Nobelpreis für Physik für neuen Materie-Zustand vergeben
Eric Cornell, Wolfgang Ketterle und Carl Wieman erhalten
hochdotierte Auszeichnung
Für die Erreichung eines neuen Materiezustands, der so genannten
Bose-Einstein-Kondensation (BEC), sind die zwei amerikanischen Physiker Eric
Cornell und Carl Wieman gemeinsam mit dem deutschen Physiker Wolfgang Ketterle
von der Schwedischen Akademie der Wissenschaft mit dem Nobelpreis für Physik
geehrt worden. Das teilte das Nobelpreis-Kommitee
http://www.nobel.se heute,
Dienstag, mit.
Cornell und Wieman, beide sind Professoren an der University of Colorado
http://jilawww.colorado.edu/bec , gelang es 70 Jahre nach der Entdeckung
und Berechnung dieses extremen Materiezustands, den der indische Physiker Bose
und Albert Einstein mathematisch errechneten, diesen mit Rubidiumatomen
herzustellen. Wolfgang Ketterle, Professor am Massachusetts Institute of
Technology (MIT) in Cambridge
http://cua.mit.edu/ketterle_group , gelang es unabhängig von Cornells und
Wiemans Arbeiten entsprechende Versuche mit Natriumatomen durchzuführen. Sein
Kondensat enthielt mehr Atome und konnte deswegen dazu verwendet werden,
dieses Phänomen genauer zu untersuchen.
"Es ist interessant, über Anwendungsbereiche von BEC zu spekulieren. Die
neue "Kontrolle" über die Materie, die diese Technik bedeutet, wird umwälzende
Anwendungen unter anderem bei Präzisionsmessungen und in der Nanotechnologie
zur Folge haben", schreibt die Nobel-Stiftung in ihrer Aussendung zum
Nobelpreis für Physik.
Nobelpreis für Chemie für Katalyse spiegelsymmetrischer
Moleküle
Einsatz der Grundlagenforschung in pharmazeutischen
Präparaten
Für die Entwicklung der katalytischen asymmetrischen Synthese sind die
US-Wissenschaftler William S. Knowles und K. Barry Sharpless
http://www.scripps.edu/chem/sharpless/kbs.html sowie Ryoji Noyori von der
Nagoya University
http://www-noyori.os.chem.nagoya-u.ac.jp Japan mit dem Nobelpreis für
Chemie 2001 ausgezeichnet worden. Dies teilte das Nobelpreis-Kommitee
http://www.nobel.se heute,
Mittwoch, mit.
Knowles und Noyori erhalten den Nobelpreis für ihre Arbeiten über chirale
katalysierende Hydrierungsreaktionen. Knowles entdeckte, dass es möglich ist,
so genannte Übergangsmetalle zur Herstellung von chiralen Katalysatoren für
eine wichtige Reaktionsart, Hydrierung genannt, zu nutzen. Seine Forschung
führte zur schnelleren Herstellung der Arznei L-Dopa, welche zur Behandlung
der Parkinson-Erkrankung verwendet wird. Noyori führte die Entwicklung, hin zu
den heutigen allgemeinen chiralen Katalysatoren zur Hydrierung, weiter.
Sharpless erhielt die Auszeichnung für seine Arbeiten über chiral
katalysierende Oxidationsreaktionen. Die Resultate ihrer Forschungen werden
heute in einer Reihe industrieller Synthesen von pharmazeutischen Präparaten,
wie z.B. Antibiotika und entzündungshemmenden Mitteln, genutzt.
Den Preisträgern ist es gelungen, ein neues Forschungsgebiet zu eröffnen
und somit die Synthese von Molekülen und Materialien mit neuen Eigenschaften
zu ermöglichen. Dies durch Reaktionen, in denen das Molekül nur in einer von
zwei spiegelsymmetrischen Formen gebildet wird. Arzneien bestehen oft nur aus
chiralen Molekülen. Der Unterschied zwischen den beiden Formen kann über Leben
und Tod entscheiden. Es ist demnach wichtig, beide chiralen Formen getrennt
herstellen zu können.
