenminister Günther Platter (V) erwartet sich Schober eine menschlichere Personalpolitik, auch wenn dieser für die SPÖ keinesfalls eine Idealbesetzung darstellt. Schober: "Vor allem bei der Gestaltung der neuen Exekutive erwarte ich mir eine objektivere Vorgangsweise für alle bestehenden Exekutivkörper, wohl wissen, dass Platter selbst beruflich Gendarmeriebeamter ist."
 


 

Binder zum Strasser-Rücktritt: Tag der Menschenrechte gut gewählt!

"Mit seinem Rücktritt hat Innenminister Ernst Strasser ein spätes, aber dennoch positives Zeichen für die Menschenrechte in Österreich gesetzt", meint SPÖ-Abgeordnete Gabriele Binder anlässlich des Ausscheidens des Ministers. "Die Tatsache, dass er ausgerechnet den heutigen Int. Tag der Menschenrechte für die Bekanntgabe gewählt hat, macht diesen Tag zu einem guten Tag für die Rechte der Menschen in Österreich", meint die SPÖ-Abgeordnete und hofft künftig auf einen würdevolleren und behutsameren Umgang mit Menschen in Not.


 

VP-Ulm: Strasser hat durch Polizeireform Wien sicherer gemacht!

"Man kann dem scheidenden Innenminister Strasser nur für seine hervorragend geleistete  Arbeit danken. Unter seiner Führung wurden wichtige Reformen eingeleitet und umgesetzt, wie die Wiener Polizeireform und die Reformen im Asylrecht. Dank seiner gesetzten Maßnahmen kann Wien weiterhin zu den sichersten Großstädten der Welt zählen", betont der Sicherheitssprecher der ÖVP Wien, LAbg. Wolfgang Ulm.

Der VP-Sicherheitssprecher stellt die Notwendigkeit zur Fortführung dieser Reformen außer Frage. Innenminister Strasser habe den richtigen Kurs eingeschlagen, um in Zeiten wachsender Kriminalität die notwendigen Maßnahmen zu setzen. Die im Gegensatz zum Vorjahr zurückgegangene Kriminalitätsrate und die gestiegene Aufklärungsquote in Wien bewiesen die Wichtigkeit und Richtigkeit der Reformen, die Bundesminister Strasser in seiner Amtszeit gesetzt habe. "Österreich bekommt jetzt mit Günther Platter erneut einen erstklassigen Innenminister, dem die Sicherheit des Landes und damit natürlich auch der Stadt Wien das erste Anliegen sind", so Ulm abschließend.
 


 

Parnigoni und Gaal: Zusammenschluss von Innerem und Verteidigung völlig untragbar

Entrüstet und erschüttert zeigten sich Freitag SPÖ-Wehrsprecher Anton Gaal und SPÖ-Sicherheitssprecher Rudolf Parnigoni angesichts der kolportierten "Übergangslösung" wonach es "sinnvoll und naheliegend" sei, die Ressorts Inneres und Landesverteidigung vorerst gemeinsam zu führen: "Dieser Vorschlag ist völlig unvereinbar mit den Grundsätzen eines demokratischen Rechtsstaates, entspricht dem Wesen einer Militärdiktatur und muss daher von allen aufrechten Demokraten entschieden und vehement abgelehnt werden."

Es dürfe zu keinem Zeitpunkt in einem demokratischen Rechtsstaat die Befehlsgewalt über den Polizeiapparat und das Militär in einer Hand liegen, betonten die Abgeordneten Parnigoni und Gaal. Dieser Vorschlag zeige auch von der Paniksituation, in der sich die Regierung gegenwärtig befindet. Auf der einen Seite stehe die explodierende Kriminalitätsrate und die Zerschlagung der Struktur der Sicherheitsexekutive, auf der anderen Seite ein Ausbildungsskandal, der von Tag zu Tag bedenklichere Ausmaße annimmt und das völlige Negieren von Menschenrechten gegenüber Grundwehrdienern im österreichischen Bundesheer aufzeigt.

Dieser Vorschlag zeige aber auch auf, dass die Regierung in puncto Demokratie den österreichischen Grundkonsens längst verlassen hat.


 

Wurm zu Strasser-Rücktritt: Notbremse gezogen

"Nach dem gestrigen Desaster im Parlament hat ÖVP-Innenminister Strasser wohl die Notbremse gezogen", sieht SPÖ-Nationalratsabgeordnete Gisela Wurm den Rücktritt des umstrittenen ÖVP-Innenministers als ultima ratio. "Bedauerlicherweise hat Ernst Strasser als Innenminister Österreich die höchste Kriminalitätsrate und die niedrigste Aufklärungsquote in der Zweiten Republik beschert, ein Chaos in der Asylpolitik hinterlassen und die Exekutive durch 'Einschwärzungspolitik' demotiviert", stellte Gisela Wurm am Freitag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ resümierend fest.

