Offener Brief an ORF-Generaldirektorin
Dr. Monika Lindner
Sehr geehrte Frau Dr. Lindner,
angesichts der jüngsten Teletest- und Media-Watch-Daten sowie der nicht
nachvollziehbaren Schwerpunktsetzung der ORF-Nachrichtensendungen in den
vergangenen Tagen, sehe ich mich dazu veranlasst, in dieser Form an Sie
heranzutreten.
Wie Ihnen bekannt ist, verliert der ORF nunmehr seit dem Jahr 2002
kontinuierlich an Zusehern. Insbesondere vom Zuseherschwund betroffen sind
die Nachrichtensendungen des ORF. Hand in Hand mit dieser Entwicklung geht
die Tatsache, dass den Regierungsparteien - und hier vor allem der ÖVP - in
den Nachrichtensendungen eine immer breitere Plattform geboten wird, während
das Ausmaß der Berichterstattung über die Oppositionsparteien Monat für
Monat abnimmt.
So ist es nach Vorliegen der Datenlage von Media-Watch über das Gesamtjahr
2004 und Jänner 2005 wohl nicht nur mir unerklärlich, warum jene Partei, die
seit eineinhalb Jahren in sämtlichen Umfragen mit Werten jenseits der 40
Prozent in der Wählergunst an erster Stelle rangiert, in den abendlichen"
Zeit im Bild"-Sendungen beinahe nicht mehr vorkommt. Der Anteil der Redezeit
von SPÖ-Vertretern an der Gesamtredezeit von Politikern in der "Zeit im Bild
1" im Jahr 2004 betrug gerade einmal 27 Prozent, während ÖVP-Vertreter zu 41
Prozent zu Wort kamen. Im Jänner 2005 verschärfte sich diese Situation,
indem SPÖ-Politiker überhaupt nur noch 18 Prozent der Gesamtredezeit hatten,
die ÖVP sich jedoch über 48 Prozent Redeanteil freuen durfte. Selbst die
FPÖ, die bei der letzten Nationalratswahl nicht einmal ein Drittel der
Wähler der SPÖ aufweisen konnte, ist regelmäßig stärker vertreten als die
Repräsentanten der Sozialdemokratie. Um es klar auszudrücken: Die SPÖ wird
in den Nachrichtensendungen des ORF krass benachteiligt, die
Regierungsparteien überproportional bevorzugt. Bei dieser Analyse geht es
mir nicht darum, Sekunden zu zählen, sondern dem sich durch mehrere Faktoren
zusammengefügten Gesamtbild eine objektivierbare und operationalisierbare
Grundlage zu geben.
Aktuellstes, wenn auch noch nicht empirisch untersuchtes, Beispiel, ist die
Berichterstattung rund um die jüngste Regierungskrise zum Thema Verkürzung
des Wehrdienstes. Die konstruktiven Vorschläge der SPÖ, der Krise zumindest
auf der inhaltlichen Ebene durch eine Gesetzesinitiative Herr zu werden,
wurden beharrlich ignoriert. Ebenso unerklärlich ist es mir, warum in der
"Zeit im Bild 1" an jenem Tag, an dem in Österreich so viele Menschen
arbeitslos sind wie niemals zuvor in der 2. Republik, der Fokus der
Berichterstattung auf die Arbeitslosigkeit in Deutschland gelegt wird,
wohingegen sämtliche Printmedien des Landes die hierzulande entscheidendere
Frage der Arbeitslosigkeit in Österreich in den Vordergrund stellen - zu
einem nicht unbeträchtlichen Teil auf der Titelseite. Von Seiten des ORF
wurde stattdessen in diesem Zusammenhang nicht darauf vergessen, die
Arbeitslosensituation in Deutschland mehrmals der "rot-grünen" Regierung in
die Schuhe zu schieben, während im entsprechenden Beitrag über die Situation
in Österreich die politische Verantwortung der Regierung Schüssel mit keinem
Wort erwähnt wurde. Auch das Totschweigen der oppositionellen Standpunkte
zum fünfjährigen Jahrestag der Konstituierung der ÖVP-FPÖ-Regierung in den
abendlichen "Zeit im Bild"-Sendungen passt in dieses Bild. Hier wird
nachweisbar und systematisch mit zweierlei Maß gemessen. Angesichts des
Objektivitätsgebots des ORF befremdet derartiges zutiefst.
