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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Arafat - eine Legende und der erste wirkliche Palästinenser" (von Charles A. Landsmann)

Ausgabe vom 11.11.2004  =

Ob mit dem Ableben von Palästinenserführer Jassir Arafat auch das größte Hindernis auf dem "Weg zum Frieden" im Nahen Osten überwunden ist, wird die Zukunft weisen.

Sicher ist, dass der Palästinenserführer mit seiner Überzeugung, jeder Zentimeter palästinensischen Bodens müsse mit Waffengewalt freigekämpft und dürfe nicht am Verhandlungstisch erstritten werden, sich nicht als Förderer einer friedlichen Konfliktlösung erwiesen hat. Er blieb lebenslang Abu Ammar, der Widerstands- und Freiheitskämpfer, und niemals der "Rais", der Präsident. Er war Kommandant, nie Staatsmann.

Arafat hat Gewaltiges geschaffen, das geben selbst seine Gegner zu. Er hat die arabischen Bewohner des ursprünglich palästinensischen Mandatsgebietes und die Flüchtlinge zu einem Volk geformt - eine historische Glanzleistung.

Was eines von vielen Flüchtlingsproblemen weltweit war, wurde von ihm - mit Bomben und Brandreden - zur Existenzfrage der palästinensischen Nation, die selbst vom israelischen Gegner mit der Zustimmung zum selbstständigen Staat Palästina beantwortet wird.

Doch es war in erster Linie Arafat selbst, der die Gründung Palästinas verhinderte. Er wollte kompromisslos alles - schlechte Voraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen. Vielleicht, wahrscheinlich war es gut so. Arafat wäre als Staatschef ein Versager gewesen.

Den Beweis dafür trat er nach seiner Rückkehr aus dem Exil vor zehn Jahren im Autonomiegebiet an. Er schuf im Gazastreifen und Westjordanland einen korrupten Noch-nicht-Polizei-Staat, ließ die Terroristen gewähren - und lud so Israel zu Vergeltungs- und Präventivschlägen ein, unter denen die Zivilbevölkerung leidet und sein Regime zusammenbrach.

Arafat war der erste Palästinenser und eine Legende. Vieles ist unerklärlich oder unverständlich: Wann und wo er geboren wurde, wieso er den Israelis immer wieder entkam, weshalb er im Alter nicht mehr nur "mit der palästinensischen Revolution", sondern auch mit dem Luxusweibchen Suha verheiratet war, wo die gespendeten und anders aufgebrachten Milliarden hin sind, wie viele es sind und weshalb er seinen Nachlass nicht ordnete?

Das Palästina, das Arafat geschaffen hat, ist nicht das, was sich die Palästinenser erhoffen. Genauso wie Israel nicht den Idealen der Gründergeneration entspricht. Aber Arafat hat die Voraussetzungen zur Existenz des Staates geschaffen, der wohl bald ohne ihn ausgerufen wird - angesichts seiner Ver- und Behinderungspolitik zu Recht.


 

Israel droht CNN und NBC mit Klagen
Nachrichtensender sollen Berichterstattung aus Ramallah einstellen
 

Israel hat den US-Fernsehsendern CNN http://www.cnn.com/ und NBC http://www.nbc.com/ rechtliche Schritte angedroht, falls diese ihre Berichterstattung aus der Stadt Ramallah nicht einstellen. Die israleische Regierung hat darüber hinaus zwei Journalisten des arabischen Senders Abu Dhabi TV http://www.arab2.com/radiotv/abudabi.htm wegen "anti-israelischer Propaganda" ihre Akkreditierungen entzogen. Dies berichtete der "Media Guardian" http://media.guardian.co.uk/ heute, Mittwoch.
 

Die Stadt Ramallah im Westjordanland, wo sich das belagerte Hauptquartier des Palästinenserchefs Yasser Arafat befindet, ist bereits am vergangenen Freitag von Israel zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden. Die Ausweisung von Journalisten ist erst vor kurzem von den Journalistenorganisationen "Reporters Sans Frontieres" http://www.rsf.org/ und "Committee to Protect Journalists" http://www.cpj.org/ als eine massive Einschränkung der Pressefreiheit verurteilt worden.
 

Israel stellte CNN und NBC schriftliche Beschwerden zu. Falls die Fernsehsender weiter israelisches Recht verletzen würden, sehe sich der Staat Israel gezwungen, Schritte entsprechend seiner Gesetze vorzunehmen, hieß es seitens der Pressestelle der Regierung ohne weitere Begründungen. Den Abu-Dhabi-TV-Journalisten Leileh Odeh und Bassam Azawi wirft Israel eine "feindliche Haltung" vor, die einen Aufruhr in der arabischen Welt erzeuge.
 

