Migräne-Kraut wirkt auch entzündungshemmend
Neuartige Medikamente erwartet
Wissenschafter der Universität von Yale
http://www.biology.yale.edu
haben herausgefunden, wie der entzündungshemmende Bestandteil von Mutterkraut
wirkt. Die im Mutterkraut enthaltene Verbindung Parthenolide bindet das
Protein IkappaB Kinase und stoppt dessen Wirkung im Entzündungsprozess. Das
berichtet "Chemistry & Biology" in seiner aktuellen Ausgabe.
http://www.elsevier.nl/gej-ng/10/14/33/show Mutterkraut wurde bislang als
alternatives Medikament zur Behandlung von Migräne eingesetzt.
Ein Forscherteam unter der Leitung von Craig Crews, Associate Professor für
Biologie, Chemie und Pharmakologie, hat ein Derivativ von Parthenolide erzeugt
und dann nach Proteinen gesucht, die sich an Parthenolide binden. IkappaB
Kinase erwies sich als solches Protein. Parthenolide dockt an das Protein an
und verhindert dessen Wirkung.
"Diese Forschungsergebnisse ermöglichen die Entwicklung von neuartigen
entzündungshemmenden Medikamenten gegen Kopfschmerzen, Schwellungen, Rötungen
und Entzündungen", so Crews. Für die tatsächliche Entwicklung eines
Medikaments sollen nun weitere Hemmstoffe des Proteins gefunden werden.

Naturheilmittel komplizieren Operationsverlauf
Nebenwirkungen werden von Ärzten und Patienten unterschätzt
Wissenschaftler der University of Chicago
http://www.uchicago.edu
warnen davor, pflanzliche Medikamente vor Operationen anzuwenden. Wie das Team
im Fachmagazin "Journal of the American Medical Association"
http://jama.ama-assn.org
schreibt, können Knoblauch, Gingko, Ginseng, Sonnenhut und Baldrian zu
Komplikationen führen. Eine herabgesetzte Blutgerinnung, beschleunigter oder
verlangsamter Puls und eine ungewollte Sensibilisierung des Immunsystems
können die Folge sein. Außerdem könnte die Wirkung der Narkose verlängert
werden, auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten seien möglich.
http://jama.ama-assn.org/issues/current/abs/jrv10013.html
Selbst wenn Phytopharmaka eine Woche vor dem medizinischen Eingriff
abgesetzt werden, sei eine unerwünschte Wirkung auf den Verlauf der Operation
signifikant. Die Mediziner führen ihre Warnung auf das Studium von
Fachartikeln zurück, die zwischen 1966 und 2000 erschienen sind und Angaben zu
Wirkungen und Sicherheit phytopharmazeutischer Präparate machen. Dabei
kritisieren sie, dass die behandelnden Ärzte oft nicht über Neben- und
Wechselwirkungen Bescheid wüssten. Auch werde die Einnahme naturheilkundlicher
Medikamente von den Patienten verschwiegen. Die Einnahme pflanzlicher
Präparate vor einer Operation solle in den üblichen Fragebogen aufgenommen
werden, so die Forscher.
Wie die BBC
http://www.bbc.co.uk meldet, habe die American Society of
Anesthesiologists aufgrund der Studie vorgeschlagen, dass Patienten zwei
Wochen vor dem Eingriff sämtliche Kräutermedikationen stoppen müssten.
Problematisch sei, dass die meisten Entscheidungen zu einer Operation nur
wenige Tage vor der Operation fallen.

Pflanzliche Heilmittel können bei Operationen Risiken
steigern
Wissenschaftler entwickeln Einnahme-Empfehlungen
Wissenschaftler des University of Chicago Medical Center
http://www.uchospitals.edu
haben nachgewiesen, dass die Einnahme pflanzlicher Heilmittel das Risiko von
Komplikationen während chirurgischer Eingriffe steigern kann. Derartige
Präparate können die Herzfrequenz erhöhen oder verringern, die Blutgerinnung
hemmen, das Immunsystem verändern sowie Wirkung und Dauer einer Narkose
beeinflussen.
