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Extrazahlung für Contergan-Opfer angekündigt
Mit zunehmendem Alter muss Wohnraum adaptiert werden

Das Pharmaunternehmen Distillers hat eine zusätzliche Kompensationszahlung für Contergan-Opfer in der Höhe von 70 Prozent der jährlichen Zahlungen angekündigt. Durchschnittlich erhalten die Betroffenen laut Disability Now http://www.disabilitynow.org.uk heute rund 13.000 Pfund als Entschädigung. Der Wirkstoff Thalidomid wurde 1961 vom Markt genommen, nachdem rund 10.000 Kinder mit teilweise schweren Schädigungen auf die Welt gekommen waren. Heute ist Distillers ein Teil der Diageo Unternehmensgruppe. http://www.diageo.com

Der Thalidomide Trust, der die Zahlungen an die 459 Betroffenen in Großbritannien durchführt, erklärte, dass jetzt häufig teuere Adaptierungen zum Beispiel des Wohnraumes erforderlich würden. Der Vorsitzende Martin Johnson berichtete, dass mit dem Erreichen des 40. Lebensjahres Personen, die ihre Arme nicht voll nutzen konnten, unter spezifischen Hüftproblemen zu leiden begannen. Aufgrund der verringerten Mobilität wurde es daher fallweise erforderlich, aus Gebäuden mit zwei Stockwerken auszuziehen und neuen Wohnraum zu schaffen. "Viele der Betroffenen mussten ihr zukünftiges Einkommen belasten, um Lösungen für akute Probleme zu realisieren. Die bereitwillige Zusage von Diageo kam völlig unerwartet. Geld kann keine fehlenden Arme und Beine ersetzen. Es kann das Leben aber um einiges leichter machen", so Johnson.


 

Ausgetrickste Eizellen liefern embryonale Stammzellen
Neues Verfahren versucht ethische Bedenken zu umgehen

Ein Trick, der menschliche Eizellen dazu bringt sich zu teilen als ob sie befruchtet wären, kann eine Form der Gewinnung embryonaler Stammzellen ermöglichen, die Einwände gegen bestehende Verfahren umgeht. Zusätzlich könnte dieser Ansatz zur Verbesserung der Erfolgsrate bei künstlichen Befruchtungen eingesetzt werden. "Embryos", die so entstehen, enthalten keine väterlichen Chromosomen, sondern nur jene der Mutter und können sich so nicht zu Kindern weiterentwickeln. Die überlisteten Eizellen teilen sich laut NewScientist vier oder fünf Tage lang bis sie mit 50 bis 100 Zellen das Stadium der Blasozysten erreichen. Diese Keimbläschen sollten theoretisch Stammzellen enthalten. Da sie aber nur aus einer Eizelle entstanden sind, können sie nicht als potenzielles menschliches Leben angesehen werden, argumentierte Karl Swann vom University of Wales College of Medicine. http://www.cardiff.ac.uk Die Forschungsergebnisse wurden in Reproduction http://www.reproduction-online.org veröffentlicht.

Die Wissenschafter brachten die Eizellen dazu sich zu teilen, in dem sie PLC-zeta injizierten. Dieses Enzym wird vom Sperma produziert. Bei PLC-zeta handelt es sich laut Swann um den Funken des Lebens. Es bringt die Eizelle dazu, davon auszugehen, dass sie befruchtet wurde. Menschliche Eizellen enthalten zwei Chromosomenpaare, von denen eines normalerweise innerhalb von zwei Stunden nach der Befruchtung verworfen wird. Mittels einer chemischen Behandlung verhinderte das Team diesen Vorgang. Die entstehenden Embryos schienen die gleichen Veränderungen zu durchlaufen wie natürlich befruchtete Eizellen. Swann hofft, mit diesem Verfahren als Erster embryonale Stammzellen produzieren zu können. Weitere Wissenschafter wie David Wininger von der Wake Forest School of Medicine arbeiten ebenfalls in diesem Gebiet.


