Bundesregierung intensiviert Erforschung der
Lungenentzündung
25 Mio. Mark für die heimliche Volkskrankheit ersten Ranges
Unbemerkt hat sie sich zur Volkskrankheit ersten Ranges entwickelt, deshalb
wird ihr jetzt verstärkte Aufmerksamkeit zuteil: Insgesamt 25 Mio. Mark will
die Bundesregierung in den kommenden drei Jahren in die Erforschung der
Lungenentzündung (Pneumonie) investieren. Mit 240.000 Fällen pro Jahr werden
mehr Menschen wegen einer Lungenentzündung in die Krankenhäuser eingeliefert
als wegen Schlaganfalls (162.000) oder Herzinfarkts (132.000). Den Anstieg
führen Wissenschaftler auf die wachsende Überalterung der Gesellschaft zurück.
"Daher wird die Zahl in den nächsten Jahren auch noch weiter zunehmen", so der
Leiter der Untersuchungen, Prof. Dr. Norbert Suttorp von der
Humboldt-Universität Berlin
http://www.hu-berlin.de/ .
Den Medizinern fehlen zurzeit nicht nur grundlegende Daten zur Häufigkeit
der Erkrankung und ihrer Verteilung in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Unklar ist auch, welche Erreger wie häufig eine Lungenentzündung hervorrufen
und warum eine Besiedelung der Schleimhäute durch die Keime vom Immunsystem
des Körpers nicht ausreichend abgewehrt wird. Weiterhin fehlen genauere
Erkenntnisse darüber, warum immer mehr Pneumonie-Erreger unempfindlich
gegenüber Antibiotika werden und ob und wie die Medizin mit Impfungen
vorbeugen könnte. Auch Schwächen in der Diagnostik sollen behoben werden -
bislang finden die Ärzte nur in der Hälfte aller Fälle tatsächlich die Erreger
der Krankheit. Darüber hinaus sind die momentanen Therapie-Empfehlungen
veraltet und überarbeitungsbedürftig. Schließlich lassen sich derzeit die
Kosten, die durch Pneumonien verursacht werden, kaum abschätzen.
An der Studie beteiligen sich 40 Kliniken und 670 Arztpraxen im gesamten
Bundesgebiet. In den kommenden drei Jahren sollen die Daten von 5.000
Patienten erfasst und in einer zentralen Daten- und Materialbank gespeichert
werden. Im Internet soll eine Informationsplattform eingerichtet werden, von
der Krankenhäuser, Ärzte und Patienten den Verlauf der Studie verfolgen und
die Untersuchungsergebnisse abrufen können.

Erbgut des Lungenentzündung-Erregers entschlüsselt
Forscher hoffen auf neue Strategien gegen zunehmende
Resistenz der Bakterie gegen Antibiotika
Ein Forscherteam der University of Illinois
http://www.uic.edu/
sequenzierte zusammen mit dem Institute of Genomic Research
http://www.tigr.org/ in
Rockville insgesamt 2326 Gene bei dem Erreger der Lungenentzündung, der
Bakterie Streptocucoccus pneumoniae. Damit ist das Erbgut von zehn der
insgesamt 92 verschiedenen Stämme der tödlichen Bakterien komplett kartiert.
Die Forscher veröffentlichten die Ergebnisse im Fachmagazin "Science"
http://www.sciencemag.org.
In den letzten Jahren entwickelten sich gefährliche Stämme von den kurz
Pneumokokken genannten Bakterien, die zunehmend gegen Antibiotika wie
Penizillin resistent wurden. Auf der Grundlage den nun entschlüsselten
kompletten Erbguts hoffen die Wissenschaftler, neue und wirksame
Behandlungsmethoden entwickeln zu können. "Wir befinden uns im Wettlauf mit
den Pneumokokken, um bessere Behandlungswege zu entdecken, bevor die Bakterien
nicht mehr auf die heutigen Therapien ansprechen", sagt Donald Morrison,
Pneumokokken-Spezialist an der University of Illinois.
Die durch Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung (Pneumonie) stellt in
den Industrienationen die häufigste Todesursache unter den
Infektionskrankheiten dar. Schätzungen gehe davon aus, dass weltweit jährlich
drei Millionen Kinder nach einer Infektion mit diesen Bakterien an
Lungenentzündung oder Meningitis sterben. Neben einer neuen Therapie gegen
Pneumonie hoffen die Wissenschaftler auch auf Erkenntnisse, die sie für eine
Verbesserung der Gentherapien nutzen können.
