MS: Immunzellen im
Gehirn spielen entscheidende Rolle
Lösungsansätze auch für Parkinson und Alzheimer
möglich
Einem internationalen Wissenschaftsteam ist es
gelungen nachzuweisen, dass auch die Immunzellen im Gehirn
entscheidend für den Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose (MS)
sein können. Bisher galten vor allem die Immunzellen des im Körper
zirkulierenden Blutes als wichtig für die Entstehung der Entzündung
im Hirn. Über die Ergebnisse berichten Forscher der Universität
Göttingen
http://www.med.uni-goettingen.de , die an der Studie
teilgenommen haben, in der jüngsten Ausgabe von Nature Medicine
http://www.nature.com .
Die Forscher aus Göttingen, Zürich, Köln und Berlin konnten im
Tiermodell erstmalig nachweisen, dass die Hirnimmunzellen wesentlich
für den Verlauf von MS sind. Bei den hirneigenen immunkompetenten
Zellen handelt es sich um Fresszellen, so genannte Makrophagen.
Diese hochsensiblen "Polizisten der Immunabwehr" sind im ruhenden
Zustand im Gehirn diffus verteilt und können dort jegliche
Veränderungen bei verschiedenen Hirnerkrankungen erkennen. Wie diese
Zellen reagieren und welche Funktion sie haben, konnten die
Wissenschaftler sogar erstmals am lebenden Organismus zeigen.
Für die Versuche haben die Forscher ein Tiermodell der MS verwendet.
Bei der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE) kann die
Erkrankung durch die zusätzliche Gabe von Hirneiweißen hervorgerufen
werden. In den Versuchen konnten die Wissenschaftler Makrophagen
genetisch so verändern, dass es möglich wurde, sie gezielt
"abzuschalten". Das Ergebnis war verblüffend, da die Tiere weitaus
weniger erkrankten und kaum Entzündungsherde zeigten. Daraus zogen
die Wissenschaftler den Schluss, dass die hirneigenen Immunzellen
eine wesentlich größere Rolle für den Verlauf der MS haben könnten
als bisher angenommen. "Damit ergeben sich neue Ansätze für die
Behandlungsmöglichkeiten der MS", so der Göttinger Neuropathologe
Marco Prinz. Da diese Fresszellen auch bei anderen Hirnerkrankungen
wie Alzheimer und Parkinson sowie allen entzündlichen Erkrankungen
des Zentralnervensystems vermehrt auftreten, wird es nun möglich
sein, deren Rolle bei diesen Erkrankungen aufzuklären.
MS ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des
Zentralnervensystems. Die Erkrankung kann chronisch oder schubförmig
verlaufen, die Ursache ist nicht geklärt. Frauen im Alter zwischen
20 und 40 Jahren sind häufiger als Männer betroffen. Allein in
Deutschland gibt es etwa 120.000 MS-Patienten. In den
fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung werden viele von ihnen
rollstuhlpflichtig. Die Forscher nehmen an, dass die MS eine
Autoimmunerkrankung ist, bei der Blutzellen irrtümlicherweise
Strukturen des Zentralnervensystems angreifen und dadurch die
Entzündung hervorrufen. |

Zusammenhang Multiple
Sklerose und Hormone erforscht
Östrogen und Testosteron spielen entscheidende
Rolle
Anormale Hormonwerte könnten eine entscheidende
Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose spielen. Zu diesem
Ergebnis ist eine Studie der Universität La Sapienza
http://www.uniroma1.it gekommen. Die Wissenschafter untersuchten
die Hormonwerte von 25 Männern und 35 Frauen mit Multipler Sklerose
sowie von 36 gesunden Personen. Frauen mit niedrigen
Testosteronwerten wiesen eine größere Schädigung des Gehirngewebes
auf. Bei erkrankten und gesunden Männern konnte kein Unterschied bei
den Testosteronwerten festgestellt werden. Die Ergebnisse der Studie
wurden im Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry
http://jnnp.bmjjournals.com veröffentlicht.
Es ist bekannt, dass doppelt so viele Frauen wie Männer an Multipler
Sklerose erkranken. Während der Schwangerschaft ist die Krankheit
deutlich weniger ausgeprägt. Das legt nahe, dass Hormone bei ihrem
Verlauf eine Rolle spielen. Für die aktuelle Studie verglichen die
Forscher unter der Leitung von Carlo Pozzilli die Werte einer Reihe
von Hormonen. Die Teilnehmer waren durchschnittlich 32 Jahre alt.
Die MS-Patienten litten durchschnittlich seit sechs Jahren an der
wiederkehrenden Form der Erkrankung. Die Frauen wurden während
beider Phasen des menstrualen Zyklus getestet, um Hormonschwankungen
gerecht zu werden. Keine der Frauen nahm die Pille. Alle verfügten
über einen normalen Zyklus. Von allen Teilnehmern wurden MRI-Scans
erstellt, um Gehirnbereiche mit Gewebeschäden und Entzündungen
sichtbar zu machen.
