Sufismus: eine mystische Strömung des Islam
Internationale Fachtagung der Religionswissenschaft in Bremen
Um den Sufismus geht es bei der internationale Konferenz "Global
Networking and Locality: Sufis in Western Societies",. Sie wird von
den Bremer Religionswissenschaftlern unter Leitung von Professorin
Gritt Klinkhammer vom 30. September bis 2. Oktober 2005 organisiert.
Ort der öffentlichen Veranstaltung ist das Gästehaus der Uni auf dem
Teerhof. Sufismus (mystischer Islam) ist eine Strömung des Islam, die
sich über verschiedene Migrationsbewegungen gen Westen verbreitet hat.
Unabhängig davon findet sie bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts
ihre Anhänger unter Westlern. Die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler aus Canada, Amerika, Großbritannien, Norwegen, den
Niederlanden und Deutschland versuchen in ihren Vorträgen und
Diskussionsbeiträgen der Faszination und Überzeugungskraft des
Sufismus nachzuspüren.
Dabei wird die globale Vernetzung der sufischen Bruderschaften über
verschiedene Nationen und Kulturen hinweg, die Mittel und Wege zum
Austausch und Zusammenhalt, den zentralen Aspekt der Konferenz
darstellen. Der gegenseitige Einfluss zwischen dem ursprünglichen
Herkunftsland und dem jeweiligen Aufnahmeland des Sufismus steht dabei
ebenso zur Debatte wie die erkennbare Suche nach neuen religiösen
Erfahrungen und nach Authentizität im Westen.
Die Untersuchung dieser globalen religiösen Bewegungen ist ein relativ
neues Forschungsgebiet in der Thematik von Migration, Religion und der
Geschichte des Islam im Westen. Insofern dient dieser internationale
Austausch vor allem der Förderung und Verknüpfung der bisherigen und
aktuellen Forschungen. Besonders spannend ist dabei die
interdisziplinäre Zusammensetzung dieses Treffens, bei dem namhafte
Religions- und Islamwissenschaftler, aber ebenso Soziologen,
Psychologen und Ethnologen referieren.
Den Eröffnungsvortrag hält der Globalisierungsexperte der University
of Ottawa Peter Beyer unter dem Titel "Glocalization of Religions:
Plural Authenticities at the Centres and at the Margins". Die
Konferenzsprache ist Englisch. Die Teilnahme an der Fachtagung ist
kostenfrei; eine Anmeldung aber erforderlich: bei Uta Gentsch,
Sekretariat Religionswissenschaft, Uni Bremen, Tel. 0421-218-3287,
Fax: 0421-218-7491 oder E-Mail
gentsch@uni-bremen.de

Muslime verändern in
Fastenzeit ihre Medikation
Großteil stellt Einnahme von Medikamenten
gänzlich ein
Ein Großteil der gläubigen Muslime ändert während
des Fastenmonats Ramadam die Medikation ohne vorher einen Arzt zu
informieren und setzt sich so einem Gesundheitsrisiko aus. Dies hat
eine Studie des Laboratory of Pharmacology and Toxicology ergeben.
Der muslimische Glaube schreibt vor, dass während des Ramadan von
Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht gegessen und getrunken
werden darf und keine Medikamente oral eingenommen werden dürfen.
Kinder, alte Menschen, stillende Mütter, Schwangere und Kranke sind
davon ausgenommen. Die Ergebnisse der Studie wurden im British
Medical Journal
http://bmj.bmjjournals.com veröffentlicht.
Das Team überprüfte 81 Patienten und wies nach, dass 58 Prozent
während des Ramadan die Einnahme ihrer Medikamente veränderten. Der
Großteil stellte laut BBC die Einnahme gänzlich ein, einige
veränderten die Dosierung oder den Zeitpunkt der Einnahme.
Zusätzlich wurden Studienergebnisse aus anderen Regionen analysiert.
