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Gewerbeverein: Was Freihandel ist, bestimmt George W. Bush!
Da sollte man doch vielleicht einmal mit gleicher Münze heim zahlen!

Die nächsten vier Jahre Bush könnten zu Jubeljahren für den US-Protektionismus geraten - befürchtet man im Österreichischen Gewerbeverein (ÖGV).

So zögern es die Amerikaner offenbar hinaus, zahlreiche Exportsubventionen abzuschaffen, die die Welthandelsorganisation (WTO) längst für unrechtmäßig erklärt hat. Der Kongress hatte den Subventionsabbau zwar im Oktober widerwillig beschlossen, doch soll er für den Geschmack der Europäer allzu schleppend über mehrere Jahre erfolgen. Die US-Administration drohte sogar, europäische Strafzölle nicht zurückzunehmen und von 2006 an neue einzuführen.

Ein weiteres Beispiel: Bush will in den kommenden Wochen sein brandneues Handelsabkommen namens Central American Free Trade Agreement (Cafta) durch den Kongress peitschen, das er mit einer Hand voll zentralamerikanischer Länder ausgehandelt hat. In den Vertragstext wurden ein paar sonderbare Regeln geschrieben. So dürfen die Zuckereinfuhren in die USA nur wenig steigen, um die Zuckerbarone aus dem Süden (einige gehören zu Bushs Großspendern) zu schützen. Eine solch schonende Behandlung für Unternehmen findet sich auch in vielen der bilateralen Handelsabkommen, die Bush in seiner ersten Amtszeit ausgemacht hat.
Bush ist ein Wiederholungstäter: Als es politisch opportun war, schützte er Stahlwerke, Textilienhersteller, Holzfäller und Farmer durch allerlei Einfuhrsperren, Zölle, Exportsubventionen und "Buy American"-Kampagnen.

Bushs Protektionismus ist ja nachvollziehbar. Immerhin führten die Amerikaner in den ersten zehn Monaten 2004 Waren im Wert von 500 Milliarden Dollar mehr ein, als sie ausführten. Und das bei - oder gerade wegen - des fallenden Dollarkurses. Denn US-Schlüsselbranchen - von der Autoproduktion bis zum Maisanbau, von der Flugzeugkonstruktion bis zur Bekleidungsherstellung - kämpfen gegen Konkurrenz aus dem Ausland und setzen sich inzwischen immer schlechter auf Exportmärkten durch. Da äußern Unternehmer schon einmal Wünsche nach neuen Handelsbarrieren, und viele von ihnen haben im Wahlkampf gespendet.

Wäre ja einmal schön, wenn die Europäischen Union im Sinne des Tit for tat kräftig zurück schlagen würde und den Amis gleichermaßen Euro-Protektionismus vor den Latz knallt!

 


 

Gewerbeverein: Die haben Mut zu Reformen im öffentlichen Dienst - die Deutschen!
Wenn die jetzt die Unkündbarkeit wegbringen, muss sie auch hier fallen!

Die Deutschen gehen die Modernisierung und Flexibilisierung des 50 Jahre alten Tarifrechts im öffentlichen Dienst an. Das Tarifwerk gilt für 2,1 Millionen Arbeiter und Angestellte der Gemeinden sowie etwa 200.000 Beschäftigte des Bundes (Österreich hat von der zuletzt genannten Sorte immerhin 160.600). Die heilige Kuh der Unkündbarkeit steht nun in Deutschland zur Disposition - bemerkt der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) mit Hochachtung!

Schon seit zwei Jahren wird in Deutschland heftig darüber beraten, wie der öffentliche Dienst wettbewerbsfähiger und Service orientierter gestaltet werden kann. Auf dem Prüfstand stehen insbesondere die Unkündbarkeit der öffentlich Beschäftigten sowie das ausufernde Zulagensystem.

Auch die Einführung einer Billiglohnstufe steht zur Debatte. Arbeitgebervertreter, Innenminister Schily meinte, Leistungsorientierung, Bürokratieabbau und Flexibilisierung im öffentlichen Dienst sind die Felder, über die beraten wird. Um die Reform nicht zu gefährden, war die Gewerkschaft erstmals ohne Lohnforderung in die Gespräche gegangen. Jetzt wird es - Zwischenstand der Verhandlungen - gerade einmal ein Prozent jährlich Zuwachs im Schnitt geben - und das für die nächsten drei Jahre!

Unsere Verhandler schenkten 2,3 Prozent für ein Jahr her!

Warten wir in Österreich mit dieser Agenda, bis wir an der "Herz-Lungen-Maschine" hängen?, wie unser smarter Finanzminister so salopp über unsere deutschen Freunde sagt.

Eines kann es ja wohl nicht sein. Das Argument, dass Wahlen vor der Türe stehen. Denn planmäßig finden diese zur jeweiligen bundesweit gesetzgebenden Körperschaft in Deutschland vor jenen in Österreich statt.

Und dass die Popularität eines Kanzlers und seiner Partei, der für alle unerfreuliche, aber notwendige Reformschritte setzt, sogar wieder ordentlich im Steigen sein konnte - bis die fünf Millionen Arbeitslosen bekannt wurden - kann man den deutschen Gazetten entnehmen. Aber eben dieser Arbeitsmarkt wird jetzt nach Hartz IV stark zulegen.

Der ÖGV empfiehlt dringend, das Beamtendienstrecht und die Dienstordnungen im öffentlichen Bereich bis hin zur ÖBB und den Sozialversicherungsträgern raschest und vor allem mit dem Ziel des sofortigen Wegfalles der Pragmatisierung (außer für extrem wenige Hoheitsverwaltungspositionen) zu verhandeln. Sonst sitzen wir wieder wie im vergangenen Herbst da und müssen den Ärmelschonerträgern für eine für sie lasche Pensionsharmonisierung erneut eine Entgeltserhöhung zubilligen und bezahlen, von der man in der privaten Wirtschaft nur träumen kann.

