IFA 2001 - Eine Nachbetrachtung der weltweit bedeutenden Messe für
Unterhaltungselektronik
Die internationale Funkausstellung gilt als weltweit bedeutende Messe für
Unterhaltungselektronik und findet alle zwei Jahre auf dem Ausstellungsgelände
unter dem Berliner Funkturm statt. Ihre Premiere feierte sie im Jahr 1924 -
damals zählten Röhren- und Detektorenradios zu den Attraktionen.
Im Laufe der Zeit hat sich das Profil der Messe ständig gewandelt. Heute steht
die Digitalisierung und die Vernetzung unterschiedlicher Medien im
Vordergrund. Das Konzept basiert auf vier Säulen, in Fachkreisen die vier Cs
genannt:
- Consumer Electronics (klassische Unterhaltungselektronik wie Fernseher)
- Communication (Telekommunikation)
- Computer
- Content (Software, Medieninhalte)
Hier eine kurze Rückschau auf die letzten IFA-Höhepunkte:
- 1991: Mini-Disc-Spieler von Sony
- 1993: Video-Programmierung mit ShowView
- 1995: Fernsehgeräte im 16:9-Format
- 1997: erste DVD-Spieler
- 1999: Tragbare Abspieler für MP3-Musik
In diesem Jahr kamen 369.700 Besucher (1999: 376.552 Besucher). Die 915
Aussteller aus 40 Ländern begrüßten rund 140.000 Fachbesucher - davon rund
15.000 aus dem Ausland.
Für junge Besucher gab es dieses Jahr gleich mehrere Attraktionen: Dazu
gehörten zweifellos die ständig belagerte "IFA Young Media World" und der "IFA
Young Media Park", die eine bunte Mischung aus Unterhaltung und Information
boten. Außerdem konnten sich die Jugendlichen über berufliche Perspektiven der
zukunftsträchtigen Medienbranche informieren.
Nur eine untergeordnete Rolle spielt inzwischen die Programmpräsentation der
Fernseh- und Radiosender. Die öffentlich-rechtlichen Sender, Premiere World
sowie zwei Berliner Lokalsender beschränkten sich weitestgehend auf die
Information. Die großen Privatsender verzichteten aus Kostengründen bereits
bei der letzten IFA auf eine Teilnahme.
Die nächste IFA findet vom 29. August bis 03. September 2003 statt. Die
Verkürzung von neun auf sechs Tage beruht auf Wunsch der Firmen und passt sich
somit den weltweit üblichen Gepflogenheiten an. Dieser Zeitraum sei völlig
ausreichend, um die für die Aussteller wichtigen Fachbesucher zu treffen.
Alle nachfolgend vorgestellten Produkte wurden nach einem Zufallsprinzip
ausgewählt und sollen keinen Anspruch auf Vollständigkeit bieten.
VIDEO UND DVD
Die Hochkonjunktur der VHS-Videokassette ist vorbei. In den Videotheken wird
die VHS-Videokassette zunehmend von DVD-Videos dank deutlich besserer Bild-
und Tonqualität verdrängt. Auch der alte Videorecorder hat Konkurrenz
bekommen: Digitale Videorecorder, die Sendungen auf eine Computerfestplatte
aufnehmen sollen. Sie können auf diese Weise gleichzeitig Sendungen aufnehmen
und abspielen. Vorerst sind derartige Videorecorder noch in einem digitalen
Sat-Empfänger integriert. Zukünftig sollen diese Recorder ab Werk in
Fernsehgeräte eingebaut werden. Doch so attraktiv diese Möglichkeiten klingen
- man sollte dabei nicht vergessen, dass diese Technik noch in den
Kinderschuhen steckt.
Panasonic, Pioneer und Philips zeigten DVD-Recorder. Allerdings mit drei
unterschiedlichen Systemen. Auf Details soll hier nicht eingegangen werden -
denn welches Aufnahmeverfahren sich durchsetzen wird, ist noch offen. DVDs
verschleißen nicht wie Videokassetten durch Bandabrieb, allerdings sind sie
anfällig gegen Kratzer. Der DVD-Recorder von Phillips soll als erster nach der
IFA erhältlich sein - der DVDR1000 wird etwa 4.000 DM kosten.
Und noch ein Höhepunkt: Die Firma Schneider stellte einen Videorecorder vor,
der sich über das Internet programmieren lässt.
