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Milzbrand

 

    Milzbrand oder Anthrax, ansteckende, meldepflichtige Krankheit bei gleichwarmen Tieren und beim Menschen, Erreger ist das Bakterium Bacillus anthracis. Milzbrand ist eine der am längsten bekannten Krankheiten und wurde nach der bräunlichen Verfärbung der infizierten Milz benannt. Milzbrand trat früher in Form einer Epidemie auf und wird auch heute noch in manchen Regionen der Welt beobachtet. In Europa und in den USA wird allerdings selten über entsprechende Fälle berichtet. Milzbrand ist die erste Krankheit, deren krankheitserregender Mikroorganismus isoliert (1863 durch C. J. Davaine) und in reiner Kultur gewonnen werden konnte; dies gelang Robert Koch 1876. Louis Pasteur entwickelte 1881 schließlich einen wirkungsvollen Impfstoff gegen Milzbrand.

    Milzbrand kann insbesondere von Rindern, Schweinen, Pferden oder Schafen auf den Menschen übertragen werden. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis drei Tage. Beim Menschen zeigt Milzbrand sowohl äußere als auch innere Symptome. In rund 20 Prozent der Fälle führt die Krankheit zum Tod. Die äußere Form, der Hautmilzbrand, wird durch infizierte Tierhäute oder -kadaver über Schnitte in der Haut oder Hautabschürfungen übertragen. Dieser Typ bleibt oft auf die äußeren Symptome beschränkt, kann aber auch in den Blutkreislauf gelangen und so zu Fieber, Schüttelfrost, Lymphdrüsenschwellungen und Erschöpfungszuständen führen. Der Kranke hat bösartige Pusteln an exponierten Stellen der Haut, so genannte Milzbrandkarbunkel. Die inneren Formen – Lungenmilzbrand und Darmmilzbrand – werden durch Einatmen von Anthraxsporen (z. B. aus Tierhaaren und Wolle) verursacht. Die Sporen befallen die Lunge bzw. den Verdauungstrakt und führen zu Blutungen. Eine Form der Krankheit, welche die Eingeweide befällt, wird vermutlich durch Verzehr von verdorbenem Fleisch oder verdorbener Milch verursacht. Arbeiter, die dauernd mit Tierprodukten hantieren, besonders mit Wolle, müssen durch Impfung (siehe Immunisierung) vor Milzbrand geschützt werden. Milzbrand ist bei Tierärzten, Fleischern und Hirten als Berufskrankheit anerkannt. Bei der Behandlung werden Penicillin und Tetracyclin mit Erfolg eingesetzt, außer bei rasch fortschreitenden Formen.

    Tiere nehmen die Erreger u. a. mit Wasser aus verseuchten Böden auf, in denen der Mikroorganismus über Jahre hinweg existieren kann. Ein weiterer Ansteckungsweg sind infizierte Tierkadaver und Futtermittel, aber auch Bisse oder Stiche Blut saugender Insekten. Milzbrand äußert sich bei Tieren durch Gleichgewichtsstörungen, Blutstuhl, Krämpfe und Erstickungsanfälle. Er kann in akuten Fällen fast sofort tödlich sein, in subakuten Fällen innerhalb von drei bis fünf Tagen. Der Tod tritt durch Blutvergiftung ein. Impfungen und Antibiotika haben sich zur Vorbeugung und Behandlung bewährt. In Ostafrika wurden 1997 mehr als 850 Menschen sowie Hunderte von Rindern, Schafen und Kamelen Opfer einer Epidemie, bei der es sich vermutlich um Milzbrand handelte.

     

Robert Koch: Erforschung des Milzbrand-Erregers

Mit seinen Forschungsarbeiten über den Milzbranderreger schuf Robert Koch die Grundlagen zur Bekämpfung dieser auch für den Menschen gefährlichen Krankheit. In der Einleitung seines 1910 veröffentlichten Werkes über die Ätiologie (Ursache) der Milzbrand-Krankheit setzt sich Koch u. a. mit den Veröffentlichungen des französischen Arztes C. J. Davaine auseinander, der Mitte des 19. Jahrhunderts den Milzbranderreger isoliert hatte.

