Medizin-Zeitschriften verschärfen
Publikations-Richtlinien
Studien müssen Unabhängigkeit nachweisen
Die Sicherheit der Patienten ist bedroht, da wirtschaftliche Interessen
dazu führen, dass die Ergebnisse von Medikamententests verdreht werden. Diese
Anschuldigung haben elf führende medizinische Zeitschriften wie The Lancet
http://www.thelancet.com,
das British Medical Journal
http://www.bmj.com, das Canadian Medical Association Journal
http://www.cma.ca/cmaj und
das Journal of the American Medical Association
http://jama.ama-assn.org
erhoben. Das International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE) hat
jetzt seine Richtlinien für die Publikationen von wissenschaftlichen Arbeiten
verschärft. Das Komitee droht, zum Schutz der Patienten nur noch Tests zu
veröffentlichen, deren Unabhängigkeit nachgewiesen werden kann.
Wie die BBC berichtet, soll in machen Fällen der Nutzen neuer Medikamente
hochgespielt und die Nebenwirkungen verschwiegen worden sein. Neun von zehn
Kritikern erklärten, sie hätten Studien erhalten, die einseitig die Vorteile
von Medikamenten betonten. Die Hälfte dieser wissenschaftlichen Arbeiten habe
man abweisen müssen. Bei anderen Texten war es notwendig, sie vor der
Veröffentlichung entsprechend umzuschreiben. Richard Horton, der Herausgeber
von The Lancet, erklärte, dass alle Unterzeichnenden Fälle erlebt hätten, in
denen finanzielle Interessen vor dem Wohl der Patienten standen.
Das Komitee sei sich dessen bewusst, dass klinische Studien teuer seien und
daher eine Finanzierung durch die Pharmaindustrie notwendig, so Horton.
Entscheidend sei jedoch, dass die beteiligten Unternehmen nur die zweite Geige
spielten. In Zukunft sollen daher keine Studien mehr veröffentlicht werden,
die dem Sponsor die alleinige Kontrolle über die Daten oder ein Zurückhalten
der Veröffentlichung ermöglichen. Richard Smith, der Herausgeber des British
Medical Journal erklärte, dass man ab jetzt detaillierte Informationen zu der
Rolle der Autoren und Sponsoren einer Studie verlangen werde. Dieses Vorgehen
sei jedoch nicht als Angriff auf die Pharmaindustrie zu sehen. "Viele
Unternehmen verfügen über hohe ethischen Standards und werden daher keine
Schwierigkeiten mit den neuen Richtlinien haben. Krankenhäuser und Regierungen
werden vor allem dann an strengen Kontrollen interessiert sein, wenn
Forschungsergebnisse der derzeitigen Lehrmeinung widersprechen." Die Details
des Aufrufes:
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2001-09/bmj-coc090701.php
Alle Fachmagazine auf einen Blick: Annals of Internal Medicine, Journal of
the American Medical Association, British Medical Journal, Canadian Medical
Association Journal, Ugeskrift for Laeger, The Lancet, US National Library of
Medicine, New Zealand Medical Journal, Tidsskrift for Den Norske legeforening,
Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde, New England Journal of Medicine.