 

Geklonter Embryo sorgt für Jubel und Empörung
"Meilenstein der Forschung" gegen "menschliches Ersatzteillager"
 

Die Bekanntgabe des US-Unternehmens Advanced Cell Technology (ACT) http://www.advancedcell.com , den ersten menschlichen Embryo im Frühstadium geklont zu haben, sorgt für Aufregung. Während der beteiligte ACT-Forscher Robert Lanza von einem Meilenstein auf dem Weg zum therapeutischen Klonen sowie der Gewinnung embryonaler Stammzellen spricht, befürchten Kritiker jetzt die Züchtung menschlicher Ersatzteillager. Lanza sieht den Einsatz der Stammzellen u.a. für die Behandlung von Herzerkrankungen sowie Diabetes. Er berichtete kürzlich auch über die Erfolge beim Klonen von Kühen. Die Forschungsergebnisse wurden im "The Journal of Regenerative Medicine" veröffentlicht.
 

Ob aus dem geklonten Embryonen, der sechs Zellen umfasst, tatsächlich Stammzellen gewonnen wurden, ist derzeit noch nicht bekannt. Nicht geplant ist, den Klon einer Frau einzupflanzen und einen geklonten Menschen zu erzeugen, so die Forscher. "Wir produzieren keine Individuen. Der Klon ist nur zelluläres Leben. Das Projekt soll lebensrettende Therapie für den Menschen ermöglichen", erklärte Lanza. Anderer Meinung ist die amerikanische katholische Bischofskonferenz, die scharfe Kritik am Experiment übte. Bedenken äußert auch der US-Kongress. In einem Fernsehauftritt meinte der demokratische Senator Tom Daschle, er unterstütze das Klonen für Forschungszwecke, sei aber vehement gegen das Klonen zum Zweck der menschlichen Replikation. Daschle hält das Experiment für beunruhigend und einen Schritt in die falsche Richtung.
 

In mehreren US-Staaten, darunter Kalifornien, ist das Klonen von Menschen verboten. Im US-Kongress wird ein derartiges Verbot überlegt. ACT ist von einem Verbot nicht betroffen, da es privat finanziert wird und demzufolge keine Steuergelder der Bevölkerung für die Forschung verwendet. Das US-Bundesgesetz verbietet den Einsatz von Steuergeldern für das Klonen von Menschen, so ein Bericht der BBC-Online http://news.bbc.co.uk . Besorgt äußerte sich auch der demokratische Senator Richard Shelby in einem NBC-Interview: "Wir sehen einer großen Debatte entgegen. Vermutlich wird aber letztendlich das Klonen von Embryonen nicht fortgesetzt werden."
 

Kritik an den umstrittenen Versuchen übte auch US-Präsident George W. Bush. Er sei entschieden gegen diese Art des Klonens. Bush gab am 9. August dieses Jahres bekannt. die Forschung an bestehenden Stammzellen finanziell zu unterstützen. Wie die meisten Amerikaner sei aber auch er gegen menschliches Klonen. "Der Präsident hofft, dass vom US-Kongress rasch ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wird", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jennifer Millerwise.
 

Hintergrund: Für das Experiment haben sieben Frauen im Alter zwischen 24 und 32 Jahren insgesamt 71 Eizellen zur Verfügung gestellt. Aus diesen wurden 39 ausgesucht und auf zwei verschiedene Weisen behandelt. In beiden Fällen teilte sich ein Großteil der Zellen bis über das Acht-Zell-Stadium hinaus. Dadurch können laut Angaben der Forscher auf "embryonalen" Umwegen Stammzellen aus den Zellen von Patienten geschaffen werden. Diese würden vom Immunsystem nicht abgestoßen werden. Die Stammzellen von Embryonen können sich in fast alle Gewebe entwickeln; in den Körper von Patienten implantiert würden sie die Aufgabe verschlissener Organe übernehmen.
 


 

Hawking warnt vor Übernahme der Welt durch Computer - Britischer Physiker für gezielte
Veränderung von menschlichem Erbgut

Der britische Physiker Stephen Hawking hält eine Veränderung des menschlichen Erbguts für
notwendig, um den Intelligenzvorsprung des Menschen vor technischen Systemen zu erhalten. In
einem am Montag erscheinenden Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte Hawking,
mit "gezielten Veränderungen des Erbguts" könne die "Komplexität" der DNS erhöht und der
Mensch damit verbessert werden.

Die Menschheit solle "diesen Weg einschlagen, wenn wir wollen, dass biologische Systeme den
elektronischen überlegen bleiben". Durch immer leistungsfähigere Computer und Software
bestehe die Gefahr, dass diese "Intelligenz entwickeln und die Welt übernehmen", sagte
Hawking dem Blatt weiter.