 

Erforschung des Milzbrand-Erregers

Seit dem Auffinden der stäbchenförmigen Körper im Blute der an Milzbrand gestorbenen Tiere hat man sich vielfach Mühe gegeben, dieselben als die Ursache für die direkte Übertragbarkeit dieser Krankheit ebenso wie für das sporadische Auftreten derselben, also als das eigentliche Kontagium des Milzbrandes nachzuweisen. In neuerer Zeit hatte sich hauptsächlich Davaine mit dieser Aufgabe beschäftigt und gestützt auf zahlreiche Impfversuche mit frischem oder getrocknetem stäbchenhaltigen Blute, mit aller Entschiedenheit dahin ausgesprochen, daß die Stäbchen Bakterien seien und nur beim Vorhandensein dieser Bakterien das Milzbrandblut die Krankheit von neuem zu erzeugen vermöge. Die ohne nachweisbare direkte Übertragung entstandenen Milzbranderkrankungen bei Menschen und Tieren führte er auf die Verschleppung der, wie er entdeckt hatte, im getrockneten Zustande lange Zeit lebensfähig bleibenden Bakterien durch Luftströmungen, Insekten u. dgl. zurück. Die Verbreitungsweise des Milzbrandes schien hiermit vollständig klar gelegt zu sein.

Dennoch fanden diese von Davaine aufgestellten Sätze von verschiedenen Seiten Widerspruch. Einige Forscher wollten nach Impfung mit bakterienhaltigem Blute tödlichen Milzbrand erzielt haben, ohne daß sich nachher Bakterien im Blute fanden, und umgekehrt ließ sich wieder durch Impfung mit diesem bakterienfreien Blute Milzbrand hervorrufen, bei welchem Bakterien im Blute vorhanden waren. Andere machten darauf aufmerksam, daß der Milzbrand nicht allein von einem Kontagium abhänge, welches oberhalb der Erde verbreitet werde, sondern daß diese Krankheit in einem unzweifelhaften Zusammenhange mit Bodenverhältnissen stehe. Wie würde sonst zu erklären sein, daß das endemische Vorkommen des Milzbrandes an feuchten Boden, also namentlich an Flußtäler, Sumpfdistrikte, Umgebungen von Seen gebunden ist; daß ferner die Zahl der Milzbrandfälle in nassen Jahren bedeutender ist und sich hauptsächlich auf die Monate August und September, in welchen die Kurve der Bodenwärme ihren Gipfelpunkt erreicht, zusammendrängt, daß in den Milzbranddistrikten, sobald die Herden an bestimmte Weiden und Tränken geführt werden, jedesmal eine größere Anzahl von Erkrankungen unter den Tieren eintritt.

Diese Verhältnisse sind allerdings durch die Annahme Davaines nicht zu erklären und das Ungenügende derselben hat zur Folge gehabt, daß von vielen die Bedeutung der Bakterien für den Milzbrand ganz geleugnet ist.

Da ich einige Male Gelegenheit hatte, Tiere, welche an Milzbrand gefallen waren, zu untersuchen, so benutzte ich diese zu einer Reihe von Versuchen, welche zur Aufklärung der eben angedeuteten dunklen Punkte in der Milzbrandätiologie beitragen sollten. Hierbei kam ich sehr bald zu der Überzeugung, daß die Davainesche Theorie über die Verbreitungsweise des Milzbrandes nur zum Teil richtig ist.

