KMSfB fordert komplette
Künstler-Sozialversicherung
"Auf den ersten Blick scheint die von der Kronen Zeitung groß
aufgemachte Fortell/Wussow Affäre um angeblich ungerechtfertigt bezogene
Arbeitslosengelder ein Einzelfall von privater Habgier zu sein. Bei
genauerem Hinsehen entpuppt sich dieser 'Skandal' jedoch als systembedingtes
organisiertes Versagen der Politik. Künstler sind nicht arbeitslos, sondern
nur auftragslos", kommentiert Peter Paul Skrepek, Vorsitzender der
Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe.
Die große Mehrheit der Schauspieler - und anderer Kunstschaffenden - ist
von einer gleichberechtigten Teilnahme am Sozialsystem ausgeschlossen.
Selbst die Bekanntesten unter ihnen sind in der Regel nur sporadisch und
tageweise angestellt, z. B. um einen Fernsehfilm zu drehen. In ihrer
Freizeit arbeiten sie selbstverständlich weiter, sei es an der Vorbereitung
für neue Projekte oder an ihrer Weiterentwicklung als Künstler. Diese Arbeit
geschieht allerdings abseits des Rampenlichts. Für diesen essentiellen Teil
ihrer Tätigkeit gibt es keine Gage - und keine Sozialversicherung. Aber:
Wer nicht durchgehend angestellt ist, hat keine Chance auf eine staatliche
Pension.
Für die immer kleiner werdende Gruppen von Kunstschaffenden, die
wenigstens hin und wieder in einem normalen Dienstverhältnis arbeiten
dürfen, ist die Arbeitslosenversicherung ein überlebensnotwendiger
Rettungsanker. "Die Mehrheit arbeitet längst ohne Netz", setzt Skrepek fort.
Der Weg in eine erzwungene neue Selbständigkeit sei auch
gesamtgesellschaftlich eine Sackgasse. An deren Ende stehe die Verarmung
breiter Bevölkerungskreise - die Künstler seien nur die Avantgarde, so
Skrepek.
"Wir laden die Kronen Zeitung und alle anderen Medien ein, durch
ausgewogene Berichterstattung beizutragen, dass dieser Zusammenhang für die
von ihr beschworene 'Mehrheit der Bevölkerung' verständlich und eine
politische Lösung möglich wird. Journalistische Verantwortung besteht nicht
darin, Privatpersonen, die sich an Gesetze halten, an den Pranger zu
stellen", schließt der KMSfB-Vorsitzende.

Journalistengewerkschaft macht "Plebiszit Marke Haider"
FCG-U-Chef Kress kritisiert "Emotionen, Unwahrheiten, Beflegeln"
Die gestern abgeschlossene Urabstimmung der Journalistengewerkschaft
sei "ein typisches Plebiszit Marke Jörg Haider", kritisierte der
Vorsitzende der Journalistengewerkschafts- Fraktion FCG& Unabhängige,
Michael Kress. "Zuerst werden hemmungslos Emotionen geschürt, garniert
mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten, dann wird in statutarisch höchst
umstrittener Form eine Suggestivfrage versendet, und wenn das erwartete
Ergebnis höherenorts nicht sofort umgesetzt wird, geht es in die nächste
Runde des Beflegelns und Hetzens." Dies sie aber "sicher nicht jene
Art von Interessenvertretung, welche die überwiegende Mehrhit der
Journalisten wünscht. Es ist tatsächlich ein Wechsel nötig - aber nicht der
Gewerkschaft, sondern dieser Journalisten-Führung", sagte Kress.
Konkret stellt Kress - selbst Journalisten-Landesobmann von NÖ sowie
stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft KMSfB - fest, daß in dem
Rundschreiben der Journalistengewerkschaft, in dem für ein Ja zum Wechsel zur
Gewerkschaft Druck & Papier geworben wurde, die Mitglieder "durch
nachweisbare Unwahrheiten und bewußtes Verschweigen wichtiger Fakten
manipuliert wurden". So sei Günther Nenning nicht von der KMSfB
ausgeschlossen worden - "eine bewußte Geschichtsverfälschung durch
Bauer, Vecsei und Co." - sondern durch den ÖGB über Vorschlag des
Genossen Heinz Kienzl. Das Mitgliederservice sei hauptsächlich Sache der
Sektionen, wenn die Journalistengewerkschaft dies als "unzulänglich"
bezeichnet, dann "ist das ebenso ein Eigentor" wie die Kritik
sogenannter Finanzskandale: Die beiden jüngsten Vorfälle beträfen nämlich
ausschließlich die Sektion Journalisten. Schließlich werde bewußt
verschwiegen, daß von einem Übertritt etwa zu Druck & Papier nur die
Print-Journalisten betroffen wären, weil die ORF-Journalisten in der KMSfB
verbleiben.
Kress: "Was ist das für eine tolle Mediengewerkschaft ohne die
elektronischen Medien?"
Michael Kress