In Kuwait änderten zwei Drittel der 325 Studienteilnehmer ihre
Medikamenteneinnahme. Einer von fünf Patienten nahm dabei die
Tagesdosis auf einmal ein. Eine iranische Studie ergab, dass von 124
Epilepsiepatienten 27 während des Ramadan einen Anfall erlitten. 20
der Betroffenen nahmen tagsüber ihre Medikamente nicht ein.
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Koranforschung: Theologe aus der Türkei forscht am Seminar für
Arabistik
Nachwuchswissenschaftler erhält Forschungsstipendium der Alexander von
Humboldt-Stiftung
Als Forschungsstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung ist
Dr. Ömer Özsoy seit Dezember 2004 zu Gast am Seminar für Arabistik der
Georg-August-Universität. Im Rahmen seines einjährigen Aufenthaltes
befasst sich der Theologe aus der Türkei mit der "Bearbeitung der
geschichtlichen Dimensionen des Korantextes in Form und Inhalt". Seine
Arbeiten werden von dem Göttinger Wissenschaftler Prof. Dr. Tilman
Nagel betreut. Die Humboldt-Stiftung vergibt ihre Stipendien an
hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland, die damit
ein Forschungsvorhaben an einer Hochschule eigener Wahl in Deutschland
durchführen können.
Ömer Özsoy studierte an der Theologischen Fakultät der Universität
Ankara und wurde 1991 mit einer Arbeit über das Verhältnis des Korans
und der Koraninterpretationen zur Geschichte promoviert. Während eines
Forschungsaufenthaltes 1992/93 an der Universität Heidelberg befasste
sich Dr. Özsoy erstmals mit deutschen islamwissenschaftlichen Arbeiten
in der Koranforschung. Anschließend arbeitete er an der Herausgabe
eines chronologisch systematisierten und historisch kommentierten
Koranindex und edierte in den Jahren 1997 bis 2003 eine Zeitschrift
von Theologen der Universität in Ankara, die eine kritische Haltung im
Bereich der islamischen Theologie in der Türkei vertreten. Neben der
Geschichtlichkeit des Korans gilt sein Forschungsinteresse seither
auch der Redaktionsgeschichte des Korantextes. "Ich möchte
herausarbeiten, welche Entwicklungsphasen die koranische Offenbarung
geprägt haben und inwieweit der Korantext inhaltlich auf die
Offenbarungszeit Bezug nimmt", erklärt Dr. Özsoy. Dabei greift er auf
Methoden und Ergebnisse sowohl der muslimischen als auch westlicher
Koranforschung zurück. Während seines Aufenthaltes in Göttingen wird
sich der Wissenschaftler zunächst mit orientalistischer Literatur über
die Geschichtlichkeit des Koran befassen, um anschließend die in
deutschen Bibliotheken vorhandenen Koranhandschriften und Studien
auszuwerten.

Schwerpunkt Islam
Die Frau im Islam, tanzende Derwische als Nabel der Welt, der Islam mit den
Augen Europas gesehen. Im Bezirksmuseum Hietzing (13, Am Platz 2) startet die
Volkshochschule Hietzing eine Begegnung von Orient und Okzident.
Eröffnet wird die Reihe am Mittwoch, um 18.30 Uhr mit dem Vortrag "Islam und
Demokratie" und der Frage, ob religiöse Prinzipien und Multikulturalität
einander ausschließen. Wie können religiöse Prinzipien und demokratische
Strukturen miteinander in Verbindung treten? Am Beispiel des Islam zeigen sich
sehr deutlich die Diskrepanzen zwischen fundamentalistischen Prinzipien und
demokratisierenden Bestrebungen. Diese Unterscheidung stellt auch eine
wichtige Basis zum Verständnis der musikalischen Strukturen innerhalb des
islamischen Ritus dar.
Am 8. Jänner steht die Islamische Musik im Mittelpunkt. Die religiöse
Tradition der Sufi bietet interessante Aspekte zur Betrachtung von
Instrumentarium und musikalischer Struktur. Vortragender: Markus Vorzellner.
