Deutsches Gesundheitsministerium greift Bayer scharf an
Klagewelle in den USA
Das Bundesgesundheitsministerium
http://www.bmgesundheit.de
hat den Bayer-Konzern
http://www.bayer.com wegen seiner Informationspolitik im Lipobay-Skandal
heftig angegriffen. Das Unternehmen habe dem Bundesinstitut für Arzneimittel
und Medizinprodukte fast zwei Monate neue Erkenntnisse über die Nebenwirkungen
des Medikaments vorenthalten, erklärte heute Donnerstag Staatssekretär Klaus
Theo Schröder. Gleichzeitig kündigte der Staatssekretär Konsequenzen auf
nationaler und internationaler Ebene an. Die Verlautbarung des
Bundesgesundheitsministeriums
http://www.bmgesundheit.de/presse/2001/2001/86.htm
Der Bayer-Konzern habe bereits am 15. Juni über neue Erkenntnisse zu
Nebenwirkungen von Lipobay verfügt. Diese Informationen seien dem
Bundesinstitut erst zwei Tage nach dem Rückzug des Medikaments mitgeteilt
worden. Nach dem Bundesarzneimittelgesetz müsse eine Meldung innerhalb von 15
Tagen erfolgen. Ein Verstoß kann mit einem Bußgeld von bis zu 25.600 Euro
bestraft werden.
Zu den notwendigen Konsequenzen zählte Schröder die Entwicklung eines
effizienten Frühwarnsystems. Zudem werde geprüft, ob die bisherige
Meldepflicht der Ärzte im Berufsrecht und die Selbstverpflichtung der
Wirtschaft zur Mitteilung von Arzneimittelrisiken ausreichend sind. Denkbar
sei, die Unternehmen durch die Androhung schärferer Sanktionen zu einer
umfassenden und sofortigen Mitteilung zu zwingen. Neben Lipobay stehen sechs
weitere Medikamente mit ähnlichen Wirkstoffen unter verstärkter Beobachtung.
Auf den Bayer-Konzern rollt in den USA eine Klagewelle zu. Nur eine Woche
nach dem Vermarktungs-Stopp wurden nach Angaben von Anwaltskanzleien und nach
Medieninformationen in mindestens vier US-Bundesstaaten Schadenersatzklagen
gegen Bayer eingereicht. Mögliche Forderungen in Millionenhöhe brachten die
Bayer-Aktie erneut an der Börse unter Druck. Das Papier rutschte heute in
Frankfurt zeitweise unter die 32 Euro Marke.
Wolfgang Jasek von der Österreichischen Apothekerkammer erklärte gegenüber
pressetext.austria, dass die Kammer nur wenige Anrufe von Betroffenen erhalten
habe. Man könne nicht von einer Panik bei den Patienten sprechen. Bei einer
raschen Umstellung auf ein vergleichbares Medikament sei mit keinen
dramatischen Folgen zu rechnen.
Seit 1997 wurden sechs Millionen Patienten mit Lipobay behandelt. In der
Folge kam es zu 52 Todesfällen im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme.
Die schweren Nebenwirkungen des Mittels waren laut Bayer nicht vor der
Marktzulassung erkennbar. Das Medikament sei laut Bayer-Sprecher Michael Diehl
in 50 Studien mit 2500 Patienten getestet worden.
Weitere Details:
http://www.bundesregierung.de/top/sonstige/Themen_A-Z/Gesundheit/ix461_7645.htm
