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Krebsmedikament auch
gegen Pocken wirksam
Neuer Ansatz zur Behandlung von viralen
Infektionen
Wissenschafter des Dana Farber Cancer Institute
http://www.dana-farber.org haben nachgewiesen, dass ein
experimentelles Medikament gegen das unkontrollierte Wachstum von
Krebszellen die Vermehrung des Pockenvirus verhindern kann. Im
Tierversuch verhinderte das Medikament, dass Mäuse an dem eng
verwandten Virus Vaccinia starben. Bisher haben Medikamente gegen
virale Infektionen nicht auch nur annähernd so gute Ergebnisse
erzielt wie Antibiotika. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal
of Clinical Investigation
http://www.jci.org
veröffentlicht.
Viren verbreiten sich durch das Eindringen in eine Zelle und die
Übernahme der Funktionen, die von sich aktiv teilenden Zellen zur
Vermehrung ihrer eigenen DNA eingesetzt werden. Die am häufigsten
Viren ausgesetzten Zellen wie die der Haut oder des Inneren der
Lunge teilen sich nicht aktiv und haben diese Funktion daher
deaktiviert. Viren wie Pocken haben jedoch gelernt, wie sie diesen
Mechanismus durch eigene Kopien der Hormone und Wachstumsfaktoren
wieder aktivieren können. Da die zu starke Expression der Rezeptoren
für diese Wachstumsfaktoren in Krebszellen eine Ursache für das
unkontrollierte Wachstum von Krebs ist, hat sich die Forschung auf
die Suche nach Molekülen konzentriert, die diese Rezeptoren
blockieren.
Das Team um Ellis Reinherz hatte bereits entdeckt, dass Pocken und
verwandte Viren Moleküle produzieren, die jenen Wachstumsfaktoren
ähnlich sind, die vom Körper natürlich produziert werden, um diese
Rezeptoren, erb-B1, mit Informationen zu versorgen. Sie nutzen diese
Faktoren um die Vermehrung der Wirtszellen wieder zu aktivieren.
Wenn die stimulierende Aktivität der viralen Faktoren blockiert ist,
dann kann das virale Wachstum verringert werden. Die Forscher
setzten ein experimentelles Krebsmedikament zur Blockierung des
erb-B1 Rezeptors ein. Es zeigte sich in der Zellkultur, dass so die
Vermehrung des Pockenvirus bei menschlichen Zellen tatsächlich
gestoppt werden konnte.
In der Folge wurde das Medikament Mäusen verabreicht, die mit
Vaccinia infiziert wurden. Das Medikament rettete alle behandelten
Mäuse bei Dosierungen, die bei unbehandelten Tieren zum Tod führten.
Die Wirkung verbesserte sich durch die Kombination mit einem sehr
spezifischen Antikörper weiter. Der kombinierte Ansatz erzielte
bessere Ergebnisse als der getrennte Einsatz der beiden Substanzen.
Verantwortlich dafür könnte laut NewScientist die starke
Stimulierung der eigenen Immunreaktion der Mäuse sein. Ein Nachteil
bestand laut Reinherz darin, dass die Behandlung nur funktionierte,
wenn das Medikament vor dem Virus verabreicht wurde. Eine später
einsetzende Behandlung verringerte die Schwere der Infektion. Sie
konnte den Tod der Tiere jedoch nicht verhindern. Die Wissenschafter
gehen davon aus, dass bei einer sich langsamer entwickelnden
Krankheit, wie Pockeninfektionen beim Menschen, der kombinierte
Ansatz bessere Erfolgsaussichten haben könnte. Entscheidend sei
jedoch, dass dieser Ansatz nicht auf das Virus selbst abziele. |
Neuer Pockenimpfstoff
Alternative bei Immunschwäche Versuche mit Affen und Mäusen erfolgreich
Ein neuer Pockenimpfstoff hat bei Versuchen mit Affen
und Mäusen viel versprechende Ergebnisse erzielt. Es wird erwartet, dass
dieser Impfstoff eine Alternative für jene Menschen wird, für die
bestehende Varianten nicht in Frage kommen. Eine in Nature
http://www.nature.com
veröffentlichte Studie wies nach, dass der
neue Impfstoff Affen vor Affenpocken schützt. Eine Studie in den
Proceedings of the National Academy of Sciences
http://www.pnas.org
legt nahe, dass eine höhere Verträglichkeit bei
Menschen mit geschwächten Immunsystemen gegeben ist.