Am 15. Jänner versucht Carla Amina Baghajati vom Islamischen Zentrum den
Stellenwert der Frau im Islam zu definieren. Was steckt hinter dem
verbreiteten Bild von der verschleierten Muslimin und den damit verbundenen
negativen Assoziationen? Ein tieferer Blick kann lohnen und gegenseitiges
Verständnis fördern.
Am 22. Jänner heißt es "Alla Turca", wenn eine Sicht des Islam mit den Augen
Europas versucht wird. Den Zeitaltern der ersten großen Entdeckungen und
ethnologischen Forschungen folgten die Zeiten der Nachahmung und
Interpretation. Wie sieht das europäische Abendland den Islam und seine
Traditionen? Wie wird es - in der Funktion als Feindbild wie auch als
Sympathieträger - in die Kunstproduktion des Absolutismus und der Aufklärung
eingebaut?
Den Abschluss der Reihe bildet eine Lesung mit Musik "Orient und Okzident" Zum
besseren Kennen- und Verstehenlernen einer fremden Kultur ist es gut und
hilfreich, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Im Mittelpunkt stehen
verschiedene Berichte von Reisenden, die zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert
von Europa aus den Orient bereisten und umgekehrt von türkischen und
arabischen BerichterstatterInnen, die im Zuge der kriegerischen
Auseinandersetzungen nach Wien kamen. Was sahen, beobachteten, erlebten sie
auf ihren Reisen?
Zwischen den Reiseberichten gibt es musikalische Einlagen: Eser Ergin singt
alttürkische Lieder zur Gitarre und Massimo Stefanizzi spielt Barockmusik auf
der Barockgitarre. Es liest die Schauspielerin Holde Naumann.
Information: Tel. 804 55 24.
http://www.vhs.at/ShowVhs.action?vhsId=278

Muhammed Ali wirbt für Sympathie bei Muslimen
"Anti-hate"-Spots werben für Toleranz
Der ehemalige Boxweltmeister Muhammed Ali soll in einem Werbespot der
islamischen Welt erklären, dass die USA keinen Krieg gegen den Islam führen.
Der kurze Film ist einer von mehreren demnächst in den USA gezeigten Spots,
die Vorurteile der Amerikaner gegenüber arabischen Mitbürgern und dem Islam
mindern sollen, berichtet der "Media Guardian"
http://media.guardian.co.uk
heute, Freitag. Der Ali-Spot soll allerdings auch in andere Sprachen übersetzt
werden und auch außerhalb der USA, vor allem in der islamischen Welt, gezeigt
werden.
Das Engagement von Muhammed Ali wurde im Rahmen einer Präsentation von zwei
neuen so genannten "Anti-hate-spots" durch die amerikanische Regierung
bekannt. Die Werbespots zeigen arabische und islamische US-Bürger neben
Präsident Bush und der US-Flagge. Die Filme werden über Weihnachten im
Fernsehen gesendet. Alle TV-Stationen haben sich bereit erklärt, die Spots
kostenlos zu senden. Damit hofft man mehr als 70 Mio. Haushalte in den USA zu
erreichen. Eine Stimme aus dem Off fordert die Amerikaner auf, stereotype
Betrachtungen ethnischer Gruppen, vor allem von Arabern und Muslimen,
aufzugeben und toleranter zu sein. Die "Anti-hate"-Werbung ist, wie auch der
Ali-Spot, Teil der Propagandakampagne der Bush-Regierung nach dem 11.
September (vgl. pte
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=011101006 ). Der Advertising Council
of America
http://www.adcouncil.org hat ebenfalls einige Kampagnen produziert, um
"Herz und Verstand" der Amerikaner für den Kampf gegen den Terror zu gewinnen.

Wenn in deutschen Städten der Muezzin zum Gebet ruft
Münchner Geograph hat Konflikte um die Errichtung und Nutzung von
Moscheen in Deutschland untersucht
Der Islam gerät in Deutschland zunehmend in das öffentliche Bewusstsein.