Es zeigte sich, dass Frauen mit MS während ihres gesamten Zyklus
über geringere Mengen des männlichen Hormons Testosteron verfügten
als gesunde. Die MS-Gruppe wies ebenfalls mehr Läsionen auf, die
durch die Entzündung während der rezidiven Phase der Erkrankung
verursacht werden. Es gab innerhalb dieser Gruppe einige Frauen mit
vergleichsweise hohen Testosteronwerten. Diese Frauen zeigten eher
Anzeichen von irreversiblen Gewebeschäden, die eher in der Phase
auftreten, in der das Gewebe nicht entzündet ist. Die Männer mit den
höchsten Werten des weiblichen Hormons Östradiol litten unter den
größten Schädigungen des Gehirngewebes. Keines der anderen
untersuchten Hormone schien, laut BBC, einen Einfluss auf die
Ergebnisse zu haben.
|

Reparaturmechanismus
bei Multipler Sklerose gefunden
Gen Olig 1 spielt entscheidende Rolle
Wissenschafter der University of Cambridge
http://www.cam.ac.uk und des Dana-Farber Institute
http://www.dfci.harvard.edu haben mit Olig 1 ein Gen
identifiziert, das die Fähigkeit des Körpers kontrolliert, den
Nervenschaden zu heilen, der durch Krankheiten wie Multiple Sklerose
hervorgerufen wird. Multiple Sklerose nimmt den Nerven die
schützende Myelinschicht und beeinträchtigt damit ihre Fähigkeit zur
Signalübertragung. Olig 1 kann das erneute Wachstum von Myelin
stimulieren. Die Ergebnisse der Studie, die zu neuen
Behandlungsansätzen führen soll, wurden in Science
http://www.sciencemag.org veröffentlicht.
Neueste Forschungen haben laut BBC gezeigt, dass Olig 1 nicht wie
angenommen die Entwicklung bestimmter Gehirnzellen unterstützt,
sondern ihn auslöst. Das eng verwandte Gen Olig 2 sollte eine
entscheidende Rolle bei der Entstehung von myelinproduzierenden
Zellen, den Oligodendrozyten, während der Entwicklung des Fötus
spielen. Die Rolle von Olig 1 war bisher weniger erforscht. Das Team
untersuchte die Rolle beider Gene mittels Antikörpern. So konnte die
Position der Gene in den Gehirnzellen von embryonalen und
erwachsenen Mäusen markiert werden. Bei embryonalen Zellen wurden
von beiden Genen produzierte Proteine im Kern der Zellen gefunden.
Das legt nahe, dass beide Gene eine entscheidende Rolle bei
Herstellung von myelinproduzierenden Zellen spielen. Bei erwachsenen
Zellen war Olig 1 in das Zellplasma außerhalb des Zellkerns
gewandert, wo keine regulierenden Gene vorhanden sind.
Bei der Untersuchung der erwachsenen Zellen von Nagetieren mit MS
ähnlichen Symptomen wurde Olig 1 erneut im Zellkern nachgewiesen.
Die beschädigten Zellen waren in einen fötalen Status zurückgekehrt,
in dem das Gen wieder eine zentrale Rolle spielte und die erneute
Produktion von Oligodendrozyten überwachen konnte. Mäuse, die ohne
Olig 1 gezüchtet wurden, konnten Zellen ohne Myelin nicht
reparieren. In einem nächsten Schritt wurde die Position Olig 1 in
Proben von menschlichen MS Patienten untersucht. Es zeigte sich,
dass das Gen in gesunden Gehirnbereichen inaktiv war, in
beschädigten hingegen aktiv. Der Wissenschafter Robin Franklin
erklärte, dass die Funktion von Olig 1 durch die Evolution so
gestaltet wurde, dass durch das Fehlen der schützenden Myelinschicht
geschädigte Gehirnbereiche repariert werden. Bei MS Patienten kann
dieser Kreislauf von Schaden und Reparatur viele Jahre lang
funktionieren. Nutzt sich dieser Mechanismus schließlich ab,
schreitet die Krankheit bei den meisten Menschen mit weniger
Remissionen fort. |

Geburtsmonat
beeinflusst Risiko für Multiple Sklerose
Zehn Prozent mehr Erkrankungen unter
Mai-Geborenen
Kinder, die im Mai geboren werden, weisen ein
erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose (MS) auf. Die Analyse von
MS-Raten unter 40.000 Patienten aus der nördlichen Hemisphäre ergab
ein signifikant niedrigeres Risiko für November-Geborene. Der Effekt
war in Schottland am offensichtlichsten, wo die Verbreitung von MS
am höchsten ist. Das ergab eine Studie der Universität Oxford
http://www.ox.ac.uk/ , die vom British Medical Journal (BMJ)
http://bmj.bmjjournals.com/ veröffentlicht wurde.
Das Forscherteam geht davon aus, dass komplexe Wechselwirkungen
zwischen Genen und Umweltbedingungen vor und kurz nach der Geburt
ihre Ergebnisse erklären. Die Wissenschaftler analysierten die Daten
des Geburtsmonats und die Krankengeschichten von 17.874 kanadischen
und 11.502 britischen Patienten. Sie wurden mit einer Kontrollgruppe
aus der Allgemeinbevölkerung und gesunden Geschwistern verglichen.
In Kanada wurden signifikant weniger Menschen mit MS im November
geboren. In Großbritannien wurden ebenfalls weniger Menschen mit MS
im November geboren, dafür mehr im Mai. Die Forscher untersuchten
auch Daten aus Dänemark und Schweden und beobachteten einen
Spitzenwert im Mai und einen Rückgang im November.
Die Daten belegen eine um zehn Prozent erhöhte Rate im Mai und eine
zehn Prozent niedrigere Rate an Erkrankungen im November. Laut
Forschungsleiter George Ebers sind die Ursachen für diesen
Unterschied unklar. "Der Zeitpunkt der Geburt als Risikofaktor
variiert saisonal und steht wahrscheinlich mit der Entwicklung des
Zentralnervensystems oder des Immunsystems in Wechselwirkung", so
die Forscher im BMJ. Andere Studien sind zu dem Ergebnis gekommen,
dass die Einwirkung der Sonne oder jahreszeitenabhängige Variationen
der Vitamin-D-Level der Mutter während der Schwangerschaft einen
Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns des Ungeborenen haben.