Es zeigte sich nämlich, daß die Stäbchen des Milzbrandblutes bei weitem nicht so resistent sind, als Davaine seinen Versuchen entnehmen zu müssen glaubte. Wie ich später nachweisen werde, bewahrt das Blut, welches nur Stäbchen enthält, seine Impffähigkeit im getrockneten Zustande nur wenige Wochen und im feuchten nur einige Tage. Wie sollten also so leicht vergängliche Organismen das oft während des ganzen Winters und im feuchten Boden vielleicht jahrelang schlummernde Kontagium des Milzbrandes bilden? Hier blieb, wenn die Bakterien wirklich die Ursache des Milzbrandes abgeben, nichts anderes übrig als anzunehmen, daß sie durch einen Generationswechsel in einen anderen gegen abwechselndes Eintrocknen und Anfeuchten unempfindlichen Zustand übergehen können, oder, was weit mehr Wahrscheinlichkeit hat und was von Prof. Cohn schon im zweiten Hefte, Band I. dieser Beiträge S. 145, angedeutet wurde, daß die Bakterien Sporen bilden, welche die Fähigkeit besitzen, nach längerem oder kürzerem Ruhestande von neuem zu Bakterien auszuwachsen.

Alle meine weiteren Versuche gingen nun dahin, diesen vermuteten Entwicklungszustand der Milzbrandbakterien aufzufinden. Nach manchen vergeblichen Bemühungen gelang es denn auch schließlich, dieses Ziel zu erreichen und damit die wahre Milzbrandätiologie in ihren Grundzügen festzustellen.

Robert Koch: Die Ätiologie der Milzbrand-Krankheit, begründet auf die Entwicklungsgeschichte des Bacillus Anthracis (1876). Leipzig 1910, S. 11-13.

 

ABC-Waffen

    ABC-Waffen, Sammelbezeichnung für atomare, biologische und chemische Kampfmittel. In Raketen transportierte oder von Flugzeugen abgeworfene atomare Sprengkörper (Kern-, Nuklear- oder Atomwaffen), bei denen die Explosion durch Spaltung von Uran-235- oder Plutoniumkernen, durch Verschmelzung von Tritium- oder Deuteriumkernen zu Helium (Wasserstoffbombe) und in einer dritten Variante durch Zündung von Lithiumdeuterid und Uran 238 durch Uran 235 (Dreiphasenbombe) ausgelöst wird. Atomare Sprengkörper entfalten ihr Zerstörungspotential durch ungeheure Druckwellen (50 Prozent), Hitze (35 Prozent) und radioaktive Strahlung (15 Prozent). Die noch in der Entwicklung befindliche Neutronenbombe soll durch Reduktion der Druckwellen und Erhöhung der radioaktiven Zerstörungskraft (80 Prozent) zur Minderung des Sachschadens bei der Zündung beitragen.

    Biologische Kampfmittel (auch B-Waffen) werden in der Regel von Flugzeugen oder Raketen freigesetzt. Die wesentlichen Bestandteile dieser Kampfstoffe sind Toxine (z. B. Botulin, Ricin), Viren (z. B. Ebola, siehe Tropenmedizin) oder Bakterien (z. B. Milzbrand, Cholera). Nach der Genfer Konvention (Protokoll vom 17. Juni 1925) ist der militärische Einsatz von biologischen Kampfmitteln verboten. Dessen ungeachtet wurde in vielen Ländern mit größerem Militärpotential auf diesem Gebiet weitergeforscht und entwickelt. Im März 1975 trat das B-Waffen-Abkommen in Kraft, das die Entwicklung, Herstellung und Lagerung von biologischen Waffen verbietet und deren Vernichtung regelt. Das Abkommen wird durch den Vertrag über das „Verbot der Umweltkriegsführung" (seit 1978 in Kraft) untermauert.

    Chemische Kampfstoffe (auch C-Waffen), die entweder versprüht, in Behältern verschossen oder aus Flugzeugen abgeworfen werden, sind gasförmig und schädigen teilweise mit tödlicher Wirkung Haut, Augen, Lungen und Nerven. Zur sicheren Lagerung bestehen sie häufig aus zwei relativ harmlosen chemischen Komponenten, die erst durch Mischung bei der Explosion ihre schädigende Wirkung entfalten (binäre Kampfstoffe). Nach dem Genfer Protokoll (siehe oben) werden C-Waffen und ihr Einsatz geächtet. Seit den siebziger Jahren bemüht sich eine internationale Abrüstungskonferenz in Genf um eine völkerrechtlich verbindliche Konvention zum Verbot von C-Waffen.


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:17
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