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Landkrebs mit Insektennase
Beispiel für konvergente Evolution gefunden

Ein Landkrebs hat eine Naturerfindung der Insekten "wiedererfunden". Für Evolutionsbiologen ist das Riechorgan des größten Landkrebses, des Palmendiebes (Birgus latro), ein einmaliges Beispiel konvergenter Evolution. Ein schwedischer Forscher hat auf der zu Australien gehörenden Christmas Island im Indischen Ozean nun den Beweis gefunden, berichtet er im Wissenschaftsmagazin Current Biology http://www.current-biology.com .

Unter konvergenter Evolution versteht man die Evolution gleichartiger Bauprinzipien unter ähnlichem Evolutionsdruck. Beispiele lassen sich in großer Zahl im Pflanzen- aber auch im Tierreich finden. So hat der Palmendieb sein Geruchsorgan ebenso erworben wie seinerzeit die Vorfahren der Insekten. Bei den Insekten wurde das Geruchsorgan etwa zwischen 438 und 408 Mio. Jahren als sie erstmals an Land gingen, entwickelt.

Die Geschichte des Riechorganes am Palmendieb ist anders verlaufen. Der Palmendieb gehört nicht zu den Insekten, sondern zu den Krebstieren. Er ist ein naher Verwandter der wasserlebenden Einsiedlerkrebse. Der Weg an Land hat dazu geführt, dass die Tiere auch Riechorgane brauchten, um erfolgreich auf Nahrungssuche zu gehen. Dieses Riechorgan, Aesthetas genannt, befindet sich auf den Antennen und weist zahlreiche Ähnlichkeiten mit dem olfaktorischen Organ der Insekten, Sensilia genannt, auf.

Dem Forscherteam um Marcus Stensmyr von der schwedischen Universität für landwirtschaftliche Forschung ist es gelungen das Leben des bis zu vier Kilogramm schweren nachtaktiven und aggressiven Palmendiebes zu studieren. Diese Krebse waren auf den meisten Inseln im indischen und pazifischen Ozean häufig, sind aber aufgrund ihres wohlschmeckenden Fleisches zum Teil vom Aussterben bedroht. Die bis zu 50 Zentimeter großen Krebse klettern auf Palmen und können mit ihren massiven Scheren sogar Kokosnüsse knacken. Der Palmendieb ist an das Leben an Land optimal angepasst und würde im Wasser ertrinken. In Versuchen konnten die Forscher zeigen, dass die Tiere durch verwesendes Fleisch und Obstgerüche über weite Strecken angelockt werden.

Die zu Australien gehörende knapp 135 Quadratkilometer große Christmas Island http://www.christmas.net.au ist zu 60 Prozent ein Nationalpark. Zu den Besonderheiten der Insel zählen die endemischen Roten Landkrabben (Gecarcoidea natalis), die einmal jährlich zur Eiablage ins Meer wandern, sowie weitere zwölf Spezies von Landkrabben. Auch sie haben sich auf ein Leben an Land völlig eingestellt, brauchen aber für den ersten Teil des Lebenszyklus den Ozean, aus dem sie dann als fertige Krebstiere wieder an Land gehen.

Weitere Informationen: Christmas Island National Park http://www.deh.gov.au/parks/christmas/
 

 


 

Insekten fressen Nordamerikas Wälder auf
Wärmeres Klima sorgt für Explosion der Schädlings-Population

Die wärmeren Sommer haben im westlichen Kanada und in Alaska dafür gesorgt, dass zwei weit verbreitete Waldschädlinge riesige Schäden angerichtet haben. NASA-Forscher haben nach Auswertungen von Satellitenbildern auch davor gewarnt, dass die europäischen und sibirischen Wälder davon bedroht sind, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com . Das Sterben der Wälder würde außerdem die Atmosphäre mit zusätzlichem CO2 belasten.

Chris Potter, Ökologe des NASA Ames Research Center http://www.nasa.gov/centers/ames/home/index.html im kalifornischen Moffett Field, hat mit seinem Team die Satellitenbilder, die im Zuge des NASA Global Disturbances Project gemacht wurden, ausgewertet. Dabei wurden Vegetationsveränderungen während der vergangenen 19 Jahre bis 2000 genau untersucht. Die Forscher haben vor allem in Wäldern, die nicht geschlagen oder sonst kommerziell genutzt wurden, deutliche Spuren einer Ausdünnung der Grüntönung im Zeitraum von 1995 bis 2000 festgestellt. "Es sah aus, als wären Teile dieser Wälder einem Feuer zum Opfer gefallen", so Potter. "Wenn diese Bäume noch nicht tot sind, dann werden sie bald sterben."

