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WIENER GERICHTSMEDIZIN: GUTACHTER HABEN KOSTENERSATZ ZU LEISTEN Moser: Sachverständigentätigkeit sollte Pflichtaufgabe der Unis sein

Im Rechnungshofausschuss befassten sich die Abgeordneten auch mit dem Institut der Gerichtlichen Medizin der Medizinischen Universität Wien (III-106 d.B.), das neben seinen universitären Aufgaben vor allem Gutachten im Auftrag von Gerichten und Sicherheitsbehörden erstellte. Für die Sachverständigentätigkeit erhielten die wissenschaftlichen Mitarbeiter neben ihren monatlichen Bezügen als Universitätslehrer auch Gebühren nach dem Gebührenanspruchsgesetz 1975. Sie machten ihren Anspruch unabhängig davon, ob sie namentlich vom jeweiligen Gericht bzw. der jeweiligen Sicherheitsbehörde oder - im Rahmen ihres Dienstverhältnisses - vom Institutsvorstand beauftragt wurden, geltend. Die Sachverständigengebühren wurden über eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, deren Gesellschafter der Institutsvorstand sowie zwei weitere Institutsmitarbeiter waren, verrechnet. Die Einnahmen der Gesellschaft wurden zum Teil für Zahlungen an die Mitarbeiter zusätzlich zu ihren monatlichen Bezügen verwendet. Das Ausmaß der Zuzahlung an zu Sachverständigen bestellte Mitarbeiter überstieg häufig den jeweiligen Monatsbezug aus ihrem Dienstverhältnis. Für die in der Dienstzeit erfolgte Sachverständigentätigkeit wären der Universität die Kosten für das in Anspruch genommene Personal sowie der eingesetzten Sachmittel in voller Höhe zu ersetzen gewesen. Indessen wurde an die Universität lediglich ein Kostenersatz von 15 % der Einnahmen aus der Sachverständigentätigkeit entrichtet.

Abgeordneter Christian Faul (S) stellte fest, dass seit 15 Jahren die Missstände an der Gerichtsmedizin bekannt seien, und erkundigte sich danach, wann man von diesen Missständen erfahren habe, wann der Leiter "fallen gelassen" wurde und ob Rückforderungen seitens des Ressorts an die betreffenden Ärzte gestellt werden. Weitere Fragen betrafen den Stand des Umbaus, die wissenschaftliche Betreuung und die Zulassung privater Gutachter.

 


 

Computertomograph soll Mord aufklären
Experten von Siemens untersuchen Tutanchamun

Wissenschaftler von Siemens http://www.siemens.com haben die 3300 Jahre alte Mumie des Pharaos Tutanchamun mit bisher unerreichter Detailgenauigkeit untersucht. Gemeinsam mit dem ägyptischen Chefarchäologen Zahi Hawass (links im Bild) wollen sie klären, woran der junge König der 18. Dynastie tatsächlich starb.

Zum ersten Mal seit seiner Entdeckung wurde das vermeintliche Opfer eines Mordanschlages mit einem Computertomographen untersucht. In etwa fünf Minuten wurden von den Experten etwa 1.700 Schichtaufnahmen von Tutanchamun gemacht. Die Aufnahmen des Schädels haben dabei eine Auflösung von 0,5 Millimetern, die des restlichen Körpers von etwa einem Millimeter. Eine spezielle Software ermöglicht es laut Siemens, die Röntgendosis so gering wie möglich zu halten um Schäden an der Mumie auszuschließen. Der Tomograph "Somatom Emotion 6" ist eine Spende von Siemens und der National Geographic Society und wird auch in der klinischen Praxis verwendet.

Der Zustand des ehemaligen Herrschers ist jedoch sehr schlecht. Bei seiner Entdeckung wurden vermutlich Schmuckstücke und Grabbeigaben gewaltsam vom Körper getrennt. Für die Untersuchung wurde die Mumie seit ihrer Entdeckung im Jahr 1922 erstmals aus ihrem Grab im Tal der Könige bei Luxor entfernt. 1968 hatte die bisher einzige Röntgenuntersuchung des Kopfes ergeben, dass der Pharao möglicherweise durch einen heftigen Schlag getötet worden war. Die Experten gehen davon aus, dass Tutanchamun im Alter von nur 17 Jahren starb. Nun soll geklärt werden, ob er Opfer eines feigen politischen Anschlags wurde oder ob er durch einen Unfall starb. Derzeit werden die Bilder ausgewertet. Erste Ergebnisse erwarten die Wissenschaftler Ende Januar.

 

 


 

Pflanzliches Gift als Instrument für den "perfekten" Mord
Pathologen unfähig Cerbera-Vergiftungen festzustellen

Eine als "Suizid-Baum" titulierte Pflanze tötet in Indien mehr Menschen als bisher angenommen worden ist. Die Warnung kommt von kriminaltechnischen Toxikologen in Indien und Frankreich, die eine Überprüfung von Todesfällen durchgeführt haben, die auf pflanzliche Gifte zurückzuführen sind. Cerbera odollam, die in Indien und Südost-Asien wächst, wird von mehr Menschen als Selbstmordinstrument verwendet als jede andere Pflanze, sagen die Toxikologen. Weiters befürchten die Experten, dass Ärzte, Pathologen und Leichenbeschauern häufig bei der Feststellung versagen, wie oft die Pflanze als Mordwerkzeug dient.

Ein Team vom Laboratorium für Analytische Toxikologie in La voulte-sur-Rhone hat unter der Leitung von Yvan Gaillard 500 Fälle tödlicher Cerbera-Vergiftungen zwischen 1989 und 1999 im südwestindischen Bundesstaat Kerala dokumentiert. Die Hälfte von Keralas Todesfällen, die mit pflanzlichen Giften zu tun haben, und zehn von allen tödlichen Vergiftungen, gehen auf Cerbera zurück. Das Team schätzt, dass die wahre Zahl an Cerbera-Todesfällen das Doppelte betragen könnte, weil Vergiftungen mit Hilfe konventioneller Methoden schwer zu identifizieren sind.

Durch die Verwendung von Hochleistungs-Flüssig-Chromatographie gepaart mit Massenspektrometrie zur Untersuchung von Gewebe auf Spuren der Pflanze, hat das Team eine Reihe von Tötungsdelikten aufgedeckt, die andernfalls unbemerkt geblieben wären. Das deutet darauf hin, dass viele als Suizid klassifizierte Todesfälle tatsächlich Morde waren. Die Früchte des Baums haben einen bitteren Geschmack. Dieser kann aber verschleiert werden, wenn die Kerne zerdrückt und mit Gewürzen vermischt werden. Sie enthalten ein wirksames Herzgift namens Cerberin, das in seiner Struktur dem Digoxin gleicht, das im Fingerhut vorkommt.

Digoxin blockiert die Calzium-Ionen-Kanäle in der Herzmuskulatur, was den Herzschlag unterbricht. Während westlichen Toxikologen Fingerhut-Vergiftungen wohlbekannt sind, behauptet Gaillard, Pathologen wären nicht in der Lage, eine Cerbera-Vergiftung festzustellen, wenn sie nicht wüssten, dass das Opfer die Pflanze gegessen hat. "Es ist der perfekte Mord", so Gaillard. Drei Viertel der Cerbera-Opfer sind Frauen. Das Forschungsteam vermutet, dass es sich dabei oft um junge Ehefrauen handelt, die den hohen Ansprüchen mancher indischer Familien nicht entsprechen. Zudem dürften viele Mordfälle unentdeckt bleiben, die in Ländern begangen werden, wo die Pflanze nicht natürlicherweise vorkommt.

 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:24
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