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Regenbogen-Ball 2005

Kommenden Samstag ist es wieder so weit: Am 29. Jänner 2005 wird - zum achten Mal - der Wiener Regenbogen-Ball im gediegenen Ambiente des Parkhotels Schönbrunn über die Bühne gehen. "Für Lesben, Schwule und Transgender-Personen, aber auch deren FreundInnen und Bekannte ist der Regenbogen-Ball jedes Jahr ein glanzvoller Höhepunkt der Ballsaison", meint Christian Högl, Obmann der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien, die den Ball seit dem Vorjahr veranstaltet. "Wir wollen zeigen, dass sich Wiener Balltradition und Queer-Kultur mühelos miteinander verbinden lassen."

Marc Almonds erster Auftritt seit seinem Motorradunfall

   "Es ist uns wieder gelungen, ein ansprechendes und anspruchvolles Programm zusammenzustellen", ergänzt Bettina Nemeth, Obfrau der HOSI Wien. "Für die Tanzmusik im Ballsaal sorgen in bewährter Manier die Damenkapelle Johann Strauß und die Band A-Live, die sich wieder im Halbstundentakt abwechseln werden. Abseits der Tanzfläche garantieren Murielle Stadelmann und die stimmungsvolle Jazz-Formation Desert Wind für beste Unterhaltung. Besonders freut uns, dass Marc Almond nach seinem schweren Unfall vergangenen Oktober beim Regenbogen-Ball auftrifft." Almond erlangte als Sänger des Pop-Duos "Soft Cell" Weltruhm.

Spenden für Flutopfer

   "Der Reinerlös der Veranstaltung dient zur Finanzierung der alljährlichen Regenbogen-Parade, aber aus Solidarität mit den Flutopfern in Südostasien haben wir uns entschlossen, dieses Jahr einen Teil der Einnahmen an 'Equal Ground' zu spenden, eine Lesben- und Schwulengruppe in Sri Lanka, die aufgrund der Flutkatastrophe dringend auf internationale Hilfe angewiesen ist", so Nemeth weiter. "Die Ballgäste werden auch die Möglichkeit haben, an Ort und Stelle zusätzlich für 'Equal Ground' zu spenden."

   Karten sind noch bei der Abendkasse erhältlich. Weitere Infos sowie Fotos vom Ball im Vorjahr auf www.hosiwien.at/ball.
 


 

"Gedankenjahr 2005": Lesben und Schwule haben wenig Grund zu feiern - HOSI Wien ruft zu Protest auf

"Homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus warten in Österreich immer noch auf ihre Rehabilitierung und einen Rechtsanspruch auf Entschädigung nach dem Opferfürsorgegesetz (OFG)", erklärt Bettina Nemeth, Obfrau der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien anlässlich des offiziellen Auftakts zum so genannten Gedankenjahr 2005 kommenden Freitag. "Wir halten die unkritischen und selbstgefälligen Jubiläumsfeierlichkeiten daher für hochgradig heuchlerisch, solange das offizielle Österreich nicht auch bereit ist, sich von der Ermordung von Homosexuellen in den Konzentrationslagern zu distanzieren und den homosexuellen NS-Verfolgten dieselbe Rehabilitierung zuteil werden zu lassen wie allen anderen Opfergruppen. Wir rufen daher zur Solidarität mit dieser Opfergruppe und zum Protest bei diesen verlogenen Staatsfeierlichkeiten auf."

ÖVP und FPÖ vertreten NS-Gedankengut

   "Dass die homosexuellen NS-Opfer auch 60 Jahre nach Ende des Hitler-Regimes auf Rehabilitierung warten müssen, haben sie einzig und allein der ÖVP und FPÖ zu verdanken, die eine entsprechende Änderung des OFG bis heute genauso ablehnen wie eine offizielle Entschuldigung durch die Republik", ergänzt HOSI-Wien-Obmann Christian Högl. "Für die ÖVP und FPÖ sind Lesben und Schwule gewöhnliche Kriminelle, die ihre Inhaftierung und Ermordung im KZ rechtmäßig verdient haben." Im Widerspruch zu dieser Auffassung hat die Historikerkommission in ihrem Schlussbericht vom Jänner 2003 kritisiert, dass nach Aufhebung des Verbots der Homosexualität 1971 keine rückwirkende Einbeziehung dieser Gruppe ins OFG erfolgte und "dass auf Grund formalrechtlicher Erwägungen sogar die Anhaltung im Konzentrationslager, die keinesfalls als rechtsstaatliche Maßnahme betrachtet werden kann, im Sinne einer Bestrafung nach österreichischem Recht interpretiert wurde" (S. 342).

   "Wir haben den zuständigen Sozialminister vor fast zwei Jahren mit dieser Kritik der Historikerkommission konfrontiert, seither warten wir trotz vielfacher Urgenz auf eine Stellungnahme", berichtet Nemeth weiter. "Die Sache wird seither zwischen den Büros Herbert Haupts und seiner Staatssekretärin Ursula Haubner hin- und hergeschoben. Und im Nationalrat wurde der im März 2003 von den Grünen eingebrachte Antrag auf entsprechende Novellierung des OFG zuletzt im Sozialausschuss im Februar 2004 wieder vertagt."