FERNSEHGERÄTE
Bessere Bild- und Tonqualität sowie mehr Auswahl an Kanälen - das sind,
Herstellerangaben zufolge, die Vorteile des digitalen Fernsehens. Doch das
Fernsehgerät der Zukunft eignet sich auch als Kommandozentrale: Sie können mit
ihrem TV-Gerät Bankgeschäfte erledigen, individuelle Nachrichten empfangen und
E-Mails schreiben sowie DVDs bestellen. F.U.N. (Free Universe Network), ein
Zusammenschluss von 50 Herstellerfirmen, präsentierte den technischen Standard
MHP, mit dem dies möglich sein soll. Die Abkürzung steht für den neuen
Sendestandard "Multimedia Home Platform". Der Satelliten-Empfänger von F.U.N.
soll zum Jahresende auf den Markt kommen. Leider wird die Zukunft des
digitalen Fernsehens maßgeblich von Kabelnetzbetreibern bestimmt, doch diese
sind bislang noch nicht von MHP begeistert. Das Kabelnetz der Deutschen
Telekom wurde vor wenigen Tagen vom US-Unternehmen Liberty Media aufgekauft.
Fernsehgeräte werden immer größer und breiter. Röhren-TV-Geräte sind bis zu 60
cm tief und 80 kg schwer. Teure Alternativen sind Projektoren und
Flachbildschirme. Nur für den professionellen Einsatz eignen dürften sich
Plasma-Bildschirme - bei der Preislage "ab 20.000 DM" kein Wunder.
Sharp Electronics GmbH stellte einen Flachbildschirm der Serie "Aquos" vor.
Der Flüssigkristall-Monitor hat eine Tiefe von etwa 4,5 cm und soll leicht
genug sein, um ohne großen Aufwand an der Wand befestigt zu werden. Im
Lieferumfang ist aber auch ein silberfarbener Standfuß zum Aufstellen
enthalten. Die Flachbildschirme sollen mit einer Bildschirmdiagonale von 33,
38 und 51 cm erhältlich sein. Die Preisspanne beträgt etwa 5.220 DM bis 11.542
DM.
DIGITALES RADIO
DAB - Digital Audio Broadcasting. Das digitale Radio klingt besser als UKW und
liefert auch Text-Informationen: etwa auf bestimmte Routen bezogene
Verkehrsmeldungen, Wetterberichte oder Hintergrund zum Musikprogramm. In
Großbritannien können schon 80 Prozent der Bevölkerung Digitalradio nutzen, in
Deutschland ist es bisher erst in wenigen Bundesländern zu empfangen. Mit
einer Werbekampagne will die IMDR (Zusammenschluss der Hersteller Blaupunkt,
Kenwood, Pioneer und Grundig) nun das digitale Radio bekannt machen. Blaupunkt
und Grundig stellten bereits entsprechende Geräte vor, aber ohne eine
flächendeckende Versorgung mit DAB durch die Rundfunkanstalten hat das neue
System bei uns keine Chance.
DIGITALE SATELLITENANLAGEN
In immer mehr Set-Top-Boxen werden Sat-Empfänger mit Videorecorder und
Computer kombiniert. Künftig sollen Sat-Empfänger nach dem MHP-Standard alle
Informationen für das TV-Gerät aufbereiten können.
Axcent stellte den "Media TV" vor: Dieser soll zwei Empfangsteile für das
digitale Fernsehen besitzen, so dass man beispielsweise gleichzeitig eine
Sendung anschauen und aufzeichnen kann. Die Aufnahmen werden dabei auf eine
Festplatte gespeichert. Auch Internetseiten sollen damit abrufbar sein. Eine
Variante wird wahrscheinlich auch für den analogen Fernsehempfang per Kabel
und Antenne erhältlich sein. Lieferdatum und Preis für beide Geräte sind noch
nicht bekannt.
Auch andere Hersteller stellten Satelliten-Empfänger vor - der von Phillips
entspricht dem neuem MHP-Standard.
FOTOS UND CAMCORDER
Die Grenzen zwischen Camcordern und digitalen Fotoapparaten verschwimmen.
Unterschiede gibt es vor allem bei Bildqualität und Aufnahmekapazität.
Kodak will digitale Kameras mit drei Millionen Bildpunkten erschwinglich
machen. Die DX 3700 soll unter 1.000 DM kosten.
Eine als Uhr getarnte Kamera am Handgelenk bietet Casio an. Die neue,
mittlerweile dritte Generation der Armbandkameras von Casio, die Wrist Cam
WQV-3, soll Farbe ins Bild bringen.
AUDIO
Der Trend bei HiFi-Geräten geht zu besserem Klang einerseits, zu mehr Musik
für weniger Geld andererseits. Als Nachfolger der CD treten zwei neue,
miteinander konkurrierende Formate an: SACD-Mehrkanalton und DVD-Audio. Sie
sollen mit bis zu sechs Raumklangkanälen noch besser klingen als herkömmliche
Musik-CDs.
Datenreduzierte Musikformate wie MP3 lassen tragbare Abspielgeräte immer
kleiner werden. Demnächst soll es DVD-Spieler für etwa 1.000 DM geben, die
außer Filmen auch Musik von CDs mit MP3-Stücken abspielen können - und
natürlich auch herkömmliche CDs.