Medizin-Nobelpreis für Erforschung der "Kontrolle des
Zellzyklus"
Leland Hartwell, Timothy Hunt und Paul Nurse erhalten
Nobelpreis 2001
Zwei britische und ein amerikanischer Wissenschaftler haben heute, Montag,
den Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhalten. Leland Hartwell, Timothy
Hunt und Paul Nurse haben gemeinsam für ihre Entdeckungen betreffend der
Kontrolle des Zellzyklus den hochrangigen Preis vom Königlichen Karolinischen
Institut in Stockholm zugesprochen bekommen.
http://www.nobel.se
Leland Hartwell vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in
Seattle/Washington
http://www.fhcrc.org hat den hochrangigen Preis für seine Entdeckung einer
Kateorie von Genen erhalten, die den Zellzyklus kontrollieren. Eines dieser
Gene hat eine zentrale Funktion bei Beginn eines jeden neuen Zellzyklus und
wird daher "Start" genannt. Paul Nurse und Timothy Hunt vom Imperial Cancer
Research Fund in London
http://www.imperialcancer.co.uk haben für die Identifizierung von
Schlüsselmolekülen im Zellzyklus den Wissenschaftspreis erhalten. Nurse
entdeckte die so genannte Cyclin-abhängige Kinase (CDK), einer
Schlüsselkomponenten im Zellzyklus. Hunt entdeckte Proteine, die die Funktion
des CDK regeln.
"Diese fundamentalen biologischen Entdeckungen haben große Bedeutungen für
alles, was das Wachstum der Zellen betrifft", so das Nobelpreis-Kommitee in
seiner Begründung für die Verleihung des Preises. Die Forschungsergebnisse
hätten das Verständnis für die Veränderung der Erbmasse in den Krebszellen
gefördert und neue Wege für die zukünftige Behandlung von Krebserkrankungen
erschlossen.
Am 10. Oktober wird der Chemie-Nobelpreis vergeben
Organisch und anorganisch, Genlabor und Kunststoffe härter als Stahl - die
letzten 100 Jahre Forschung in der Chemie haben umwälzende Entdeckungen
hervorgebracht. Das Buch "Nobelpreise" aus dem Brockhaus-Verlag gibt einen
spannenden Einblick in die Erfindungen der Wissenschaftler.
Welch ein Glück, dass manche Experimente gründlich daneben gingen! Hideki
Shirakawa wollte mit einem Katalysator den Kunststoff Polyacetylen schaffen.
Statt schwarzen Pulvers aus Kunststoff entstand ein silbriger Film. Chemiker
wissen: Die silbrige Farbe deutet auf leicht bewegliche Elektronen hin - der
Kunststoff leitet elektrischen Strom. Eine Sensation, waren Kunststoffe doch
allenfalls dazu da, Kabel zu isolieren, elektrischen Strom nicht zu leiten.
Unabhängig von Shirakawa machten Alan D. MacDiarmid und Alan C. Heeger von der
Universität Pennsylvania dieselbe Entdeckung. Das geschah in den 70er-Jahren.
Als sich die drei Chemiker auf einer Tagung trafen, begann ihre
Zusammenarbeit.
Inzwischen haben sich rund um den Globus Universitätsprojekte und kommerzielle
Forschungslabors darangemacht, mit leitenden Polymeren zu arbeiten. Displays
von Mobiltelefonen bestehen heute aus leitenden Polymeren. Und in den nächsten
Jahren dürften Farbmonitore, die Armaturen im Auto oder Displays an
Haushaltsgeräten, aber auch Computerchips und Datenträger aus leitenden
Polymeren geschaffen werden.
Den Nobelpreis haben die drei Chemiker letztes Jahr verliehen bekommen, im
Jahr 2000. Wieder einmal hat das Nobel-Komitee mit seiner Entscheidung
Weitsicht. Die Nobelpreisträger aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten -
dieser
Tage werden die Preisträger verkündet - haben stets fundamentale Arbeiten
abgeliefert, durch die sich unsere Welt in Riesenschritten fortentwickelt hat.