Bis jetzt sind die Bestände der Bäume dieser weitgehend unbewohnten Regionen unbeobachtet geblieben. Für die Schäden an den Bäumen haben die Forscher bereits zwei Spezies ausgemacht: Den Borkenkäfer Dendroctonus ponderosae und die Motte Christoneura fumiferana. Beide leben in jedem gesunden Wald auch. Allerdings haben die wärmeren Temperaturen während der Wintermonate dafür gesorgt, dass diese beiden Lebewesen die kältere Saison gut überleben und in großer Zahl im Frühling auftreten. Üblicherweise sterben nämlich die meisten Tiere durch die tiefen Wintertemperaturen. Während der vergangenen 19 Jahre wurden auf der Nordhalbkugel die wärmsten Wintertemperaturen gemessen. Das Forscherteam will sich in einer weiteren Periode auch die Wälder im Norden Eurasiens genauer anschauen.


 

Vokale Fähigkeiten bei Nicht-Menschenaffen entdeckt
Humane Sprachentwicklung anhand von Primaten erforscht

Diana-Affen verfügen über einen komplexen Stimmtrakt, der - so haben Forscher nun entdeckt - möglicherweise Rückschlüsse auf die Entwicklung des Stimmapparates beim Menschen gibt. Ein britisch-amerikanisch-deutsches Wissenschaftsteam hat erst jetzt entdeckt, dass diese Nicht-Menschenaffen wesentlich differenziertere Laute von sich geben können als bisher vermutet, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk .

Bisher waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, dass nur Menschenaffen über diesen Stimmapparat verfügen. Damit verändern die Erkenntnisse aber in erster Linie die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Stimme, denn die Forscher glauben, dass einige der Strukturen zur Ausprägung der Sprache bereits vor Mio. Jahren bei früheren Primaten vorhanden waren. Anhand der Tonfolgen der Diana-Affen konnten die Forscher feststellen, dass ein komplexer Stimmapparat vorhanden sein muss, denn nur in einem solchen können differenzierte Töne produziert werden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Journal of Human Evolution.

Die Forschungsarbeit der Wissenschaftler von der britischen St. Andrews University, der Berliner Humboldt Universität und dem Baltimore Zoo im US-Bundesstaat Maryland hat ergeben, dass die Ergebnisse aber nicht bedeuten, dass die Tiere deswegen in der Lage sind, komplexeres als jene Laute zu erzeugen, die sie in der Wildnis verwenden. Allerdings weisen die Forscher auch darauf hin, dass es das erste Mal sei, dass bei Säugetieren, die nicht Menschenaffen sind, ein solcher anatomisch komplexer Vokaltrakt entdeckt wurde. Die Forscher machten die Entdeckung bei Röntgenaufnahmen und der Untersuchung eines toten Affen.
 


 

Zensus am Meeresgrund soll Licht ins Dunkel bringen
Mehr als 13.000 neue Spezies entdeckt

Mehr als 13.000 neue Arten hat das Zehn-Jahres-Forschungsprogramm Census of Marine Life http://www.coml.org im Ozean gefunden. Das Ergebnis ist nun in London präsentiert worden. Darüber hinaus ist es den Wissenschaftlern aus 70 Staaten gelungen, bisher unbekannte Migrationsrouten von Tunfischen und Haien zu erforschen. Die Kosten für das Projekt liegen bei einer Mrd. Dollar.

Neben dem wissenschaftlichen Wert sollen die Erkenntnisse auch dazu führen, dass der kommerzielle Fischfang unter nachhaltigen Bedingungen stattfinden kann. Die wichtigsten Forschungsvorhaben sind allerdings die Suche nach neuen bisher unbekannten Spezies in der Tiefsee. "Über die ersten 100 Meter wissen wir schon Einiges. Alles was aber darunter liegt, ist quasi Neuland", so Ron O'Dor, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsprogramms in Washington. "Wenn ein Fisch in 2.000 Metern Tiefe gefangen wird, ist die Chance, dass es sich um eine wissenschaftliche Sensation handelt, schon sehr groß", erklärt der Forscher.

Im Vergleich zu den Ergebnissen im Jahr zuvor war die Ausbeute seit dem letzten Jahresbericht diesmal gewaltig. Vor allem das Bild wie das Leben in der Tiefsee tatsächlich funktioniert, fasziniert die Wissenschaftler. "In einigen Resultaten konnten wir eine Zirkulation entdecken, die wie ein Doughnut aussieht", so Fred Grassle von der Rutgers University. Diese Doughnut-Ringe von einem Durchmesser von zehn Kilometern lagen Tausende Meter in der Tiefsee.