 


 

Strasser-Rücktritt - SP-Yilmaz: "An der Integrationspolitik gescheitert!"

"Minister Strasser ist in erster Linie auch an seiner Integrationspolitik gescheitert", kommentierte heute die Integrationssprecherin der Wiener SPÖ, Gemeinderätin Nurten Yilmaz, den Rücktritt des Innenministers. "Statt eine bessere Integration von ZuwanderInnen in Gesellschaft und in Arbeitsmarkt zu fördern, hat sich Strasser nur Restriktionen und Zwangs-Deutschkurse einfallen lassen. Jetzt ist ihm wohl klar geworden, dass man mit Zwängen und Strafen genau das Gegenteil erreicht."

   Gescheitert sei Strasser unter anderem an der von ihm seit Jahren angekündigten Harmonisierung von Aufenthaltsrecht und Arbeitserlaubnis - auch den notwendigen Abbau von Anträgen auf Familienzusammenführung sei Strasser schuldig geblieben, so Yilmaz weiter. "Wir haben immer die Herausnahme der Familienzusammenführung aus der Quote gefordert. Denn es widerspricht jeder vernünftigen Integrationspolitik, dass Menschen oft jahrelang warten müssen, bis sie zu ihrer Familie ins Land kommen können - obwohl sie alle Voraussetzungen wie Einkommen, Unterkunft und Krankenversicherung erfüllen!"

   Und auch Strassers Asylnovelle sehe in erster Linie weitere Restriktionen und Einschränkungen von Verfahrensrechten für die Menschen vor - "ob dies vor dem Verfassungsgerichtshof halten wird, ist fraglich", so Yilmaz. "Strassers Gesetze sind schlecht erarbeitet und oft von vornherein schon verfassungswidrig."

   Der designierte krisengeschüttelte Minister Platter übernehme nicht nur in der Sicherheits- sondern auch in der Integrations- und Asylpolitik einen Scherbenhaufen, "den er wohl nur schwer in den Griff bekommen wird", so Yilmaz abschließend.


 

Strasser-Rücktritt: Für SP-Ambrozy Fahnenflucht

Scharfe Worte für den Rücktritt von Innenminister Strasser findet der Kärntner SP-Chef LHStv. Peter Ambrozy: "Für mich ist der Rücktritt des gescheiterten ÖVP-Ministers Fahnenflucht." Strasser sei sachpolitisch auf allen Ebenen deutlich gescheitert, so Ambrozy und weiter: "Die Exekutivbeamten haben Minister Strasser bei den Personalvertretungswahlen ja bereits ihr Zeugnis ausgestellt, wie es ausgefallen ist, wissen wir alle." Die negative Kriminalitätsentwicklung ist für den Kärntner SP-Chef ein weiterer Beleg, der das Scheitern von Innenminister Ernst Strasser im Innenressort besonders deutlich macht.

   Für Ambrozy ist Günther Platter (V) als Innenminister und Nachfolger von Ernst Strasser (V) völlig ungeeignet. "Minister Platter hinterlässt im eigenen Ressort zahlreiche ungelöste Probleme, ich halte ihn nicht für geeignet ein so wichtiges Ressort wie das Innenministerium positiv zu managen", so Ambrozy abschließend.


 

Vassilakou: Strasser Rücktritt "ein guter Tag für die Menschenrechte am Tag der Menschenrechte"

"Ein guter Tag für die Menschenrechte am Tag der Menschenrechte", so kommentiert die Klubobfrau der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, den Rücktritt von Innenminister Strasser. Vassilakou: "Strasser hat europäische Grundwerte und eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs zum Asylgesetz negiert. Mit seinen Einsparungen und Umfärbungen innerhalb der Exekutive werden wohl auch Strassers Erben noch jahrelang zu kämpfen haben."

Vassilakou erinnert vor allem an die Verschärfung des Asylrechts im Widerspruch zur Genfer Flüchtlingskonvention, die "Privatisierung" der Flüchtlingsbetreuung und die Einschwärzungen des Beamtenapparates.