Hawking ging in die Wissenschaftsgeschichte ein durch seine Theorie der Schwarzen Löcher und
bahnbrechende Arbeiten zu Ursprung und Entwicklung des Kosmos. Sein 1988 erschienenes Buch
"Eine kurze Geschichte der Zeit" wurde weltweit ein Bestseller. Wegen einer seltenen
Nervenerkrankung ist Hawking an den Rollstuhl angewiesen und kann nur über Computer mit
seiner Umwelt kommunizieren.

 


Genozentrisches Weltbild durch neue Daten relativiert
Embryonenforschung im Brennpunkt der Ethikdebatte
 

Die Stammzellenfoschung hat seit 1999 die Erwartungen übertroffen. Mit dieser Feststellung eröffnete der Wiener Gynäkologe Johannes Huber von der Uni-Frauenklinik seinen Vortrag bei der Plenarveranstaltung "Forschung an Embryonen: Wohin tendiert Europa?" der Alpbacher Gesundheitsgespräche http://www.alpbach.org . Den jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge würden molekular-embryologische Daten das genozentrische Weltbild relativieren. In diesem wird die im deutschen Embryonenschutzgesetz 1990 verankerte Position vertreten, dass durch die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle unweigerlich embryonales Leben entsteht. Tatsache sei allerdings, dass die Vereinigung dieser Zellen nicht der Anfang menschlichen Lebens ist.
 

"Der Chromosomensatz eines Embryos, der bei der Befruchtung von Ei- und Samenzelle entsteht, ist der gleiche, wie er in milliardenfacher Ausführung in jeder Zelle vorkommt, die aber trotzdem nicht die Entwicklung zu einem Embryo macht", führte Huber die Hintergründe aus. Dafür seien nämlich Signale der Mutter, so genannte epigenetische Faktoren, notwendig. Erst danach komme die Embryogenese in Gang. Aus diesem Grund müsse die ausschließliche Konzentration auf die Gene hinterfragt werden, so Huber. Als Beispiele für epigenetische Faktoren (in erster Linie Peptide) nannte der Wissenschaftler die Signale LIF und IL-2.
 

"Es gibt keine Gene, die den homo sapiens zum homo sapiens machen, sondern die Genexpression macht den Menschen zum Menschen", betonte Huber. Für den Sprung vom Primaten zum homo sapiens seien die Signale der Mutter verantwortlich, wobei dies keine genetische Evolution sei. Gefahren ortet der Gynäkologe vielmehr in der Beeinflussung (Manipulation) der Genexpression. Bei der Gesetzgebung für die Gestattung und Einschränkung embryonaler Forschung müssten sich Juristen damit abfinden, dass naturwissenschaftliche Argumente, wenn herangezogen, ständig hinterfragt werden, erklärte Huber in Richtung Deutschland. "Wo sind die wissenschaftlichen Auguren, wenn Deutschland eine falsche wissenschaftliche Aussage perpetuiert?", warf der Wiener Experte die Frage auf.
 

Entscheidend sei aber auch die zukünftige Forschungsaktivität in Bezug auf die Umwandlung der Stammzellen für andere Organe (Leber, Herz etc.), um bisher unheilbare Krankheiten in den Griff zu bekommen. Was mit eingefrorenen Zellen in Hinkunft geschehen soll, stelle ebenfalls eine "große Frage" dar. In Richtung Ludwig Siep, einem deutschen Philosophen am Podium, richtete er die Feststellung, dass "hunderte Millionen Menschen religiös mit dem Klonen kein Problem haben" und nannte als Beispiele den Hindhuismus und Buddhismus.
 

Siep ging in seinem Referat schließlich auf die unterschiedliche Regelung des Umgangs mit menschlichen Embryonen in der medizinischen Forschung in Europa ein. Dabei gehe es vor allem um divergierende Konzeptionen des moralischen Status und der Schutzwürdigkeit des Embryos bzw. Präembryos. Für die ethischen Grenzen spielen seiner Ansicht nach auch unterschiedliche ethische Traditionen und philosophische Positionen (z.B. Utilitarismus und Kantiasnismus) eine Rolle. Hinzu kämen divergierende Grundbegriffe des menschlichen Lebens, des Individuums, der Person und der Menschenwürde. Siep, Professor an der Uni Münster, forderte eine gemeinsame europäische Lösung, die "für alle akzeptabel ist und auf gesellschaftlichem Konsens beruht". Er schlug vor, die therapeutische von der reproduktiven Embryonalforschung zu trennen und sieht darin langfristig Erfolgschancen. "Nicht jeder Positionswandel muss gleichzeitig ein Verfall von Sitten und Wertvorstellungen sein", schickte Siep voraus.
 

