Magenbakterium wandelt sich 60 Mal im Jahr
"Erfolgsgeheimnis" von Helicobacter pylori liegt in
genetischer Flexibilität
Das krankheitserregende Bakterium Helicobacter pylori kann sein Erbgut in
rasanter Geschwindigkeit verändern. Das berichten Forscher von der Universität
Würzburg
http://www.uni-wuerzburg.de , die das "Erfolgsgeheimnis" des Bakteriums in
Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin sowie
zwei Instituten in den USA lüfteten. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung
ist mit Helicobacter pylori infiziert. Die Erreger schaffen es, die durch die
Magensäure und eine zähe Schleimschicht vor anderen Bakterien geschützte
Magenschleimhaut zu besiedeln und diese Infektion trotz einer intensiven
Abwehrreaktion des Menschen jahrzehntelang aufrecht zu erhalten.
Das Team um die Mikrobiologen Sebastian Suerbaum und Christian Kraft vom
Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg untersuchte
dafür Paare von H. pylori-Stämmen, die im Abstand von minimal drei Monaten bis
zu maximal vier Jahren aus ein und demselben Patienten isoliert wurden. Durch
die Analyse von Stichproben des Bakterienerbguts konnten sie bei elf der 24
Stammpaare bereits nach der kurzen Zeit von durchschnittlich 1,8 Jahren
Veränderungen des Erbguts nachweisen.
Mit einem eigens für diese Untersuchung entwickelten mathematischen Modell
berechneten die Wissenschaftler, dass sich das Erbgut der Bakterien im Verlauf
eines Infektionsjahres rund 60 Mal verändert. So können die Bakterien
innerhalb von nur 41 Jahren die Hälfte ihres Erbguts austauschen: "Eine
verglichen mit anderen Bakterien enorm hohe genetische Flexibilität", so
Suerbaum. Die genetischen Veränderungen kommen dadurch zu Stande, dass die
Bakterien kleine Stücke der DNS von einem anderen Helicobacter pylori Stamm
aufnehmen und dann mit ihrem eigenen Erbgut vereinigen.
Die dynamischen Veränderungen des Erbguts helfen dem Erreger
wahrscheinlich, sich immer wieder neu an den Menschen anzupassen, der ihn
beherbergt. Die enorme genetische Flexibilität von Helicobacter müsse bei der
Entwicklung von Impfstoffen und neuen Therapeutika beachtet werden, damit die
Erreger die neuen Substanzen nicht sofort unterlaufen können. Die Studie wird
in der kommenden Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift "Proceedings of
the National Academy of Sciences USA" (PNAS) veröffentlicht.