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Erstaunlich Gedanken im Café Eine List Der Wolkenfrosch
Ein Kamelmärchen Dornenkind Untergang Epilog
Wahr oder falsch
Liebst du mich? Oder so
(A Jester's Change)
An einen, der immer stärker war Adrian
Edle Ansichten

© All rights reserved by  Joerg W. Baur / REGIO-PRESS 1989

 

 




Erstaunlich

Heute morgen erhielt er ein Schreiben,
das ihm mitteilte, dass er nicht mehr
existiere.

Erstaunlich,
sehr erstaunlich, dachte er
und glaubte erst an einen Scherz.

Doch als er später in den Spiegel schaute,
und sich beim besten Willen nicht sehen konnte,
begann sich ein beunruhigendes Gefühl
in ihm wichtig zu tun.

Am Abend wollte er
einige Zeilen schreiben.
Doch trotz mehrmaliger Versuche
blieb das Blatt leer.

Jetzt wollte er es genau wissen.

Er fragte sich ernsthaft,
ob so etwas wirklich möglich sein könne
er fragte sich - ob
er fragte sich

Als ihm niemand antwortete
muss
te er einsehen,
dass
er nicht mehr existierte.


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Gedanken im Café

Du sitzt mir gegenüber und lächelst mich an
Vielleicht lächle ich zurück, ich glaube schon
Irgendein Gedanke zieht mich in seinen Bann
Von all dem, was Du sagst, verstehe ich keinen Ton

Ein Gedanke, der sich entfernt, der ins Dunkel taucht
Der mich mitzieht, der um irgendeine Bedeutung ringt
Du erzählst mir davon, dass jeder Mensch irgendeinen anderen
braucht

Ich nicke wohl und merke wie mein Gedanke im Kopf zerrinnt

Du wirfst mir das Wort "Liebe" tausendmal ins Gesicht
Allen Deinen Bemerkungen stimme ich natürlich unbedingt zu
Doch an das, was ich sage, erinnere ich mich nicht
Wie du das alles so sagst, ist es eine Lüge, genauso falsch
wie vielleicht auch du

Der Rahmen, die Grenzen der Worte sind zu klein
In ihnen zerbrechen Träume, Gefühle viel zu leicht
Doch du denkst nicht so, bist nicht so, willst nie so sein

Du lebst in einer besseren Welt, sagst du, ich denke:
vielleicht

Jetzt lachst du auf einmal ganz komisch, deine Maske
verzieht sich

Eine deiner vielen Fassaden, sitzen immer gefühlsgerecht,
normgerecht

Vielleicht bist du dahinter nicht genauso, aber ähnlich
wie ich

Deine Worte, Blicke, erahnte Gedanken, spinnen für mich
ein undurchdringliches Geflecht

Du wirst mir vollkommen gleichgültig, und ich lasse mich
in meine Träume fallen

Ich werde weit weg getragen und fühle mich ein biss
chen frei

Gebe mich mir selbst hin, und merke erst gar nicht,
wie seltsam laut deine leeren Worte hallen

In mir erwacht der lautlose Schrei........


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Eine List

Das Glas spiegelte einen kleinen Lichtkreis auf die
Tischplatte, in dem sich eine Fliege putzt.

Wieder und wieder streicht sie mit
ihren Vorderbeinen über den dünnen
Panzer. Sie scheint ganz in dieser
Beschäftigung aufzugehen und den
gespannten Zeigefinger hinter sich
gar nicht zu bemerken, der sich
leise anschleicht.
Unbekümmert legt sie ihre Flügel
ab, nachdem diese einer sorgfältigen
Säuberung unterzogen worden.

Der Finger visiert sein Ziel an

Nach gewissenhafter Reinigung kann
auch der Hinterleib zur Seite ge-
legt werden; die Fliege konzentriert
sich nun auf das Überprüfen von
Augen und Fühlern.

