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Heftige Medienkontroverse über TV-Zensur in Japan
Dokumentation über Sexsklavinnen im 2.Weltkrieg auf Parteidruck gekürzt

Eine 2001 ausgestrahlte Dokumentation über Sexsklavinnen in den 30er und 40er Jahren hat Japans Medienlandschaft gespalten und alte Wunden aufgerissen. Ein Artikel in der linken Tageszeitung Asahi http://www.asahi.com/english/index.html über die angebliche Teilzensur der Dokumentation hat vergangene Woche zur Entlassung von Katsuji Ebisawa, dem 70-jährigen Chefs des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders NHK http://www.nhk.or.jp/english geführt. Asahi beschuldigt den Sender, auf Druck der konservativen Regierungspartei LPD heikle Teile aus der Dokumentation entfernt zu haben.

Japan, das die Aufarbeitung seiner dunklen Vergangenheit sehr vorsichtig betreibt, hat in mehreren ostasiatischen Staaten Kriegsverbrechen begangen. Die Dokumentation widmet sich den Chinesinnen, Thailänderinnen, Filipinas und Koreanerinnen, die in den 30er und 40er Jahren in japanischen Militärbordellen zur Prostitution gezwungen worden sind. Zwei Politiker der LPD geben zu, sich mit der Programmleitung des Fernsehsenders getroffen zu haben, jedoch nur um die Chefs des Senders darum zu bitten, objektiv zu bleiben. Das Budget der NHK wird übrigens von einem Komitee der LPD genehmigt.

Die konservativen Tageszeitungen Yomiuri und Sankei stehen geeint hinter dem NHK und werfen Asahi eine Verdrehung der Fakten vor. Hinter dem Angriff des linken Blattes vermutet die französische Zeitung Le Monde jedoch nicht nur uneigennützige Motive. So gehört zum Medienimperium Asahi auch ein privater Fernsehsender, TV Asahi, der mit NHK konkurriert. Ein weiterer Beweggrund für das aggressive Vorgehen von Asahi dürfte wohl auch ein trauriges Ereignis in der japanischen Mediengeschichte vor fast 18 Jahren sein. Am 3. Mai 1987 stürmten zwei Radikale die Redaktion von Asahi und schossen zwei Journalisten nieder. Einer von ihnen starb. Dennoch sind beide Attentäter bis heute auf freiem Fuß.


 

Megadeal auf japanischem Medienmarkt
Fernsehsender Fuji TV will Nippon Broadcasting für 550 Mio. Euro

Japans führender Privat-Fernsehsender Fuji Television http://www.fujitv.co.jp/en will das japanische Rundfunkunternehmen Nippon Broadcasting Systems http://www.jolf.co.jp unter seine Kontrolle bringen. Dazu soll der Anteil von derzeit 12,4 auf über 50 Prozent aufgestockt werden. Wie die Financial Times (FT) heute, Montag, berichtet, bietet Fuji TV für jeden Nippon-Broadcasting-Anteil 5.950 Yen (44,52 Euro) und damit einen Aufpreis von 7,2 Prozent gegenüber dem heutigen Börsenschlusskurs der Aktie. Die Übernahmeofferte hat einen Gesamtwert von 73,4 Mrd. Yen (549,2 Mio. Euro). Das Angebot soll morgen, Dienstag, starten und bis zum 21. Februar 2005 laufen.

Mit der Übernahme der Mehrheit an Nippon Broadcasting will Fuji TV nach eigenen Angaben seine Position auf dem Markt für digitale Übertragungen stärken. Der Rundfunksender, der selbst 22,5 Prozent der Anteile an Fuji hält und Gründungsmitglied des TV-Senders ist, hat der Transaktion bereits zugestimmt. Laut FT sind beide Firmen seit Jahren immer wieder Kooperationen eingegangen. Erst im vergangenen Jahr hatte Fuji TV gemeinsam mit Nippon Broadcasting in ein 58 Mrd. Yen (434,3 Mio. Euro) teures topmodernes Digitalstudio investiert. Außerdem bedeute die mögliche Mehrheitsübernahme auch einen Sieg der Aktieninhaber um den Aktionärsrechts-Aktivisten Yoshiaki Murakami, der wiederholt einen Merger der beiden Unternehmen gefordert hatte, schreibt die FT.


