Nicht immer ist das Wetter schuld:
Stress häufigste Ursache für Kopfschmerzen
Moderation (Stationcall/Uhrzeit) Rein statistisch trifft es jeden
Dritten mindestens zweimal im Monat:
Umfrage Stress und Schlafmangel, das ist für mich immer ein Grund,
Kopfschmerzen zu bekommen .../... Ich krieg Kopfschmerzen, wenn ich zu wenig
getrunken habe und wenn ich mich sehr angestrengt hab, Prüfungsstress oder
irgendwie so was, dann krieg ich auch Kopfschmerzen .../... Vor allem,
wenn's kühler wird und auch das Wetter wechselhaft ist, dann kann das schon
mal vorkommen .../... Ich bekomm immer Kopfschmerzen, wenn es einen
Wetterumschwung gibt .../... Gerade jetzt, in der dunklen Jahreszeit leid'
ich öfters unter Kopfschmerzen.
Moderation Der Schädel brummt und Schmerzen - so stark, dass es einem den
Tag verdirbt. Laut einer aktuellen Umfrage schieben's die meisten aufs
Wetter. Am Telefon ist jetzt Allgemeinmediziner Herr Dr. Oestreich. Stimmt
das? Ist das Wetter Kopfschmerzursache Nr. 1?
O-Ton Nein, man kann das nicht pauschalisieren. Viele Menschen denken
zwar, dass ihre Kopfschmerzen durchs Wetter kommen und einen kleinen Teil
trifft das sicherlich auch zu. Aber meistens liegen die Ursachen anderswo,
nämlich in schleichendem Stress, den man sich selbst gar nicht bewusst
macht. Das fängt damit an, dass wir in einer ungünstigen Körperhaltung lange
vor dem Bildschirm sitzen oder bei schlechtem Licht arbeiten. Und vielen
Fällen kommen eben Schlafmangel, privater oder beruflicher Stress,
Überforderung oder zu wenig Bewegung hinzu. Es gibt endlos viele
Stressfaktoren, die Folgen sind eben Muskelverspannungen mit Kopfschmerzen.
Moderation Wenn man also effektiv etwas gegen Kopfschmerzen machen will,
muss man eigentlich den Stress vermeiden?
O-Ton Das ist ganz richtig. Was gut gegen Stress ist, hilft auch,
Stresskopfschmerzen zu vermindern. Ich will es einmal aktive Entspannung
nennen. An erster Stelle stehen Ausdauersport, außerdem Entspannungsübungen,
wie beispielsweise Autogenes Training. Wichtig ist, dass man regelmäßig
etwas tut und achten sollte man auch auf ausreichenden Schlaf. Alkohol und
Nikotin sollte man am besten ganz weglassen. Und auch wichtig ist: Genügend
Flüssigkeit zu trinken, etwa zwei Liter pro Tag. Und wer sich daran hält,
bekommt in der Regel seinen Kopfschmerz gut in den Griff.
Moderation Warum sind denn mehr Frauen von Kopfschmerzen betroffen als
Männer?
O-Ton Das liegt sicherlich an der Doppel- und Dreifachbelastung. Gerade
Frauen möchte ich, wie allen Kopfschmerz-Geplagten, ans Herz legen, dass sie
sich nicht ständig selbst unter Stress setzen, sich nicht überfordern, weil
sie perfekt sein wollen als Mutter oder im Beruf. Sie müssen einfach auch
lernen, mal Fünf gerade sein zu lassen, "nein" zu sagen oder Aufgaben
abzugeben. Bei Stresskopfschmerzen eine Pause machen, draußen spazieren
gehen, eine kühle Kompresse auflegen oder auch eine Aspirin Plus C
einnehmen. Wer danach wieder ans Werk geht, ist fitter, als jemand, der sich
eben durchquält.
Moderation Herr Dr. Oestreich, danke für die Tipps.