Für viele ORF-Zuseher ist es mit Befremden nicht getan. Die durch die
Media-Watch-Daten gestützte Konsequenz derartig einseitiger
Berichterstattung ist, dass die Seher einfach abschalten oder sich auf der
Suche nach objektiver Information anderen Medien zuwenden. Bei dieser
Analyse handelt es sich nicht allein um meine persönliche Meinung. In
zahlreichen Zeitungsartikeln der letzten Monate wurde ebenfalls anhand
konkreter Zahlen und Fakten exakt dieses Bild gezeichnet (News, 29.1.2004;
tvmedia, 25.2.2004; Profil, 3.1.2005).
Gerade in Zusammenhang mit der aufgezeigten einseitigen Berichterstattung
und den sinkenden Quoten für die Informationssendungen des ORF, kann ich den
zuständigen Chefredakteur der ZIB-Sendungen, Werner Mück, nicht aus der
Pflicht nehmen: Die bis vor nicht allzu langer Zeit üblichen, breit
angelegten Redaktionssitzungen gehören der Vergangenheit an. Stattdessen
herrscht ein eher als autokratisch zu bezeichnender Arbeitsstil bei der
Konzipierung der Nachrichtensendungen. Darüber hinaus ist immer wieder aus
den Redaktionen zu vernehmen, dass der Chefredakteur fragwürdige Weisungen
ausgibt, wonach in den abendlichen Nachrichtensendungen nur über
Pressekonferenzen und öffentliche Auftritte von Ministern und allenfalls
noch von Parteivorsitzenden berichtet werden dürfe. Oppositionsparteien wird
durch eine derartige Vorgehensweise fast jegliche Auftrittsmöglichkeit
genommen. Dass genau dieser Effekt im Sinne des Erfinders ist, kann ich in
Kenntnis dessen, dass Werner Mück seinen Geburtstag gerne mit dem
Bundeskanzler und dem ÖVP-Klubobmann feiert und mit beiden das Du-Wort
pflegt, nicht von der Hand weisen.
Ich appelliere an Sie als Generaldirektorin des ORF und somit als
Letztverantwortliche für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags,
die Objektivität in der Berichterstattung wieder herzustellen und somit auch
den kontinuierlichen Zuseher- und Bedeutungsverlust des ORF zu beenden.
Mit freundlichen Grüßen Mag. Norbert Darabos Bundesgeschäftsführer der SPÖ

ORF-Stiftungsrat genehmigt Finanzplan
2005
Der ORF-Stiftungsrat - unter dem Vorsitz von
Generaldirektor Dr. Klaus Pekarek - hat in seiner Plenarsitzung am Dienstag,
dem 7. Dezember 2004, den von Generaldirektorin Dr. Monika Lindner und dem
Kaufmännischen Direktor Dr. Alexander Wrabetz vorgelegten Finanzplan 2005
einstimmig genehmigt.
Der Finanzplan 2005 sieht Erträge in der Höhe von 769,4 Mio. Euro und
Aufwendungen in der Höhe von 769,3 Mio. Euro und somit ein ausgeglichenes
Ergebnis vor.
Die größten Herausforderungen für den ORF im Jahr 2005 sind die gedämpfte
Wirtschaftslage und die sich weiter verschärfende Konkurrenzsituation. Mit
dem Finanzplan 2005 wird der strikte Sparkurs des Unternehmens
weitergeführt, als wirtschaftlich gesundes Unternehmen kann der ORF seinem
Publikum auch im kommenden Jahr attraktive Programme in seinen Medien
anbieten. Schwerpunkte sind die Jubiläen "60 Jahre Zweite Republik" - u. a.
mit der vierteiligen Dokumentation "Die Wiedergeburt Österreichs" von Dr.
Hugo Portisch -, "50 Jahre Staatsvertrag", "50 Jahre Wiedereröffnung der
Staatsoper" und "50 Jahre Fernsehen in Österreich". Großen Stellenwert hat
der Sport mit der Alpinen Ski-WM in Bormio, der Nordischen Ski-WM in
Oberstdorf, der Biathlon-WM in Hochfilzen, der Eishockey-WM in Wien und
Innsbruck, mit der UEFA-Champions-League sowie den Qualifikationsspielen der
Fußball-Nationalmannschaft für die WM 2006. Weitere Ziele des Finanzplans
sind die Stärkung der ORF-Radios und der Landesstudios, Relaunches und neue
Projekte bei ORF.at und ORF TELETEXT.