Das Sündenregister im einzelnen:

·Ein unmenschliches und gleich in mehreren Punkten verfassungswidriges Asylgesetz ·Ignorieren rechtsstaatlicher Entscheidungen (VfGH hob Asylgesetz auf, Strasser verschärft) ·Versuch der Entmündigung unabhängiger Asylberufungsinstanzen bzw. Beschneidung des Rechtswegs zum Verwaltungsgerichtshofs bei Asylverfahren ·"Kriminalitätsstatistiken" von AsylwerberInnen ohne jegliche Grundlage oder tatsächlichen Verurteilungen ·"Management by Chaos" bei Unterbringung von Flüchtlingen ·Privatisierung der Flüchtlingsbetreuung an "Europan Homecare" führte zu menschenunwürdigen Zuständen in Traiskirchen ·Schließung von Wachzimmern ·Personelles Aushungern der Sicherheitsexekutive, ·Misslungene und demotivierende Zusammenlegung von Gendarmerie und Polizei ohne nachhaltige Planung oder Kooperation mit betroffenen BeamtInnen ·Keine Konsequenzen aus Todesfällen bei Amtshandlungen (z.b Cheibani W.)
 


 

Hlavac: Strassers Nachfolger ist nicht zu beneiden

"Der Nachfolger von Innenminister Strasser ist nicht zu beneiden, denn Strasser hinterlässt nur Probleme", erklärte SPÖ-Integrationssprecherin Elisabeth Hlavac am Freitag zum Rücktritt Strassers. Als Beispiel nannte Hlavac den eklatanten Anstieg der Kriminalitätsrate in Wien in den letzten Jahren, für den Strasser mit seiner "völlig verfehlten Politik" die Verantwortung trage. Für die SPÖ-Integrationssprecherin kommt diese bedauerliche Entwicklung "keineswegs überraschend", da viel zu wenig Personal vorhanden sei und auch viel zu wenig neue Beamte ausgebildet werden. Die geplante Einrichtung von Schutzzonen etwa mache nur dann Sinn, wenn es mehr Personal gibt, sonst diene diese Maßnahme lediglich "als Placebo für die Bevölkerung".

        Kritik übte die SPÖ-Integrationssprecherin an der Integrationspolitik Strassers. "Integrationspolitik ist in Wirklichkeit unter Strasser nicht gemacht worden, ImmigrantInnen seien nur fremdenpolizeilich behandelt worden", hielt Hlavac gegenüber dem SPÖ-Pressedienst fest. Völlig ignoriert habe Strasser zudem, dass Integrationspolitik eine Querschnittsmaterie sei. Hlavac verwies in dem Zusammenhang darauf, dass viel zu wenig in die Ausbildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund investiert worden sei. "Alles in allem ist die Bilanz Strasser verheerend, da dieser sowohl in der Integrationspolitik als auch in der Sicherheitspolitik einen Scherbenhaufen hinterlässt", so das Resümee der SPÖ-Integrationssprecherin.


 

Strache: Platter alles andere als die Idealbesetzung

Die Nominierung des derzeitigen Verteidigungsministers Platter zum Innenminister zeuge von der äußerst dünnen Personaldecke der ÖVP im Sicherheitsbereich. Platter, der bisher innenpolitisch kaum in Erscheinung getreten sei, habe gerade in jüngster Zeit eine höchst unglückliche Figur abgegeben, so der Wiener FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache.

Die Gesprächsverweigerung der ÖVP über eine bessere Besetzung im Innenressort durch die FPÖ zeige, daß es der Kanzlerpartei offenbar nur um Posten und Machtansprüche gehe. Die Asyldebatte der letzten Monate habe deutlich gezeigt, daß nur die FPÖ Lösungskompetenz in dieser wichtigen staatspolitischen Frage habe. Ein Innenministerium mit starker freiheitlicher Führung könnte die Problematik der inneren Sicherheit lösen. Das jetzige "Provisorium" mit Innenminister Platter drohe das Chaos nur zu perpetuieren, so Strache.


 

Jarolim: Strasser will offenbar Regierungskurs nicht mehr mittragen

"Offensichtlich ist Innenminister Strasser nicht mehr gewillt, den demokratie- und menschenrechtsfeindlichen Kurs der Regierung weiter zu unterstützen und für Wolfgang Schüssel den Buhmann abzugeben", erklärte SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim am Freitag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ.

"Der zu Amtsantritt allgemein dem liberalen Flügel der Regierung zugerechnete Innenminister musste offenbar über Schüssels Geheiß im Rahmen der ÖVP-FPÖ Koalition eine immer problematischere Rolle spielen, um so auch den Koalitionspartner FPÖ bei der Stange zu halten," so Jarolim. Dass Schüssel damit auch einen potenziellen Nachfolger auf Eis gestellt hat, war allen Informierten klar. Mit dem heutigen Tag habe die Regierung allerdings "eine Dimension der Demokratiefeindlichkeit und des Machtmissbrauchs erreicht, die offensichtlich für Herrn Minister Strasser das Fass zum Überlaufen gebracht hat".

