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Mikrobiologen spüren Anfang des Lebens auf
Bildung von Transfer-RNAs in Bakterium entdeckt

Wissenschaftlern der TU Braunschweig http://www.tu-braunschweig.de und der Yale University ist der Nachweis einer ungewöhnlichen Strategie der Kombination genetischer Information gelungen. Beim Studium des Archaebakteriums Nanoarchaeum equitans haben die Forscher einen bisher unbekannten Weg entdeckt, zentrale zelluläre Nachrichtenüberträger zu bilden, die den Aufbau von Zellen steuern. Die Ergebnisse lassen neue Schlussfolgerungen über die Entstehung des Lebens zu, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature http://www.nature.com .

Der Parasit N. equitans, der auf Bakterien lebt, ist eines der kleinsten bekannten Lebewesen. Er gehört zu den wenigen Organismen, die sich trotz vieler Millionen Jahre der Evolution noch Eigenschaften einer sehr ursprünglichen Lebensform erhalten haben und daher Rückschlüsse auf die Entstehung ersten Lebens ermöglichen.

Bisher haben Wissenschaftler angenommen, dass eine Reihe von Genen, die zur Bildung von so genannten Transfer-RNAs notwendig sind, in den Genomsequenzen von N. equitans fehlen. Diese Transfer-RNAs sind das Bindeglied zwischen der genetischen Information und den eigentlichen Funktionsträgern einer Zelle, den Eiweißen. Die RNAs sorgen dafür, dass die Bausteine der Eiweiße in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt werden. Damit kommt diesen Bestandteilen eine existenzielle Bedeutung für alle Lebewesen zu. Das Wissenschaftsteam hat nun entdeckt, dass einige Transfer-RNAs in dem winzigen Bakterium von zwei weit voneinander entfernt liegenden Genen gleichsam in Form zweier Puzzlestücke gebildet und erst anschließend zu einem Ganzen zusammengefügt werden.

Das Ergebnis stützt die These, dass eine Vielzahl von Transfer-RNAs ursprünglich auf diese Weise gebildet wurde. So sollten bei der Suche nach Transfer-RNA-Genen, die bisher noch nicht nachgewiesen werden konnten, solche Puzzleeffekte jetzt berücksichtigt werden, berichtet die TU-Braunschweig.


 

Strahlenresistentes Bakterium enthüllt Verteidigungsstrategien
Deinococcus radiodurans überlebt durch ungewöhnliche Ringstruktur

Forscher des israelischen Weizmann-Institutes http://www.weizmann.ac.il haben entdeckt, was das Bakterium Deinococcus radiodurans zum strahlenresistentesten Organismus der Welt macht: Die DNA der Mikrobe liegt in Ringform dar. Diese ungewöhnliche DNA-Struktur lässt so das Super-Bakterium eine tödliche Strahlung von 15.000 Gray (1,5 Mio. Rad) überleben. Dies ist das 1000-Fache bzw. 3000-Fache der Strahlendosis, die für die meisten anderen Lebensformen auf der Erde bzw. für den Menschen tödlich ist. Aufgrund seines "gesunden Appetits" auf Strahlung wird das rote Bakterium zum Abbau von nuklearem Müll eingesetzt.

Mit optischen und Elektronen-Mikroskopen beobachteten die Forscher unter der Leitung von Avi Minsky, dass diese ungewöhnliche Ringstruktur des Bakteriums die Wiederherstellung der durch die starke Strahlung zerstörten DNA-Sequenzen unterstützt. Anders als andere Organismen, bei denen DNA-Teile aufgrund der Strahlung verloren gehen, bleibt bei Deinococcus radiodurans durch die dicht gepackte Ringstruktur die genetische Information am Platz. Die auseinander gebrochenen DNA-Stücke gehen somit nicht verloren. Dies erleichtert es dem Reparaturmechanismus des Bakteriums, die DNA-Fragmente wieder fehlerlos zusammenzufügen.

