Umweltorganisation
warnt vor Patent auf Humangen
Umsetzung der Biopatent-Richtlinie nach Protesten
verschoben
Die Umweltorganisation Greenpeace
http://www.greenpeace.at hat bei Recherchen entdeckt, dass das
Europäische Patentamt im April 2004 eines der bisher
weitreichendsten Biopatente erteilt hat: Dieses umfasst die
exklusiven Nutzungsrechte eines menschlichen Gens und des daraus
hergestellten Eiweißstoffes. Das Gen steht mit besonders vielen
wichtigen Lebensfunktionen für den gesamten menschlichen Körper in
Zusammenhang. Mit der Zulassung sind neben dem Gen auch dessen
Verwendung in der Forschung, sowie alle möglichen Anwendungen bis
hin zu Arzneimitteln patentiert.
Die Umweltorganisation fürchtet, dass die Beschreibung des Patents
damit auch Monopolrechte für eine Vielzahl von Krankheiten wie
Herzinfarkt, Krebs, Bluthochdruck, Asthma, Allergien, Psychosen,
Depressionen, Migräne, Parkinson, Bluthochdruck und Osteoporose
umfasst. Inhaber des Patents EP 777684 ist das US-Unternehmen Firma
Human Genome Sciences.
"Das Patent zeigt, wie drängend das Problem der umfassenden
Bio-Patente ist. Es zeigt auch, dass die bisherigen Versuche der
Bundesregierung ungeeignet sind, das Problem zu lösen", erklärt die
Molekularbiologin Susanne Fromwald von Greenpeace Österreich. Es sei
unbegreiflich, dass sich weder Regierung noch Parlament ernsthaft
bemühen, derartige Patente zu stoppen. Greenpeace berichtet weiters,
dass mit Ende 2003 insgesamt über 1.200 Patente auf Gene von Mensch
und Tier, fast 400 Patente auf Pflanzen und über 120 Patente auf
Tiere in Europa erteilt wurden.
Am 3. Dezember berät der parlamentarische Wirtschaftsausschuss die
Novellierung des österreichischen Patentgesetzes. Die seit September
vorliegende Regierungsvorlage zur EU-Biopatent-Richtlinie sei von
der Tagesordnung aufgrund des massiven öffentlichen Drucks von mehr
als 140 Organisationen vom Tisch verschwunden. Unter Berufung auf
diese umstrittene Richtlinie erteilt das europäische Patentamt
regelmäßig Patente auf Teile des menschlichen Körpers, Gene und
Pflanzen. |

Genetik bestimmt
Medikamenten-Wirkung
Forschern gelingt Nachweis von Genotypen bei
Depressionen
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für
Psychiatrie
http://www.mpipsykl.mpg.de haben eine Genvariante entdeckt, die
die Wirksamkeit von Medikamenten gegen Depression bestimmt. Der
Nachweis ist dafür wichtig, um festzustellen, ob gewisse Medikamente
überhaupt bei gewissen Patienten angewendet werden sollen. So
zeigten Patienten mit einer charakteristischen Genvariante bereits
nach einwöchiger Behandlung mit Antidepressiva eine signifikante
Verbesserung ihrer Krankheitssymptome, andere Patienten mit einer
anderen genetischen Variante zeigten selbst nach fünf Wochen keine
Besserung, berichtet die Max-Planck-Gesellschaft
http://www.mpg.de
.
In zwei unabhängigen klinischen Studien ist es den Forschern
gelungen, in der Stresshormon-Signalübertragung eine Variante des
FKBP-5-Gens zu identifizieren, die den Wirkungseintritt von
Antidepressiva bestimmt. Ausschlaggebend dafür ist nach Angaben der
Wissenschaftler eine charakteristische TT-Variante des Gens. Die
Forschungsergebnisse belegen welch wichtige Rolle bestimmte Gene der
Stresshormon-Achse bei der Entstehung von Depressionen und der
Wirkung von Antidepressiva spielen, berichten die Forscher in der
jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Genetics.
In Zukunft wollen die Forscher die Korrelation zwischen dem
jeweiligen Genotyp eines Patienten und der Wirksamkeit seiner
Medikamente herstellen. Damit könnten Medikamente wesentlich
erfolgreicher und effektiver eingesetzt werden. Bei 20 bis 30
Prozent der an Depression leidenden Patienten wird heute kein
zufriedenstellender Behandlungserfolg erzielt.
Unklar ist den Wissenschaftlern aber immer noch der Zusammenhang
zwischen der Funktion des FKPB-5-Gens und der Wirkung von
Antidepressiva. Das Gen erfüllt die biologische Aufgabe die
dreidimensionale Faltung anderer Eiweißstoffe zu unterstützen und
deren Funktion damit maßgeblich zu beeinflussen. Auf diese Weise
steuert es die Empfindlichkeit des Glukocortikoid-Rezeptors, der
eine zentrale Stellung in der Körperreaktion auf Stress einnimmt.
Ist seine Empfindlichkeit beispielsweise verringert, wird die
Körperstressreaktion nur verzögert bzw. eingeschränkt
zurückgefahren, berichtet das Max-Planck-Institut.
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Genveränderte Tomate als Gesundheitsturbo
Erbgut erstmals in Chloroplasten und nicht in Kern-DNA der
Pflanze eingebracht
Forscher des Instituts für Biochemie und Biotechnologie der Pflanzen der
Uni Münster haben genetisch modifizierte Tomaten entwickelt, deren neue Gene
nicht auf andere Kulturpflanzen übertragbar sind. Nach Ansicht der
Wissenschaftler sollen neue Labortechniken die "Super"-Tomate mit besonderen
gesundheitlichen Vorzügen ausstatten und zu einem höheren Vitamin- und
Proteingehalt verhelfen. Das Gen wurde dabei nicht in die Kern-DNA, sondern in
den für die Photosynthese verantwortlichen Teil der Pflanze, die Chloroplasten,
eingebracht. Die Forschungsergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe von
Nature Biotechnologie
http://www.nature.com/nbt präsentiert.
Entscheidend für die für Pflanzen neu angewandte Technologie ist, dass die
Chloroplasten-DNA nicht in Blütenstaub übertragen wird. Dies bedeutet den
Verlust der modifizierten Pflanze, andere Pflanzen zu kontaminieren. Bisher
wurde diese Art der Erbgutübertragung in Chloroplasten, die auch als
Transformation bezeichnet wird, nur bei Tabak eingesetzt. Andere Pflanzen
erwiesen sich als steril oder führten zu wenig versprechenden Ergebnissen im
unbegrünten Pflanzenteil wie den Früchten. "Tabak ist für die fundamentale
Wissenschaft ein geeignetes Model, für die angewandte Biotechnologie sind
Nahrungsmittel-Pflanzen notwendig", erklärte Ralph Bock vom Institut für
Biochemie und Biotechnologie der Pflanzen
http://www.uni-muenster.de/Biologie/bioch_biotech/welcome.htm .
Für die Versuche mit den Tomaten mussten vorerst einige technische
Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Gewebe, der Kultur und Regeneration
der Pflanze gelöst werden. "Viele Parameter wie Nährstoffe, Pflanzenhormone
und Lichtintensität mussten optimiert werden", so Bock weiter. Bisher
verwendeten die Forscher nur Markergene für die Experimente, um die Wirkung zu
überprüfen. Markergene erlauben es, diejenigen Zellen zu erkennen, die das
neue Gen auch tatsächlich aufgenommen haben. Im nächsten Schritt sollen
brauchbare Gene in die Tomaten eingeschleust werden.
Die Forscher gehen davon aus, dass transgene Chloroplasten den Weg zur
effizienten Produktion von essbaren Impfstoffen, Pharmazeutika und Antikörpern
in Tomaten ebnen. In einem Begleitartikel von Nature Biotechnologie begrüßten
US-Experten die biotechnologische Innovation. "Ein Meilenstein für die
Entwicklung von medizinischen Produkten der nächsten Generation, die für den
Patienten schmackhafter sein werden", resümierte Pal Maliga von der Rutgers
University in Piscataway in New Jersey.