Der Finanzplan sieht bei den Erträgen aus Programmentgelten eine Steigerung
von 423,0 Mio. Euro auf 427,5 Mio. Euro vor. Verantwortlich dafür sind vor
allem die Bemühungen der GIS um Information und Kundennähe. An Erträgen aus
Werbung sind im Finanzplan 2005 wegen der mit Jahresbeginn 2005 in Kraft
tretenden Preissenkung 292,1 Mio. Euro gegenüber 304,2 Mio. Euro im
Finanzplan 2004 vorgesehen.
Der Stellenplan bleibt mit 3.773 angestellten Dienstnehmern gegenüber dem
Finanzplan 2004 unverändert, der personalbezogene Gesamtaufwand wird im
Vergleich zum Finanzplan 2004 leicht gesenkt.

TV-Premiere für Historiendrama
"Stauffenberg" am 25.Februar in ORF 2
"Ich wollte auf keinen Fall auf die Tränendrüse drücken, sondern die
Geschichte mit Nüchternheit erzählen, die bei diesem Thema auch angebracht
ist", beschreibt Historienfilmspezialist Jo Baier ("Der Laden",
"Schwabeninder") die Arbeit an seinem jüngsten Werk "Stauffenberg" über das
Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, das am Mittwoch, dem 25. Februar 2004, um
20.15 Uhr in ORF 2 seine TV-Premiere feiert. "Die dokumentarische Genauigkeit
hat mir geholfen, nicht zu emotionalisieren und über das Ziel
hinauszuschießen, so wie das in Hollywood üblich ist." Dennoch, so Baier, sei
"Stauffenberg" ein Spielfilm, der bewegt und topbesetzt ist. Einer der aktuell
gefragtesten Charakterdarsteller Deutschlands, Sebastian Koch ("Der Tunnel",
"Tanz mit dem Teufel", "Die Manns"), ist dafür in die Titelrolle geschlüpft.
"Es macht mir grundsätzlich unglaublich viel Spaß, historisch zu drehen, weil
man sich dabei in eine andere Zeit versetzen muss und Geschichte lebendig
erfahren kann. Bei authentischen Stoffen, bei denen es um real existierende
Figuren geht, trägt man noch etwas mehr Verantwortung, weil es Menschen gibt,
die den Stoff kennen und eine Haltung dazu haben, Menschen, die man verletzen
und enttäuschen kann", so Koch. Das größte Kompliment für ihre gemeinsame
Arbeit haben Hauptdarsteller Koch und Regisseur Baier von der Familie
Stauffenbergs erhalten, die den Film bei der Uraufführung in Berlin gesehen
hat. Jetzt ist man auf den Erfolg der TV-Premiere gespannt und wünscht sich,
dass vor allem viele junge Menschen den Film sehen. "Ich weiß, wie sehr junge
Menschen nach Orientierung und Mut suchen, ich habe selbst einen Sohn von 19
Jahren", erzählt Baier. "Man muss sich an etwas orientieren können, auch gegen
den Strom."
Hochkarätige Darsteller
An der Seite des zweifachen Grimme-Preisträger Sebastian Koch standen für
"Stauffenberg" weiters vor der Kamera: Ulrich Tukur (Henning von Tresckow),
Christopher Buchholz (Berthold Graf von Stauffenberg), Hardy Krüger jr.
(Werner von Haeften), Axel Milberg (Generaloberst Friedrich Fromm), Udo Schenk
(Adolf Hitler), Olli Dietrich (Joseph Goebbels), Rainer Bock (General
Friedrich Olbricht), David Brunners (Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim),
Thorsten Merten (Peter Graf Yorck von Wartenburg), Joachim Bissmeier
(Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben) u. v. a. ORF-TV-Kommissar Harald
Krassnitzer (im ORF am 29. Februar erstmals als "Der Ferienarzt ... auf
Korfu", am 7. März im Dakapo von "Tatort - Absolute Diskretion" und am 14.
März in der Premiere von "Tatort - Tod unter der Orgel" im ORF zu sehen) gibt
einen Mitverschwörer Stauffenbergs, General Erich Fellgiebel. Als Filmkulisse
dienten Schauplätze in Berlin, Köln und Spanien, wo Gefechtsszenen, die sich
in Tunesien im April 1943 abgespielt haben, nachgestellt wurden. Gedreht wurde
von August bis Oktober 2003.