Wirkmechanismus von Koffein bei Kopfschmerz geklärt
Kaffee in Kombination mit Vitamin C hemmt
Prostaglandin-Freisetzung
Freiburger Forscher haben den Wirkmechanismus für die schmerzhemmende
Wirkung von Koffein in Kombination mit Analgetika nachgewiesen. Warum Kaffee
mit Zitrone bei Migräne hilft war bisher ungewiss, so ein Bericht der
Ärztezeitung
http://www.aerztezeitung.de . Laut Studie wirkt Koffein genau wie
Paracetamol und Acetylsalicylsäue (ASS) auf die Freisetzung von
Prostaglandinen in den Mikrogliazellen des Zentralnervensystem, so Bernd
Fiebich vom Neurochemischen Labor der Abteilung Psychiatrie im
Universitätsklinikum Freiburg.
Prostaglandine, hormonähnliche Substanzen im Gewebe, die u.a. die Symptome
einer Entzündung hervorrufen, werden durch das Enzym Cyclooxygenase-2 aus der
Arachidonsäure gebildet. Im Gegensatz zu ASS und Paracetamol, die die
Aktivität der bereits vorhandenen Cyclooxygenase-2 blockieren, wirkt Koffein
aber schon auf die Bildung des Enzyms ein. "Dieser Wirkmechanismus war bisher
nicht bekannt", sagte Fiebich bei einer Pressekonferenz des Unternehmens
Boehringer-Ingelheim . Allerdings betrug der Hemmeffekt durch Koffein nur etwa
ein Zehntel der Wirkung von ASS.
"Um so überraschender war daher ein Ergebnis der Studie, nach dem niedrige
Dosen der drei genannten Wirkstoffe in der Kombination eine bessere Wirkung
entfalten als hohe Dosen der Einzelsubstanzen", so Fiebich. Die Kombination
aus ASS und Paracetamol hatte eine fast 100fach stärkere Hemmwirkung auf die
Prostaglandin-Synthese im Vergleich zu der jeweils gleich hohen Menge an
Monosubstanzen. Die Kombination aus ASS und Koffein hemmte die
Prostaglandin-Produktion 26 Mal stärker als die Einzelsubstanzen.
"Der Effekt kommt unter anderem dadurch zustande, dass Koffein die Aufnahme
von ASS beschleunigt. Warum das so ist, wissen wir allerdings noch nicht",
ergänzte Jan-Peter Jansen, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin in
einer Schmerztherapie-Schwerpunktpraxis in Berlin. Durch den überadditiven
Effekt in der Kombination sind etwa in dem Präparat Thomapyrin die einzelnen
Substanzen wesentlich geringer dosiert, als durch Monosubstanzen erzielt
würde. Das wirke sich positiv auf die Rate unerwünschter Arzneimitteleffekte
aus, resümierte Jansen.
Zu Vorsicht bei Kopfschmerzmitteln rät wiederum das Deutsche Grüne Kreuz (DGK)
http://www.dgk.de . Schmerzmittel
gegen Kopfschmerz sollten höchstens an zehn Tagen im Monat und maximal drei
Tage in Folge eingenommen werden. Denn die ständige Einnahme von Medikamenten
könnte selbst zum Auslöser von Kopfschmerzen werden. Laut Studien macht es
keinen Unterschied, ob es sich um Kombi-Präparate mit Acetylsalicylsäure,
Paracetamol und Coffein handelt oder um Medikamente mit nur einer
Wirksubstanz.

Therapie-Empfehlungen bei Kopfschmerzen im Kindesalter
(Regensburg) Zum ersten Mal veröffentlicht die Deutsche Migräne- und
Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) auf der Grundlage klinischer Studien und
Erfahrungen von Spezialisten Empfehlungen zur Therapie und Prophylaxe
von Kopfschmerzen im Kindesalter.
Seit Jahren beobachten Experten, dass Kopfschmerzen bei Kindern häufiger
werden. Schon im Vorschulalter sind 20 Prozent betroffen, bis zum Ende
der Grund-schulzeit mehr als die Hälfte. Eine Untersuchung an fast 7000
Schülern belegt, dass bis zum 12. Lebensjahr rund 90 Prozent der Kinder
Kopfschmerzerfahrung haben. Etwa 60 Prozent dieser Kinder kennen
Spannungskopfschmerzen und bis zu zwölf Prozent leiden an Migräne.