Die BBC protestierte gestern gegenüber Israel, nachdem eine ihrer Korrespondentinnen, Orla Guerin, unter Panzerfeuer geraten war. Guerin war mit Friedensdemonstranten in die Sperrzone gelangt. Der erfahrene CBS-Journalist Dan Rather entging am Montag nur knapp einem Selbstmordattentat am Rande Jerusalems.
 


 

"Es wird einen palästinensischen Staat geben" / Ariel Scharon in der ZEIT

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sagt der Wochenzeitung DIE ZEIT in seinem ersten Exlusiv-Interview mit der deutschen Presse: "Was ich gesagt habe, habe ich gesagt. Zum Schluss wird es einen palästinensischen Staat geben. Zum Schluss. Aber einen demilitarisierten Staat, der keine Bündnisse mit den Feinden Israels schließen darf." Scharon unterstreicht, dass Israel auf jeden Fall die Lufthoheit behalten muss.

Für Israels Premier ist Arafat "das größte Friedenshindernis. Er ist auch verantwortlich für die elenden Lebensbedingungen des palästinensischen Volkes." Scharon bietet den Arabern Frieden an. "Ich will keine Eskalation, es wird keine Kriege geben", sagt der Ministerpräsident gegenüber der ZEIT. "Ich bin bereit, sehr weit zu gehen. Ich verstehe den Vorrang des Friedens besser als viele Politiker, die nie im Krieg gewesen sind." Scharon weiter: "Ich bin bereit zu verhandeln, aber das Allerwichtigste ist die Sicherheit Israels."
 


 

ISRAELISCHE PARLAMENTARIER BESUCHEN ÖSTERREICH Einladung durch Nationalratspräsident Fischer

Eine zweiköpfige Delegation israelischer Parlamentarier besucht diese Woche Österreich. Der Besuch erfolgt auf Einladung von Nationalratspräsident Heinz Fischer, der die beiden Knesset- Abgeordneten auch empfangen wird. Colette Avital (Labor-Meimad) und Avshalom Vilan (Meretz) werden bei ihrem Besuch Gespräche auf politischer und diplomatischer Ebene führen und mit Vertretern der jüdischen Gemeinde zusammen treffen.

Für Mittwoch ist zunächst eine Aussprache mit Mitgliedern des Außenpolitischen Ausschusses des Nationalrats vorgesehen. Nach einem Treffen mit dem Leiter der Diplomatischen Akademie, Ernst Sucharipa, und einem Mittagessen auf Einladung von Bundesratspräsident Alfred Schöls empfängt Außenministerin Benita Ferrero-Waldner die Gäste aus Israel. Am Abend gibt die Obfrau der österreichisch-israelischen parlamentarischen Freundschaftsgruppe, Bundesrats-Vizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach, ein Abendessen.

Am Donnerstag ist ein Besuch beim Vorsitzenden der Historikerkommission, VwGH-Präsident Clemens Jabloner geplant. Danach empfängt Nationalratspräsident Heinz Fischer die beiden Knesset- Abgeordneten. Am Nachmittag ist ein Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde vorgesehen. Im Anschluss daran werden die israelischen Abgeordneten Gäste beim internationalen Historiker- Symposion zum Thema "Aufarbeitung der Geschichte des NS- Vermögensraubes und des Einsatzes von ZwangsarbeiterInnen in der Kriegswirtschaft des Nationalsozialismus" sein.


Israel startet Nachrichten-TV-Sender Ende 2001
Programm in englischer und arabischer Sprache ausgestrahlt
 

Die israelische Regierung http://www.israel-mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH000a0 hat erste Mittel für einen Nachrichten-TV-Sender bereitgestellt, der Informationen in englischer und arabischer Sprache senden soll. Hauptgrund für den Start des neuen Senders ist die Unzufriedenheit Israels mit der westlichen Berichterstattung über den Nahost-Konflikt. Bereits Ende dieses Jahres soll mit der Ausstrahlung von Nachrichtenprogrammen über Israel und den Palästinenserkonflikt begonnen werden. Der Sender wird über Satellit in der gesamten arabischen Welt und weiten Teilen Europas empfangen werden können.
 

Bereits im Juli hat das Kabinett von Ministerpräsident Ariel Scharon 25 Mio. Schekel (rund 87,5 Mio. Schilling) für den Sender genehmigt. Der Nachrichtenkanal soll einerseits mit dem populären arabischen Satelliten-Sender "Al Dschasira" konkurrieren, andererseits will man die kritische Berichterstattung westlicher Nachrichtensender wie BBC http://www.bbc.com und CNN http://www.cnn.com entkräften.
 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:05
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