Zu Beginn seiner Amtszeit habe Minister Strasser "durchaus liberale Ansätze" gezeigt, beispielsweise als er nicht angemeldete Demonstrationen trotz Forderungen der Freiheitlichen nicht gewaltsam auflöste, sondern die Polizei zur Zurückhaltung mahnte und somit Eskalationen und Gewaltakte verhinderte, erklärte Jarolim. Um so verwunderlicher sei der Wandel des Ministers gewesen, als immer strengere Asylgesetze und Verschlechterungen in diversen Menschenrechtsfragen von ihm vertreten wurden - "nun ganz offensichtlich auf Betreiben seines Bundeskanzlers und offenbar - wie sich nun herausstellt - Intimfeinds Schüssel".

"Strassers Schritt macht in einer davor nicht da gewesenen Offenheit klar, wie sehr Machtbesessenheit und mangelndes Demokratieverständnis Schüssels und seiner Freunde dem Land bereits geschadet haben. Wenn einmal der Innenminister sein Heil in der Flucht sieht, so kann man sich vorstellen, dass er nicht für die historische Fehlentwicklung unter Wolfgang Schüssel mitverantwortlich gemacht werden will. Eine klare Sprache, die letztlich Respekt abnötigt", so Jarolim abschließend.


 

Petrovic: Ernst Strasser hinterlässt Scherbenhaufen in der Asylpolitik

Überrascht zeigt sich die Klubobfrau der NÖ Grünen, Madeleine Petrovic, vom Rücktritt des Innenministers. Petrovic: "Strassers betrieb eine Politik des ‚kleineren Übels'". Nach Ansicht der Grünen Klubobfrau ist Strasser letztlich "am System der blau-schwarzen Regierung gescheitert". Die Grünen erinnern in diesem Zusammenhang an die durchaus konstruktiven Verhandlungen mit dem Innenminister. Petrovic: "Damals konnten wir uns von der Gesprächsbereitschaft Strassers überzeugen - die Politik, die gefolgt ist, ist eine andere."

   Die Grünen kritisieren vor allem die Personal- und Asylpolitik des Innenministers. Petrovic: "Das Innenministerium wurde nachhaltig mit schwarzen Posten besetzt und in der Asylpolitik hinterlässt Strasser einen Scherbenhaufen". Strasser wurde in diesem Bereich vor allem von der FPÖ getrieben. Nun stellt die FPÖ bereits Ansprüche auf das Innenressort. "Letztlich verliert auch Landeshauptmann Erwin Pröll mit Strasser einen seiner wichtigsten Stützen in der Bundesregierung", so Petrovic abschließend.


 


 

Vladyka: Weitere Verschärfung der "Brillenstrafsteuer"

St. Pölten (SPI) - "Wenn es nicht wirklich traurig wäre, müsste man ja eigentlich schon wieder darüber lachen:
Ausgerechnet stark sehbehinderte Menschen werden in Zukunft nur mehr 27,40 Euro Beihilfe für Brille oder Kontaktlinsen bekommen", empört sich die Sozialsprecherin der SPNÖ, LAbg. Christa Vladyka, über die jüngste Entwicklung in Sachen "Brillenstrafsteuer". Nach den ursprünglichen Plänen der Bundesregierung wäre der Zuschuss generell gestrichen worden - mit Ausnahmen für sozial Schwache, also Kinder, Mindestrentner, Präsenzdiener usw. sowie für stark Sehbehinderte. Die neue Regelung sieht aber vor, dass generell der Selbstbehalt von bisher 23 Euro auf 72,60 Euro angehoben wird, was eine Verdreifachung des Selbstbehaltes bedeutet. Ausnahmen für Personen mit starker Sehbehinderung gibt es jetzt nicht mehr. Dazu wurde die Mindestgebrauchsdauer von Brillen auf 3 Jahre angehoben.

"Um es etwas überspitzt zu formulieren, ist das ja genau so, als würde man sagen, jeder bekommt einen Zuschuss für einen Rollstuhl, außer Rollstuhlfahrer! Gerade von der ÖVP, die ja gebetsmühlenartig wiederholt, dass Zuschüsse nicht mit der Gießkanne ausgeteilt werden dürfen, ist das wohl eine der paradoxesten unsozialen Bestrafungsaktion, die je erfolgte. Wenn in diesem Bereich schon Einsparungen erfolgen sollen, dann sollte dies nach einer realistischen sozialen Staffelung erfolgen. Gerade Menschen mit starker Sehbehinderung den Zuschuss für Sehbehelfe zu kürzen ist wohl wirklich der Gipfel unsozialer und ungerechter Sparmaßnahmen", so Vladyka abschließend.