Die Expertengruppe der DMKG um Priv. Doz. Dr. Stefan Evers von der
Klinik für Neurologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
betont, "dass wiederkehrende und chronische Kopfschmerzen im Kindesalter
frühzeitig, grundlegend und wirksam behandelt werden müssen." Denn eine
unkontrollierte Selbstmedikation kann auch schon bei Kindern einen
medikamentenbedingten Dauerkopfschmerz und andere Analgetika-bedingte
Folgeschäden verursachen.
Zur Diagnostik: Kopfschmerzkalender führen
Damit eine angepasste Behandlung eingeleitet werden kann, sollten Kind
und Eltern zunächst getrennt voneinander für vier bis sechs Wochen einen
Kopfschmerzkalender führen. Festgehalten werden darin Dauer und Stärke
der Schmerzen, Begleitsymptome, mögliche Auslöser und die Medikation.
Allein dadurch kommen die Betroffenen oft individuellen Auslösern auf
die Spur. Werden diese gemieden, bessern sich die Attacken.
Therapie von Migräne-Attacken
Bei leichten Migräne-Attacken hilft es häufig schon, wenn sich die
Kinder in einem abgedunkelten, ruhigen Raum hinlegen. Ein kalter Lappen
auf der Stirn und Pfefferminzöl, das an Schläfe, Scheitel und Nacken
sanft eingerieben wird, können leichte bis mittelstarke Kopfschmerzen
effektiv lindern. Wenn es nicht ohne Medikamente geht, empfehlen die
Experten Ibuprofen (10 Milligramm pro Kilo Körpergewicht) und
Paracetamol (15 Milligramm pro Kilo Körpergewicht). Vor dem Analgetikum
sollten die Kinder ein verschreibungspflichtiges Mittel gegen Übelkeit
und Erbrechen (Domperidon) einnehmen.
Bei schweren Attacken, die auf diese Behandlung nicht ansprechen, sollte
das Kind einem Kopfschmerzspezialisten vorgestellt werden, der im
Einzelfall weitere Medikamente einsetzen kann, etwa das Migränemittel
Sumatriptan als Nasenspray.
Auch wenn gelegentliche Spannungskopfschmerzen durch nicht-medikamentöse
Maßnahmen nicht besser werden, empfehlen die Experten Ibuprofen und
Paracetamol. Die verschreibungspflichtige Substanz Flupirtin kann
zusätzlich eingesetzt werden.
Vor allem bei Spannungskopfschmerzen, aber auch bei Migräne, kann der
Arzt ein TENS-Gerät zur Selbstbehandlung verordnen. Bei diesem Verfahren
können Kinder bereits ab dem 6. Lebensjahr ein bis zweimal täglich für
30 bis 40 Minuten sich selbst behandeln. Dazu werden Elektroden im
Nackenbereich aufgeklebt. Ein batteriebetriebenes Gerät liefert sanfte
Ströme, die ein Kribbeln erzeugen. Dadurch werden wahrscheinlich
körpereigene schmerzunterdrückende Systeme aktiviert.
Vorbeugen ist wichtig
Damit Kopfschmerzen erst gar nicht auftreten, sind prophylaktische
Maßnahmen besonders wichtig. Dazu gehören simple Dinge wie regelmäßige
Bewegung an der frischen Luft und regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten.
Hilfreich sind auch Entspannungsverfahren, etwa die progressive
Muskelrelaxation nach Jacobson und Fantasiereisen. Bei chronischen
Spannungskopfschmerzen sowie stärkeren und häufigen Migräne-Attacken
empfehlen die Experten zur Vorbeugung Biofeedback-Verfahren sowie
verhaltensmedizinische Programme, bei denen die Kinder etwa Stress- und
Schmerzbewältigung einüben und lernen, Reize besser zu verarbeiten.
Allerdings werden diese komplexen Strategien nur an wenigen
spezialisierten Zentren derzeit angeboten.