http://www.uchospitals.edu/herbal Zu den untersuchten Heilmitteln gehörten
Echinacea, Gingko biloba, Knoblauch, Johanniskraut und Baldrian. Ziel war die
Erstellung von Empfehlungen zu welchem Zeitpunkt Patienten die Einnahme vor
einer Operation beenden sollten. Journal of the American Medical Association (JAMA)
http://jama.ama-assn.org/issues/current/abs/jrv10013.html
Echinacea sollte so früh wie möglich abgesetzt werden, Ephedra und Kava
wenigstens 24 Stunden vorher, Knoblauch und Ginseng wenigstens eine Woche
vorher, Ginko wenigstens 36 Stunden vorher, Johanniskraut wenigstens fünf Tage
vorher und Baldrian sollte in reduzierter Dosis eingenommen werden. Der
Wissenschaftler Chu-Su Yuan erklärte, dass die meisten dieser Substanzen bei
gesunden Menschen zu keinen Problemen führten. Bei Operationen könnten sie
jedoch Sedierung, Schmerzkontrolle, Blutungen, Herzfunktion, Stoffwechsel,
Immunität und Genesung auf Arten beeinflussen, über die derzeit noch wenig
bekannt sei. Laut der BBC gehen Studien davon aus, dass rund ein Drittel der
Patienten vor der Operation pflanzliche Heilmittel einnehmen. In vielen Fällen
werden diese Informationen allerdings nicht an den behandelnden Arzt
weitergegeben. Zusätzlich seien Ärzte vielfach unsicher, wie mit vorhandenen
Informationen zu verfahren sei.
Die American Society of Anesthesiologists
http://www.asahq.org hat zur
Vermeidung unerwünschter Nebenwirkungen empfohlen, die Einnahme vom
pflanzlichen Heilmitteln zwei Wochen vor einem Eingriff einzustellen. Da diese
Frist nur schwer einzuhalten ist, entwickelte das Team um Chu-Su Yuan neue
Empfehlungen für einzelne Präparate. Sie konzentrierten sich dabei auf jene
acht Produkte, die in Amerika 50 Prozent des Umsatzes stellen. Bei der
Auswertung der vorhandenen Informationen zeigte sich ein Mangel an klinisch
relevanten Informationen. Daher wurden aufgrund bestehender Studien,
Krankheitsgeschichten und Informationen zu den Wirkungen entsprechende
Empfehlungen ausgearbeitet. Eurekalert
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2001-07/uocm-nrp070301.php

Jede zwölfte höhere Pflanze als Arznei genutzt
Deutscher Forscher präsentiert Ethnobotanik-Standardwerk
Natürliche Materialien pflanzlicher Herkunft sind für viele
indigene Völker auch heute noch wichtige Ressourcen für Heilmittel,
Lebensmittel oder Produkte des täglichen Bedarfs. Michael Heinrich, vom
Center for Pharmacognocy and Phytotherapy in London hat beim Kongress Building
Bridges with traditional knowledge http://www.botany.hawaii.edu/traditionalknowledge
sein neues Standardwerk "Ethnopharmazie und Ethnobotanik",
vorgestellt.
In dem Buch hat der Pflanzenbotaniker, der jahrelang auf diesem Gebiet
Feldforschungen betrieben hat, versucht, auch Kenntnisse erfahrener Heiler und
die Ziele, Methoden sowie Konzepte der Ethnopharmazie aufzuzeigen. Das Werk
ist übersichtlich und zeigt viele Fallbeispiele auf. "Eine weitgehend
vollständige Auflistung aller Arzneimittel- und Nutzpflanzen, die in
indigenen Kulturen verwendet werden, ist bis jetzt nur in Nordamerika, Kanada
und den USA verfügbar", so Heinrich zu pte.
"Von den insgesamt 31.600 Arten an höheren Pflanzen werden 8,2
Prozent als Arznei, 5,2 Prozent als Nahrungsmittel, 1,4 Prozent zur Gewinnung
von Fasern oder als Konstruktionsmaterial und 0,7 Prozent als Färbepflanzen
verwendet. Grundlage dieser Arbeit ist die Auswertung von über 200
verwendeten Primärquellen mit über 45.000 Verwendungsberichten. Dabei sagt
diese Zahl nur aus, dass in Nordamerika relativ viele Pflanzen als Heilmittel
verwendet wurden." Über die Qualität und den Stellenwert einzelner
Spezies sage diese Untersuchung nichts aus, so der Forscher.