Ebers empfiehlt Menschen mit einem MS-Fall in der Familie den
Zeitpunkt der Zeugung zu berücksichtigen. Mike O´Donovan von der
britischen MS-Gesellschaft
http://www.mssociety.org.uk/ sagte, die Umweltfaktoren dürften
in dem komplexen Puzzle der Forscher nicht vernachlässigt werden. In
Großbritannien gibt es etwa 85.000 MS Patienten. Die Krankheit wird
meist im Alter zwischen 20 und 40 diagnostiziert. Frauen sind fast
doppelt so oft betroffen. |

Alzheimer-Medikament
verbessert Gedächtnis von MS-Patienten
Risiken einer Langzeit-Behandlung noch nicht
erforscht
Ein Alzheimer-Medikament verbessert das Gedächtnis
von Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Zu diesem Ergebnis kommt
eine Untersuchung des Stony Brook University Hospital
http://www.stonybrookhospital.com/ in New York. Etwa die Hälfte
aller MS-Patienten hat Probleme mit dem Gedächtnis und anderen
kognitiven Funktionen. Diese Schwierigkeiten sind die Hauptursache
von Invalidität bei Menschen mit MS. Derzeit gibt es keine
Medikamente zur Behandlung dieses MS-Symptoms.
Im Rahmen der Studie wurden 69 Menschen mit MS und leichten
kognitiven Problemen untersucht. Der Hälfte der Teilnehmer wurde für
24 Wochen das Medikament Donepezil verabreicht, der anderen Hälfte
ein Placebo. Am Anfang und am Ende der Studie wurden Tests zum
Gedächtnis und zu anderen kognitiven Funktionen durchgeführt. Am
Ende hatte sich die Gedächtnisleistung jener Probanden, die
Donepezil nahmen, durchschnittlich um 14 Prozent verbessert, im
Vergleich zu drei Prozent der Placebo-Kandidaten. 66 Prozent der
Patienten, die das Medikament bekamen, fühlten eine Verbesserung
ihres Gedächtnisses, im Vergleich zu 32 Prozent aus der
Kontrollgruppe.
Der Studie zufolge löste Donepezil keine ernstzunehmenden
Nebenwirkungen aus. Einige Testpersonen berichteten von
ungewöhnlichen Träumen. Die Wissenschaftler wissen allerdings nicht,
wie das Präparat im Gehirn auf die Gedächtnisverbesserung wirkt.
Donepezil gehört zu der Medikamentenklasse der
Acetyl-Cholinesterasehemmer. Bei der Behandlung von Alzheimer
blockiert es den Ausfall von Acetylcholin. Für P. Murali Doraiswamy
vom Duke University Medical Center
http://www.mc.duke.edu/ in Durham sind noch einige Frage offen.
Beispielsweise sei noch nicht geklärt, wie lange eine Behandlung
dauern solle und wie festgestellt werden könne, dass das Medikament
nicht länger wirksam sei. Weiters müsse erforscht werden, ob die
Erfolge nach Beendigung der Behandlung verloren gehen, ob es Risiken
bei langfristiger Anwendung gibt und ob die Behandlung
kosteneffektiv ist. |

Ende der Kühlpflicht bei Medikament zur Behandlung der Multiplen
Sklerose
Die Schering AG gab Anfang Dez. 2002 bekannt, dass Betaferon(R) (Interferon
beta-1b) ab sofort vom Patienten für bis zu 3 Monate bei Raumtemperatur (bis
zu 25 Grad C) gelagert werden kann. Die europaweite Zulassung erfolgte durch
die European Medicines Evaluation Agency (EMEA).
"Durch die Zulassung haben die Patienten auf Reisen oder bei ihren Aktivitäten
außer Haus sehr viel mehr Möglichkeiten zur Aufbewahrung des Medikaments.
Damit wird eine Verbesserung ihrer Lebensqualität insgesamt erreicht. Darüber
hinaus ist eine verbesserte Compliance der mit Betaferon(R) behandelten
Patienten zu erwarten, was wiederum den Nutzen dieser hoch wirksamen
MS-Therapie noch weiter steigern wird", so Dr. Joachim-Friedrich Kapp, Leiter
des Geschäftsbereichs Spezial-Therapeutika der Schering AG. Die Entwicklung
des raumtemperaturstabilen Betaferon(R) sei laut Kapp die neueste Innovation
auf dem Weg der Therapieoptimierung für Patienten und Neurologen.
Die positiven Erfahrungen, die in den Vereinigten Staaten seit Einführung der
raumtemperaturstabilen Variante von Betaferon(R) im Mai 2002 gesammelt wurden,
bestätigten den höheren Komfort und die größere Flexibilität bei der
Betaferonbehandlung für Patienten mit schubförmig remittierender bzw. sekundär
progredienter Multipler Sklerose. Die Schering AG arbeitet auch weiterhin
daran, diese Bedürfnisse noch mehr zu erfüllen.
Zwtl: Multiple Sklerose - weltweit 2,5 Millionen Menschen erkrankt
MS ist eine Erkrankung des Zentralnervensystems, die Gehirn und Rückenmark
befällt. Schätzungen besagen, dass bis zu 2.5 Millionen Menschen weltweit an
dieser Krankheit leiden. Darüber hinaus stellt sie bei jungen Erwachsenen die
wichtigste erworbene neurologische Erkrankung dar. MS wird von den Betroffenen
oft nicht sofort erkannt, da die Symptome unspezifisch und denjenigen anderer
Erkrankungen ähnlich sind. Als Anzeichen und Symptome von MS gelten
Erschöpfung, psychische und kognitive Veränderungen, Schwäche oder
Lähmungserscheinungen in Extremitäten, Taubheit, Seh- und Sprachstörungen,
Gehstörungen bzw. motorische Störungen, Blasenschwäche und sexuelle
Funktionsstörungen.