Der Finger fasst den Entschluss

Augen und Fühler werden vorsichtig entfernt
und in der Nähe positioniert.

Der Finger zuckt nach vorn

Die Mundwerkzeuge und einige Inner-
eien werden bedächtig in Einzelteile
zerlegt und zur Seite geschafft.

Der Finger wird schneller

Mit größter Vorsicht entledigt sich
die Fliege ihres Kopfes und läss
t ihn
zusammen mit einigen Vorderglied-
maßen neben sich liegen.

Der Finger blitzt heran

Zügig werden die letzten Körperteile
in der Umgebung verstreut.

Erstaunt verschwindet der Finger
in der Unendlichkeit

Nach einer kurzen Zeit der Erholung setzt sich die Fliege
wieder zusammen und fliegt davon.

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Der Wolkenfrosch

Es war einmal ein Frosch der war klein, dafür
aber hässlich und lebte in einem kleinen Tümpel
nicht weit von den weißen Wolken am Himmel.
Sein Tümpel war tief und dreckig, weshalb er
auch von den anderen Fröschen gemieden wurde.

Der kleine Frosch liebte ihn aber irgendwie
und wurde deshalb nicht selten mit argwöhnischen
Blicken bedacht.
Er fragte sich dann immer nur:
"Wie dumm, dass sie erst gar nicht versuchen
in meinem Tümpel etwas schönes zu entdecken!
Sie sind selbst zu blind den Schimmer der
goldenen Kugel zu bemerken, die die schöne
Prinzessin einst holen wird. Außerdem schwimmen
auf meinem Teich die schönsten Wolken!"

Und der kleine Frosch war glücklich bei dem Ge-
danken an die schöne Prinzessin, die dem Schimmer
der Kugel nicht würde widerstehen können und
sich an seinem Tümpel niedersetzen würde. 

Als der kleine Frosch
eines Tages wieder bei
säuselndem Wind am Ufer seines Teiches hockte
und an seine Prinzessin dachte, übersah er
einen Storch, der sich langsam anschlich.

Nun braucht der kleine Frosch nicht mehr auf
seine Prinzessin zu warten.


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Ein Kamelmärchen

Irgendwo in einer fernen Wüste trafen sich einst zwei Kamele.
Da sie einsam waren, beschlossen sie vorerst gemeinsam weiter zu gehen. So trotteten sie nun gemeinsam durch die Dünentäler und die Zeit rieselte vor sich hin wie der Sand von Ihren Hufen.

Nachdem sie schon ein großes Stück Weg u. Zeit hinter sich
gelassen hatten, meinte das eine Kamel:

"So geht es nicht weiter! Ich muss einfach wissen ob wir
richtig handeln und den richtigen Weg eingeschlagen haben
um nicht immer im Kreis zu laufen.
Ich werde die Düne dort hinten hinaufsteigen und mich
vergewissern!"

"Dann musst du aber alleine gehen!"

sagte das andere Kamel.

"Mir ist das zu anstrengend! Und selbst wenn Du
du etwas siehst hast du nichts davon, denn du kannst
ja doch nichts ändern!"

Das eine Kamel sah einen Augenblick nachdenklich zu Boden
und sagte dann mit fester Stimme:

"Egal was geschieht, ich muss
es tun! So leb' denn wohl!"

Das andere Kamel trabte daraufhin kopfschüttelnd in seinem
Dünental weiter, während das andere Kamel die besagte Düne
emporstieg.
Auf der Düne angekommen fand es seine Befürchtungen be-
stätigt und sah das andere Kamel immerzu im Kreise traben.
Für sich sah es jedoch eine Möglichkeit, nicht ständig im Kreise laufen zu müssen und rannte somit über Dünen und
durch Täler in sein Leben.

Das andere Kamel dagegen trottete mit immer müder werdendem Blick weiter im Kreis, bis es vom rieselndem Sand verschüttet wurde.



