Forscher entschlüsseln Genom des Listeriose-Erregers
Artverwandtes harmloses Bakterium hilft Wissenschaftlern auf
die Sprünge
Ein europäisches Forscherteam unter der Leitung des Gießener Mikrobiologen
Trinad Chakraborty hat den Erreger der Listeriose untersucht und das Genom des
Bakteriums entschlüsselt. Das gefährliche Bakterium besteht aus 2,9 Mio.
Basenpaaren. Gefährlich ist der Erreger deshalb, weil er Schutzmaßnahmen des
menschlichen Organismus geschickt überwinden kann. Als nächstes wollen die
Forscher diesem Rätsel auf die Spur kommen. Bei der wissenschaftlichen Arbeit
waren führende europäische Universitäten wie Gießen, Frankfurt, Braunschweig,
Heidelberg, Würzburg, Paris und Madrid beteiligt.
Mit der Entschlüsselung des Genoms sollen auch neue Therapien gegen die
gefährliche Erkrankung gefunden werden. In einem früheren Schritt konnten die
Wissenschaftler den genetischen Unterschied zwischen dem gefährlichen Listeria
monocytogenes und seinen harmlosen Artverwandten Lysteria innocua
herausfinden. Anders als das ungefährliche Bakterium Lysteria innocua kann
Listeria monocytogenes schwere Lebensmittelvergiftungen hervorrufen. "Die
Todesrate ist dabei sehr hoch", so der Mikrobiologe Werner Goebel vom Insitut
für Mikrobiologie an der Universität von Würzburg
http://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de/microbiology
Besonders gefährlich sei eine Infektion mit dem Bakterium für Menschen mit
geschwächter Immunabwehr. So sollten sich ältere Menschen, Kinder, schwangere
Frauen oder Personen, die bestimmte Medikamente nehmen, vor nicht
durchgegarten Lebensmitteln wie Sushi, Räucherwaren oder Rohmilchprodukten in
Acht nehmen, so Goebel. "Das Bakterium lebt vor allem auf Pflanzenresten", so
Eugen Domann, Wissenschaftler der Universität Gießen
http://www.uni-giessen.de
. Durch unhygienische Verarbeitung von Lebensmitteln können dieses in den
menschlichen Organismus gelangen.
In einem Projekt wollen die Forscher eine Funktionsanalyse dieser
Gen-Charakteristika durchführen. Damit könnten sie herausfinden, was dieses
Bakterium so gefährlich macht.