Wissenschaftler des National Institute of Allergy and Infectious
Diseases
http://www.niaid.nih.gov
behandelten Affen mit dem Impfstoff
modifizierter Vaccinavirus Ankara (MVA). Es zeigte sich, dass die
MVA-Injektion alleine für den Schutz vor Affenpocken ausreichend war.
Ein verbesserter Schutz konnte durch die Kombination von MVA und dem
bereits bekannten Impfstoff Dryvax erzielt werden. Dieses Ergebnis legt
nahe, dass MVA als eine Art Vorimpfstoff eingesetzt werden könnte, der
beim Entstehen einer konkreten Bedrohung durch Dryvax ergänzt wird.
Zusätzlich gehen die Wissenschaftler davon aus, dass MVA eine
Alternative für Patienten mit geschwächten Immunsystemen darstellt. Dazu
gehören Diabetiker, Transplantationspatienten, ältere Menschen, kleine
Kinder und Menschen, die HIV positiv sind.
Für die Verifizierung dieser Annahmen wurde eine zweite Studie mit
abwehrgeschwächten Mäusen durchgeführt. Es zeigte sich, dass Tiere, die
Dryvax erhielten, unter schweren Nebenwirkungen wie extremem
Gewichtsverlust und schmerzhaften Hautwunden litten. Einige der Tiere
starben. Die mit MVA behandelten Tiere blieben auch bei der
tausendfachen Dosis gesund. Der leitende Wissenschaftler Bernard Moss
erklärte gegenüber BBC News Online,
http://www.bbc.co.uk
dass das sehr wirksame Dryvax vor allem bei
Immunschwäche ernste und lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursache.
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Schluckimpfung wirkt gegen Pocken
Medikament übertrifft Pocken-Impfstoff Cidofovir -
Sicherheitstest am Menschen stehen noch aus
US-Forscher haben die erste Schluckimpfung gegen Pocken entwickelt. Der
Impfstoff ist laut Angaben der Entwickler100 mal effektiver als der bestehende
Pocken-Impfstoff Cidofovir. Das Medikament, das vom Veterans Affairs San Diego
Healthcare System (VASDHS) http://www.va.gov und der University of California in San Diego
http://www.ucsd.edu entwickelt
wurde, muss noch zusätzlichen Tierversuchen und Sicherheitstests am Menschen
unterzogen werden. Es wurde heute, Mittwoch, auf der 15th International
Conference on Antiviral Research in Prag vorgestellt.
Im Laborversuch blockierte das Medikament mit der Abkürzung HDP-CDV (Hexadecyloxypropyl-Cidofovir)
die Aktivität des Pockenvirus in menschlichen Zellen, erklärte Karl Y.
Hostetler vom VASDHS. Im Tierversuch überlebten mit Kuhpocken infizierte Mäuse
nach der Verabreichung des Medikaments von fünf Tagen. Der Virengehalt in den
Lungen der infizierten Tiere reduzierte sich in den beinahe nicht
detektierbaren Bereich. Bei einer intravenösen Verabreichung einer
vergleichbaren Menge an Cidofovir verringerte sich die Virenzahl nicht. Die
Substanz ist eine Weiterentwicklung des Pocken-Impfstoffes Cidofovir. "Der
Nachteil von Cidofovir ist seine schlechte orale Bioverfügbarkeit. Es kann nur
intravenös verabreicht werden", erklärte Hostetler. Er rechnet damit, dass bei
der endgültig bestätigten Wirkung und Sicherheit des Medikaments, es in
Pillenform oder als Kapsel zur Prävention und Behandlung zwischen fünf und 14
Tage geschluckt werden muss.
HDP-CDV wirkte auch in Gewebekulturen gegen Infektionen, die u.a. durch
Herpesviren ausgelöst werden, erklärte Earl Kern von der University of
Alabama. Dadurch bestehe die Möglichkeit, dass die Substanz auch bei
herkömmlichen viralen Infektionen eingesetzt werden kann. Top-Spot bleibe aber
das Pockenvirus. Dies gilt zwar seit Ende der 70-er Jahre als ausgerottet, die
Erreger werden aber noch in Labors gelagert. Die USA befürchten, dass Proben
in die Hände von Bio-Terroristen gelangen könnten und wollen daher bis Ende
2002 zum Schutz der Bevölkerung genügend Pocken-Impfstoff einlagern.
Routine-Impfungen wurden 1972 eingestellt. Pocken-Impfungen gelten als
umstritten, da sie mit Nebenwirkungen verbunden sind und werden daher erst bei
einem tatsächlichen Pocken-Ausbruch durchgeführt.
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