 

Mandak zu Folter-Affäre: Warum hat kein Rekrut sofort Anzeige erstattet?

"Auch wenn die Verantwortlichen im Bundesheer das Wort 'Folter' für die Vorgänge in der Kaserne Freistadt vermeiden wollen, es war Folter", so Sabine Mandak, Jugendsprecherin der Grünen. Die Rekruten seien zum Gehorsam verpflichtet, deshalb habe der Staat auch eine besondere Verantwortung diesen jungen Menschen gegenüber.

Als besonders alarmierend bezeichnet Mandak, dass sich kein einziges Opfer direkt nach den Misshandlungen beschwert habe. "Welche Stimmung an Unterdrückung und Angst herrscht im Bundesheer bei den Rekruten, dass sie sich nicht trauen, Misshandlungen sofort anzuzeigen und Widerstand zu leisten. Es ist daher höchste Zeit, nicht nur einzelne Personen zur Verantwortung zu ziehen, sondern das System der Ausbildung zu hinterfragen und insbesondere die unreflektierte Pflicht zum Gehorsam im Besonderen.  
 


 

SJÖ: Übt Bundesheer schon für "battle groups"?

Ludwig Dvorak, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Österreich (SJÖ), und Michael Eibl, Vorsitzender der SJ Oberösterreich, verurteilen die Misshandlungen von Grundwehrdienern durch Ausbildner in der Kaserne Freistadt auf Schärfste. Für beide zeigt sich - nach laufenden Skandalen weltweit - dass auch das österreichische Bundesheer einigen Reformbedarf hat, der in der jüngsten Kommission allerdings weitgehend unter den Tisch gefallen ist. Konkret fordern Dvorak und Eibl eine Demokratisierung des Bundesheeres und gewählte gesetzliche bundes- und landesweite Interessensvertretungen für Grundwehrdiener und SoldatInnen mit entsprechenden Durchgriffsrechten außerhalb der militärischen Befehlshierarchie.

   "Dass der Vorfall anonym aus Angst vor Repressionen gemeldet wurde bestätigt die Problematik autoritär-hierarchischer Strukturen, für die das Militär Vorzeigemodell ist. Die Verharmlosung des Vorfalls als Einzelfall verliert meiner Meinung nach dadurch an Glaubwürdigkeit, dass die erste Reaktion der Vorgesetzten gewesen sein soll, die Vernichtung des Beweismaterials zu verlangen. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Dunkelziffer solcher Übergriffe weitaus höher liegt", so Eibl.

   Für Dvorak ist der Vorfall aber auch Beleg dafür, dass sich Österreich an keiner EU-Interventionsarmee beteiligen darf: "Der Vorfall ereignete sich in einer relativ stressfreien Situation im Vergleich zu realen Einsatzbedingungen. Wir haben keinen Bedarf am Export der österreichischen Version an Abu Graib. Der Vorfall bestätigt die Sozialistische Jugend darin, dass ernst gemeinte Friedenspolitik eben nicht durch das Militär zu bewerkstelligen ist. Vorfälle dieser Art in jeder Armee der Welt - zuletzt bei der deutschen Bundeswehr - zeigen, dass alleine die strikte Hierarchie des Militärs solche Ereignisse geradezu herausfordert. Dass die Verantwortlichen für die Misshandlungen sichtlich Spaß an der Sache hatten zeigt, dass dieses System solche Grundhaltungen entweder fördert oder zumindest nicht mit dem notwendigen Nachdruck ausschließt."

   Dvorak und Eibl betonen abschließend, dass es nicht einzusehen ist, dass die Demokratie gerade vor dem Bundesheer halt macht:
"Gerade in einer Institution, wo Menschen Waffen anvertraut werden, ist Kontrolle, nämlich demokratische, unabdingbar. Es ist abzusehen, dass die Verantwortlichen wahrscheinlich bestraft werden. Das System selbst, das eigentlich daran schuld ist, wird weiterhin bestehen bleiben."
 


 

Haider in NEWS: "Ich wäre der bessere Innenminister."

In einem Interview mit der Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS nennt der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider Innenminister Ernst Strasser einen "Ankündigungsriesen, aber Durchführungszwerg." Er sei ein "Herz-Jesu-Politiker, der mit dem Rosenkranz in die Kirche rennt, wenn er einen Illegalen abschiebt, um beim lieben Gott Abbitte zu leisten. Noch im Frühjahr hat er verkündet, dass wir das strengste Asylgesetz Europas haben, im Herbst ist es leider das liberalste."