 

Erklärung von Ministerpräsident Junichiro Koizumi (Beschluss über die Verlängerung des Basisprogramms für humanitäre Hilfe & Wiederaufbauhilfe der japanischen Selbstverteidigungskräfte im Irak)

Am 9. Dezember fasste das japanische Kabinett den Beschluss, das auf humanitäre Hilfe und Wiederaufbauhilfe ausgerichtete Mandat der Selbstverteidigungskräfte zu verlängern, indem es eine Neufassung der auf dem Sondermassnahmengesetz beruhenden Massnahmen des Basisprogramms über humanitäre Hilfe und Wiederaufbauhilfe im Irak verabschiedete.

   Durch den Einsatz der Selbstverteidigungskräfte im Bereich der Wasserversorgung, bei medizinischen Dienstleistungen und bei der Wiederherstellung und Wartung von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen wurde die für das tägliche Leben der Lokalbevölkerung nötige Grundinfrastruktur erneut verfügbar gemacht und erweitert. Zudem hat der Einsatz auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen beigetragen. Die Lokalbevölkerung ebenso wie die irakische Übergangsregierung erkennen die Ergebnisse dieser Leistungen sehr hoch an und wir sind eindringlich aufgefordert worden, diese Arbeiten weiterzuführen.

   Obgleich sich die Situation von einem Landesteil zum anderen unterscheidet, so bleibt die Sicherheitslage im Irak weiterhin ernst und der Wiederaufbau des Landes nur halb erledigt. Mit der für Januar des kommenden Jahres angesetzen Wahl zur Nationalversammlung - ein Meilenstein des durch die Resolution 1546 der Vereinten Nationen ermöglichten politischen Prozesses - befinden wir uns an einem für die Stabilität und den Wiederaufbau des Iraks entscheidenden Abschnitt. Als Mitglied der internationalen Gemeinschaft sollte Japan es auf sich nehmen, so viel Unterstützung wie irgend möglich zu leisten, um auf diese Weise eine demokratische und stabile Regierung durch das irakische Volk für das irakische Volk zu realisieren. Wir müssen uns ständig weiter für diese Unterstützung einsetzen, indem wir unseren Beitrag mithilfe des Personals der Selbstverteidigungskräfte sowie unter Einsatz der offiziellen Entwicklungshilfe (Official Development Assistance = ODA) leisten - ein unzertrennbares Duo.

   Die internationale Gemeinschaft hat bei den Bestrebungen, dem irakischen Volk beizustehen, eine koordinierte Herangehensweise gezeigt. In der multinationalen Irak-Truppe (Multinational Force = MNF) erbringen rund 30 Länder aus freien Stücken verschiedene Hilfeleistungen. Nicht zuzulassen, dass sich im Irak eine Brutstätte des Terrorismus entwickelt, sondern dass dort stattdessen ein friedliches und demokratisches Land aufgebaut wird, hat eine grosse Bedeutung für die Stabilität im Nahen Osten und damit auch für die internationale Gemeinschaft. Das bedeutet, wir handeln im eigenen Interesse unserer Nation.

   Mit dem heutigen Beschluss haben wir die Verlängerung der Stationierung der Selbstverteidigungskräfte um ein weiteres Jahr bis zum 14. Dezember 2005 entschieden. Um diese Art der Hilfeleistung ständig voranzutreiben haben wir ausserdem beschlossen, während dieses Zeitraums unaufhörlich und sorgfältig die relevanten Faktoren, z.B. die beim Wiederaufbau des Iraks erzielten Erfolge, das Fortschrittsniveau des politischen Prozesses, die Sicherheitslage und den Stand des Einsatzes der multinationalen Irak-Truppe (MNF) im Auge zu behalten. Die Regierung wird im Bedarfsfall angemessene Massnahmen ergreifen.

   Obwohl wir die Situation nicht vorausschauend beurteilen können, so kann die Sicherheitssituation in Al-Samawah im Vergleich zu anderen Regionen in jüngster Zeit als relativ stabil bezeichnet werden. Angesichts des andauernden Mandats der Selbstverteidigungskräfte werden wir zur Gewährleistung der Sicherheit des Personals nichts ungetan lassen, indem wir weiterhin alle Anstrengungen bei der Beobachtung der Sicherheitslage vor Ort unternehmen, die Umgebung verstärkt überwachen und sichern und indem wir die Schutzmassnahmen der Einrichtungen am Stationierungsort verbessern.

