Theater in der Josefstadt: Subventionsgeber schlagen Vertragsabschluss
mit Hans Gratzer vor
Hans Gratzer ist bereit, die Funktion des künstlerischen Leiters des Theaters
in der Josefstadt unter grundsätzlicher Einhaltung des Sanierungskonzeptes und
auf der Grundlage seines künstlerischen Konzeptes vom 16. Juli 2001 zu
übernehmen, wie Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Kunststaatssekretär
Franz Morak, heute, Mittwoch, bekannt gaben.
Dies ist das Ergebnis eines ausführlichen Gespräches zwischen den Vertretern
der Subventionsgeber, dem Vertreter der Theater in der Josefstadt GmbH und
Hans Gratzer über die Grundsätze des Sanierungskonzeptes vom Juli 2000 und der
strukturellen Gegebenheiten des Theaterbetriebes.
Auf Grund der gestrigen Gespräche werden die Subventionsgeber dem Theater in
der Josefstadt vorschlagen, mit Hans Gratzer einen Vertrag abzuschließen und
ihn zum künstlerischen Leiter des Theaters ab September 2003 zu bestellen.

Theater in der Josefstadt: Hermann Beil steht nicht zur Verfügung
Kunststaatssekretär Franz Morak und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny
gaben heute, Montag, bekannt, dass Hermann Beil für die künstlerische Leitung
des Theaters in der Josefstadt nicht zur Verfügung steht. Seine Absage hat hat
Hermann Beil heute früh mitgeteilt.
Zum weiteren Prozedere gaben Mailath-Pokorny und Morak bekannt, dass nun Hans
Gratzer, der sich bereits im Rahmen der Ausschreibung mit einem Konzept für
die Josefstadt beworben hatte, gemeinsam mit dem Theater in der Josefstadt zu
Gesprächen eingeladen wird.

Theater in der Josefstadt: Morak zur Empfehlung der Jury
Nach einem Gespräch mit Direktor Helmuth Lohner nahm Kunststaatssekretär Franz
Morak zur Empfehlung der Jury, Hermann Beil zum Direktor der Josefstadt zu
bestellen, Stellung. "Ich nehme die Empfehlung als ein qualifiziertes Votum
einer Fachjury zu Kenntnis. Ich bedaure aber, dass es nicht möglich war, zu
einer einhelligen Empfehlung zu kommen" so Morak.
Jetzt werde es darum gehen, mit Hermann Beil, der selbst darauf Wert gelegt
hatte, sich nicht beworben zu haben, Gespräche zu führen und seine
Vorstellungen kennen zu lernen, so Morak. "Unabdingbare Prämissen sind für
mich vor allem ein schlüssiges künstlerisches Konzept, das auf die
Besonderheiten und Herausforderungen des Hauses, des Ensembles und des
Publikums zugeht und die Fortführung des Sanierungskurses der Josefstadt,"
sagte Morak .
Morak wird mit Stadtrat Mailath-Pokorny und Direktor Lohner im Gespräch
bleiben, um eine vor allem für die Josefstadt positive Entscheidung zu
treffen. Abschließend bedankte sich Morak ausdrücklich bei den Mitgliedern der
Kommission für Ihre Tätigkeit.

Theater in der Josefstadt: Jury präsentiert
Zur Bestellung des künstlerischen Leiters des Theaters in der Josefstadt gaben
Dienstag der derzeitige künstlerische Leiter des Theaters, Helmut Lohner,
Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Staatssekretär Franz Morak die
weitere Vorgehensweise bekannt. Mit 15. September endete bekanntermaßen die
Ausschreibungsfrist. 21 Personen haben sich für die ausgeschriebene Stelle des
künstlerischen Leiters beworben.
Nun wird eine fünfköpfige Jury eingesetzt. Ihre Zusammensetzung:
o Helmut Lohner, Direktor des Theaters in der Josefstadt
(Vorsitzender der Jury) o Dr. Marie Zimmermann, Schauspieldirektorin bei den
Wiener
Festwochen o Matthias Hartmann, Leiter des Schauspielhauses Bochum o Klaus
Maria Brandauer o Jürgen Schitthelm, Schaubühne Berlin
Die Jury erhält den Auftrag, Bewerber und ihre Konzepte zu prüfen und bis zum
15. Oktober einen gereihten Dreiervorschlag zu präsentieren.
Aufgrund dieses Vorschlages wird im Einvernehmen zwischen Subventionsgebern
und Theater der künstlerische Leiter designiert.