   Strasser habe aus seiner Sicht, "kein Vertrauen mehr, weder bei der Exekutive noch bei der Bevölkerung. Stoiber hätte ihm in Bayern schon längst einen Spitz gegeben." Der Kanzler habe wahrscheinlich nicht die Kraft um ihn abzulösen, "weil auch er die katholischen NGO's im Rücken hat und Angst hat, exkommuniziert zu werden. Er ist ja auch gerne gut mit der Amtskirche. Alle Umfragen bescheinigen uns die höhere Kompetenz in Sachen Ausländerpolitik: Ich wäre der bessere Innenminister." Ein FP-Staatssekretär bei Strasser sei zu wenig: "Ich will einen anderen Innenminister."

  Denn es komme laut Haider noch hinzu, dass der Innenminister so umfärbe, dass das "mit Parteibuchwirtschaft nichts mehr zu tun hat. Das ist der totale Durchgriff einer politischen Partei, die systematisch, wie in einem autoritären Regime, alle, die nicht 100 Prozent verlässlich sind, ersetzt. Ich bekomme etwa als Kärntner Landeshauptmann vom Innenminister eine Weisung zur Besetzung eines Gendarmeriepostens ohne jedes Objektivierungsverfahren. Das ist eine rechtswidrige Weisung, die ich nicht befolge."

   FP-Chef wolle er, Haider, nicht werden, auch wenn er sich nun, falls der Koalitionsausschuß seinen Forderungen nicht folge, an die Spitze einer unabhängigen Plattform für ein Asyl-Volksbegehren ("Da werden sich noch alle wundern") setzen wolle: "Wir können auch so in Österreich viel verändern. Bis hin zur Eindämmung der beruflichen Interessensvertretungen. Zwangsmitgliedschaften in Kammern sind wie im Mittelalter. Da machen sie einen großen Konvent (zur Verfassung, Anm.), und die Blutsauger der Demokratie werden weiterhin vom Topf des Steuerzahlers genährt."
 


 

SPÖ-Kärnten: Nein zum Grasser-Griff in die Trinkgeldkassa

Die SPÖ-Kärnten übt scharfe Kritik an den Plänen von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, künftig Trinkgelder im Tourismus und in der Gastronomie teilweise zu besteuern. "Unsere MitarbeiterInnen im Tourismusbereich haben einen harten Job und verdienen dennoch wenig, daher muss man sie motivieren und nicht abkassieren", so der Tourismussprecher der SPÖ-Kärnten und Bürgermeister von Velden, Ferdinand Vouk.

   Laut Kollektivvertrag hat ein gelernter Restaurantfachmann - also Kellner - 1.022 Euro brutto, ein Oberkellner, der fünf Servierkräfte koordiniert, 1.212,50 Euro brutto. "In Zeiten, in denen auch Urlaubsgäste jeden Euro mehrfach umdrehen, wird vor allem auch bei Trinkgelder gespart: "Im Service wird öfter aber immer weniger Trinkgeld gegeben, an der Rezeption für Sonderleistungen, Stubenmädchen bekommen immer seltener eine finanzielle Anerkennung von den Gästen, hier auch noch mit einer neuen Steuer anzusetzen, ist für mich völlig unverständlich", kritisiert Vouk und ergänzt: "Statt ständig neue Belastungen für die fleißigen Klein- und Mittelverdiener zu erfinden, soll BM Grasser lieber aufhören durch seine Politik Großkonzernen Steuergeschenke zu machen."


 

Asyl: Kärnten hat Kündigung der 15a Vereinbarung vollzogen

Den Rücktritt Kärntens von der 15a Vereinbarung zur Grundversorgung von Asylanten hat Landeshauptmann Jörg Haider am Freitag allen Landeshauptleuten sowie dem Bundeskanzler mitgeteilt. Damit sei Kärnten unter Berufung auf die Wiener Vertragsrechtskonvention mit sofortiger Wirkung aus dem Vertrag zwischen Bund und Ländern ausgestiegen, betonte Haider heute, Samstag, vor Journalisten in Klagenfurt. Grund dafür sei, dass es seit Vertragsabschluss zu einem enormen Anstieg der Personen in der Grundversorgung durch die Aufnahme von Illegalen oder nicht hilfsbedürftigen Fremden gekommen sei. Kärnten sei nicht bereit, die damit entstandene massive budgetäre Belastung zu übernehmen, sagte Haider und sprach von einer Kostenverzehnfachung seit dem Jahr 2002. Zur von Innenminister Ernst Strasser geplanten Verschärfung des Asylgesetztes meinte der Landeshauptmann, dass diese zu begrüßen sei, Strassers vorgeschlagene Maßnahmen aber nicht ausreichend seien.