Den tragbaren MP3-Spieler "MP3 Dance III" von Microboss kann man,
Herstellerangaben zufolge, in jeden Musikcassettenschacht stecken. Außerdem
soll er die verschiedensten Audio-Formate erkennen und selbstständig in
MP3-Format umwandeln können. Der Preis wird bei etwa 650 DM liegen.

IFA-Aussteller erreichen Auftragsplus
Ordervolumen liegt bei vier Mrd. Mark - IFA-Night rettet
Besucherzahl
Die Internationale Funkausstellung 2001
http://www.ifa-berlin.de
hat die Erwartungen der Aussteller hinsichtlich der gewonnenen Aufträge
erfüllt. Das Ordergeschehen erreichte eine Größenordnung von rund vier Mrd.
Mark. So zogen die veranstaltende Gesellschaft für Unterhaltungs- und
Kommunikationselektronik (gfu) und die Messe Berlin ein positives Fazit der
diesjährigen IFA. Die meisten Aussteller hätten ihre Ergebnisse gegenüber der
Funkausstellung 1999 deutlich - vielfach zweistellig gesteigert, teilten die
Veranstalter mit. Damit habe sich die Messe als Zugpferd für das Herbst- und
Weihnachtsgeschäft erwiesen, heißt es im Abschlussbericht zur IFA 2001.
An den neun Messetagen zählten die Veranstalter rund 380.000 Besucher unter
dem Funkturm. Die Zahl von vor zwei Jahren - 376.552 Besucher - erreichte die
Messe dank der erstmals ausgerichteten Sonderveranstaltung IFA-Night, die am
Freitagabend vorwiegend junge Besucher zu zahlreichen Bühnenshows auf die
Messe gelockt hatte. Zur Halbzeit waren mit 150.000 Gästen an den ersten vier
Tagen 10.000 Besucher weniger als vor zwei Jahren auf die Messe unter dem
Funkturm gekommen (Siehe auch pte-Meldung
http://www.pressetext.at/show.pl.cgi?pta=010829041 ). Die 915 Aussteller
aus 40 Ländern konnten rund 140.000 Fachbesucher begrüßen.
Laut einer Umfrage eines unabhängigen Messe-Marktforschungsinstituts
bewerten drei von vier Ausstellern ihr geschäftliches Ergebnis mit
zufriedenstellend, gut oder sehr gut. 70 Prozent der Unternehmen berichteten
über neue Geschäftskontakte. Gut drei Viertel (78 Prozent) der Aussteller
erwarten ein gutes Nachmessegeschäft, wobei neben Fernsehgeräten,
Heimkino-Lösungen und Mobiltelefonen vor allem digitale Aufzeichnungsgeräte im
Mittelpunkt stehen werden. 81 Prozent aller Aussteller signalisierten ihre
Absicht, auch an der kommenden IFA in zwei Jahren teilzunehmen.
Die nächste IFA vom 29. August bis 3. September 2003 in Berlin wird sich
nur noch über sechs Tage erstrecken. Damit wollen sich die Veranstalter den
weltweit üblichen Gepflogenheiten anpassen.

IFA-Themenschwerpunkt: Intelligentes Heim
29. August Fachveranstaltung mit Nokia-CTO Helmut Stein
Anknüpfend an den Erfolg der "e/home 2000", wird die IFA auch in diesem
Jahr dem Thema Vernetzungstechnik im privaten Wohnbereich besondere
Aufmerksamkeit schenken. Der Ausstellungsschwerpunkt "Intelligentes Heim"
konzentriert sich auf das Internationale Fachbesucher Centrum (IFC) in der
Halle 9. In diesem Bereich, der Privatbesuchern nicht zugänglich ist, sind
Unternehmen mit Fachhandel, Fachhandwerk, Industrie und Medien unter sich.
http://www.ifa-berlin.de
Unternehmen, unter ihnen alle Marktführer der Consumer Electronics, stellen
hier kabelgebundene und drahtlose Netze (beispielsweise auf Basis IEEE 1394,
PowerLine, WirelessLAN IEEE 802.11 oder Bluetooth) sowie innovative
Anwendungen und Produkte aus.
Am 29. August ist auf der IFA der "Tag des Intelligenten Heims". Er beginnt
mit einem Referat von Gary Shapiro, CEO der Consumer Electronics Association
in den USA. In weiteren Vorträgen werden der Stand der Technik, die
Zukunftsaussichten und erste Wohnungsbauprojekte dargestellt. Referenten sind
Helmut Stein, CTO, Nokia Home Communication, Daniel Schellhoss, Vorstand,
ProSyst Software AG und Steve Turner, Strategic Planning Manager, Philips
Semiconductors.