Sebastian Koch: Von Stauffenberg zu Speer - mit Tobias Moretti als Hitler
Nach seiner TV-Premiere als "Stauffenberg" am 25. Februar 2004 schlüpft
Hauptdarsteller Sebastian Koch bereits ab 29. Februar in eine Rolle, wie sie
kontrastreicher dazu nicht sein könnte: In dem vom ORF koproduzierten
biografischen TV-Drama "Speer und Er" steht er bis etwa Mitte Juni unter der
Regie von Heinrich Breloer als deutscher Architekt, Rüstungsminister,
Kriegsverbrecher, Spandauer Gefangener und Bestsellerautor Albert Speer vor
der Kamera. "Er" an seiner Seite ist Tobias Moretti in der Rolle des Adolf
Hitler. Das dreiteilige Dokudrama hat Regisseur und Drehbuchautor Breloer mit
Autor Horst Königstein ähnlich wie die gemeinsam gestaltete mehrfach
preisgekrönte Familiensaga "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" angelegt, in der
Koch übrigens Klaus Mann verkörperte. Teil eins von "Speer und Er" zeigt den
Machtmenschen Speer, dessen kometenhaften Aufstieg und tiefen Fall bis in die
Zelle von Nürnberg. Im zweiten Teil geht es um den Nürnberger
Kriegsverbrecherprozess und den als Hauptkriegsverbrecher angeklagten Speer.
Teil drei konzentriert sich auf Speers 20 Jahre im Spandauer Gefängnis.

ORF steigt auf neues Verschlüsselungssystem für Digital-TV um
Der ORF setzt ab April 2003 bei der digitalen Ausstrahlung seiner Programm
via Satellit auf ein neues Verschlüsselungssystem. Ab diesem Zeitpunkt wird
Philips CryptoWorks das bisherige System Betacrypt1 ersetzen. Das "alte"
System werde aber noch bis Ende 2003 weiter bestehen.
Bisher wurden mittels Betacrypt-"Smartcard" sowie einer so genannten
Set-Top-Box die digitalen Signale ver- und entschlüsselt, da der ORF seine
Programme aus rechtlichen Gründen nur in Österreich weiterverbreiten darf.
Entwickelt und vertrieben wird Betacrypt von BetaResearch, einer
100-prozentigen Tochter der insolventen KirchBeteiligung. Im Zuge des
Insolvenzverfahrens der KirchMedia war dem ORF die Lizenz für Betacrypt
gekündigt worden, man hatte sich aber auf eine eine Verlängerung bis 31.
Dezember 2003 einigen können.
Damit sei für bestehende Kunden der Betrieb bis Ende 2003 gesichert, betonte
der ORF. Allerdings würden keine weiteren Karten für das Betacrypt1-System
mehr hergestellt. Das Kontingent von ORF-Karten für Betacrypt1 werde
außerdem "bereits in den nächsten Tagen" erschöpft sein. Man habe nun den
Handel darauf hingewiesen, dass bis zur Einführung von CryptoWorks die für
Betacrypt1 erforderlichen Smartcards nicht mehr über den ORF bezogen werden
können, hieß es daher am Freitag. Der ORF sei aber bemüht, bestehenden
Bestellungen nachzukommen.

ORF-Journalisten wollen Gesetzesänderung
Das ORF-Gesetz, seit 1. Jänner 2002 in Kraft, bedarf nach Ansicht der
ORF-Journalisten dringend einer Reparatur. In einer Resolution haben
Redakteurssprecher aus allen Bereichen des ORF am Freitag die wahlwerbenden
Parteien aufgefordert, noch vor der Nationalratswahl am 24. November
"klarzustellen, für welche konkreten ORF-Gesetzesänderungen" sie eintreten
werden.
"Mehrfach, eindringlich und rechtzeitig" hätten die ORF-Journalisten im
Zuge der ORF-Reform vor dem neuen Gesetz gewarnt, hieß es. Dieses beschere
der öffentlich-rechtlichen Anstalt nämlich eine "ökonomische Schwächung",
was "zwangsläufig" Auswirkungen auf Umfang und Qualität der
Berichterstattung habe. Die Warnungen seien negiert worden, hätten sich
aber bestätigt: "Wir haben also Recht gehabt. Leider", so die Redakteure.
Neben Modifikationen im Gesetz, die die ökonomische Situation des ORF
verbessern, wünschen sich die Journalisten auch Aussagen seitens der
Politik zu ihren "seit Jahren bekannten Forderungen nach Sicherung und
Ausbau der Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit". Dazu zählten auch
eine "grundsätzlich andere Zusammensetzung" des Stiftungsrats sowie die
Verbesserung des Redakteursstatuts.
