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Chromosom 20 des Menschen entschlüsselt
DNA-Sequenz enthält 60 Mio. Bausteine – vollständige Genomentzifferung 2003 erwartet
 

 Wissenschaftler des Wellcome Trust Sanger Institute http://www.sanger.ac.uk haben heute, Donnerstag, die Daten des entschlüsselten Chromosom 20 publiziert. Chromosom 20 gilt als das größte des Menschen. Die DNA-Sequenz besteht aus 60 Mio. Basenpaaren. Seine mehr als 727 Gene, und gleichzeitig zwei Prozent des menschlichen Erbguts, stehen in engem Zusammenhang mit der Kreutzfeld-Jakob-Krankheit, Diabetes Typ II, Übergewicht und Dermatitis.
 

Mit der Entschlüsselung von Chromosom 20 liegt nun der dritte Teil eines 24-bändigen Sammelwerks vor. Allerdings konnten laut Masahira Hattori vom japanischen Human Genome Project nur 99,5 Prozent entschlüsselt werden. Vier Lücken, die vor allem die DNA-Bausteine Cytosin und Guanin betreffen, gilt es noch zu schließen. Die Basenfolge ist nach Meinung der Experten mit der derzeitigen Technik schwierig zu entziffern.
 

Das erste vollständig sequenzierte Chromosom war das Chromosom 22. Erste detaillierte Daten des Human Genome Projects http://www.sanger.ac.uk/HGP/publication2001 wurden erstmals im Wissenschaftsjournal Nature in der Ausgabe vom 12. Februar 2001 http://www.nature.com publiziert. Neben diesem öffentlich finanzierten internationalen Konsortium arbeitet Craig Venters Firma Celera Genomics an der vollständigen Entzifferung. Bis zum Jahr 2003 soll das gesamte menschliche Erbgut entschlüsselt sein.
 

Das Human Genome Project ist eine internationale Arbeitsgemeinschaft, mit der Aufgabe, das menschliche Genom zu kartieren und zu entschlüsseln. 20 Gruppen aus sechs Ländern (Großbritannien, China, Deutschland, Japan und die USA) sind daran beteiligt. Die Daten stehen Forschern weltweit unter http://www.ensembl.org zur freien Verfügung. In Kürze sollen auch die Sequenzen der Chromosomen 17 und 19 veröffentlicht werden.
 

Das Wellcome Trust Sanger Institute, das ein Drittel des Humangenoms (Chromosom eins, sechs, neun, zehn, 13, 20, 22 und X) sequenzierte, hat erst kürzlich 350 Mio. britische Pfund für die kommenden fünf Jahre erhalten, u.a. auch für die Errichtung einer State-of-the-art-Computerinfrastruktur. Diese Finanzspritze erlaubt es dem Institut, die Arbeit auch nach der Post-Genom-Ära fortsetzen zu können.
 


 

Dritte Version des menschlichen Genoms veröffentlicht
Ohio State University geht von 66.000 Genen aus

Wissenschaftler der Ohio State University http://www.osu.edu/index.php haben eine dritte Entschlüsselung des menschlichen Genoms vorgenommen. Mit rund 66.000 Genen enthält diese Variante die doppelte Anzahl der beiden seit Februar bekannten Versionen von Celera Genomics http://www.celera.com und Human Genome Project. http://www.nhgri.nih.gov/HGP Zusätzlich werden Erläuterungen zur Erklärung der Funktion aller dieser Gene präsentiert. http://www.osu.edu/researchnews/archive/genome.htm

Beide früheren Arbeitsversionen des menschlichen Genoms waren von rund 35.000 Genen ausgegangen, damit weit weniger als die ursprünglich erwarteten 100.000 bis 120.000. Das höhere Ergebnis sei laut dem leitenden Wissenschaftler Bo Yuan darauf zurückzuführen, dass 13 verschiedene Gendatenbanken mit den DNA-Sequenzen der Arbeitsversion des Human Genome Project verglichen wurden. Die früheren Entschlüsselungsversuche basierten für die Lokalisierung der Gene hauptsächlich auf zwei Datenbanken. Genome Biology http://www.genomebiology.com/start.asp


 


 

Umfassender Zugang zu humaner Gendatenbank beendet
Human Genome Sciences nutzt vermutlich Daten für eigene Medikamentenproduktion

Das börsennotierte US-Unternehmen Human Genome Sciences (HGS) http://www.hgsi.com , das die menschliche Gendatenbank kontrolliert, will ihren kostenpflichtigen umfassenden Datenzutritt nicht mehr länger anbieten. Spekulationen zufolge will das Unternehmen die Informationen des Erbguts künftig selbst zur Entwicklung eigener Medikamente nutzen, berichtet die New York Times (NYT) http://www.nytimes.com. Das Genom-Geschäft bei HGS begann 1993, nachdem das Pharmaunternehmen SmithKline Beecham 125 Mio. Dollar für einen Zugriff auf die Humandatenbank bezahlt hatte. Weitere vier Unternehmen brachten HGS jährlich rund 150 Mio. Dollar. Diese Geschäfte sowie die Rechte auf die Daten sind seit dem Wochenende ausgelaufen.

Die Entscheidung des Unternehmens reflektiere den Strategiewechsel von der Bereitstellung der Daten und der Technologie für andere Firmen hin zur Entwicklung eigener Medikamente. Laut NYT geben Investoren viel eher Pharmaunternehmen den Vorzug als Genom-Technologie-Unternehmen. Dieser Trend sei auch bei anderen Genomikfirmen zu erkennen.

Human Genome Sciences testet derzeit drei Medikamente in klinischen Tests, die auf Basis der Datenbank entwickelt wurden. Von den fünf bestehenden Partnern machte bisher nur GlaxoSmithKline einen derartigen Vorstoß und erprobt derzeit ein Medikament gegen kardiovaskuläre Erkrankungen. GlaxoSmithKline, Schering-Plough, Takeda Chemical Industries, Merck und Sanofi-Synthelabo betreiben zusammen 430 Programme, die 280 verschiedene Gene für die Entwicklung von Medikamenten mit einbeziehen. Die Medikamente sollen auf Basis der von den Genen produzierten Proteine wirken, in 30 Fällen wirkt das Protein selbst als Medikament. Die Unternehmen können diese Programme fortsetzen, müssen allerdings für jedes auf den Markt kommende Medikament Lizenzgebühren bezahlen.

Die Gendatenbank beinhaltet Informationen von mehr als 90.000 menschlichen Genen, so der Geschäftsführer William Haseltine. Wissenschaftler, die das vollständige Humangenom sequenzierten, reduzieren diese Zahl allerdings auf lediglich 30.000 Gene. Die Genomik ermöglicht ein breites Anwendungsspektrum, regte aber jüngst zu Debatten an, inwieweit die Methode Erfolg verspricht.



 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:33:58
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