Minsky und andere Forscherkollegen glauben, dass die Reaktion des Bakteriums auf akute Stressbedingungen auf der Erde aufgrund der harten Umweltbedingungen, in denen es sich ursprünglich entwickelt hat, resultiert. Es ist eines der wenigen Lebensformen, das z.B. in extrem trockenen Regionen vorkommt. Der einzigartige Verteidigungsmechanismus, der sich im Kampf gegen die Austrocknung entwickelte, erwies sich vermutlich auch im Schutz vor Strahlung als sinnvoll.

"Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die neuen Erkenntnisse nicht zum Strahlenschutz für Menschen führen", erklärte Minsky. Viel eher können sie zu einem besseren Verständnis für den DNA-Schutz von Spermienzellen beitragen. Auch bei diesen Zellen beobachteten Forscher eine ringartige DNA-Struktur.


 

Forscher entschlüsseln N-WASP Protein-Dialog
Mausmodell gibt Aufschluss über Bakterieninfektionen
 

 Zellbiologen der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung http://www.gbf.de/ (GBF) und der Universität Köln http://www.uni-koeln.de haben die Funktion eines Proteins in Säugetierzellen entschlüsselt, das verschiedene Krankheitserreger bei einer Infektion missbrauchen: N-WASP. Mit Hilfe speziell gezüchteter Mäuse erforschen sie derzeit den Protein-Dialog, der sich während einer bakteriellen Infektion zwischen Wirtszelle und Erreger entspinnt.
 

Schon seit langem wurde über die Funktion des N-WASP-Proteins beim Aufbau des Aktin-Skeletts der Zelle spekuliert. Aktin verhilft den Zellen einerseits zu ihrer Form und Festigkeit, außerdem ist es für Transportvorgänge innerhalb der Zelle oder die Ausbildung von "Zellfüßchen" verantwortlich. Im Verlauf einer Infektion sind Bakterien in der Lage, die "Aktinmaschinerie" für sich arbeiten zu lassen: So bewegen sich etwa die Erreger der Ruhr (Shigellen) innerhalb der Zelle mit Hilfe von Aktinschweifen fort. Krankmachende Darmbakterien (bestimmte E. coli-Stämme) lassen sich auf der Zelloberfläche kleine Aktinpodeste errichten, auf denen sie thronen. Den Wissenschaftlern gelang es nachzuweisen, dass diese Vorgänge ohne N-WASP nicht ablaufen können.
 

Üblicherweise werden in Mäusen relevante Gene bereits in der Eizelle ausgeschaltet. Diesen "Knock-Out-Mäusen" fehlt dann das jeweilige Protein während ihrer gesamten Entwicklung. Im Fall von N-WASP verfolgten die Forscher eine andere Strategie: Das Gen blieb zunächst funktionstüchtig erhalten, wurde jedoch von DNA-Erkennungssequenzen flankiert. Mit Hilfe dieser Sequenzen war es möglich, die Bildung von N-WASP gezielt in einem Gewebe oder zu einem bestimmten Zeitpunkt der Mausentwicklung auszuschalten. Darüber hinaus konnten die Forscher aus den Mäusen Zelllinien entwickeln, die das Protein nicht bilden können. Das ermöglichte ihnen schließlich die Analyse des Infektionsmechanismus auf molekularer Ebene ohne Tierexperimente.


 

"Super"-Mikroben gegenüber Lösungsmitteln tolerant
Wirkmechanismus noch ungeklärt
 

 Forscher der National University of Singapur (NUS) http://www.nus.edu.sg haben während routinemäßiger Untersuchungen zur biologischen Bodensanierung Mikroorganismen entdeckt, die sich gegenüber organischen Lösungsmitteln als ungewöhnlich tolerant erweisen. Die Mikroben könnten laut Forschungsleiter Sanjay Swarup von der NSU künftig zur Reinigung von kontaminierten Flächen sowie zur Klärung von industriellen Abwässer verwendet werden.
 