Appell, aus Protest "rosa Winkel" anzustecken

   "Wir rufen alle Menschen - PolitikerInnen, KünstlerInnen, Prominente, Angehörige des diplomatischen Corps usw. -, die mit dieser nicht erfolgten Rehabilitierung nicht einverstanden sind, aber aus beruflichen oder privaten Gründen heuer an Gedenkveranstaltungen teilnehmen, ihre Solidarität dadurch zu bekunden, dass sie sich bei diesen offiziellen Anlässen gut sichtbar einen großen rosa Winkel aus Stoff oder Papier an ihre Kleidung heften", appelliert Högl. Mit dem rosafarbenen Winkel wurden in den KZ-Lagern die Homosexuellen gekennzeichnet. "Es wäre ein fatales Gutheißen der Nichtanerkennungspolitik von ÖVP und FPÖ und eine schreckliche Komplizenschaft, ließe man das offizielle Österreich 60 Jahre Befreiung vom Faschismus und 50 Jahre Staatsvertrag feiern, ohne auf diese ungeheuerliche Unterlassung bei der Vergangenheitsbewältigung hinzuweisen. Es ist höchste Zeit, dass ÖVP und FPÖ diesen Resten nationalsozialistischen Gedankenguts abschwören", so Högl weiter: "Es gibt keine Rechtfertigung mehr für diese Haltung, schon gar keine finanzielle angesichts der wenigen noch lebenden Betroffenen!"

HOSI Wien drängt Stadt Wien zu Mahnmal

   In diesem Zusammenhang drängt die HOSI Wien auch Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny, das in Aussicht gestellte Projekt eines Mahnmals für die homosexuellen NS-Opfer in Wien rasch und zügig durchzuziehen, damit seine Verwirklichung noch im Gedankenjahr 2005 erfolgen kann. "In Berlin wurde bereits ein Platz für ein derartiges Mahnmal ausgesucht und ein künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben", weist Nemeth daraufhin, dass Wien und Österreich auch hier wieder ins Hintertreffen zu geraten drohen.

   Hinweis: Auf dem Website der Online-Ausstellung "Aus dem Leben" (www.ausdemleben.at) finden sich etliche Hintergrundberichte zum Thema NS-Verfolgung Homosexueller, darunter auch ein ausführlicher Bericht über die bisher gescheiterten, schon mehr als 20 Jahre dauernden Bemühungen um Anerkennung dieser Opfergruppe im OFG.
 


 

Viacom verschiebt erneut Start von Gay-TV
Logo geht erst Ende Juni on air

MTV Networks, Tochter des Medienriesen Viacom, hat den Launch des Gay-TV-Senders Logo http://www.logo-tv.com auf den 30. Juni verschoben. Ursprünglich sollte der auf schwule und lesbische Inhalte und Interessen konzentrierte Sender schon am 17. Februar auf Sendung gehen (vgl. pte http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=040526013 ). Den Start von Logo plant Viacom bereits seit über zwei Jahren. Die Verschiebung soll die letzte vor dem tatsächlichen Launch sein und einen "perfekten Start von Anfang an" gewährleisten, berichtet die New York Times (NYT) heute, Freitag.

Grund für die erneute Verzögerung sei die Sicherung des 24-stündigen Vollprogramms vom ersten Tag an, so Brian Graden, Präsident des TV-Senders. Logo soll "perfekt von der ersten Minute an" sein. Dies sei beim Launchtermin im Februar nur schwierig zu erreichen gewesen. Graden gab bekannt, dass es derzeit drei große Werbekunden gibt: den Automobilhersteller Subaru, das Online-Reisebüro Orbitz und das Hollywood-Studio Paramount (selbst Tochter von Viacom). Bis Ende Juni sollen weitere vier Werbegroßkunden dazu kommen.

Logo wird in digitalen Kabelnetzen ausgestrahlt. Von Seiten der Kabelbetreiber gibt es laut Graden bisher keine Widerstände gegen das Gay-TV wie oft im Vorfeld befürchtet. Er räumte jedoch ein, dass es Zeit brauche um miteinander zu reden und Befürchtungen auszuräumen. Neben einer breiten Palette an Programmen wie Filmen, Dokumentationen und Shows zu schwulen, lesbischen und transgender Themen seien bisher auch drei Eigenproduktionen geplant. Eine Reality-Show über die Planung einer schwulen Hochzeit, eine Serie über einen jungen, schwulen Afro-Amerikaner sowie eine weitere Reality-Show.