Ein paar Kostproben aus der Alchemistenküche gefällig?
Sexualhormone, Kernspaltung und Gentechnik
Wer entdeckte die Sexualhormone Östrogen, Androsteron und Progesteron und fand
deren chemische Struktur heraus? Adolf Friedrich Johann Butenandt vom
Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin. Er begründete mit seinen Forschungen die
Biochemie und entwickelte die Borkenkäferfalle mit dem Sexuallockstoff der
Schmetterlinge. Seinen Nobelpreis konnte Butenandt 1939 allerdings nicht in
Empfang nehmen - da er Deutschland nicht verlassen durfte.
Otto Hahn, der Sohn eines Glasermeisters aus Frankfurt am Main, habilitierte
an der Berliner Universität im Fach Radiochemie und entdeckte bereits mehrere
Radioisotope und ein Verfahren, das geologische Alter von Gesteinen zu
bestimmen. Im Dezember 1938 stellten er und sein Team mit einem heute
antiquarisch anmutenden Versuchsaufbau fest: Der Atomkern von Uran zerplatzt
bei Bestrahlung in zwei etwa gleich große Teile und dabei wird eine enorme
Energie freigesetzt. Otto Hahn hatte die Kernspaltung erfunden, wofür er 1944
mit dem Nobelpreis geehrt wurde.
Alexander Todd, Nobelpreisträger Chemie 1957, schuf mit seinen Untersuchungen
der Primärstruktur von Desoxyribonukleinsäure (DNS) die Grundlagen für spätere
Nobelpreisträger, unter anderem James D. Watson, der später die Doppelhelix
der DNS aufdeckte. Todd legte somit den Grundstein für die Gentechnik.
1963 bekamen Karl Ziegler, damals Direktor des Max-Planck-Instituts für
Kohleforschung in Mülheim an der Ruhr, und sein Kollege Giulio Natta den
Nobelpreis für Chemie. In jahrelangen Experimenten hatten sie die Chemie und
Technologie der
Hochpolymere vorangetrieben und damit das Plastikzeitalter eingeläutet.
Die Liste der Nobelpreisträger in der Chemie führt vor Augen, welche
fundamentalen Entwicklungen die Forscher mit ihren Experimenten einleiten. Für
eine weitere Lektüre empfiehlt sich der Band "Nobelpreise" aus dem Verlag F.
A. Brockhaus.
Das Werk gibt es in jeder gut sortierten Buchhandlung und kostet 97,50 DM.
Der Nobelpreis für Wirtschaft wird am 10. Oktober vergeben
Seit 1969 vergibt die Nobelstiftung auch für Errungenschaften auf dem Gebiet
der Wirtschaft einen Preis. Der Einfluss wissenschaftlicher Erkenntnis auf die
Finanzmärkte, auf Geld- und Fiskalpolitik ist mit der gefragten Auszeichnung
enorm gestiegen.
Milton Friedman hat ihn bekommen, den Nobelpreis für
Wirtschaftswissenschaften. 1976 wurde er für seine Arbeiten zur Konsumanalyse,
zur monetären Theorie und zur Komplexität der Stabilisierungspolitik
ausgezeichnet. Friedmans Kernthese: Staatliche Interventionen zur Stabilität
marktwirtschaftlicher Systeme sind fragwürdig.
Friedman ist einer der bekanntesten Ökonomen und in einem Atemzug mit John
Maynard Keynes oder Börsenguru André Kostolany zu nennen. Zu seiner
Popularität hat sicherlich beigetragen, dass er neben theoretischen Werken
auch regelmäßig Artikel in populären Publikationen veröffentlichte und dabei
die ganze Bandbreite von Newsweek bis zum Playboy nutzte. Als Berater von
Politikern genoss Friedman hohes Ansehen.
Wissen auf dem Gebiet der Ökonomie ist im 20. Jahrhundert immer wichtiger
geworden. Die Komitees und Institute in der Nobelstiftung haben sich geöffnet,
um die Wirtschaftswissenschaften in den Fächerkanon der Preisverleihung
aufzunehmen.