Ein weiterer Teil des Forschungsprojekts ist die Schaffung der Ocean Biographic Information System Datenbank. Bisher sind mehr als 5,2 Mio. Einträge mit Vorkommen, Daten und Meerestiefe erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies um 1,1 Mio. mehr. Damit sind 38.0000 marine Lebewesen vom Wal bis zum Zooplankton beschrieben. Ein Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem mittelatlantischen Rücken und den 80.000 dort vorkommenden Spezies. Mindestens 100 neue Fischarten sind dort im Vorjahr neu entdeckt worden. Die gesamte Zahl an Fischarten liegt derzeit bei mehr als 15.000 Spezies. Bis zum Projektende schätzen die Forscher die Gesamtzahl dann auf rund 20.000.

Eines der wesentlichen Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit den Mikroben, die 90 Prozent der ozeanischen Biomasse ausmachen. Sie spielen im globalen Klimageschehen des Planeten eine wesentliche Rolle, da sie CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen.
 


 

Geheimnisvolle Riesen-Tausendfüßler entdeckt
Madagaskars Regenwald beherbergt große Zahl unbekannter Spezies

 

[Pressefoto anzeigen]
 
Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum http://www.rub.de haben bei Forschungsarbeiten in Madagaskar Riesenkugler, eine Art von Riesen-Tausendfüßlern, die im zusammengerollten Zustand so groß wie eine Orange sind, entdeckt. Insgesamt fünf bisher unbekannte Arten hat der Zoologe Thomas Wesener entdeckt. Die Tiere spielen eine wesentliche Rolle bei der Zersetzung von Laub und Holz.

Die Riesenkugler (Zoosphaerium sp.) sind älter als die Dinosaurier und sorgen im Regenwald für nährstoffreiche Böden. Seit mehr als 100 Jahren waren diese Tiere, die sich zu einer perfekten Kugel einrollen können, nicht mehr Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Die Tiere haben eine große ökologische Bedeutung, da sie sich nach heutigem Kenntnisstand ausschließlich von altem Laub und vermoderndem Holz ernähren. Daher spielen gerade Riesenkugler in ihren Verbreitungsgebieten eine zentrale, unverzichtbare Rolle bei der Zersetzung von Laub, ähnlich wie in unseren Breiten die Regenwürmer. Als "Streuabbauer" zerkleinern sie totes Pflanzenmaterial, so dass Mikroorganismen dieses leichter zersetzen können und die Hauptnährstoffe den Pflanzen wieder zur Verfügung stehen. Zudem durchmischen die Riesenkugler durch ihre Grabtätigkeiten den Boden und lockern ihn auf. Besonders die Böden in Plantagen sind in Gebieten mit Riesenkuglern deutlich nährstoffreicher als dort, wo diese Tiergruppe nicht mehr auftritt.

Gefunden hat Thomas Wesener die Riesenkugler im Küstenregenwald Madagaskars. Drei der Arten kamen nur in jeweils einem der verbliebenen Regenwaldgebiete vor, sie sind hier endemisch. Ein Großteil der Wälder, die einst fast die gesamte Insel bedeckten, ist bereits verschwunden. Auch die noch verbliebenen Regenwälder sind von Abholzung bedroht. Wenn die Wälder verschwunden sind, wird die dünne Humusschicht binnen kürzester Zeit weggeschwemmt und eine lebensfeindliche Steppenlandschaft tritt an ihre Stelle.

Nach Berichten der Australian ABC-News http://www.abc.net.au sind auch die Regenwälder der Insel Neuguinea massiv unter Druck. Nach Angaben von Greenpeace International http://www.greenpeace.org wurde der diesjährige Bericht von Rimbunan Hijau über den Zustand der Regenwälder auf der Insel von zahlreichen Holzeinschlags-Unternehmen scharf kritisiert. Der Umweltorganisation drohen zahlreiche Klagen. Greenpeace hält jedoch daran an den Anschuldigungen über ökologisch bedenkliches Verhalten und Missbrauch von Menschen- und Bürgerrechten beim Holzeinschlag fest.
 
