Chemischer Fingerabdruck als Beweismittel
Rückstände von Schweiß und Fett als charakteristisches
Merkmal
Schwitzig-fettige Rückstände von Fingerabdrücken könnten zukünftig
Verbrecher identifizieren. Das behaupten zumindest Forscher des Lawrence
Berkeley National Laboratory
http://www.lbl.gov . Sie untersuchen derzeit, inwieweit sich das typische
Gemisch aus Protein, Salzen und Fett neben einem individuellen Wirbel- und
Rillenmuster als charakteristisches Merkmal eines Menschen eignet, so ein
Bericht des Fachmagazins New Scientist
http://www.newscientist.com
.
Dem Forschungsteam um Dale Perry ist es mit Hilfe der Synchrotronstrahlung
bereits gelungen, die chemische Zusammensetzung von Proben in einer
Größenordnung von ca. zehn Mikrometern zu analysieren. Scheint ein dünner
Infrarotstrahl auf die Probe erlaubt die absorbierte Wellenlänge Rückschlüsse
auf die chemische Eigenschaft der Substanz. Das Verfahren verändert die
Abdrücke nicht und ist laut Perry 100 Mal empfindlicher als herkömmliche
Methoden. Dadurch seien weitere kriminaltechnische Untersuchungen problemlos
durchführbar.
Ob der chemische Fingerabdruck den physikalischen ersetzen kann bedarf
allerdings noch einiger Forschungszeit. Noch ist nicht geklärt, ob die
Zusammensetzung des Abdrucks tatsächlich einzigartig ist. Im Jahr 1999 stellte
Gary Mong vom Pacific Northwest National Laboratory durch gaschromatografische
Methoden fest, dass 79 Testpersonen unterschiedliche Schweißprofile auf den
Fingerabdrücken aufwiesen. "Vermutlich kann durch den Abdruck auch Alter und
Geschlecht festgestellt werden." so Mong.
Stephen Homeyer von der gerichtswissenschaftichen Forschungsabteilung des
FBI in Quantico, Virginia, stimmt zwar zu, dass Schweißprofile Bedeutung haben
könnten, ist aber nicht überzeugt von der Idee, dass Rückstände auf
Fingerabdrücken mit der Identität zusammenhängen. "Die Fingerabdrücke werden
auch vom berührten Gegenstand und Umweltkontaminanten beeinflusst", so
Homeyer. Zudem bezweifelt er, dass jedes Gerichtslabor die Ausrüstung für die
Erzeugung von Synchrotronstrahlung besitzt. Synchrotronstrahlung entsteht,
wenn energiereiche Elektronen in den Ablenkmagneten von Teilchenbeschleunigern
oder in speziellen Magnetstrukturen beschleunigt werden. Was zunächst nur als
lästiges Abfallprodukt der Teilchenphysik erschien, ist inzwischen zu einem
wichtigen Werkzeuge in allen naturwissenschaftlichen Disziplinen und in der
medizinischen Diagnostik geworden.

Kongress zur DNA-Analytik in der Rechtsmedizin
400 Experten zur Tagung erwartet
Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der DNA-Analytik und Perspektiven
für die Rechtsmedizin stehen im Mittelpunkt des 19. Kongresses der
Internationalen Gesellschaft für Forensische Genetik (ISFG)
http://www.isfg.org vom 28.
August bis 1. September in Münster. Rund 400 Experten aus aller Welt werden zu
der Tagung erwartet.
http://medweb.uni-muenster.de/institute/remed/ISFG2001/isfg2001.html
Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht die Entwicklung und Anwendung
molekulargenetischer Untersuchungen für die Rechtspflege. Molekulargenetische
Methoden in der Rechtsmedizin haben die Verbrechensaufklärung in den
vergangenen Jahren wesentlich erleichtert. Kleinste Mengen an biologischem
Material sind mittlerweile ausreichend, um eine Spur zu individualisieren und
dadurch den Täter zu überführen.
Ausgerichtet wird der Kongress der ISFG vom Institut für Rechtsmedizin der
Universitätsklinik Münster. Die letzte internationale Tagung der
wissenschaftlichen Gesellschaft, die weltweit über 700 Mitglieder aus 51
Ländern verbindet, wurde 1999 in San Francisco abgehalten.