Heinrich warnt in seinem Buch auch vor dem Verlust der Biodiversität und
der daraus folgenden Risiken für die Arzneistoffentwicklung. "Ein
Verschwinden von ehemals einheimischen Pflanzen konnten schon die
Wissenschaftler Balick und Cox 1997 aus dem mittelamerikanischen Staat Belize
berichten. 1940 konnte der lokale Heiler alle benötigten Heilpflanzen im
Umkreis von zehn Minuten erreichen. 1988 brauchte er für die Ernte der
gleichen Pflanzen rund 70 Minuten. Die von ihm gesammelten Pflanzen werden
aber nur in dieser Region verwendet und werden weder national noch
international vermarktet", so Heinrich. Es gebe weltweit mehrere
Beispiele von Risiken der Übernutzung von Pflanzen.
Das Buch "Ethnopharmazie und Ethnobotanik" ist kürzlich unter der
ISBN Nummer 3-8047-1775-6 in der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft in
Stuttgart http://www.wissenschaftliche-verlagsgesellschaft.de
erschienen.

Pflanzenpatente für Entwicklungsländer unbezahlbar
70 Prozent der Weltbevölkerung von Pflanzenmedizin abhängig
Traditionelle Heilpraktiker, Wunder- und Naturheiler spielen in vielen Ländern
der Erde noch immer eine größere Rolle als herkömmliche westliche Medizin.
Gründe dafür sind die fehlende Versorgung durch konventionelle Ärzte in
vielen Entwicklungsländern. Das erklärten Wissenschaftler beim Kongress
"Building Bridges with Traditional Knowledge" http://www.botany.hawaii.edu/traditionalknowledge
der derzeit in Honolulu/Hawaii stattfindet.
In Nepal kommen auf einen Schulmediziner rund 12.000 Patienten, in Nigeria
1.200. in beiden Ländern kommen jedoch auf einen traditionellen Heilpraktiker
nur zwischen 100 und 200 Patienten. Die meisten Erkrankungen in Nepal
betreffen den gastrointestinalen Bereich, dabei spielt die Behandlung von
Durchfallerkrankungen und Wurmbefall die größte Rolle, erklärte Krishna
Shresta, Wissenschaftler am botanischen Institut der Universität von
Katmandu. Nepal sei aufgrund seiner exponierten Lage ein idealer Platz für
Botaniker. In den zehn Klimazonen gedeihen 1.500 Blütepflanzen und 4.500 Grünpflanzen.
Rund 1.600 Pflanzen werden in der lokalen Medizin als Heilkräuter verwendet.
Nepal ist das Land mit den meisten Exporten von Heilpflanzen. Das
Exportvolumen beträgt zwischen 22 und 70 Mio. Dollar.
Heilpflanzen spielen auch in der traditionellen Medizin Nigerias eine große
Rolle. "Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind rund 70
Prozent der Weltbevölkerung, insbesondere aber diejenigen, die außerhalb der
Städte leben, von Pflanzen als Medizin abhängig", so Gamaniel Shingu,
vom National Institue for Pharmazeutical Research and Development in Abuja,
Nigeria. Der Forscher fordert, dass daher der Bestand an Pflanzen unter allen
Umständen zu sichern sei. Dazu zähle auch die Sicherung des geistigen
Eigentums der indigenen Völkern an ihren Pflanzen. "Patente auf Pflanzen
kosten zwischen zehn- und 20.000 Dollar, auf Lebenszeit sogar 250.000 Dollar.
Diese Summen können sich Länder der Dritten Welt kaum leisten", so der
Forscher.
Gefahr droht beiden Ländern durch die rücksichtslose Ausbeutung der
verbleibenden Wildflächen sowie der Zerstörung der Biodiversität durch
rasches Bevölkerungswachstum. Habitate werden in beiden Ländern durch
Brandrodung und die Schaffung neuer Anbauflächen für Kulturpflanzen zerstört.
In Nepal spielt auch die große Nachfrage nach Heilpflanzen eine große Rolle
bei der Zerstörung der unbebauten Flächen. Geschätzte 470.000 Haushalte
sind dort bei der Suche und dem Verkauf von medizinischen Pflanzen involviert.
Beide Wissenschaftler sind sich einig, dass die schlechten hygienischen
Bedingungen, insbesondere das Fehlen einer Versorgung mit einwandfreiem
Trinkwasser und der schlechten Entsorgung von Fäkalien wesentlich für die
Verbreitung der typischen Erkrankungen sind.