Angesichts der tagespolitischen Ereignisse mag eine solche Aussage allzu
schnell auf terroristische Gewalttäter mit einem religiös-ideologischen,
in diesem Fall islamischen, Hintergrund bezogen werden. Thomas Schmitt,
Geograph aus München, stieß indes bei seinen Untersuchungen über
Konflikte um die Errichtung und Nutzung von Moscheen in Deutschland auf
ein Phänomen, das sich auch in der gegenwärtig aufgeheizten
massenmedialen Berichterstattung - aller scheinbaren Differenziertheit
im 'Kleingedruckten' zum Trotz - bemerkbar macht: die reflexartige
Gleichsetzung von Islam und Fundamentalismus (und Terrorismus). Im
Zusammenhang eines Vortrags beim 53. Deutschen Geographentag in Leipzig,
in dem Thomas Schmitt die Ergebnisse seiner Dissertation vorgestellt
hat, bezieht sich der Eingangssatz freilich auf die Diskussionen eines
ganzen Jahrzehnts.
Mit Beginn der neunziger Jahre wurde aus einer Gastarbeiter-Religion
eine inländische Religion. Damals begann sich abzuzeichnen, dass die
Arbeitsmigranten und ihre Nachkommen nur zu einem geringen Teil in ihre
Herkunftsländer zurückkehren, sondern sich in der Mehrzahl in
Deutschland etablieren würden. Dabei wurden und werden Provisorien durch
dauerhafte Lösungen ersetzt. So treten etwa an die Stelle äußerlich
unauffälliger Gebetsräume, die so genannten Laden- und
Hinterhofmoscheen, mehr und mehr repräsentative Moscheebauten mit
erkennbar islamischer Architektur. Diese verändern das sichtbare
Stadtbild und, so Thomas Schmitt, bereichern es auch.
Gesellschaftlicher Wandel ist fast ausnahmslos von Konflikten begleitet.
Dies trifft auch auf die Errichtung repräsentativer Moscheebauten oder
die Einführung des islamischen Gebetsrufes zu. In mehreren deutschen
Städten gab es in den letzten Jahren erregte Debatten um diese Fragen.
Ein erbitterter Streit war 1996/97 um die Einführung des Gebetsrufes in
Duisburg entbrannt, der nicht zuletzt durch das Auftreten von
'Scharfmachern' aus dem christlich-fundamentalistischen Lager
eskalierte.
Fast drei Jahre lang hat sich Thomas Schmitt mit Konflikten um die
Errichtung von Moscheen und die Einführung des islamischen Gebetsrufes
beschäftigt. Seine Untersuchungen konzentrierten sich auf die Städten
Lauingen, Bobingen, Gladbeck, Lünen und Duisburg. Er führte zahlreiche
Interviews mit den Vertretern der Konfliktparteien, wertete
Presseberichte und viele andere schriftliche Quellen, darunter auch
Stadtratsprotokolle, aus. Dabei zeigte sich, dass sich die Konflikte in
ihren Austragungsformen und Ergebnissen in markanter Weise
unterscheiden: Während etwa in Duisburg Befürworter und Gegner des
Muezzin-Rufes vor laufenden Fernsehkameras, mit großformatigen
Zeitungsanzeigen und Flugblättern miteinander rangen, scheuten anderswo
die Kontrahenten die öffentliche Debatte. Dort wurde der Konflikt vor
allem anhand von Rats- und Gerichtsprotokollen greifbar.
Ungeachtet aller Unterschiede in den Konfliktverläufen und ihren
Austragungsformen zeigen die Fallstudien, dass sowohl die Befürworter
als auch die Gegner immer wieder ähnliche Argumente anführen.
Gelegentlich reichen die Ähnlichkeiten bis in die Formulierungen hinein,
wenn etwa in Duisburg wie in Dortmund behauptet wurde, der Muezzin-Ruf
sei der "i-Punkt", der für die deutsche Bevölkerung "das Fass zum
Überlaufen" bringe.