   Ich bitte Sie aufrichtig um Ihr Verständnis und für Ihre Unterstützung für diesen Regierungsbeschluss.
 


 

Japans "Ja" zum Kyoto-Abkommen ohne USA wahrscheinlich
Umweltministerin Kawaguchi will Vereinigte Staaten wieder an Bord holen
 

Japanischen Berichten zufolge hat sich die Tokioter Regierung zur Ratifizierung des Kyoto-Protokolls umlenken lassen. Das "Ja" zu einem internationalen Vorgehen gegen den Klimawandel wurde offiziell allerdings noch nicht bestätigt. Ist dies der Fall, bedeutet dies eine Isolation für die Vereinigten Staaten, so ein Bericht der BBC http://news.bbc.co.uk . Die USA lehnen das Kyoto-Protokoll grundsätzlich ab.
 

Damit das Protokoll ratifiziert und in Kraft treten kann, muss das Abkommen von 55 Ländern oder Staaten, die für 55 Prozent der Treibhausgas-Emissionen von 1990 verantwortlich sind, angenommen werden. 55 Prozent können aber nur dann erreicht werden, wenn Japan, Russland, die EU und weitere Staaten Osteuropas ihre Kräfte bündeln. Die Europäische Union ist für rund 25 Prozent, Russland für rund 17 Prozent und Japan für etwa neun Prozent der Emissionen verantwortlich. Eine Teilnahme Japans mit der weltweit zweitstärksten Wirtschaft und Rußlands ist somit zwingend erforderlich. Neben Japan warfen Umweltschutzorganisationen auch Kanada, Australien und Russland vor, bereits getroffene grundsätzliche Beschlüsse des Bonner Gipfels zu missachten und aufzuweichen. Japan geriet zunehmend unter Druck der EU.
 

Wie aus Kreisen der japanischen Regierung bekannt wurde, bemüht sich die japanische Umweltministerin Yoriko Kawaguchi weiterhin, die USA vom Klimaabkommen zu überzeugen. Kawaguchi erklärte, Japan bereite sich für die Ratifizierung vor, unabhängig von den Reaktionen der USA.
 

Gemäß den Berichten will Japan das Kyoto-Abkommen bis Mitte 2002 nach der Genehmigung durch das Parlament formal ratifizieren. Das Kyoto-Protokoll verpflichtet industrialisierte Staaten, die Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent zu vermindern. Wie aus Regierungskreisen bekanntgegeben wurde, befürchtet Japan bei einer Entscheidung gegen das Kyoto-Protokoll einen wirtschaftlichen Wettbewerbsverlust. So könnten japanische Produkte von der EU boykottiert werden.
 


 

Japan zur Unterzeichnung der UN-Terrorismuskonvention bereit

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner traf heute in
Tokio zu Gesprächen mit Premierminister Junichiro Koizumi und Außenministerin Makiko Tanaka zusammen. Ferrero-Waldner, die den Inhalt ihrer Gespräche im Vorfeld des Besuches mit dem EU-Ratsvorsitzenden, Louis Michel, abgestimmt hatte, ersuchte Japan in Absprache mit Außenminister Michel um eine enge Kooperation mit der EU im Kampf gegen die finanziellen Quellen des Terrors.

"Die Zusammenarbeit zwischen Europa und Japan muß umfassender und damit auch schlagkräftiger werden. Dazu bedarf es Maßnahmen auf europäischer, aber natürlich auch auf internationaler Ebene. Wir müssen effiziente Strukturen und Instrumente schaffen, um unerlaubt betriebene Bankgeschäfte und das Schattenbankwesen leichter verfolgen zu können", sagte die Außenministerin.

Ferrero-Waldner begrüßte in diesem Zusammenhang den Aktionsplan der G-7 Staaten und Rußlands zur Bekämpfung des Terrorismus und hält diesen Plan für durchaus geeignet, die Finanzquellen des Terrorismus auszutrocknen und damit den Netzwerken eine Voraussetzung ihrer Existenz wirksam zu entziehen.