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Dornenkind

Einst ging die Sage um...
von einer wunderschönen Prinzessin, die in einem Schloss
durch einen Zauber einem tausendjährigen Schlaf verfallen
war. Dieses Schloss wurde von einer gewaltigen Rosenhecke
umgeben, die den Schlaf der Prinzessin beschützen sollte,
den der Kuss von einem Ritter sollte genügen, sie zu
erlösen.

Viele Ritter waren schon an den Dornen der Hecke stecken-
geblieben und hatten ein grausames Ende gefunden, als wieder ein kühner Ritter sein Ross bestieg, um das Schloss
zu finden.

Als er nach langer Zeit das Schloss hinter der Rosenhecke
fand, verlor er keine Zeit, zog sein Schwert und begann
sofort seinen gefährlichen Kampf gegen die Dornen.

Lange Zeit zerteilte sein Schwert Ranke um Ranke, bis er
endlich zerschunden und ermüdet in das Schloss gelangte.
Mit letzter Kraft schleppte er sich in das Zimmer, in dem die Prinzessin schlief.
Kurz bevor er völlig erschöpft zusammenbrach, brachte er es
noch fertig, die Prinzessin mit seinen Lippen zu berühren.

Langsam schlug diese ihre Augen auf, sah sich um und
lächelte dem Ritter zu, als sie diesen zu ihren Füßen
erblickte. Noch während sie sich erhob um dem Ritter zu
helfen, entdeckte sie durch das Fenster ein Loch in der
Rosenhecke. Sie warf noch einen kurzen Blick auf den er-
schöpften Ritter, sprang über ihn hinweg, rannte aus dem
Schloss und durch das Loch in der Hecke in ihre Freiheit.

Langsam nur konnte der geschwächte Ritter ihr folgen
und bevor er das Loch in der Hecke erreichte, schloss es sich
und die Hecke bildete eine undurchdringliche Wand.

Der Ritter hatte keine Kraft mehr den Kampf mit der Hecke
noch einmal aufzunehmen und mit schwacher Hand hielt er sein schartig geschlagenes Schwert, als er besiegt vor der Hecke stand.

Seither wartet der Ritter auf die Prinzessin, damit sie ihn
aus ihrem zugewachsenen Schloss
befreit.

Leise nur dringt ab und zu das Geräusch von einem Schwert,
das auf einem Stein gewetzt wird, durch die Hecke in die
Freiheit.


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Untergang

Ich gehe durch die Stadt. Ihre Lichter scheinen
so hell auf mich herab, dass der Vollmond ver-
blasst. Ich bin beeindruckt von der Kulisse, die
sich vor mir auftut
Unbekannte Gesichter kommen und verschwinden.
Jeder geht seinen Weg, immer weiter. Mitten in dem
bunten Treiben ertönt eine Melodie, die deutlicher
wird, je weiter ich gehe.
Ich komme an eine Ecke, an der ein Leierkasten
steht, hinter dem ein alter, grauhaariger, bärtiger
Mann mich mit seiner immer wiederkehrenden Glück-
seligkeit fängt. Eine Weile bleibe ich bei ihm
stehen. Sein lächelndes Gesicht fordert mich auf,
eine Münze in den Hut auf seinem Kasten zu werfen.
Er nickt dankend; und ich gehe weiter meinen Weg,
Straße für Straße. Immer neue Eindrücke treffen auf
mich. Ich schaue in den Himmel und sehe, wie sich
dunkle Wolken vor den Vollmond schieben. Es dauert
nicht lange, bis die Lichter der Stadt sich auf
der Straße spiegeln. Schon bald verbinden sich
einzelne Tropfen zu Fäden, die mich, wie eine
Marionette, weiterzuführen scheinen. Je weiter ich
gehe, desto mehr Lichter erlöschen.
Ich werde immer weitergeführt.......
Die Lichter - sind erloschen. Das Dunkel, das mich
umgibt, läss
t mir keinen Ausweg. So setze ich mich
nieder und warte auf das Licht, das nicht mehr
scheinen wird.