 

Darwinistisches Paradox der Homosexualität gelöst
Frauen mit bestimmten genetischen Faktoren haben mehr Kinder

Wissenschafter der Università degli Studi di Padova http://www.unipd.it haben eine Erklärung dafür gefunden, wie Gene, die mit männlicher Homosexualität zusammenhängen, fortbestehen, obwohl diese Männer selten Kinder haben. Ihre Erkenntnisse unterstützen zusätzlich die Theorie vom Vorhandensein eines einzelnen Homosexualitätsgens. Das Team entdeckte, dass Frauen dazu tendieren mehr Kinder zu haben, wenn sie die gleichen bis jetzt nicht identifizierten genetischen Faktoren erben, die bei Männern mit Homosexualität in Verbindung gebracht werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences http://www.journals.royalsoc.ac.uk/app/home/main.asp?wasp=23gnrnlwlg7h53lhktb6 veröffentlicht.

Diese Forschungsergebnisse liefern laut NewScientist die beste Erklärung für das darwinistische Paradox der Homosexualität. Der Wissenschafter Andrea Camperio-Ciani erklärte, dass man dieses Rätsel jetzt endlich gelöst habe. "Die gleichen Faktoren, die die sexuelle Orientierung bei Männern beeinflussen, fördern eine größere Fruchtbarkeit bei Frauen." Das Team befragte 98 homosexuelle und 100 heterosexuelle Männer zu ihren nächsten Verwandten. Insgesamt waren 4.600 Personen beteiligt. Es zeigte sich, dass die weiblichen Verwandten der homosexuellen Männer durchschnittlich mehr Kinder hatten. Dieser Effekt konnte jedoch nur auf der mütterlichen Seite der Familie nachgewiesen werden.

Mütter von homosexuellen Männern hatten durchschnittlich 2,7 Kinder, Mütter von heterosexuellen 2,3. Die Tanten mütterlicherseits von homosexuellen Männern hatten zwei Kinder, jene von heterosexuellen 1,5. Camperio-Ciani betont, dass welche genetischen Faktoren auch immer verantwortlich seien, es kein einzelnes Gen gäbe, das den beobachteten Effekt verursache. Die Tendenz zur Weitergabe über die mütterliche Linie bestätigt die Annahmen früherer Forschungen, dass sich einige der involvierten Faktoren auf dem männlichen X-Chromosom befinden, dem einzigen Geschlechtschromosom, das von Frauen weitergegeben wird.


 

Lesbische Mütter so gut wie heterosexuelle Paare
Qualität der Beziehung zu den Eltern viel wichtiger

Teenager, die von lesbischen Müttern aufgezogen werden, zeigen keine Entwicklungsunterschiede im Vergleich zu jenen, die von heterosexuellen Paaren erzogen wurden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität von Virginia http://www.virginia.edu/ in Charlottesville. Frühere Forschungsarbeiten hatten sich eher auf jüngere Kinder konzentriert und keine signifikanten Disparitäten zwischen gleichgeschlechtlichen und heterosexuellen Familien gefunden. Aber es gab wenige Studien mit Erwachsenen, von denen die Forscher annehmen, dass sie bewusster oder sensibler auf Diskriminierungen ihrer Familien reagieren. Wieder andere Studien beschäftigten sich damit, ob die Sexualität eines Teens von der seiner Eltern beeinflusst wird.

Der Soziologe Stephen Russell und seine Kollegen Charlotte Patterson und Jennifer Wainright analysierten die Interviews mit 12.000 US-Teenagern und ihren Familien. Sie fanden 44 Jugendliche, die von zwei Frauen in einer "ehe-ähnlichen" Beziehung aufgezogen wurden. Nur sechs der jungen Menschen gaben an, mit zwei schwulen Männern zu leben, daher wurden männliche Familien gleichen Geschlechts von der Studie ausgenommen. Jeder Teenager bekam ein Gegenstück aus einer heterosexuellen Familie mit demselben Geschlecht, Alter, Rassenzugehörigkeit und Familieneinkommen, neben anderen Faktoren.

Die Forscher fanden keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich Depressionen, Angst, Selbstwertgefühl und Schulnoten. Genau der gleiche Anteil beider Gruppen gab an, schon Sex gehabt zu haben (34 Prozent). Während eine frühere Studie zu dem Ergebnis gekommen war, dass Kinder homosexueller Eltern ebenfalls geneigter waren, eine gleichgeschlechtliche Beziehung einzugehen, konnte die aktuelle Studie einen derartigen Zusammenhang nicht bestätigen, weil überhaupt nur sehr wenige Teenager sexuellen Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Partnern gemacht hatten. Der wichtigste Faktor für das Wohlergehen eines Teenagers war sein Verhältnis zu den Eltern, unabhängig vom Familientyp. "Was wirklich wichtig ist, ist die Qualität der Beziehung", so Russell. Mit diesen Ergebnissen wollen die Forscher Begrenzungen des Sorge- und Besuchsrecht für lesbische Mütter entgegenwirken und bestätigen, dass lesbische und schwule Erwachsene genauso gute Adoptiv- oder Pflegeeltern sind.


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:34:02
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