Die Argumente lassen sich in der Regel drei Bereichen zuordnen. In den
raumbezogenen-städtebaulichen Bereich gehören etwa solche Argumente,
wonach die Moschee zu Parkproblemen und Lärmbelästigungen im Umfeld
führe. Umgekehrt haben Befürworter bisweilen argumentiert, dass eine
Moschee durchaus eine städtebauliche Bereicherung für das jeweilige
Quartier darstellen könne. Dem ethnisch-kulturellen Bereich sind jene
oft vorschnell geäußerten Einwände zuzuordnen, eine neue Moschee sei der
Integration von Ausländern nicht dienlich. Teilweise wurde ohne
jeglichen Anhaltspunkt die Finanzierung der Moschee mit
Rauschgiftgeschäften in Verbindung gebracht. Was dabei übersehen wurde:
Moscheen mit reger Gemeinde können eine integrative Funktion für die
Muslime haben. Sie können darüber hinaus zu einem Brücken-Ort zwischen
Christen und Muslimen, Deutschen und Migranten werden, der über die
Stadtteilgrenzen ausstrahlt und zu einer festen Institution in der
städtischen Gesellschaft wird - wie etwa im nordrhein-westfälischen
Gladbeck.
Schließlich lässt sich ein Teil der Argumente dem religiösen Bereich
zuordnen. Zum Teil wird dabei der Islam unbesehen als
fundamentalistische, totalitäre Religion dargestellt, in Verkennung und
Unkenntnis der innerislamischen Vielfalt und auch Pluralität. Als
angeblich antiwestliche, antidemokratische und antichristliche Religion
wird der Islam geradezu dämonisiert, die lokalen Vertreter der
Moscheevereine sozusagen in Sippenhaft genommen für sämtliche
Fehlentwicklungen in der islamischen Welt. Hingegen verweisen Muslime
und Christen, die den Bau von Moscheen und den Ruf des Muezzin
befürworten, auf die gemeinsamen Wurzeln der so genannten
abrahamitischen Religionen Christentum, Judentum und Islam.
Wie Thomas Schmitt betonte, lassen sich die Konflikte um Moscheebauten
und den islamischen Gebetsruf durch eine geschickte Standortwahl allein
nicht bewältigen. Vielmehr komme es darauf an, einen intensiven Dialog
vor Ort zu führen, sachlich über die Religion des Islam zu informieren
und gelungene Beispiele islamischen Lebens und christlich-islamischen
Miteinanders in Deutschland darzustellen.

Islamexperten: Terror-Berichterstattung ist irreführend
"Hintergründe der Attentate und Tatmotive finden zu wenig
Beachtung"
Islamwissenschaftler von Universitäten in Nordrhein Westfahlen
http://www.uni-koeln.de
bezeichnen die bisherige US-Attentats-Berichterstattung als "teilweise
unzulänglich und irreführend". Sowohl die Hintergründe der Attentate als auch
die Motive fänden zu wenig Beachtung, heißt es in einer Aussendung. "Besonders
die gegenwärtige politische Situation im Vorderen Orient (Stichwort:
Palästinakonflikt) sowie die Rolle der USA in der Nahostpolitik der
vergangenen 50 Jahre werden in den Berichten vernachlässigt", so die Experten,
die gleichzeitig den Angehörigen der Opfer und dem amerikanischen Volk ihr
tiefes Beileid aussprechen.
Irreführend sei die Berichterstattung insofern, als offenbar
Einzelereignisse wie jubelnde Menschen im Westjordanland als beispielhaft für
die Reaktion einer ganzen Region vorgeführt würden. Die von einigen Medien
suggerierte Gleichung "Muslim = Fundamentalist = Terrorist" sei absurd und dem
Zusammenleben verschiedener Nationen und Religionen abträglich. Kritisiert
wird ebenso, dass der "hohe Emotionalisierungsgrad" bei der Berichterstattung
wenig sachdienlich sei.