Gesichter kommen und verschwinden; und manchmal, wenn
ich jemanden anlächle, kommt er auf mich zu, wirft
mir eine Münze zu und geht weiter,
Straße für Straße......


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Liebst du mich?

SIE : Liebst du mich?

ER: Ja, ich liebe dich.

SIE: Mehr als alles?

ER: Ja, mehr als alles.

SIE: Magst du mich?

ER: Ja, ich mag dich.

SIE: Bist du gern bei mir?

ER: Ja, ich bin gern bei dir.

SIE: Schaust du mich gerne an?

ER: Ja, ich schaue dich gerne an.

SIE: Hältst du mich für dumm?

ER: Nein, ich halte dich nicht für dumm.

SIE: Findest du mich hübsch?

ER: Ja, ich finde dich hübsch.

SIE: Langweile ich dich?

ER: Nein, du langweilst mich nicht.

SIE: Gefallen dir meine Augenbrauen?

ER: Ja, deine Augenbrauen gefallen mir sehr.

SIE: SEHR ?

ER: Ja, sehr.

SIE: Welche gefällt dir besser?

ER: Wenn ich die eine nenne, ist die andere eifersüchtig.

SIE: Möchtest du mich umarmen?

ER: Ja, ich möchte dich umarmen, dich ganz fest an mich
drücken, zärtlich streicheln und liebkosen.

SIE: Ist es schön so?

ER: Ja, so ist es schön.

SIE: Schwörst du dass du mich nie verlässt?

ER: Ich schwöre, dass
ich dich nie verlasse, nie und nimmer,
bei allem was mir heilig ist, und wenn ich lüge, will ich
tot umfallen.

(Pause)

SIE:
LIEBST DU MICH AUCH WIRKLICH ????????



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Oder so
(A Jester's Change)



Das Stück war vorbei.
Verwirrung verdrängte die illusionäre Ordnung.

Mit lachenden, verzerrten Gesichtern
verließen die Zuschauer ihre Plätze.
Worte der Bewunderung für die Schauspielerin,
die ihre Rolle so gut beherrschte, waren oft zu hören;
"wie auf den Leib geschrieben" konnte man oft vernehmen,
als die Leute aus dem Raum strömten.

In Eile wurden ein paar Scherben und Deckel vom Boden
gekehrt und das Fass
abgebaut.
Dunkle Rollos
rahmten diese Friedhofszene
einem Leichentuch gleich ein.

Die Schauspielerin betrat ohne Maske
eine andere Bühne und dachte an ihren Auftritt,
um daraufhin mit einem sich ergebenden Seufzer
dieser Bühne den Rücken zu kehren.

Ein Zuschauer, der beide Bühnen einsehen konnte
und die ganze Sache mit nachdenklichem Blick verfolgte
wunderte sich sehr.
Wie hatte sich die Schauspielerin doch verändert,
als sie so ohne Maske auf ihrer Bühne stand!
Die Harmonie, die sie mit der Bühne und dem Stück
vor kurzer Zeit noch herstellen konnte
war völlig aufgelöst.
Wie konnte dieser Mensch, nur mit einer hauchdünnen Maske
bedeckt diese Rolle überhaupt spielen?,
fragte sich der Zuschauer.

Er konnte keine Beziehung zwischen diesen beiden
offensichtlich verschiedenen Masken herstellen,
die die Schauspielerin in sich zu vereinen schien.
Wie konnte dieser Mensch lustig auf seiner Bühne
umherspringen, sie aber nach seinem Auftritt
als gebrochene Frau verlassen?

Voll Unverständnis nahm der Zuschauer seine Maske
kopfschüttelnd ab
und verließ seinen Platz
um in das Dunkel der Nacht zu treten.