In Einzelfällen kann bei der Migräne auch eine medikamentöse Prophylaxe
erfolgreich sein. Kopfschmerz-Experten setzen dazu etwa die Betablocker
Metoprolol oder Propranolol sowie den Kalzium-Antagonisten Flunarizin
ein.
Es gibt Hinweise, dass eine oligoantigene Ernährung insbesondere bei
Kindern mit häufigen Migräne-Attacken (wenigstens einmal pro Woche) und
weiteren Begleitsymptomen Häufigkeit und Schwere der Anfälle reduzieren
kann. Jedoch muss in jedem Fall individuell ausgetestet werden, ob der
Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, etwa Kuhmilch, Schokolade, Eier,
Käse und Schweinefleisch oder die Meidung von Konservierungs- und
Lebensmittelfarbstoffen die Migräne tatsächlich bessert.
Ob Kinder von einer Akupunkturbehandlung profitieren, ist
wissenschaftlich noch nicht gesichert. Darum sehen die DMKG-Experten
sowohl bei der Ernährungsberatung als auch bei der Akupunktur weiteren
Forschungsbedarf.
Migräne: in Deutschland nicht effektiv behandelt
(Regensburg) Migräne-Patienten sind in Deutschland medizinisch deutlich
schlechter versorgt als in anderen EU-Ländern. Dies belegen aktuelle
Daten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Die
mangelhafte Therapie beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der
Betroffenen. Sie belastet auch die Volkswirtschaft mit jährlich acht
Milliarden Mark durch Arbeitsunfähigkeit und eingeschränkte
Produktivität der Patienten.
"Seit einigen Jahren leide ich unter Migräne. Es wurden mehrere Mittel
ausgetestet. Den besten Erfolg habe ich mit einem Triptan. Monatlich
habe ich mit einer, manchmal auch mit zwei Migräneattacken zu kämpfen,
die zumeist drei Tage dauern. Die Wirkung des Medikamentes setzt
innerhalb einer Stunde ein. Ich kann also problemlos arbeiten gehen.
Eine Internistin, die mein Rheuma behandelt, hat mir das Medikament
bislang problemlos verschrieben. Nun eröffnete sie mir, dass sie
zukünftig nur noch die Mittel für Rheuma verschreibt und ich mich mit
allem anderen an meinen Hausarzt zu wenden hätte. Dieser verweigerte mir
die Verordnung mit der Begründung, er hätte im Quartal nur 60 Mark für
mich und könnte die Tabletten daher nicht verschreiben. Gibt es für mich
irgendeine Möglichkeit auch weiterhin an mein Medikament zu kommen oder
bleiben für mich am Ende nur jeweils drei Tage, an denen ich
arbeitsunfähig bin und mich mit Schmerzen zu Hause herumquäle?"
Solche Zuschriften erhält die Deutsche Migräne- und
Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) immer wieder. Zwar raten die
DMKG-Experten in ihren aktuellen Therapie-Empfehlungen, dass
mittelstarke bis starke Migräne-Attacken mit modernen Migräne-Mitteln,
den Triptanen, behandelt werden sollten. Doch offenkundig erhalten nicht
alle Patienten, die Triptane benötigen, auch tatsächlich diese effektive
Therapie.
Neue Untersuchungen belegen, dass Migräne-Patienten in Deutschland
deutlich schlechter versorgt sind als ihre Leidensgenossen in anderen
EU-Ländern. So verordnen etwa skandinavische Ärzte sechs mal mehr
Triptane als ihre deutschen Kollegen. Insgesamt liegt der
durchschnittliche Triptan-Verbrauch in der Bundes-republik um 50 Prozent
unter dem EU-Durchschnitt, obwohl in Deutschland nicht weniger Menschen
unter Migräne leiden als in Frankreich oder Groß Britannien. Rund zehn
bis 15 Prozent der Bevölkerung, also acht bis zehn Millionen Menschen,
sind betroffen. Nur die Hälfte befindet sich jedoch in ärztlicher
Behandlung.