 


 

Schimpanse lernt das Sprechen
Kritiker: Geräusche sind keine Sprache

Wissenschaftler der Georgia State University in Atlanta http://www.gsu.edu haben nach Angaben von BBC-Online http://bbc.co.uk einem Schimpansen das Sprechen beigebracht. Damit wollen die Forscher zeigen, dass Affen entgegen bisherigen Behauptungen in der Lage sind, Worte zu formulieren. Die Ergebnisse sollen im Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com veröffentlicht werden. Bereits jetzt rechnet BBC, dass die Forschungsergebnisse unter schweren Beschuss anderer Wissenschaftler kommen werden.

Jared Taglialatela und Sue Savage-Rumbaugh haben bei Kanzi, einem Zwergschimpansen, entdeckt, dass er bei bestimmten Handlungen und Gegenständen vier verschiedene Geräusche von sich gab.. Diese Geräusche korrespondierten mit den Begriffen "Banane", "Trauben", "Fruchtsaft" und "Ja". Aber auch in verschiedenen anderen Zusammenhängen verwendete Kanzi diese Laute. Die Forscher bemerkten jedoch, dass Kanzi, egal in welcher emotionalen Stimmung er war, das "Ja" nicht veränderte. "Das haben wir ihm nicht beigebracht", erklärt Taglialatela. Er mache dies ganz von sich selbst aus. Das weise daraufhin, dass es eine kognitive Komponente gebe, meint die Wissenschaftlerin.

Die Definition, wie sich Sprache aber generell erklärt, macht den Unterschied aus, meinen Kritiker. Andere Forscher setzen voraus, dass zu einer Sprache eine ausgeprägte Syntax gehört. Eine symbolische Kommunikation, wie sie viele Primaten haben, habe daher nichts mit Sprache im eigentlichen Sinne zu tun. Interessant sei die Erforschung der Kommunikation unter den Primaten allerdings trotzdem, räumt der Forscher John Mitani von der Universität Michigan in Ann Arbor ein. "Diese Ansätze von Kommunikation geben Aufschluss über die Entwicklung des Menschen", so der Primatologe.


 

"Feuerkäfer" fliegt auf Waldbrände
Merimna atrata nimmt Infrarot-Strahlung wahr
 

Der australische "Feuerkäfer" Merimna atrata kann sich im wahrsten Sinne des Wortes für Waldbrände erwärmen: Biologen der Universität Bonn http://www.uni-bonn.de entdeckten bei ihm einen speziellen Sensor, der auf Infrarot-Wärmestrahlung anspricht. Das Gespür fürs Brenzlige braucht das Insekt für seine Fortpflanzung, denn die Merimna-Larven entwickeln sich nur in frisch verbranntem Holz.
 

An vier Stellen weist der Kutikula-Panzer am Hinterleib des Käfers spezialisierte Bereiche auf. Unter den leichten Dellen liegt ein ganzes Bündel Nerven-Enden, die durch einen Luftsack vom Rest des Insekts isoliert sind. Bei ihren Experimenten erwärmten die Wissenschaftler diese Temperaturfühler mit einem Laser. Daraufhin veränderte sich die Frequenz der Nervenimpulse. Konnten die Forscher bei Raumtemperatur knapp zehn Impulse pro Sekunde messen, verzeichneten sie bei einer Erwärmung um 20 Grad weit über 100. Selbst ein Temperaturanstieg um 0,7 Grad hatte ein verändertes Erregungsmuster zur Folge. Die Biologen vermuten, dass der Feuerkäfer sogar noch Temperaturunterschiede von wenigen hundertstel Grad wahrnehmen kann.
 

"Waldbrand-Sensoren" sind im Reich der wirbellosen Tiere außerordentlich selten. Bisher sind lediglich zwei Käfergattungen mit Infrarot-Rezeptoren bekannt.


 


 

Barthaare weisen Robben den Weg
Vibrissen nehmen kleinste Wasserbewegungen wahr

 Zuweilen reibt sich die Technologie an Rätseln auf, die die Natur längst gelöst hat. So besitzen Robben ein Unterwasser-Orientierungssystem, mit dem sie Wasserbewegungen in der Größenordnung von weniger als einem Tausendstel Millimeter wahrnehmen können - über ihre Barthaare (Vibrissen). Das haben Wissenschaftler der Universitäten Bochum http://www.ruhr-uni-bochum.de und Bonn http://www.uni-bonn.de jetzt bei einem ganz eigenen Experiment herausgefunden. Ihre Entdeckung veröffentlichten sie im Fachmagazin "Science".