Ein junger Nobelpreis
Die Nobelstiftung hat in der Zeit ihres Bestehens selbst erfahren, wie
schwierig es ist, Vermögenswerte zu erhalten.
Die rigiden schwedischen Steuergesetze reduzierten den Wert der Nobelpreise
zeitweise auf ein Drittel der ursprünglichen Summe.
Außerdem hinderte die testamentarische Verfügung Alfred Nobels eine sinnvolle
Wertanlage in Zeiten sich ändernder wirtschaftlicher Gegebenheiten. Erst mit
einer Gesetzesänderung des schwedischen Parlaments konnte die Stiftung ab den
50er-Jahren am Immobilien- und Aktienmarkt tätig werden. Der Kapitalschwund
wurde gestoppt. Die Geschi- cke der Stiftung leiten seither Finanzexperten.
Denn steigende Preissummen sollen den besonderen Rang des Nobelpreises
sichern.
Auch in der Preisvergabe erweiterte die Stiftung ihre Aktivitäten. Im Jahr
ihres 300-jährigen Bestehens stiftete die schwedische Reichsbank den neuen
Preis: 1969 wurde erstmals ein Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften
vergeben. Die Auszeichnung teilten sich damals der Norweger Ragnar Frisch und
der Niederländer Jan Tinbergen. Die beiden hatten Analysemodelle entwickelt,
um mithilfe von Wirtschaftsstatistiken theoretische Wirtschaftsabläufe zu
überprüfen:
Konjunkturprognosen erstellen, Defizite in Haushalten oder etwa
Wechselkursentwicklungen vorherzusagen.
Meist stellen Universitäten und Institute in den USA die Nobelpreisträger für
Wirtschaftswissenschaften. Ein deutscher Ökonom war bislang nur einmal unter
den Laureaten zu finden: 1994 durfte Reinhard Selten von der Universität Bonn
im Herbst nach Stockholm reisen. Zusammen mit den beiden Amerikanern John C.
Harsanyi und John F. Nash bekam er die Auszeichnung für die "Analyse des
Gleichgewichts in der Theorie nicht kooperativer Spiele". Der Kern des Ganzen:
Die mathematische Methode der Spieltheorie wurde von den
Wirtschaftswissenschaftlern zur Analyse von wirtschaftlichen Zusammenhängen
angewandt.
Wer neugierig geworden ist: Der Band "Nobelpreise", im Verlag F. A. Brockhaus
erschienen, bietet ausführliche Informationen zu allen Nobelpreisen, die in
den ersten hundert Jahren ihres Bestehens bis heute vergeben worden sind.
Das Werk ist in jeder gut sortierten Buchhandlung für 97,50 DM erhältlich.
Am 9. Oktober um 11.45 Uhr wird der Physik-Nobelpreis vergeben / Mit dem
neuen Werk "Nobelpreise" lernen Sie alle Physik-Nobelpreisträger der letzten
100 Jahre kennen
Der Anruf kam um 11.20 Uhr, am 16. Oktober 1985:
"In zehn Minuten wird Ihr Nobelpreis der Presse bekannt gegeben, und danach
sind Sie kein freier Mensch mehr. Deswegen, wenn Sie noch irgendwelche Anrufe
machen wollen, vielleicht Ihre Frau anrufen oder so, dann tun Sie's jetzt." So
ganz überraschend kam dieser Anruf nicht. Klaus von Klitzing am Stuttgarter
Max-Planck-Institut wusste, dass seine Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts in
der Fachwelt als Meilenstein in der Geschichte der Physik galt. Fünf Jahre
zuvor wurde von Klitzing, damals noch Stipendiat am Hochfeld-Magnetlabor in
Grenoble, bei Messungen mit einem Feldeffekt-Transistor auf Veränderungen in
der Anzahl der Elektronen aufmerksam. Eine Sensation für die Grundlagen der
Physik als auch der Weiterentwicklung schneller Schaltelemente!