Zwtl: Schering-Interferon zur Behandlung
In den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa war Betaferon(R) das erste für
die Therapie der schubförmig remittierenden MS zugelassene Medikament. Darüber
hinaus ist Betaferon(R) in Europa, Kanada und Australien für die Behandlung
der fortgeschritteneren sekundär progredienten Form von MS zugelassen. Die
Wirksamkeit von Betaferon(R) beruht auf dem Prinzip der hohen Dosierung und
häufigen Verabreichung. Gegenwärtig werden zwei Studien mit Betaferon(R)
durchgeführt: "BENEFIT" und "BEYOND". "BENEFIT" ist eine multizentrische
Phase-III-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von
Interferon beta-1b (Betaferon(R)) bei Menschen mit ersten klinischen Symptomen
von MS. "BEYOND" ist eine multinationale Phase-III-Studie zur Untersuchung
einer neuen hohen Dosierung von Betaferon(R) (Interferon beta-1b), die
Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose (MS) subkutan
injiziert wird. Die BEYOND-Studie (Betaferon Efficacy Yielding Outcomes of a
New Dose) wird mit mehr als 2.000 Patienten die bisher umfangreichste
MS-Studie sein.
Betaferon(R) (Interferon beta-1b) wird in den USA als Betaseron(R) von Berlex
Laboratories, Inc., der US-Tochter der Schering AG, Berlin, Deutschland
vertrieben.
Zwtl: Schering - ein forschende Pharmaunternehmen
Die Schering AG ist ein forschendes Pharma-Unternehmen, das seine Aktivitäten
auf vier Geschäftsfelder konzentriert:
Fertilitätskontrolle&Hormontherapie, Diagnostika&Radiopharmaka, Dermatologie
sowie Spezial-Therapeutika für schwere Krankheiten in den Indikationsgebieten
Zentrales Nervensystem, Onkologie und Herz-Kreislauf. Schering setzt auf
Innovationen und will mit neuartigen Produkten als Global Player in speziellen
Märkten weltweit führend sein. Mit eigener F&E-Infrastruktur, verstärkt durch
ein weltweites Netzwerk von externen Partnern, wird eine Erfolg versprechende
Produkt-Pipeline sichergestellt. Mit neuen Ideen leistet Schering einen
anerkannten Beitrag zum medizinischen Fortschritt und will die Lebensqualität
der Menschen verbessern:
making medicine work

Multiple Sklerose: Berechtigte Hoffnung auf ein besseres Leben
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen
Nervensystems, von der in Österreich rund 8.000 Menschen (davon 60% Frauen)
betroffen sind. Gefürchtet ist die MS vor allem wegen der motorischen
Beeinträchtigungen - bis hin zum Verlust der Gehfähigkeit. Dank neuer
Behandlungsmethoden, insbesondere dem Interferon beta-1a, haben sich die
Aussichten für MS-Patienten aber wesentlich verbessert, erklärten Experten
anlässlich eines internationalen Symposiums, das am 2. März 2002 in München
stattfand. Als gänzlich neuer Trend zeichnet sich ab, dass Interferon beta-1a
nun vermehrt in einem sehr frühen Stadium eingesetzt wird, um damit den vollen
Ausbruch der Krankheit zu verzögern.
Bei den meisten Patienten verläuft die MS zunächst schubförmig, d.h. die meist
plötzlich auftretenden Beschwerden bilden sich nach kurzer Zeit wieder zurück.
In weiterer Folge (in der Regel nach Jahrzehnten) kommt es bei einem Großteil
der Erkrankten zu einer zunehmenden Verschlechterung der Symptome (= sekundär
progrediente Form). Eine Behandlung sollte daher in beiden Phasen der
Erkrankung wirksam sein.
Mit Interferon beta-1a (Avonex(R)) steht MS-Erkrankten eine Behandlungsmethode
zur Verfügung, die sich durch eine überzeugende klinische Datenlage und eine
patientenfreundliche Anwendung auszeichnet, erläuterte Prof. Dr. Hans-Peter
Hartung, Düsseldorf, am Symposium in München. Klinische Studien haben gezeigt,
dass Avonex(R) in allen Stadien der Multiplen Sklerose wirksam ist. Sowohl bei
Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose, als auch bei Patienten mit
sekundär progredienter MS wurde ein sehr guter Behandlungserfolg erzielt.
Erfolgversprechende Behandlungswege im Frühstadium
Besondere Aufmerksamkeit haben die Ergebnisse der kürzlich beim Symposium in
München vorgestellten CHAMPS-Studie gefunden. Diese Untersuchung hat erstmals
gezeigt, dass Interferon beta (in diesem Fall Avonex(R)) auch in einem sehr
frühen Stadium der MS wirksam ist und das Risiko für einen vollen Ausbruch der
Krankheit senken kann. Für Betroffene hat Interferon beta-1a zudem den
Vorteil, dass die Injektion im Gegensatz zu anderen Interferon beta -
Präparaten nur einmal wöchentlich erfolgen muss.
Therapieerfolg durch Antikörper gefährdet?
Aufgrund der bislang vorliegenden Studien ist davon auszugehen, dass alle am
Markt befindlichen Interferon beta-Präparate gleich gut wirksam sind. Es gibt
zwar Vergleichsstudien, die einen Vorteil für die eine oder andere Substanz
signalisieren, doch handelt es sich hierbei um Studien mit kurzer
Beobachtungsdauer, sodass eine endgültige Beurteilung nicht möglich ist.