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                    Meeting edler Ansichten

                        Die Isoliertheit Beziehung
                            Einander anzumaßen
                                Richter emotionalen Glücks
                                    Verteidigung höchster Güter
                                        Liebe zum Chauvinismus
                                            Der Dummheit stolzes Tun

Chor:  Oh, bohrende Dummheit
       Schillerndes Kleid
       Lähmung der Geister
       Entzückend das Leid

                                            Showbühne zur Sendung
                                        Lustspiel des grotesken Seins
                                    Verminderung des Potentiales
                                Steinzeit überfliegt den Geist
                            Erfrierung der letzten Sinne
                        Betäubung der Gewalt
                    Im Hintergrund die Posse
                Egoismus frönend
            Welch orgiastisch Glück

Chor: Ignoranten des Glücks
      Tyrannisierend das Heil
      Sarkasmus das Gewissens
      Entzückend das Leid

                                Einander bestaunend Rhetorik
                                Rhetorik stützend falsches tun
                                Produktion Palaver produzierend
                                Menschheit zivilisatorisch stolz
                                Triumph der Ignoranz durch Hohn
                                Lethargie des Widerstandes
                                Archetyp ohnmächtig stolz
                                Doch - des Chores Antwort
                                zertrümmert
                                Zerborsten das Gefühl

                                
                                BREAK !

 

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An einen, der immer stärker war


Man stelle sich eine Landzunge vor, an deren Ende in weiter
Entfernung ein unerreichbarer Leuchtturm steht, der in regel-
mäßigen Abständen sein Leuchten auswirft. Die Angelockten-
und es sind immerhin alle - wandern auf dem schmalen Pfad,
der strichgerade dorthin zu führen scheint, unentwegt gerade-
aus und schauen nur ab und zu links und rechts in die
Meeresgewalten.
Die folgenden Worte sind an einen, der
Zick-Zack durch sein
Leben ging, von Klippe zu Klippe, von Abgrund zu Abgrund,
von Macht zu Macht. Es sind Worte an einen, den man schnell vergiss
t, weil er anders war.
Es sind Worte an einen, der gelebt hat.

Du warst immer stärker alter Freund
Auf dich konnte man zählen
Wenn es darum ging
Sich aus dieser Welt zu stehlen
Du warst es, der anfing

Auszubrechen
Anders zu sein
Alles zu wollen

Was du gemacht hast
war deine Überzeugung
Was du gesagt hast
war dein Wort
Was du gedacht hast
war deine Idee

Aber was ist mit der Sache von gestern Nacht?
Hast du aufgegeben oder warst du nur konsequent?
War es nur eine Laune, oder hast du darüber nachgedacht?
Manchmal ist es der beste Freund, denn man nicht mehr
kennt

Du warst immer stärker, alter Freund

Wuss
test immer was du tust
Wann du dich verausgabst, wann du ruhst
Was du bewunderst, was du auslachst
Wann du still bist, wann du ein Feuer entfachst
Was du belächelst, was du schätzt
Wann du zugreifst, wann du los läss
t

Du hast nur an dich geglaubt
und du hast immer Recht behalten
Du hast nur dir selbst vertraut
Und wurdest nie enttäuscht

Aber was ist mit der Sache von gestern nacht?
Hast Du aufgegeben oder warst du nur konsequent?
Hattest du Tränen in den Augen oder hast du über alles
gelacht?

Manchmal ist es der beste Freund, den man nicht mehr....

Du warst immer stärker, alter Freund
Wir haben philosophiert, geredet und geträumt

Du hast gesehen
gehandelt
und verwirklicht

Auf dich haben wir gebaut
Dich haben wir bewundert
Auf dich haben wir geschaut
Du warst der eine von uns hundert

Wo wir noch suchten
Hast du schon gefunden
Wo wir noch strebten
Warst du schon am Ziel
Wo wir versagten
Hattest du noch Mut

Wir alle wollten mit dem Kopf durch die Wand
Als wir schon aufgaben, bist du noch gerannt
Du vertrautest deiner Kraft
Und hast es immer wieder geschafft

Aber was ist mit der Sache von gestern Nacht?
Hast Du aufgegeben, oder warst du nur konsequent?
Wolltest du uns was zeigen, oder tatest du es für dich?
..Manchmal ist es der beste Freund.....