Die Mikroorganismen sind auch gegenüber oberflächenaktiven Substanzen widerstandsfähig, die die Oberflächenspannung herabsetzen. Dadurch könnten sie zur Reinigung von Ölteppichen benutzt werden. "Ist der zu Grunde liegende Wirkmechanismus geklärt, können sie durch gentechnische Veränderung auch kommerziell eingesetzt werden", erklärte Swarup. Bisher scheiterte die Entwicklung von genmanipulierten Bakterien, die toxische Bestandteile entfernen, aufgrund der zu geringen Toleranzgrenze der Mikroben. "Die entdeckten Mikroorganismen haben gegenüber kontaminierten Umwelten eine um 70 Prozent höhere Toleranz als andere Mikroben", betonte Swarup. Derzeit untersuchen die Biologen die Gene, die den Mikroben die hohe Toleranzgrenze gegenüber Lösungsmitteln wie Benzol oder Toluol ermöglichen.
 

Die Forscher wollen im nächsten Schritt um Patente in den USA ansuchen, obwohl die Produktentwicklung noch Jahre dauern wird. Diversa Corp. http://www.diversa.com , ein Biotechnologie-Unternehmen in San Diego, hat ebenfalls Bodenproben von verschmutzten Mooren entnommen, um ähnliche "Super"-Mikroben zu finden.
 


 

Marine Mikroorganismen als Antibiotika-Ersatz
Wissenschaftler erforschen hypersaline Bassins im Mittelmeer
 

 Seit Jahrmillionen unbehelligte Ökosysteme im Mittelmeer in 3.000 Meter Tiefe untersuchen derzeit Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung http://www.gbf.de/ (GBF). Die Mikrobiologen hoffen, in den seltenen Wasserproben Mikroorganismen zu finden, die als Überlebensspezialisten die Antibiotika von morgen produzieren - bislang unbekannte Naturstoffe und Enzyme für sanftere Medikamente. Gefördert wird das "Biodeep-Projekt" von der EU mit rund drei Mio. Euro.
 

Infolge einer zeitweiligen Austrocknung des Mittelmeers lagerten sich Salze am Meeresboden ab. Als das Becken schließlich neu überflutet wurde, lösten sich die meisten Ablagerungen im Frischwasser - mit Ausnahme der so genannten hypersalinen Bassins. In diesen Meeresboden-Wannen hat sich bis heute eine 30-prozentige Kochsalzlösung erhalten, die keinen Sauerstoff enthält und sich nicht mit den oberen Wasserschichten vermischt. An der nur zwei bis drei Meter messenden Grenzschicht zwischen der hochsalzigen Bassin-Lösung und dem normalen Meerwasser (dreiprozentige Salzlösung) sammeln sich Pflanzen, Plankton und auch Ölreste und bilden ein ganz eigenes Ökosystem.
 


 

Bakterien passen sich veränderten Bedingungen an
S. aureus tauscht einfach DNA mit verwandten Stämmen aus

Wenn krankheitserregende Bakterien wie Staphylococcus aureus auf ein neues Hindernis treffen, tauschen sie einfach mit verwandten Stämmen DNA aus und erhalten so die zur Überwindung notwendigen Gene. Laut Wissenschaftlern des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) http://www.niaid.nih.gov/default.htm handelt es sich dabei um einen Vorgang, der leicht ausgelöst wird. Die Forschungsergebnisse zeigen, wie sich ein weitverbreitetes Bakterium wiederholt an neue Umgebungen und Bedingungen angepasst hat. Erwartet werden neue Ansätze für das Design von Antibiotika und Impfstoffen, sowie Antworten auf die Frage nach dem Ursprung von Krankheiten wie dem toxischen Schocksyndrom (TSS) und antibiotikaresistenten Infektionen. Proceedings of the National Academy of Sciences http://www.pnas.org