Es kommen nun aber Zweifel auf, ob die verfügbaren Präparate für eine
Langzeittherapie (über viele Jahre bis Jahrzehnte) gleich gut geeignet sind,
erklärte Dr. Antonio Bertolotto, Orbassano, Italien. Jüngsten Erkenntnissen
zufolge könnte nämlich der Behandlungserfolg durch die Entwicklung
neutralisierender Antikörper (diese blockieren die Andockstelle für Interferon
beta an der Zelloberfläche) gefährdet werden. Und in dieser Beziehung bestehen
offensichtlich relevante Unterschiede zwischen den einzelnen Präparaten. Unter
der Therapie mit Interferon beta-1b waren nach 18 Monaten bereits bei einem
Drittel der Patienten neutralisierende Antikörper nachzuweisen. Im Rahmen
einer Therapie mit Avonex(R) war dies im gleichen Beobachtungszeitraum nur bei
2% der Fall. Es ist noch nicht im Detail geklärt, welche klinische Bedeutung
diesem Phänomen beizumessen ist.
"Aber es ist festzuhalten, dass es sich hier um ein ernstzunehmendes Problem
handelt", so die Schlussfolgerung von Hartung. Aufgrund der bislang
vorliegenden Daten mit Interferonen bei anderen Indikationen ist jedenfalls
gesichert, dass der therapeutische Effekt durch neutralisierende Antikörper
eingeschränkt oder vollständig unterbunden wird. Bei MS-Patienten gibt es
ebenfalls erste Hinweise, dass die Antikörper die Wirksamkeit beeinträchtigen.
Multiple Sklerose - nicht nur eine motorische Störung
Die am meisten gefürchtete Auswirkung der Multiplen Sklerose ist die
Einschränkung der motorischen Funktionen, insbesondere der Gehfähigkeit.
Bei bis zu zwei Drittel der Patienten wird die Lebensqualität zusätzlich durch
eine Störung der kognitiven Funktionen (z.B. verbale Ausdrucksfähigkeit,
Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Rechenleistung
u.a.) beeinträchtigt, berichtete Dr. Volker Limmroth, Essen.
Die Störung der kognitiven Funktionen kann schon relativ früh im Verlauf der
Krankheit auftreten, ist also keineswegs als Ausdruck einer weit
fortgeschrittenen Erkrankung zu verstehen. Bislang wurde die Bedeutung der
kognitiven Störungen unterschätzt, was wohl auch damit zusammenhängt, dass
keine wirksame Therapie zur Verfügung stand.
Aufgrund der guten Erfolge mit Interferon beta-1a in der Behandlung und
Prävention der motorischen Symptome der MS erschien es denkbar, dass mit
diesem Behandlungsprinzip auch die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflusst
werden kann. In einer klinischen Studie konnte dies dann auch tatsächlich
nachgewiesen werden. In der Placebogruppe kam es im Verlaufe von zwei Jahren
bei 37% der Patienten zu einer Verschlechterung der Rechenleistung (Paced
Auditory Serial Addition Test), in der Avonex(R) - Gruppe hingegen nur bei
20%. Diese Ergebnisse sprechen also dafür, dass Avonex(R) einen umfassenden
Schutz für MS-Patienten bietet, der nicht nur die motorische, sondern auch die
kognitive Komponente der Erkrankung erfasst.

MRI-Technik verbessert Multiple-Sklerose-Prognose
Frühdiagnose soll Fortschritt der Autoimmun-Erkrankung
verzögern
Britische Forscher haben nachgewiesen, dass mittels eines
MRI-Gehirnscans eine vermutete Multiple Sklerose (MS) bestätigt werden kann.
Die Erkrankung bereits im Frühstadium zu erkennen, bedeutet für das
deutsch-amerikanische Forscherteam, dass Ärzte den Fortschritt der Erkrankung
verlangsamen können. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des
Fachmagazins New England Journal of Medicine veröffentlicht
http://content.nejm.org/cgi/content/short/346/3/158 . Multiple Sklerose
ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem gesundes Gewebe im
Körper angreift. Derartige "Attacken" betreffen das Gehirn und das Rückenmark,
also das Zentrale Nervensystem. Nervenstörungen gelten als ein Indikator für
die Erkrankung.
Die Forscher um Peter Brex untersuchten 71 Personen, die sich zuvor
aufgrund eines Nervenproblems einen ärztlichen Rat einholten. Anschließend
folgte eine Untersuchungsserie mittels Magnet-Resonanz-Imaging (MRI). Nach 14
Jahren wurden die Personen erneut bestellt. Insgesamt hatten 68 Prozent MS
entwickelt. Bei 88 Prozent mit einem abnormen MRI war die Erkrankung komplett
ausgebrochen. Allerdings entwickelten nur 19 Prozent mit einem normalen MRI
Multiple Sklerose.
In der Folge untersuchten sie die Anzahl der am MRI feststellbaren abnormen
Marker. Damit versuchten sie festzustellen, ob ein Fortschritt der Erkrankung
vorhersagbar ist. Es zeigte sich, dass mehr als zehn veränderte Marker das
Risiko für eine weitere Verschlechterung erhöhen. Die Forscher relativieren
allerdings die Möglichkeiten der MRI-Technik. Neurologen müssten weiterhin
andere Kriterien, gemeint sind Symptome und deren Ausprägung, zur Feststellung
der Multiplen Sklerose heranziehen.

