Überlebenschancen von Komapatienten besser beurteilen
Bewusstsein ist von der Unversehrtheit des Hirnstammes abhängig
Wissenschaftler der Universität Magdeburg http://www.uni-magdeburg.de
haben mit Hilfe von Kernspintomogrammen herausgefunden, wie die Überlebenschancen
von Komapatienten besser beurteilt werden können. Ihre Studie veröffentlichten
sie jetzt in der Fachzeitschrift "Acta Neurochirurgica".
Zeigen sich im Kernspintomogramm nur Schädigungen der Großhirnhälften,
so sind die Überlebenschancen bei 87 Prozent der Patienten überwiegend gut.
Ist dagegen eine Verletzung des Hirnstammes erkennbar, liegt die Sterblichkeit
bei über 50 Prozent. Entscheidend für das Überleben ist dabei, wo genau der
Ort der Schädigung im Hirnstamm liegt.
Darüber hinaus gaben die Untersuchungen auch darüber Aufschluss, wo
letztlich die Ursache für das Phänomen Bewusstlosigkeit und Koma zu suchen
ist. "Da Patienten ohne Hirnstammverletzungen rasch aus dem Koma
erwachten, bei ausgedehnten Hirnstammverletzungen jedoch nicht, scheint das
menschliche Bewusstsein im Wesentlichen von der Unversehrtheit des Hirnstammes
abhängig zu sein", erläuterte Raimund Firsching, Direktor der Klinik für
Neurochirurgie an der Magdeburger Uni. Bisher hatten Wissenschaftler
angenommen, dass diffuse, über das ganze Gehirn verteilte mikroskopische
Verletzungen einzelner Nerven ("diffuse axonale Schädigungen") die
Hauptursache für Koma und nachfolgenden Tod seien. Firsching: "Das
scheint nun eher unwahrscheinlich."
Die Entdeckung sei jedoch von fundamentaler Bedeutung für die Beurteilung
bewusstloser Patienten überhaupt, so der Wissenschaftler weiter. "Denn
eine Bewusstlosigkeit deutet damit immer auf einen Funktionsausfall des
Hirnstammes zu dem Zeitpunkt hin, an dem der Patient bewusstlos geworden ist.
Ganz gleich ob die Ursache dafür in einer Schädel-Hirn-Verletzung liegt oder
etwa nach einem Herzstillstand, toxisch erhöhten Blutzuckerspiegeln,
Stoffwechselentgleisungen oder Medikamenteneinnahme eintritt."
In die Studie waren mehr als 100 Patienten einbezogen worden. Die
Wissenschaftler wurden für ihre Ergebnisse beim diesjährigen Deutschen Röntgenkongress
in Wiesbaden mit einem Preis ausgezeichnet