Ein Indiz für die Renommiertheit des Nobelpreises: Fortan wird von Klitzing
umworben, kann sich vor Einladungen kaum mehr retten. Sein Rat für zukünftige
Nobelpreisträger: Nicht zu viele Einladungen zu Tagungen annehmen. Aber nach
Stockholm wird er dieses Jahr noch einmal reisen: Zum 100-jährigen Jubiläum
des Nobelpreises ist auch Klaus von Klitzing eingeladen. "Alle
Nobelpreisträger, die ich getroffen habe," sagt von Klitzing, "sagen, das
steht mit höchster Priorität in ihrem Kalender!"
Das Genie: Albert Einstein
Grund zum Feiern hatten schon so geniale Denker wie Albert Einstein aus der
schwäbischen Kleinstadt Ulm. Als Angestellter am Patentamt in Bern, Schweiz,
war Einstein in der Fachwelt ein Unbekannter. Und doch legte er 1905 gleich
drei Arbeiten vor: Eine zum photoelektrischen Effekt mit der
Lichtquantenhypothese, die als Pionierarbeit der Quantentheorie gilt; eine
zweite zur Brownschen Molekularbewegung lieferte die theoretische Fundierung
der Atomhypothese und eine dritte Arbeit zur Elektrodynamik bewegter Körper,
die spezielle Relativitätstheorie, aus der Einstein später die Allgemeine
Relativitätstheorie entwickelte, revolutionierte die Grundlagen der Physik von
Grund auf. Den Nobelpreis erhielt Albert Einstein 1921 für die Arbeit zum
photoelektrischen Effekt. Das verwundert, gilt die Relativitätstheorie doch
als eine der größten Leistungen menschlichen Geistes. Aber die
Relativitätstheorie war damals einigen Wissenschaftlern noch nicht genügend
empirisch unter Beweis gestellt - Grund für Anfeindungen mit antisemitischen
Untertönen. Einstein hatte den Aufstieg vom Patentamtsangestellten zum
Professor für Physik in Zürich, Prag und Berlin geschafft. Der Jude Albert
Einstein musste aber auf Druck der Nationalsozialisten Deutschland im Jahre
1932 verlassen - einer der dunkelsten Momente deutscher
Wissenschaftsgeschichte. Einstein starb 1955 in Princeton, USA, wo er seither
arbeitete und sich immer wieder mit pazifistischen Äußerungen zu Themen der
Politik meldete.
Entdecker der Strahlen: Wilhelm C. Röntgen
Den ersten Nobelpreis in Physik bekam vor 100 Jahren Wilhelm Conrad Röntgen
überreicht. In seinem Würzburger Labor entdeckte Röntgen zuvor nie
registrierte elektromagnetische Wellen. Was er selbst mit X-Strahlen
bezeichnete, wurde bald als Röntgensche Strahlung bekannt. Es war Zufall, dass
Röntgen die Strahlen bemerkte:
Ein unbeabsichtigt abgelegtes Papier, für den Versuchsaufbau mit einer
speziellen Beschichtung bestrichen, fluoreszierte. Und das, obwohl die
strahlende Röhre mit schwarzer Pappe abgeschirmt war.
Von da an experimentierte Röntgen weiter, hielt verschiedene Gegenstände in
die Strahlen und entdeckte Erstaunliches. Bei Aufnahmen einer Holzkiste werden
darin liegende Metallgewichte sichtbar, die Knochen einer Hand erscheinen
dunkler als das Gewebe. Ein Meilenstein für die medizinische Diagnostik.
Um mehr von fundamentalen Entdeckungen in der Physik zu erfahren:
Das Buch "Nobelpreis" aus dem Hause F. A. Brockhaus bietet einen umfassenden
Überblick. Die Beiträge dienen nicht nur der Allgemeinbildung, sondern liefern
auch eine spannende Lektüre.
Das Werk gibt es in jeder gut sortierten Buchhandlung und kostet 98,00 DM.
Am 8. Oktober wird der Medizin-Nobelpreis vergeben
Nobelpreise in der Medizin dokumentieren den Kampf des Menschen gegen
Krankheiten. Die Geschichte der Nobelpreise zeigt aber auch, wie rasant das
Wissen um die Bausteine der Natur wächst.