Gen-Tomate mit Sicherheitsschloss
Pflanze kann sich nicht unkontrolliert weitervermehren
Eine Gentomate, die ihr Erbgut nicht mehr auf benachbarte, "naturbelassene"
Pflanzen überträgt, haben Wissenschaftler der Universität Freiburg
http://www.uni-freiburg.de
entwickelt. Die der Tomate eingepflanzten Fremdgene können so - etwa durch
Pollenflug - nicht mehr unerwünscht weitergegeben werden. Die Pflanzen können
sich damit auch nicht mehr unkontrolliert verbreiten.
Die Forscher wollen nun erreichen, dass die Tomatenpflanzen Eiweiße und
andere Stoffe in hohen Konzentrationen produzieren, die dann in der Medizin,
als Impf- oder Nahrungsmittel vermarktet werden können. Wann die
"Sicherheitstomate" in den Handel kommt, ist noch unklar.

Pflanzengene für das Erkennen von Pollen entdeckt
Mehr Kreuzungen von Arten möglich - Schutz vor Verbreitung
genveränderter Pflanzen
Wissenschaftler vom Howard Hughes Medical Institute http://www.hhmi.org
haben die Pflanzengene gefunden, die für das Erkennen der arteigenen Pollen
verantwortlich sind. Zwei Gene in unterschiedlichen Bereichen des Erbguts der
Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana) beeinflussen dabei den Aufbau der Hüllproteinen
der Pollen. Nur wenn der Aufbau der Pollen-Ummantelung von einer anderen
Pflanze als arteigen erkannt wird, kann es zu einer Befruchtung kommen.
"Eine Veränderung dieses Erkennungs-Prozesses könnte Kreuzungen ermöglichen,
die bisher nur sehr schwer gezüchtet werden könnten. Eine neu gezüchtete
Apfelsorte könnte so beispielsweise unempfindlich gegen Kälte werden",
meint Daphne Preuss, die diese Ergebnisse zusammen mit Kollegen in der
Fachzeitschrift "Science" http://www.sciencemag.org
veröffentlichte. Auf der anderen Seite könnten genveränderte Pflanzen auch
so hergestellt werden, dass sie sich bei Freisetzungsversuchen nicht auf
benachbarte und verwandte Arten in der freien Wildbahn auskreuzen.
Erst Ende letzten Jahres gelang es einem internationalem Konsortium, das
komplette Erbgut der Acker-Schmalwand zu entschlüsseln. Dieses Wildkraut aus
der Familie der Kreuzblütengewächse ist relativ widerstandsfähig, wächst
schnell und hat einen kurzen Lebenszyklus. Diese Eigenschaften machen diese
Pflanzenart zu einer bevorzugten Testspezies für erste gentechnische
Analysen.