Doch selbst wenn Migräne-Patienten zum Arzt gehen, können sie keineswegs
sicher sein, dass sie nach dem neuesten Stand der Wissenschaft behandelt
werden: Drei Viertel der ärztlichen Verordnungen stimmen nicht mit den
Empfehlungen der Experten überein - so das Ergebnis einer Untersuchung
der DMKG im Jahr 1999.
Dass sich daran nur wenig geändert hat, belegen Daten aus dem
vergangenen Jahr: Die Hälfte der Migräne-Kranken, die sich in ärztlicher
Behandlung befinden, erhalten freiverkäufliche Analgetika, die
allerdings nur bei leichten Migräne-Attacken wirksam sind. Nur 14
Prozent der Patienten bekommen Triptane verordnet. Demgegenüber nehmen
36 Prozent der Betroffenen nach wie vor so genannte Ergotamine ein,
ältere Migräne-Mittel, die aufgrund ihres Wirkungs- und
Nebenwirkungsprofils von der DMKG nur noch in bestimmten Fällen
empfohlen werden.
Da ohnehin nur die Hälfte der Migräne-Patienten zum Arzt geht, bedeutet
dies bezogen auf die Gesamtzahl aller Patienten, dass schätzungsweise 75
Prozent aller Migräniker freiverkäufliche Analgetika nehmen, 18 Prozent
werden mit Ergotaminen und nur sieben Prozent mit Triptanen behandelt.
Die DMKG-Experten gehen jedoch davon aus, dass mindestens zehn Prozent
aller Migräner, also rund eine Million Patienten, aufgrund der Schwere
ihrer Erkrankung zwingend mit Triptanen behandelt werden müssten.
"Würden unsere Therapie-Empfehlungen von den Ärzten umgesetzt",
klagt
Dr. Volker Pfaffenrath, Vizepräsident der DMKG, "könnten sehr viel mehr
Patienten von einer effektiven Behandlung profitieren."
Im Gegensatz zu den Experten sehen viele Ärzte - das zeigen Umfragen -
in den Triptanen jedoch eher Mittel der "letzten" ("wenn gar
nichts mehr
hilft") als Mittel der "ersten" Wahl bei mittelschweren bis
starken
Migräneattacken. Auch Unsicherheit bei der Diagnosestellung spielt eine
Rolle - und vor allem die Furcht, das Arzneimittel-Budget zu
überschreiten.
Die Folgen dieser ungenügenden Therapie sind nicht nur schmerzhaft für
die Betroffenen, sondern belasten auch die Volkswirtschaft: Die Kosten
durch Fehltage am Arbeitsplatz und eingeschränkte Produktivität betragen
zusammen über acht Milliarden Mark. "Ein erheblicher Teil dieser
indirekten Kosten wird durch unzureichende und falsche Therapien
verursacht", so die DMKG-Experten.
Auf der Homepage der DMKG wird darum eine Rubrik eingerichtet, in der
die betroffenen Patienten über ihre persönlichen Erfahrungen berichten
können und Empfehlungen von Experten für solche Fälle finden.
Cluster-Kopfschmerz: Der Motor ist die "innere Uhr"
(Regensburg) Eine Fehlregulation biologischer Rhythmen - der "inneren
Uhr" - ist der Auslöser des zwar seltenen, aber besonders qualvollen
Cluster-Kopfschmerzes. Dies berichtet die Deutsche Migräne- und
Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in den aktuellen Kopfschmerz-News, den
Fachinformationen für ihre Mitglieder. Patienten finden ab sofort
aktuelle Informationen über Auslöser, Diagnostik und Therapie dieser
Kopfschmerz-Form auf der Homepage der DMKG unter www.dmkg.de.
Der Cluster-Kopfschmerz ist zwar sehr selten - höchstens vier von 10 000
Menschen sind betroffen - dafür aber besonders qualvoll. "Dieser
Kopfschmerz gehört zu den schlimmsten Schmerzen, unter denen Menschen
leiden können", weiß Dr. Arne May von der Neurologischen Klinik der
Universität Regensburg.