Was du gewollt hast
Hast du mit deiner Seele gewollt
Was du gefühlt hast
Hast du mit deiner Seele gefühlt
Was du geliebt hast
Hast du mit deiner Seele geliebt

Für dich gab es nie ein "vielleicht"
Entweder, oder! ; ja oder nein!
Für dich schien alles so leicht
Schwarz oder weiß ; Wirklichkeit oder Schein
Du hast immer alles erreicht

Oder war es vielleicht doch nie so?
Bist du auch immer nur weggelaufen?
Wuss
test du auch nicht warum, wie, wann und wo?
Warst du auch nur einer im großen Haufen?
Der aus Mutlosigkeit in seine Träume floh?

Und die Sache von gestern nacht?
Es war wohl schon richtig so
Ob aufgegeben oder konsequent
Hat nie eine Rolle gespielt

Wichtig ist nur, sagtest du
Dass
man sich nicht selbst verliert
Na ja, jetzt hast du deine Ruh'
Nichts mehr was dich noch berührt

Wie geht es dir dort?
Ganz allein

So weit fort
Es wird wohl schon gut sein




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Adrian

Das ist Adrian:

44 Jahre hat Adrian gelebt
30 Jahre hat Adrian nachgedacht
30 Jahre hat es in Adrian gebebt
44 Jahre hat man Adrian nur belacht

Als ich dich fragte
Was dein Verhalten soll
Sah ich erst gar nicht
Dass
dein Gefühl schon aus dem Herzen quoll
Dass
der Ruin schon an dir nagte

Man sieht so etwas wohl immer zu spät,
weil man es vorher einfach nicht sehen will.

Für Adrian waren die Menschen mit der Zeit
ausgestorben -
da war nur noch SIE , seine Liebe

Tausend verliebte Masken
Verlieren Bedeutung
Doch das Gesicht
In dem Liebe war
Findet keinen Spiegel mehr

Denn deine Regeln
Gehören zu einem Doppelspiel

Und ich
Ich versuche das Meisterspiel

Er traute IHRER Liebe nicht und glaubte
die Rolle einer Marionette spielen zu
müssen.
Er hatte Angst daran zu Grunde zu gehen.

Er versuchte das Meisterspiel und schnitt
im Geheimen alle Fäden durch, während er
das Spiel weiterspielte, ohne das jemand
etwas bemerkte.

So trennte er sich von dem einzigen,
was ihn in dieser Welt halten könnte.

Er flüchtete in seine eigene Welt

Verliebt in seine Vergangenheit
Vergaß er die Wirklichkeit
Und balancierte seine Welt
Auf einer Federspitze
Die träumerisch
Über das Blatt tanzte

Das Publikum war begeistert
Und beklatschte sein Talent
Einige belächelten seine Flucht
Und flüsterten von Feigheit
Nur wenige erkannten seine Schwäche
Und befürchteten seine Zersetzung

Auch Adrian selbst ahnte die Konsequenzen seiner Lebensart
und er machte sehr ernsthafte Versuche der Umkehr -

zu .........

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Als Epilog Aristoteles Metaphysik:

Wahr oder falsch


Falsch ist es, vom seienden zu
sagen, es sei nicht, und vom
Nichtseienden es sei. Wahr
ist es, vom Seienden zu sagen,
es sei, und vom Nichtseienden,
es sei nicht. Also wird jeder,
der sagt, etwas sei, oder sagt,
etwas sei nicht, entweder wahr
oder falsch reden. Das Falsche
und das Wahre sind ja nicht in
den Sachen selbst-also ob etwa
das Gute wahr und das Schlech-
te ohne weiteres falsch wäre -
sondern in der Überlegung.

Aristoteles



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Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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 13.02.2007 03:34:02
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