Neue Basistherapie für MS-Patienten
Jomaa Pharmaka entwickelte neue Behandlung von Multipler
Sklerose
Die Gießener Jomaa Pharmaka GmbH
http://www.jomaa.de hat einen weiteren wichtigen Meilenstein in ihrem
Vorhaben zur Entwicklung von Medikamenten gegen weitverbreitete Infektions-
und Autoimmunerkrankungen erreicht. Das junge Pharma-Unternehmen gibt als
Sponsor eine klinische Prüfung der Phase II zur Behandlung der Multiplen
Sklerose ("ORIMS"-Studie = "Orale Immuntoleranz bei Multipler Sklerose") bei
der Neurologischen Universitätsklinik Gießen in Auftrag, nachdem die
zuständige Ethik-Kommission zugestimmt hat. Multiple Sklerose ist eine
sogenannte Autoimmunkrankheit, bei der eine fehlgeleitete Reaktion des
Immunsystems dazu führt, dass Gehirngewebe geschädigt wird.
Bei diesem völlig neuen Ansatz für die Basistherapie der Multiplen Sklerose
soll die fehlgeleitete Immunreaktion aufgehalten und ein ausgewogenes,
gesundes Immunsystem wiederhergestellt werden. Während die bisherige
Standard-Therapie Interferon beta durch Injektionen verabreicht wird, erfolgt
die Medikation in der neuen in Form von täglich einzunehmenden Tabletten.
Die ORIMS-Studie ist ausgelegt für insgesamt 80 Multiple
Sklerose-Patienten, die jeweils unter ärztlicher Kontrolle ein Jahr lang die
Prüfmedikation einnehmen werden.
Das Pharmaunternehmen Jomaa Pharmaka hat sich auf die Entwicklung
humanpharmazeutischer Wirkstoffe zur Therapie und Prävention von Infektions-
und Autoimmunerkrankungen fokussiert. Wissenschaftliche Grundlage der Jomaa
Pharmaka sind neuartige Erkenntnisse über Mechanismen, wie Mikroorganismen
gezielt das Immunsystem des Menschen verändern. Dieser Mechanismus der
Erzeugung einer gezielten Immuntoleranz durch Stoffwechselprodukte von
Mikroorganismen wurde von den Gründern des Unternehmens erstmalig aufgeklärt.
Basierend auf Jomaa Pharmaka Technologien wurde bereits eine Phase IIa
Studie mit einem neuen Antimalaria-Wirkstoff erfolgreich abgeschlossen.

Medikament gegen Multiple Sklerose in Sicht
900 Patienten testen Copaxone erste Ergebnisse in drei
Jahren
Krankenhäuser in Großbritannien testen derzeit ein Medikament, das bei
Zulassung weltweit die erste medikamentöse Behandlungsform gegen Multiple
Sklerose (MS) darstellen könnte. Für Patienten mit einer primär chronisch
progredienten Multiple Sklerose gibt es derzeit noch keine
Behandlungsmöglichkeit. Diese Form betrifft 15 Prozent aller MS-Erkrankten.
Das Medikament Copaxone wurde im vergangenen Dezember in Großbritannien
ursprünglich zur Behandlung der schubhaften Multiplen Sklerose eingesetzt.
Dabei treten zwischenzeitlich Phasen von vorübergehender Stabilisierung oder
sogar leichter Besserung auf. Copaxone wird dabei als Alternative zu
Beta-Interferon-Medikamenten eingesetzt, um die Zahl der Schübe zu verringern
und die Lebensqualität zu verbessern. In Mäuseversuchen wurden mit Copaxone
gute Erfolge erzielt. "Mäuse sind zwar keine Menschen. Aber wirkt das
Medikament bei Menschen nur Ansatzweise effektiv wie im Mäuseversuch bedeutet
das für die Behandlung der Patienten ein enormer Fortschritt", erklärte Phil
Wood, Medizinischer Direktor von Teva Pharmaceuticals
http://www.tevapharm.com
gegenüber BBC Online
http://news.bbc.co.uk .
Das Medikament basiert auf drei Aminosäuren und wird 900 Patienten mit
einer primären progredienten Erkrankungsform in Großbritannien, den USA und
Frankreich verabreicht. Mit den ersten Ergebnisse ist in drei Jahren zu
rechnen. Sowohl Copaxone als auch Beta-Interferone stehen derzeit unter Kritik
in der Behandlung von Patienten mit einer schubhaften MS. Das National
Institute for Clinical Excellence (NICE) hat einstweilig geraten, beide
Medikamente nicht mehr zu verabreichen. Die Kosten der Medikamente stünden mit
der Wirksamkeit im Ungleichgewicht. In Laufe dieser Woche wird eine endgültige
Empfehlung von NICE erwartet.

Multiple Sklerose im Laborversuch rückgängig gemacht
Inaktivierung von Chemokinen vielversprechend
Wissenschaftlern der University of California
http://www.uci.edu ist es in
Laborversuchen gelungen, das Fortschreiten von Multipler Sklerose (MS) bei
Mäusen zu stoppen und vorhandene Symptome teilweise wieder rückgängig zu
machen. Die Inaktivierung von Schlüsselchemikalien des Immunsystems, so
genanten Chemokinen, kann laut New Scientist
http://www.newscientist.com
den Schaden stoppen, den MS der schützenden Beschichtung von Nerven in Gehirn
und Rückenmark zufügt. Diese Schädigung der Myelinscheide ist für eine
Vielzahl von Krankheitssymptomen wie Gefühllosigkeit, Schwäche und Lähmung
verantwortlich.