Der Clusterschmerz, unter dem Männer häufiger leiden als Frauen,
"sitzt"
hinter einem Auge und wird von weiteren Symptomen in der betroffenen
Gesichtshälfte begleitet. Er tritt meistens episodisch auf, vor allem im
Frühjahr und Herbst. Mehrwöchige aktive Phasen mit bis zu acht Attacken
pro Tag, die jeweils eine halbe bis zwei Stunden dauern, wechseln sich
mit schmerzfreien Phasen ab. "In der Attackenphase können die Patienten
keine Nacht durchschlafen", berichtet May.
Zwar ist diese Kopfschmerzart vergleichsweise einfach zu
diagnostizieren. Weil sie jedoch selten ist, dauert es oft viele Jahre
bis zumeist ein Kopfschmerz-Spezialist die korrekte Diagnose stellt und
eine wirksame Behandlung einleitet.
Entzündungen an erweiterten Blutgefäßen im Gehirn galten bislang als
Ursache der Pein. Doch der ausgeprägte zeitlich gebundene ("zirkadiane")
Rhythmus der Attacken und das zyklische Auftreten der aktiven Phasen
brachten die Forscher auf eine andere Spur: Möglicherweise, so ihre
Hypothese, spielt bei dieser Kopfschmerzart die "innere Uhr" eine
Rolle.
Dass dieses zutrifft, konnte May in Zusammenarbeit mit britischen
Kollegen nun mit einer Serie von ausgeklügelten Studien an Patienten und
gesunden Probanden nachweisen: Untersuchungen mit der
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) belegen, dass bei
Cluster-Patienten während einer Attacke bestimmte Strukturen im
Hypothalamus, dem Sitz der "inneren Uhr" besonders aktiv sind. Aktiv
war
dieser "Motor" des Cluster-Kopfschmerzes sowohl bei spontanen
Attacken
als auch bei Anfällen, die die Wissenschaftler durch eine
Nitroglycerin-Behandlung bei Cluster-Patienten auslösten, die sich
gerade in einer aktiven Phase befanden. Außerhalb dieser aktiven Phase
konnte die Nitroglycerin-Behandlung weder eine Attacke auslösen noch den
"Cluster-Motor" im Hypothalamus anwerfen. Inaktiv blieb diese
Gehirnregion auch bei gesunden Probanden, bei denen die Wissenschaftler
einen experimentellen Kopfschmerz auslösten.
Erweiterte Blutgefäße sind Begleiterscheinung und nicht Ursache
Weitere Untersuchungen mit der so genannten Magnet-Resonanz-Angiographie
(MRA) belegen darüber hinaus, dass erweiterte Blutgefäße im Gehirn
offensichtlich eine unspezifische Begleiterscheinung von Kopfschmerzen
sind: Sowohl bei Cluster-Attacken als auch bei experimentellen
Kopfschmerzen sind die Hirnarterien erweitert. Auch bei der Migräne
treten derartige Gefäßveränderungen auf. "Wir gehen daher davon
aus",
erklärt May, "dass der Cluster-Kopfschmerz ursächlich durch eine
Fehlfunktion der "inneren Uhr" im Gehirn verursacht wird und die
Gefäßveränderungen nur eine Folge dieser Störung sind.
Herkömmliche Schmerzmittel sind bei Cluster-Schmerz wirkungslos, da ihre
Wirkung nicht schnell genug eintritt. Mittel der ersten Wahl ist das
Migränemedikament Sumatriptan, weil der Patient es sich mit einem
Autoinjektor unter die Haut spritzen kann. Etwa 70 Prozent der Patienten
profitieren davon, wenn sie reinen Sauerstoff über eine Maske einatmen.
Bei länger andauernden Cluster-Phasen setzen Kopfschmerz-Experten auch
bestimmte Medikamente zur Prophylaxe ein.
Quellen:
Kopfschmerz-News 1/2001, Fach-Informationen für die Mitglieder der DMKG
May, A, Bahra A, Büchel C, Frackowiak RSJ, Goadsby PJ. PET and MRA
findings in cluster headache and MRA in experimental pain.
Neurology 2000;55:1328-1335