Josefstadt: Mailath-Pokorny kündigt "zivilrechtliche Konsequenzen" an
Utl.: Faktische bilanzmäßige Überschuldung betrug mit 31.12. 2000 rund 150
Mio. - Otto Schenk bezog 1999 3,6 Mio. von der Josefstadt ==
Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe
berichtet, will Andreas Mailath-Pokorny, Wiener Kulturstadtrat, die
Verantwortlichen für die Finanzmisere des Theaters in der Josefstadt zur
Verantwortung ziehen. "Ich habe mir vorgenommen, die möglichen
zivilrechtlichen Regressansprüche prüfen zu lassen", erklärt Mailath-Pokorny.
Die Sanierung des maroden Theaters sieht er nur schleppend voranschreiten: "Da
ist wenig geschehen."
"Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Privatunternehmen von der
öffentlichen Hand aufgefangen wird, wenn aufgrund offensichtlicher
Unzulänglichkeiten ein zusätzlicher Bedarf notwendig ist", kritisiert
Mailath-Pokorny dir frühere Geschäftsführung. "Man kann in diesem Fall nicht
einfach sagen, man gibt öffentliches Geld und Schwamm drüber."
Die Jahresbilanz 2000, die am 5. Juli 2001 beim Firmenbuch am Handelsgericht
eingereicht wurde, weist Bankschulden in der Höhe von 48 Mio. S. aus. Weiters
schlagen offene Rechnungen mit 60 Mio. zu Buche. Insgesamt betrug die
faktische bilanzmäßige Überschuldung des Theaters in der Josefstadt mit 31.
12. 2000 rund 150 Mio. S..
Vor allem hohe Gagen und Betriebspensionen belasten das Theater. In den
nächsten Jahren werden schätzungsweise 100 Mio. für Pensionen und
Abfertigungen nötig sein. Otto Schenk, einer der Publikumsmagneten der
Josefstadt, bezieht als ehemaliger künstlerischer Direktor eine
Betriebspension von rund 1,2 Mio. S. brutto im Jahr. Sein Jahresvertrag als
Schauspieler beläuft sich auf rund 1,4 Mio. Grundgehalt. Zusätzlich erhält
Schenk Auftrittshonorare, die im Jahr 1999 für insgesamt 111 Abende rund 1 Mio
S. ausmachten. Insgesamt erhielt Schenk 1999 vom Theater in der Josefstadt
solcherart finanzielle Leistungen von 3,6 Mio. S.
Teddy Podgorsky erhielt 1999 für 45 Vorstellungen einen Jahresvertrag, der
frühere kaufmännische Direktor Robert Jungbluth bezieht eine Betriebspension
von jährlich rund 1 Mio. S. brutto.
"Eines ist klar", urteilt Kulturstaatssekretär Franz Morak, "Die
Kontrollorgane haben im Fall Josefstadt vollkommen versagt." In Bezug auf die
Ausschreibung der Nachfolge von Helmuth Lohner als künstlerischen Direktor
meint Morak gegenüber "profil": "Ich glaube, dass so eine sensible Materie
anders lösbar wäre. Jetzt ist die Ausschreibung da. Schauen wir uns die
Ergebnisse an."
Dramaturg Hermann Beil sagt zu "profil", dass er sich "bestimmt nicht
bewerben" werde. Er habe sich "noch nie für etwas beworben". Regisseur Thomas
Langhoff will "niemals nie sagen", Karlheinz Hackl "muss noch nachdenken",
zeigt aber sichtliches Interesse. Hackl:
"Viele raten mir dazu."

Josefstadt-Schulden: Hauptgläubiger Bank Austria gibt in NEWS völlige
Entwarnung: "Kein Betrag offen, der uns Sorgen macht"
Überraschende Wendung in der Causa Theater in der Josefstadt: Die Bank Austria,
bei der das Theater hoffnungslos überschuldet sein soll, erhebt keine
pekuniären Ansprüche an die Bühne. Das berichtet das Nachrichtenmagazin NEWS
in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.
Die Rede war - auch seitens zuständiger Politiker - stets von 164 Millionen
Schilling Gesamtschulden, die das Haus angesammelt habe. Mit 72,8 Millionen
sei die Bank Austria der Hauptgläubiger.
Das dementiert der verantwortliche Vorstandsdirektor Karl Samstag in NEWS:
- "Es gibt zwischen BA und "Josefstadt" kaum ein offenes Thema. Wir
überbrücken nur durch Vorfinanzierung die Zeit, bis die Subvention eintrifft."
Dies aber ist ein international üblicher Vorgang - dieser Teil der Schulden
ist virtuell.
- "Aus dem laufenden Betrieb ist kein Betrag offen, der uns Sorgen macht. Das
Theater ist kaufmännisch absolut im Griff."
- Von offenen Verbindlichkeiten im kolportierten Rahmen weiß Samstag nichts.
"Zwischen uns ist nur eine Geschichte offen, nämlich eine
Kaufpreisrestforderung von 20 Millionen aus einer Grundstücksangelegenheit.
Wir wissen aber, dass diese Summe aus der ordentlichen Gebarung nicht
abzahlbar ist. Also haben wir den Betrag sehr langfristig gestundet. Und wir
sehen die Rückzahlung als langjähriges Kompensationsgeschäft, das heißt: Wir
nehmen als Gegenwert das Haus für Kundenveranstaltungen oder Lesungen in
Anspruch." Mit anderen Worten: Die Bank Austria erhebt keine pekuniären
Forderungen.
In derselben NEWS-Ausgabe gibt Kulturstadtrat Mailath-Pokorny das weitere
Procedere bekannt: Die Ausschreibungsfrist für die Nachfolge Helmuth Lohners
im Herbst 2003 endet am 15. Jänner. Bisher wurden dem Stadtrat in persönlichen
Gesprächen etwa sieben bis acht Konzepte vorgetragen. Einen Monat später - am
15. Oktober - fällt die Entscheidung. Zur selben Zeit soll auch die nunmehr
feststehende Umwandlung der GmbH in eine Stiftung vollzogen werden.
Warten muss die umfassende bauliche Sanierung des Hauses, da das dafür
vorgesehene Geld von Bund und Stadt im Vorjahr für den laufenden "Josefstadt"-Betrieb
umgewidmet wurde.