Frühere Studien haben nachgewiesen, dass die Hirnflüssigkeit im zentralen
Nervensystem von MS-Patienten häufig abnorm hohe Chemokin-Werte aufweist.
Diese Chemikalien spielen eine entscheidende Rolle bei der Moblisierung des
Immunsystems gegen das Myelin. Unter der Leitung von Thomas Lane untersuchte
das Team, ob ein gezieltes Vorgehen gegen die Chemokine oder die sie
erkennenden Rezeptoren den Angriff auf das Myelin verlangsamen oder sogar
stoppen kann, berichtet das Journal of Immunology
http://www.jimmunol.org/cgi/content/abstract/167/8/4585
Die Forscher schufen Antikörper, die sich an das Chemokin CXCL10 binden und
es inaktivieren. CXCL10 wurde ausgewählt, da seine Werte während eines
MS-Anfalles auffällig ansteigen. Die Injektion der Antikörper führte bei
Mäusen mit einer MS-ähnlichen Erkrankung zu einer Verlangsamung der
Demyelisation und schien sogar ein Nachwachsen des Myelin zu ermöglichen.
Bereits gelähmte Tiere konnten in der Folge wieder gehen. Die Umkehrung der
Symptome war jedoch nicht vollständig. Die erzielte Wirkung hielt trotz
wiederholter Injektionen nur einige Tage lang an. Eine mögliche Erklärung
dafür könnte die Herkunft der CXCL10 Antikörper sein. Sie stammten von
Kaninchen und dürften daher eine neutralisierende Immunreaktion hervorgerufen
haben. Derzeit wiederholt das Team die Tests mit einer neuen
Antikörper-Version. Teams anderer Universitäten und Pharmaunternehmen arbeiten
im Augenblick an der Erforschung von insgesamt sieben Chemokinen und fünf
verschiedenen Chemokin-Rezeptoren.

Transplantierte Nervenzellen gegen Multiple Sklerose
Verpflanzung soll Lähmungserscheinungen mindern erste
Ergebnisse in sechs Monaten
Einer Patientin mit Multipler Sklerose (MS) sind erstmals menschliche
Nervenzellen aus einem Spenderknöchel in das Gehirn transplantiert worden.
Ärzte versprechen sich von der Verpflanzung der so genannten Schann-Zellen
eine "Schadensminderung" der zu Lähmungserscheinungen führenden Krankheit. Die
Operation, die von Neurochirurgen der Yale School of Medicine durchgeführt
wurde, war allerdings nur ein Experiment, das die Sicherheit des Eingriffs
prüfen sollte. Wie New Scientist
http://www.newscientist.com
berichtet, sei die Operation ohne Komplikationen verlaufen.
In Tierversuchen konnte bereits gezeigt werden, dass es möglich ist,
bestimmte myelin-produzierende Zellen, Schwann´sche Zellen, die weder im
Gehirn noch in der Wirbelsäule präsent sind, in Regionen des
Zentralnervensystems zu verpflanzen, die kein Myelin enthalten. Anschließend
produzierten die Zellen Myelin.
Bei MS-Patienten attackiert das Immunsystem Myelin. Die Substanz umgibt
Nervenzellen und ist für die Übertragung von Nervensignalen notwendig. Bei
einer Schädigung dieser Schutzschicht kommt es im Laufe der Erkrankung zu
Muskelschwäche sowie Gedächtnis- und Sehstörungen. Ziel des Eingriffs ist es,
Myelin im Gehirn des Patienten wieder aufzubauen.
Experten der US-National Multiple Sclerosis Society
http://www.nmss.org warnen
allerdings vor dem Eingriff, da viele Löcher in den Schädel gebohrt werden
müssten. Zudem sollte Patienten nicht zu viel Hoffnung gegeben werden. "Es
gibt keine unmittelbare Genesung für betroffene Personen", so Steven Sookikian
von der MS-Gesellschaft. Aussagekräftige Ergebnisse werden in sechs Monaten
erwartet. Dann soll eine Biopsie zeigen, ob die Nervenzellen angenommen wurden
und diese neues Myelin produziert haben. Für August sind zwei weitere
Eingriffe geplant.

Durchbruch in der Behandlung der Multiplen Sklerose
Hochdosierte und hochfrequente Interferon-Therapie senkt
Schubrate
Über Jahre und Jahrzehnte erschien die Autoimmunerkrankung Multiple
Sklerose (MS), bei der eine Fehlleitung des Immunsystems lebensnotwendige
Nervenfasern angreift, als unbehandelbar. Erst Anfang der 90er Jahre keimten
mit Interferon Beta Hoffnungen auf, die zerstörerische Erkrankung in ihrem
Selbstlauf bremsen zu können. Neueste Daten aus einer Vergleichsstudie
bringen jetzt Gewissheit: Interferon Beta ist dosisabhängig in der Lage,
MS-Schübe wirkungsvoll zu verhindern.
In der EVIDENCE-Studie, die Ende Juni auf dem 17. Weltkongress für
Neurologie in London vorgestellt wurde, kam zu Tage, dass ein frühzeitiger
hoch dosierter dreimal wöchentlicher Einsatz von Interferon Beta die Rate an
neuen MS-Schüben deutlich senken kann. So war das Risiko, innerhalb von sechs
Monaten einen neuen Schub zu erleiden, gegenüber der niedrig dosierten einmal
wöchentlichen Gabe um etwa ein Drittel erniedrigt. Außerdem verringerte sich
die Anzahl der Schübe um wiederum rund ein Drittel. Insgesamt konnte eine
Reduzierung der Krankheitsaktivität innerhalb von nur sechs Monaten auf fast
die Hälfte registriert werden. Das ist insofern von Bedeutung, als die Nerven
zerstörenden Prozesse der MS normalerweise zu einem akkumulierenden Untergang
von Hirn- und Nervengewebe führen. Die neuen Studienergebnisse zeigen, dass
ein frühzeitiger und hochdosierter Einsatz von Interferon Beta in der Lage
ist, Hirn- und Nervensubstanz bei MS-Patienten wirksam zu schützen und einer
vorzeitigen Invalidisierung effektiv entgegenzuwirken.