Der Bakterienforscher James Musser erklärte, dass lange unklar war, wie TSS und methicillinresistente S. aureus Stämme sich in der Bevölkerung verbreitet haben. Haben isolierte Stämme neue Gene aufgenommen und sie dann verbreitet oder wurden die Gene bei verschiedenen Gelegenheiten erworben? Die neuen Ergebnisse zeigten, dass das zweite Erklärungsmodell richtig sei. Ob ein bestimmter S. aureus Stamm eine Krankheit auslöst, hängt großteils von seinen Genen ab. Verschiedene Stämme können unterschiedliche Umweltbedingungen überleben. Mussers Team untersuchte, wie Gene zwischen den einzelnen Stämmen ausgetauscht wurden. Sie verglichen die Gene von 36 verschiedenen Stämme um festzustellen, welche Gene für ein Überleben entscheidend sind. Eurekalert http://www.eurekalert.org/pub_releases/2001-07/nioa-sba070501.php

Mittels DNA Microarray Analyse wurden die Proben untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass beinahe ein Viertel des Genoms für die grundlegenden Lebensfunktionen nicht von Bedeutung war. Diese Gene sind für jene Flexibilität des Bakteriums verantwortlich, die das Verursachen einer Erkrankung bei Menschen, Kühen und anderen Organismen ermöglicht. Der TSS Ausbruch in den späten siebziger Jahren war daher wahrscheinlich auf die durch eine neue Tamponart verursachen Veränderungen zurückzuführen. Die Methicillinresistenz tauchte erst auf, nachdem das Bakterium wiederholt mit dem Antibiotikum in Berührung gekommen war.


 


Strahlende Perlen markieren Gene und Proteine
Mikrobiologen entwickeln leuchtenden Strichcode für Biotechnologie

Forscher unter Leitung von Shuming Nie von der University of Indiana in Bloomington http://www.indiana.edu/iub/ haben aus Quantenpunkten winzige Marker entwickelt, die sich in der Mikrobiologie und Pharmaforschung einsetzen lassen. Die kleinen Latexperlen sollen bei der schnellen Identifizierung von Molekülen und der Suche nach neuen Medikamenten helfen. An DNA-Sonden oder Antikörper angeheftet, wandern die Perlen zum passenden Ziel-Molekül und erstellen somit eine Art Strichcode. Da sich die Kügelchen einfach zu biologische Proben hinzugeben lassen, eignen sie sich auch für Hochgeschwindigkeits-Analysetechniken, berichtet das Fachblatt Nature Biotechnology http://www.nature.com/nbt/.

Grundbestandteil der Perlen sind so genannte Quantenpunkte. Die Leuchtkristalle aus Kadmium-Selenid, nur 200 bis 10 000 Atome breit und in Zinksulfid gehüllt, leuchten selbst dann hell auf, wenn nur schwaches Licht sie anregt. Deshalb galten sie zunächst als ideales Rohmaterial für lichtgesteuerte Computer. Weil sie in Lösungen nicht stabil sind, schienen Anwendungen in Chemie und Biologie nicht sinnvoll. Nies Team überwand das Problem, indem sie die winzigen Kristalle passgenau in die Poren von Latexperlen einbetteten. Die Größe und die Anzahl der Quantenpunkte pro Perle bestimmt ihre Farbe und ihre Helligkeit. Nies Team hat die Perlen in zehn verschiedenen Intensitäten und sechs verschiedenen Farben entwickelt. So kann die Abfolge verschiedener Leuchtperlen bis zu einer Million verschiedener Moleküle eindeutig markieren, berichten die Forscher.

Quantenpunkte leuchten wesentlich heller als fluoreszierende Farben, die bisher zur Proteinmarkierung eingesetzt werden. Zudem sind sie chemisch stabiler. Ihre Vielfalt könnte die Mikroperlen zu einem Standard-Werkzeug der Proteinfoscher machen, so Nie. Es ist sehr vielversprechend für das boomende Forschungsgebiet der Proteomics, in dem Proteine katalogisiert werden sollen wie die Gene.



 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:16
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