Alfred Nobel rauchte nicht, trank nicht und hielt sich oft in Kurorten auf. Er
litt unter Migräne, Rheuma und Magenbeschwerden. Gegen seine Herzbeschwerden
verordneten ihm die Ärzte ausgerechnet Nitroglyzerin. Angesichts der
Leidensgeschichte wundert es nicht, dass Nobel in seinem Testament einen Preis
für einen Forscher verfügte, der "im Bereich der Physiologie oder Medizin die
wichtigste Entdeckung gemacht hat".
Den ersten Nobelpreis im Jahre 1901 erhielt Emil Adolf von Behring für die
Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. "Blut ist ein ganz besonderer
Saft", schrieb von Behring vielsagend in der Deutschen Medizinischen
Wochenzeitschrift. An Tierversuchen fand er heraus: Im Blut liegt ein
Immunitätsfaktor. An Diphtherie- oder Tetanuserregern erkranken Organismen
nicht, wenn ihnen zuvor Blut von diphtherieimmunen respektive tetanusimmunen
Organismen injiziert wird.
Die Entdeckung nutzte von Behring auch kommerziell. Im Behring-Werk in Marburg
gewannen die Mediziner ein Diphtherieserum aus Pferdeblut. Aber noch 1911
starben mehr als 50 Prozent aller Kinder bis zum sechsten Lebensjahr an
Masern, Scharlach oder Diphtherie. Zwei Jahre später, 1913, waren die Arbeiten
im Behring-Werk abgeschlossen, aus einer wissenschaftlichen Entdeckung war ein
für Ärzte verfügbares Diphtherie-Schutzimpfungsmittel geworden. Während des
Ersten Weltkriegs erkannten Mediziner, dass auch die für die Veterinärmedizin
zur Rettung der Pferde der Kavallerie eingeführte Tetanusimpfung mit dem Serum
der Arbeitsgruppe um von Behring den Menschen nützte. So kam der
Nobelpreisträger zum Beinamen "Retter der Soldaten".
Im Kampf gegen Krankheiten
Nobelpreise in der Medizin fielen zu Beginn des 20. Jahrhunderts meist auf
Wissenschaftler, die mit ihren Entdeckungen todbringenden Krankheiten den
Schrecken nahmen. 1905 wurde Robert Koch ausgezeichnet, was die Arbeit seiner
Forschergruppe am Hygieneinstitut in Berlin ungeheuer aufwertete. Sie
identifizierten die Erreger von Milzbrand, Tuberkulose und Cholera. Die von
Koch entwickelte Mikrofotografie der Bakterien half den Ärzten, Krankheiten
präziser zu diagnostizieren. Allerdings: Ein Heilmittel gegen Tuberkulose hat
Koch nicht geschaffen. Aber seine Grundlagen der Bakteriologie halfen noch
Wissenschaftlern nach ihm, Krankheiten einzudämmen. Beispielsweise bekam der
Österreicher Julius Wagner Jauregg den begehrten Preis 1927 für seine Arbeit
zur Malariaimpfung. Und ein Jahr später war der Franzose Charles Nicolle für
seine Forschungen über Typhus der glückliche Laureat.
Der Schwede Arvid Karlsson bekam 1999 den Nobelpreis für seine Erfindung eines
Mittels gegen die Parkinson-Krankheit. Dennoch: Immer mehr Laureaten der
Medizin steuern grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse bei, das
Fachwissen ist erheblich gewachsen und die Anforderungen sind diffiziler
geworden. So wurden in den letzten Jahren Preise für "Forschungen über die
Reaktionen des Biomoleküls Dopamin", für Arbeiten über "den intrazellulären
Transport von Proteinen" oder zur "Rolle von Stickoxid als Botenstoff im
Herz-Kreislauf-System" vergeben.
Wer mehr wissen möchte über die spannende Geschichte der Medizin, findet im
Band "Nobelpreise" von F. A. Brockhaus die geeignete Lektüre.
Das Werk ist in jeder gut sortierten Buchhandlung erhältlich und kostet 97,50
DM.