    Grundlage bei Vertragsabschluss seien 16.800 Personen in der Grundversorgung gewesen, erklärte Haider. Innerhalb weniger Monate sei diese Zahl jedoch auf rund 27.000 Personen angestiegen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass viele Illegale mit der Vereinbarung in die Legalität geführt worden seien. Massive Kritik übte er in diesem Zusammenhang am Wiener Bürgermeister Michael Häupl sowie an solchen freiwilligen Hilfsorganisationen, die Asylmissbrauch unterstützten. Beim Abschluss der Grundversorgungsvereinbarung sei klar hervorgegangen, dass nur Asylanten mit positivem Bescheid, Asylwerber in einem laufenden Asylverfahren sowie Flüchtlinge in Betreuung durch die Bundesländer von der Regelung erfasst werden sollten. Dies sei dem damaligen Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz, Tirols Herwig van Staa, auf Anfrage beim Innenministerium nochmals bestätigt worden. Van Staa sei in dieser Angelegenheit auch bereit, als "Zeuge" für das Land Kärnten aufzutreten, betonte Haider.

    Ein weiterer Grund Kärntens sei die enorme budgetäre Belastung durch den Anstieg an zu betreuenden Personen. Nach 670.000 Euro im Jahr 2002 habe man heuer bereits 6,5 Mio. Euro dafür aufwenden müssen, Berechnungen würden für die kommenden Jahre sogar 11,3 Mio. Euro prognostizieren. Obwohl es einen Rückgang von 24 Prozent bei den Asylwerbern gebe, steige die Zahl der zu Versorgenden, da immer mehr aus der Illegalität auftauchen würden. Haider sprach von rund 93.000 Untergetauchten in den letzten Jahren, deren Finanzierung sei eine "Vernichtung von Steuergeld". Für die Kündigung der Vereinbarung habe Kärnten somit eine "klare rechtliche und sehr gute Position", betonte er. Die übrigen Vertragspartner hätten nunmehr eine dreimonatige Einspruchsfrist, die von diesen wohl nicht genützt werde, wie der Landeshauptmann meinte.

    Die von Innenminister Strasser vorgeschlagene Verschärfung des Asylgesetztes bezeichnete Haider als nicht ausreichend. So sei beispielsweise die Abschaffung der dritten Instanz Verwaltungsgerichtshof bei Asylverfahren nicht zielführend. Vielmehr sollte das "Problemkind", der Unabhängige Bundesasylsenat (UBAS), abgeschafft werden. Dieser habe trotz seiner vielen Mitarbeiter und einem Kostenaufwand von Hunderten Mio. einen Rückstand von 23.000 Fällen. Die Agenden des UBAS sollten auf die "leistungsfähigen" Unabhängigen Verwaltungssenate der Länder aufgeteilt werden, anstatt sie dieser "Schläfertruppe" zu überlassen, die "Legionen von Scheinasylanten" produziere, so der Landeshauptmann.

    Ebenfalls forderte Haider, dass Beihilfe zu Asylmissbrauch unter Strafe gestellt werde und dass straffällig gewordene Asylanten sofort in sichere Drittstaaten abgeschoben würden. Auch sollten Erstaufnahmezentren an den Grenzen installiert werden, die ausschließlich Flüchtlingen im Sinne der Genfer Konvention aufnehmen sollten. Asylwerber sollten weiters eine klare Verpflichtung zur Identitätsklärung haben und Sozialleistungen sollten nach Erhalt des Asylbescheids nicht rückwirkend ausbezahlt werden. Neben einer Absage an die "großzügige Regelung" beim Familiennachzug forderte Haider vom Bund auch klar deklarierte Gründe für Asyl. Nur noch 14 bis 16 Prozent der Asylanten sind laut dem Landeshauptmann nämlich Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konvention.


 


 

"profil": Stadler, Fischl gründen Haider-Fanclub

Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, wurde am Freitag der "Verein der Freunde des Jörg Haider" gegründet. Initiatoren sind der steirische FPÖ-Politiker Harald Fischl, der die Statuten eingereicht hat und laut "profil" als Vorsitzender des Proponentenkomitees fungiert, sowie Volksanwalt Ewald Stadler. Die Initiatoren rechnen für ihren Verein mit regem Zulauf aus allen freiheitlichen Landesgruppen. Fischl: "Jetzt wird sich zeigen, wer zu Haider steht."