Die Forscher setzten zwei Seehunde in einen Ring oberhalb der Wasserfläche ihres Schwimmbeckens und starteten ein selbstlaufendes Mini-U-Boot im Pool. Damit die Tiere das U-Boot aber weder sehen noch hören konnten, bekamen sie undurchsichtige Strumpfmasken und Kopfhörer übergezogen. Nachdem das U-Boot einige Sekunden lang auf einem nicht vorhersehbaren Kurs gefahren war, schaltete es sich ab und trieb lautlos im Wasser. Daraufhin nahmen die Wissenschaftler den Tieren die Kopfhörer ab - das Signal zum Start - und ließen sie noch immer von der Maske geblendet abtauchen und nach dem U-Boot suchen.

"Sobald die Seehunde dessen Kurs kreuzten, zeigte ein deutlicher Richtungswechsel in ihrem Schwimmverhalten, dass sie die Spur gefunden hatten und ihr jetzt folgten", erinnert sich der Bochumer Biologe Dr. Guido Dehnhardt. Analysen von Videoaufnahmen bestätigten, dass die Tiere den Kurs des U-Boots stets richtig bestimmten und jede kleine Kursänderung genau verfolgten. Lief dagegen der Motor des U-Boots noch, wenn den Robben die Kopfhörer abgenommen wurden, richteten sie sich nach dem Klang und schwammen direkt auf die Schallquelle zu. "Seehunde orientieren sich in der Realität also multimodal, mit den Ohren, der Nase, den Augen und den Vibrissen", so Dehnhardt.

Ebenso wie andere marine Säuger leben Robben häufig in Gewässern, in denen die Sicht durch Dunkelheit oder Trübung stark eingeschränkt ist. Während Zahnwale diese Einschränkung durch aktive Echoortung als Fernerkundungssystem kompensieren können, war es Wissenschaftlern trotz intensiver Studien bislang nicht gelungen, diese Fähigkeit auch bei Robben nachzuweisen. Sie hatten angenommen, dass sich Seehunde und Seelöwen neben dem begrenzten Einsatz ihrer Augen hauptsächlich durch ihr passives Gehör in den Ozeanen orientieren und Beute machen.


 


Das Leuchten der Glühwürmchen
Schaltmechanismus der Biolumineszenz-Organe entschlüsselt

US-Forscher um Barry Trimmer von der Tufts University http://www.tufts.edu haben den "Schalter" identifizieren können, mit dem Glühwürmchen das Licht ihres leuchtenden Hinterteils in Sekundenbruchteilen an- und ausschalten können. Die Funktionsweise der Leuchte, die wie bei Quallen oder einigen Bakterien über Biolumineszenz "betrieben" wird, ist bereits lange bekannt. Doch erstmals gelang es jetzt, den Steuermechanismus zu analysieren, mit dem die Käfer ihre Codes abgeben, berichtet das Fachblatt Science http://www.sciencemag.org/.

Jede der mehreren hundert unterschiedlichen Glühwürmchenspezies verwendet eine eigene typische Blinkfolge - um das andere Geschlecht oder um Beute anzulocken. Die präzise regulierten Lichtfolgen variieren auch zwischen Männchen und Weibchen. Nur zwei Wochen lang, nach der Geschlechtsreife, senden die Insekten ihre Leuchtzeichen aus. Quelle sind die Zellen einer "Biolaterne" am unteren Ende des Bauches. Die Forscher fanden nun heraus, dass einfache Stickstoffoxid-Moleküle als Schalter für die Leuchten dienen. Stickstoffoxid dient auch beim Menschen wichtigen Zwecken: Im Hirn ist es für die Übertragung von Nervensignalen zuständig, im Blutkreislauf für die Erweiterung der Brutgefäße - ein Angriffspunkt für das Medikament Viagra.

Die Forscher hatten das Leuchten der Käfer in präparierten Kammern untersucht und die direkte Wirkung von Stickstoffoxid auf die "Biolaternen" festgestellt. Daraufhin untersuchten sie den Mechanismus, mit dem die Insekten die Gasmoleküle produzieren können, um das Leuchten gezielt an- und auszuschalten. Stickstoffoxid veranlasst Teile der lichtproduzierenden Zellen, die Sauerstoff benötigen, zum Abschalten. Dadurch strömt Sauerstoff ins Innere der Zellen und reagiert mit den Chemikalien Luciferin und Luciferase, die das Leuchten erzeugen. Fehlt das Stickstoffoxid-Molekül, so beginnen die "Sauerstoff-Wärter" wieder zu arbeiten und binnen Millisekunden ist das Licht wieder abgeschaltet.



 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:33:54
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