In Absprache mit dem EU-Ratsvorsitzenden ersuchte Ferrero-Waldner Japan bei dieser Gelegenheit konkret daraum, das internationale Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Finanzierung des Terrorismus zu unterzeichnen und möglichst bald zu ratifizieren. "Österreich und alle EU-Staaten - bis auf Schweden und Irland, die das in nächster Zeit vorhaben - haben das Übereinkommen bereits unterzeichnet und Österreich plant, den Ratifikationsprozeß noch vor Ende des Jahres durch das Parlament zu bringen.", sagte Ferrero-Waldner.

Premierminister Koizumi und Außenministerin Tanka erklärten daß Japan bereit sei, dieses Übereinkommen im Interesse einer noch engeren Kooperation mit Europa noch heuer zu unterzeichnen. Ferrero-Waldner wertete diese Bereitschaft als wichtigen Schritt für ein noch effizienteres Vorgehen gegen die Finanzquellen des Terrorismus und als Bereitschaft Jaans, seine internationale Verantwortung wahrzunehmen. "Auch die gestrige Entscheidung Japans, militärische Auslandseinsätze logistisch zu unterstützen zeigt, daß Japan bereit ist, internationale Verantwortung zu übernehmen", sagte die Außenministerin.

Ferrero-Waldner kann sich überdies vorstellen, daß auch auf Ebene der "Financial Action Task Force on Money Laundering" (FATF) im Rahmen der OECD konkrete Maßnahmen zum Kampf gegen die Finanzierung des Terrorismus getroffen werden. Diese Task Force wurde bereits 1989 im Rahmen des G 7-Gipfels in Paris mit dem Ziel eingerichtet, den politischen Willen für nationale gesetzliche Reformen voranzutreiben. Mittlerweile umfaßt die Task Force 28 Mitgliedstaaten, zu denen die 15 EU-Mitgliedstaaten und Japan gehören. Am 29. und 30. Oktober wird dazu eine Sondertagung in Washington stattfinden.

Konkret kann sich Ferrero-Waldner in diesem Zusammenhang folgende Maßnahmen vorstellen: erhöhte Transparenz über Finanzflüsse unter den Staaten, klare Richtlinien für Finanzinstitutionen und ein verbesserter Informationsaustausch zwischen der Financial Intelligence Units (FIUs). "Solche Einheiten sollen in allen Mitgliedstaaten eingerichtet werden, um die Finanzmittel von Terroristen aufzuspüren und Informationen grenzüberschreitend auszutauschen. Ich glaube, daß Japan auch hier eine ganz wichtige Rolle spielen kann", sagte die Außenministerin.

Auf Europäischer Ebene kann sich Ferrero-Waldner folgende Initiativen zur Bekämpfung der Finanzierung des Terrors vorstellen:
eine klare Gesetzgebung, die den Mitgliedstaaten die Vollmacht erteilt, Finanzmittel einzufrieren, die mit Terrorismus in Zusammenhang gebracht werden. "Das würde die EU-Gesetzgebung mit der UN-Resolution 1373 quasi verbinden", sagte die Außenministerin. Darüber hinaus müsse die EU-Gesetzgebung über Geldwäsche verschärft werden. "Der Rahmen von kriminellen Aktivitäten, die einer Geldwäsche zugrunde liegen, muß erweitert werden". Außerdem sollte nach Ansicht der Außenministerin die Anzahl der Berufsgruppen , die über verdächtige Aktivitäten berichten müssen, erweitert werden. Ferrero-Waldner kann sich auch vorstellen, daß alle Geldbeträge über einer bestimmten Summe europaweit verpflichtend deklariert werden müssen.

"Unser Kampf gilt den Helfershelfern des Terrorismus in der Finanzwelt. Wichtig ist nun die Entwicklung einer weltweiten Gesamtstrategie, um dem Terrorismus die Finanzquellen zu entziehen. Dafür bedarf es politischer und diplomatischer Initiativen. Wenn es uns gelingt, daß Japan und Europa ihre Gesetzgebung so angleichen ,daß eine effiziente Kontrolle verdächtiger Finanzströme erfolgen kann, dann haben wir - so glaube ich - einen großen Schritt in Richtung Trockenlegung des Finanzquellen des Terrorismus gesetzt" so die Außenministerin


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:06
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