Bei den Verbrechen handelt es sich nach Ansicht der Wissenschaftler nicht
um Taten vor dem Hintergrund eines religiösen oder kulturellen Konfliktes.
"Tatsächlich dreht sich der Konflikt um die Verteilung von Machtpositionen im
Nahen Osten, wobei auf Seiten der Terroristen islamische Glaubenselemente und
religiöse Begrifflichkeiten als willkommene Stützen der eigenen ideologischen
Position dienen." Das Feindbild radikaler Muslime richte sich weniger auf die
westliche Zivilisation an sich, als vielmehr auf die USA als Supermacht. Deren
Einfluss auf die politischen Verhältnisse in dieser Region werde als
übermächtig und unerträglich empfunden.
"Die Tatsache, dass die Rolle der USA im Nahen Osten mehr und mehr
konfliktträchtig geworden ist, sollte die europäischen Staaten dazu
veranlassen, sich in Zukunft deutlich mehr als bisher und langfristig in der
Region politisch zu engagieren." Nur politische Veränderungen können laut
Aussendung die Voraussetzungen dafür schaffen können, dass dem Terrorismus der
Nährboden entzogen werde.
"Bevor man aufgrund der aktuellen Ereignisse den Menschen in den
islamischen Ländern ihre Würde abspricht und die Taten einiger Extremisten als
generellen Angriff auf Freiheit und westliche Zivilisation bezeichnet, sollte
sich die westliche Nahostpolitik verstärkt darum bemühen, in den islamischen
Ländern die Bedingungen für ein würdevolles Dasein in Wohlstand und Freiheit
zu schaffen", appellieren die Fachvertreter der Islam- und
Orientwissenschaften.

US-Hacker greifen muslimische Websites an
Bin-Laden-Steckbrief auf Taliban-Seite
Amerikanische Hacker habe nach den Terror-Angriffen auf die USA verstärkt
muslimische Websites angegriffen. Auf der offiziellen Seite der Taliban prangt
zum Beispiel ein Steckbrief des FBI von Osama bin Laden. Die gesamte
Hackerszene soll aufgrund der Anschläge auf die Vereinigten Staaten dazu
aufgerufen worden sein, Websites und andere über das Internet erreichbare
Kommunikationssysteme islamischer Länder zu modifizerien oder zu zerstören.
Der Chaos Computer Club (CCC)
http://www.ccc.de sprach sich unterdessen ausdrücklich gegen solche
Angriffe aus. "Elektronische Kommunikationsstrukturen wie das Internet können
gerade jetzt einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leisten", so
CCC-Sprecher und ICANN Mitglied
http://www.icann.org , Andy Müller-Maguhn. In einer so angespannten
Situation dürfe es nicht dazu kommen, dem Unverständnis noch mehr Grundlage zu
liefern.

Islamische Web-Welt reagiert verhalten auf Anschläge
Terror wird weitgehend verurteilt
Die islamische Welt verurteilt auf offiziellen Seiten weitgehend die
Terroranschläge auf die USA. Die Berichterstattung fällt jedoch spärlich aus.
Das "Palestinian Information Center"
http://www.palestine-info.com , das auch die Hamas-Homepage ("Islamische
Widerstandsbewegung") beheimatet, fragt, wer hinter einer Tat von solchem
Ausmaß stecken könne. Die Berichterstattung beschränkt sich allerdings auf ein
Foto vom brennenden World Trade Center.
Anbieter wie das Arab-Net
http://www.arab.net , ein Internet-Dienst für Länder des Nahen Ostens und
Nordafrikas, beziehen sich ausschließlich auf Nachrichten von westlichen
Medien. Die Seite der beiden marxistischen Parteien Volksfront und
Demokratische Front zur Befreiung Palästinas (DLFP)
http://members.tripod.com/~freepalestine/ ist nicht aktualisiert. Eine
Stellungnahme gegen die im arabischen Fernsehen anfänglich erhobenen Vorwürfe,
die DLFP sei in die Anschläge verwickelt, ist nicht zu finden.