Hochdosiertes Betaferon soll MS im Anfangsstadium bekämpfen
Studie bezieht sich nur auf Patienten mit MS-Indizien
Noch im Laufe dieses Jahres soll eine Studie beginnen, die den
therapeutischen Nutzen des Medikaments "Betaferon" bei Multipler
Sklerose (MS) in einem sehr frühen Stadium untersucht. In die Studie
einbezogen werden Patienten, die bereits eine auf MS hindeutende Episode
hinter sich haben, bei denen jedoch noch keine klinisch gesicherte Diagnose
"Multiple Sklerose" gestellt wurde. Diese Patienten sollen Betaferon
in einer besonders hohen Dosierung erhalten. Nach Auskunft der Schering AG http://www.schering.de
liegt das in den Ergebnissen einer voran gegangenen Vergleichsstudie begründet.
Diese hatte ergeben, dass die Krankheit bei Patienten mit so genannter
"schubförmiger MS" innerhalb der ersten sechs bis zwölf Monate
nach Behandlungsbeginn mit hochdosiertem Betaferon gegenüber einer geringer
dosierten signifikant zurückgedrängt wird.
Nun soll die optimale Dosierung für die Erstbehandlung der frühen MS mit
Interferonen ermittelt werden. Außerdem erhoffen sich die Wissenschaftler
Erkenntnisse über die langfristige Prognose einer sehr frühen
Interferonbehandlung. In Japan wurde Betaferon bereits für die Behandlung sämtlicher
Erscheinungsformen der Multiplen Sklerose zugelassen. Weltweit wird es bisher
lediglich als Medikament bei "Schubförmiger MS" eingesetzt. In
Europa, Kanada und Australien findet es darüber hinaus bei der so genannten
"sekundärprogredienten MS" Verwendung.

Serono drängt mit MS-Medikament Rebif auf den US-Markt
Studie: Rebif wirkt besser als Konkurrenzprodukt - Zulassung
bei FDA beantrag
Der Genfer Biotechnologie-Konzern Serono
http://www.serono.com könnte
mit seinem Medikament "Rebif" schon bald in den US-amerikanischen Markt
einsteigen. Das Unternehmen gab heute Dientag die Ergebnisse einer direkten
Vergleichsstudie zwischen Rebif und "Avonex" von Konkurrent Biogen
http://www.biogen.com bei
Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) bekannt. Die Studie zeigt,
dass die mit Rebif behandelten Patienten während des Beobachtungszeitraums
gegenüber den mit Avonex behandelten Patienten eine um 90% grössere Chance
haben, keinen Schub zu erleiden. Serono werde das Medikament nun bei der
US-Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) einreichen.
Bis dato kann Rebif in den USA nicht vermarktet werden, da das
Konkurrenzprodukt von Biogen, dem weltgrössten Biotech-Konzern, dem "Orphan
Drug Status" unterliegt. Dieser verschafft dem Medikament quasi ein Monopol in
den USA. Da die Studie eindeutig beweise, dass Rebif besser wirke, könnte das
Medikament ab 2003 in den USA auf den Markt kommen. Dann läuft der Orphan Drug
Status aus. "Wir freuen uns, dass die mit der FDA vereinbarten Endpunkte der
Studie erreicht wurden und wir wollen Rebif nun so schnell wie möglich
Patienten in den USA zugänglich machen", so Serono-CEO Ernesto Bertarelli.
Die EVIDENCE-Studie (EVidence for Interferon Dose-effect: European-North
American Comparative Efficacy Study) sei von besonderer Bedeutung, da sie die
bislang grösste prospektive Vergleichsstudie von zwei Medikamenten sei, die
den Verlauf der MS modifiziert, teilte Serono mit. Primärer Endpunkt der
Studie war ein Vergleich des Anteils von Patienten, die während der Prüfzeit
von 24 Wochen keinen Schub erleben. Rebif-Patienten hatten eine um 90 Prozent
grössere Chance keinen Schub zu erleiden. 677 Patienten mit schubförmiger MS
in 56 Zentren in 9 Ländern in Nordamerika und Europa nahmen an der
EVIDENCE-Studie teil.
Rebif ist weltweit in 67 Ländern zugelassen und laut Angaben von Serono das
zur Zeit am häufigsten (Verkaufszahlen und Umsatz) wachsende Medikament zur
Behandlung von MS ausserhalb der USA. Im Jahr 2000 erzielte Rebif weltweit
Umsätze von 254,2 Mio. Dollar. Serono erzielte im Jahr 2000 bei einem Umsatz
von 1,24 Mrd. Dollar einen Reingewinn von 301 Mio. Dollar. Die Gesellschaft
ist in 45 Ländern tätig. Die Aktien notieren an der Schweizer Börse SWX und
der New York Stock Exchange (NYSE). Analysten rechnen dank der Studie und der
damit verbundenen Zulassung von Rebif in den USA mit einem kräftigen Anstieg
der Aktien, vor allem in den USA. An der SWX notieren die Aktien derzeit
(14:45) bei 1638 Franken, was im Vergleich zum Eröffnungskurs ein Plus von 6,3
Prozent bedeutet.