 


 

Gewerbeverein: Wer profitiert von Spekulationen, außer den Spekulanten?
Es muss wohl lustig sein, mit geborgtem Geld die Old Economy zu ruinieren!

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte letzte Woche, es gebe innerhalb des Klubs der zehn großen Notenbanken (G10) ein "Gefühl, dass wir in einigen Fällen beobachten, dass einige Risiken nicht angemessen eingepreist werden". Er sprach von "nicht durchhaltbaren" Preissteigerungen an den Immobilienmärkten, meinte natürlich aber auch die überhitzten Rohstoffmärkte.

Nun, im Österreichischen Gewerbeverein (ÖGV) wundert man sich, dass die G10 gefühlsgesteuert und nicht auf Grund der Fakten agieren. Dass durch Spekulanten 2004 die Rohstoffpreise mutwillig und zum Schaden der Wirtschaft in die Höhe getrieben wurden, ist offenkundig. Jeder kleine Schlosser konnte mit ansehen, wie der Stahlpreis nie gekannte Höhen erklomm. Und sogar ferne der direkten Wirtschaft erschrak jeder Autofahrer, was einmal Volltanken kostet.

Genährt werden derartige Spekulationen insbesondere durch zu niedrige Zinsen. Das weiß man spätestens seit der Vorgeschichte der geplatzten Internetblase zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Grund für diese Entwicklung ist nach Einschätzung vieler Experten die weltweit lockere Geldpolitik. Die niedrigen Zinsen führen dazu, dass zu viel Liquidität bereitgestellt wird. Diese entladet sich derzeit nicht wie sonst üblich in den Konsumentenpreisen, sondern treibt den Wert von Vermögensgegenständen nach oben. Daher spricht - so der ÖGV - derzeit alles für eine Anhebung der Leitzinsen, um so Liquidität abzuschöpfen.
Vor allem die US-Notenbank Fed hat gehörig Anteil an der derzeit fatalen Entwicklung, die im Gegensatz zum marginalen Arbeitsmarkteffekt nach der geplatzten Internetblase Kohorten von Arbeitslosen in der Old Economy hinter sich lassen könnte. Nach dem Platzen der seinerzeitigen Aktienblase hat die Fed die Zinsen stark gesenkt, um die Wirtschaft zu stützen. Dadurch sind aber neue Übertreibungen auf den Immobilien-, insbesondere aber den Rohstoffmärkten entstanden.

Die Mitglieder im ÖGV und seinen Partnerverbänden haben es jedenfalls satt, Opfer von Spekulanten zu sein. Eine WTO, die alles überreglementiert und dazu noch die G10 werden doch mit den ihnen zur Verfügung stehendem Instrumentarium in der Lage sein, den Markt wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Es kann ja nicht sein, dass Wirtschaften im herkömmlichen Sinn von irgendwelchen mit Billigstkrediten geförderten Mausklick-Hasardeuren gefährdet wird.

 


 

Gewerbeverein: Wieviel hat eigentlich der Herr König gespendet?
Solidarität und Subsidiarität sollte auch nach dem Tsunami weiter gelten!

Die südasiatische Tsunami-Katastrophe macht derart betroffen, dass trotz zweiwöchigem Verfolgen der Nachrichten und Kommentare die Verwirrung immer stärker stieg. Nun kommt langsam etwas Klarheit in die Situation. Die österreichischen Politiker dachten ja zuerst, dass sie sich mit einem EUR/Einwohner aus der Affäre ziehen könnten, nun halten wir bei "bis zu" sechs EUR und 25 Cent!

Man wollte offenbar anfangs Mitmenschlichkeit aus dem Budget "outsourcen" und exklusiv den privaten Spendern überlassen. Das geht aber nach vielen so geglückten Auslagerungen aus dem Budget (Lkw-Maut, Pensionssicherung, etc.) denn doch nicht so einfach!

In diesem Zusammenhang - wir wissen, dass Schumi mit zehn Mio. Dollar vorne weg liegt (Gratulation!) - stellt sich die Frage, was hat eigentlich das offizielle Thailand insbesondere das steinreiche Königshaus an Spenden gegeben? Das Internet lässt uns hier im Dunkeln tappen. Wir wissen lediglich, dass ein prinzlicher Enkel zu Tode kam!

Von den Malediven ist wenigstens bekannt, wie dort mit Spenden der einheimischen Bevölkerung umgegangen wird: "Die Regierung hat tagelang keinen Finger krumm gemacht, um zu helfen. Sie hat bloß die Gaben aus der Bevölkerung einkassiert und im Namen ihrer Günstlinge verteilt, damit die bei den bevorstehenden Wahlen besser dastehen", lässt uns ein oppositioneller Abgeordneter wissen.

In besseren Händen scheint da schon unser Geld bei der EU zu sein. Die müsste ja aus reichem Erfahrungsschatz schöpfen können, seit allgemein bekannt ist, dass sie Palästinenser-Präsident Arafat zu einem der reichsten Staatsmänner der Welt machte - Dank unserer Beiträge.

Das Resümee in diesem Zusammenhang: Man möge die offenen Herzen der Spender mit den noch offeneren Brieftaschen hierzulande nicht über Gebühr strapazieren. Und die Reichen vor Ort mögen offen legen, was die Worte Solidarität und Subsidiarität für sie bedeuten - meint man im Österreichischen Gewerbeverein (ÖGV), dessen Mitglieder schon eine ordentliche Summe Geldes gespendet haben.

 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:33:59
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