Eine Stellungnahme der Taliban zu den Anschlägen, die am Dienstagabend in
Islamabad verkündet wurde, ist im Internet auf der Seite der pakistanischen
Regierung
http://www.pak.gov.pk/public/news/app/app12_sep.htm veröffentlicht. Wie
die pakistanische Regierung verurteilen die radikal-islamischen Taliban
offiziell den Terror gegen die USA. Die Taliban selbst verbieten das Internet
in Afghanistan, daher sind sie im Web nicht zu finden.
Unter den Regierungschefs der Länder des Nahen Ostens, die die Anschläge
verurteilen, gibt es eine Ausnahme. Die Attacken seien die Folge der
Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die USA, sagte der irakische
Staatsführer Saddam Hussein. Unter der Überschrift "Amerika brennt" schreibt
das offizielle Regierungsorgan "Al-Iraq", die Ereignisse in den USA seien eine
Lektion für alle Tyrannen und Kriminelle. Der staatliche
Internet-Informationsdienst
http://www.uruklink.net/iraqnews/eindex.htm schweigt sich hingegen über
die Katastrophe aus. Die aktuelle Berichterstattung beschränkt sich auf
Meldungen, dass der Irak am Dienstag ein US-Spionage-Flugzeug abgeschossen
habe.
US-Islamische Organisationen wie "The Holy Land Foundation"
http://www.hlf.org/ und das "Amerikanische-Arabische-Anti-Diskriminierungs
Kommitee" (ADC)
http://www.adc.org/press/2001/11september2001.htm bekunden über das
Internet ihre Bestürzung. Für die "Islamische Vereinigung für Palästina"
http://www.iap.org ist es
wichtig, dass "alle Amerikaner in diesen traurigen Zeiten zusammenhalten". Man
dürfe nun nicht mit dem Finger auf die muslimische und arabische Gemeinschaft
zeigen. Gerade der Anschlag in Oklahoma 1993 zeige, dass nicht voreilig
geurteilt werden dürfe.
In Internet-Newsgroups reagieren unterdessen viele Menschen mit Hass auf
Muslime und die arabische Welt. Nach Meinung der überwiegenden Mehrheit sind
moslemische Terroristen verantwortlich für die Zerstörung des World Trade
Centers und die Angriffe auf das Pentagon und das US-Außenministerium. Hinzu
kommen unverhohlene Drohungen gegen in den USA lebende Moslems.

Islam verurteilt Millionenshows als Teufelswerk
Anruf zur Bewerbung gilt bereits als Glücksspiel
Ägyptens oberste Religionsbehörde hat die Quizsendung
"Millionenshow" bzw. "Wer wird Millionär?" als sündhafte
Form des Glücksspiels verurteilt. Das Büro des obersten Muftis hat eine so
genannte Fatwa, also ein religiöses Edikt, erlassen, in dem ein Vers aus dem
Koran zitiert wird. Dieser ruft Moslems dazu auf, Glücksspiel zu unterlassen,
da es verwerflich und Teufelswerk sei.
Wie in vielen anderen Ländern läuft "Wer wird Millionär?"
neben einigen anderen Quizshows im Hauptabendprogramm. Ein Trailer zeigt den
Moderator vor den Pyramiden von Gizeh, während im Hintergrund Koffer voller
Geld vorbei getragen werden. Die Zuseher werden dazu animiert, sich per
Telefonanruf für die Show und damit die Chance, eine Million ägyptische
Pfund zu gewinnen, zu bewerben.
Für die Religionsbehörde ist nicht die Geldsumme ausschlaggebend. Diese
klassifiziert das Programm nämlich schon deshalb als sündhaftes Glücksspiel,
weil Anrufer für das Telefonat bezahlen müssen, egal ob sie teilnehmen oder
nicht. Glücksspiel ist im Islam gänzlich verboten. Die von Hotels
betriebenen Kasinos sind nur für Nicht-Ägypter zugänglich. http://www.sis.gov.eg