Inhaltlich will sich der Verein an jenen Zielen orientieren, die Jörg Haider 1986 bei seiner Machtübernahme in der FPÖ formuliert hat. Neben diversen Veranstaltungen soll es auch eine Vereinszeitung und sogar eine eigene Merchandising-Sparte geben. In Wien soll ein ständiges Büro eingerichtet werden.
 


 

Fischer: VfGH-Neubestellungsvorschlag der Koalition diskutabel

Als "grundsätzlich begrüßenswert" bezeichnete Nationalratspräsident und stellvertretender SPÖ-Vorsitzender Heinz Fischer am Freitag in einer Pressekonferenz den Vorschlag der Regierungsparteien zur Neuregelung der Bestellung von Verfassungsrichtern. Es gebe zwar keinen Änderungsbedarf im Bestellungsmodus selbst, das im "Demokratiepaket" vorgeschlagene Hearing im Parlament sei aber diskutabel, so Fischer. ****

Nach FPÖ/ÖVP-Vorschlag vom 1. März 2000 sollen die zukünftigen RichterInnen vor der endgültigen Bestellung einem Hearing im Parlament unterzogen werden. Mit dabei soll auch eine Expertenkommission sein, bestehend aus den Präsidenten des Verwaltungs- bzw. Verfassungsgerichtshofes und des Obersten Gerichtshofes, ein Vertreter der Rechtsanwälte sowie einem Universitätsprofessor. "Ich möchte jetzt von Kohl und Westenthaler gerne wissen, ob sie heute noch zu ihrem Vorschlag stehen", schloss Fischer.


 

Eklat um Grassers Festspielkurator in Salzburg. Mortier: "Freikarten für 66.000 Schilling konsumiert."


Gerard Mortier, scheidender Intendant der Salzburger Festspiele, richtet in der morgen erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS scharfe Angriffe gegen Armin Fehle, der von Finanzminister Grasser (FPÖ) ins Festspielkuratorium entsandt wurde.

Laut Mortier konsumiert Haider-Intimus Fehle in diesem Sommer Festspiel-Freikarten im Wert von 66.000 Schilling "und wollte noch Reisespesen zurückerstattet haben." Dies ist laut Mortier auch insofern bemerkenswert, als ihn die FPÖ im Gefolge der "Fledermaus"-Premiere bezichtigt hat, den Festspielen finanziell zu schaden. Das Publikum wurde seitens der Partei aufgefordert, das Eintrittsgeld zurückzufordern.

Mortier über Fehle: "Das ist der permanente Widerspruch dieser Partei: In der Öffentlichkeit tun sie, als wären sie die Tugend selbst. Aber in Wahrheit handeln sie dauernd in Widerspruch zu ihren früheren Aussagen."

Erbittert zeigt sich Mortier im NEWS-Gespräch nicht über die Buh-Rufe für Neuenfels' "Fledermaus"-Deutung: "Ich hatte ja seit einem Jahr angekündigt, dass das eine provokative Inszenierung wird. In der Premiere hat mir ein Zuschauer gesagt, ich sollte ins Zuchthaus gesteckt werden. Da habe ich gewusst: Es war gut, dass wir diese Inszenierung gemacht haben. Dieser Intoleranz muss man entgegnen!"

Als empörend bezeichnet Mortier hingegen die Buh-Rufe für Jossi Wielers international gefeierte "Ariadne": Da gibt es ein Publikum, das meint, Strauss zu kennen, von ihm aber nicht einmal ein Jota ahnt und überhaupt zu dumm und borniert ist, um etwas Intelligentes zu erkennen. Dieses Erlebnis hat die Nabelschnur zu Salzburg endgültig durchgeschnitten. Ich werde hier viele Freunde behalten, und dumme Leute gibt es sicherlich überall. Wie kann man da Buh rufen? Erinnern Sie sich doch, wie still es im Zuschauerraum war! Man hat die Spannung gespürt, und wie die Sänger völlig hinter der Inszenierung standen, die voll Menschlichkeit und empfindlicher Intelligenz ist."

Scharf wendet sich Mortier in NEWS gegen die Karajan-Nachlass-verwalter: "In der Ablehnung der Inszenierung der 'Ariadne' zeigt sich schlicht die Kurzsichtigkeit bestimmter Leute. Sie wissen ja, wen ich da meine: Leute wie Kupper oder Uli Maerkle der die "Fledermaus" im Fernsehen als 'Scheißdreck' tituliert hat. Leute, die von Empfindung nichts, vom Geld aber umso mehr verstehen und die nur kommen um zu protestieren. Ein Mann, der versucht hat, Karajan wie eine Zitrone auszupressen."
 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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 13.02.2007 03:34:25
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