Wie pressetext.deutschland Ende 2000 berichtete, hatte die deutsche Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn http://www.bmbf.de den Beschluss des Britischen Unterhauses kritisiert, das Klonen von Embryonen für Forschungszwecke zu erlauben. Damit würden ethische und moralische Grenzen überschritten, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme des Ministeriums. Laut Bulmahn sei es bisher nicht erwiesen, dass die Forschung an embryonalen Stammzellen entsprechend erfolgversprechender sei. Aus diesem Grund werde es einen Beschluss wie in Großbritannien für Deutschland nicht geben. (siehe pte-Meldung http://www.pte.at/show.cgi?pte=001220070 )
 


 

Menschenwürde im Spannungsfeld der Forschung
Unklar ist, ob Embryonen Menschenwürde haben
 

Die Menschenwürde ist eine Frage der Ressourcenallokation im Gesundheitswesen. Das erklärte Christoph Fuchs bei den Gesundheitsgesprächen des Europäischen Forums Alpbach 2001 http://www.alpbach.org heute, Sonntag. "In der Diskussion um die Menschenwürde ist die Gesellschaft um so glaubwürdiger, je mehr es sich um behindertes und unheilbares Leben kümmert und es schützt", so der Arzt bei einer Matinee. Wo kurative Medizin keine Optionen biete, drohe stets eine Umkehrung des Prinzips, dem Menschen nicht schaden zu dürfen. Die Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik dienen seiner Ansicht nach zunehmend der Selektion neuen Lebens und nicht der Hilfe zum Heilen. Ähnlich verhalte es sich am Ende des Lebens: "Die Unwilligkeit palliative Versorgung und Hospize zu finanzieren, bewirkt einen Druck in Richtung Euthanasie". Dies und mangelnde Toleranz der Gesellschaft gegenüber Behinderten führten dazu, dass sich Patienten den Tod wünschen. All das stünde im Widerspruch zur tradierten gesellschaftlichen Haltung, so Fuchs.
 

Der Theologe Ulrich Körtner kritisierte bei der Veranstaltung unter dem "Titel Menschenbild und Menschenwürde in der medizinischen Forschung", dass der Mensch in der Medizin zunehmend als Objekt und weniger als Subjekt gesehen werde. Deshalb müsse die "Sprache der Medizin" in den Vordergrund gerückt werden. Dass der Mensch im Mittelpunkt stehe, sei die Rhetorik von Sonntagsreden. In der Forschungspraxis gehe es vielmehr um "Patientengut, Fälle und Probanden". Zudem warf Körtner die Frage nach dem Sinn und Ziel der Medizin auf. "Die krankheitsorientierte Medizin ist Selbstzweck und drängt die krankenorientierte Medizin ins Abseits", ging der Theologe mit der Ärzte- und Forscherschaft hart ins Gericht. Er forderte, die Fragen des Menschenbildes und der Menschenwürde in der Medizinerausbildung zu verankern. "Die Kritik an biomedizinischen Allmachtsphantasien oder an handfesten ökonomischen Interessen, die ehrlich artikuliert werden sollen, berechtigt jedoch nicht dazu, die Chancen der modernen Biomedizin auszuschlagen", gestand der Professor ein.
 

Für den Juristen Jochen Taupitz stellt die Menschenwürde eine "absolute Grenze für Wissenschaft und Forschung" dar. Seiner Ansicht nach wird dies allerdings oft als Totschlagsargument verwendet. Wer sich auf die Menschenwürde berufe, sei einer weiteren Begründung offenbar enthoben. Jedoch werde diese zumeist auf ein Abwehrrecht in Bezug auf die Forderung, bestimmte Forschungsmaßnahmen zu verbieten, reduziert. Das Unterlassen von Hilfe und Vermeidung zukünftigen Leids verstoße ebenfalls gegen die Menschenwürde. Der Rechtsbegriff der Menschenwürde sei nicht statisch konzipiert, da er sich in Wechselwirkung mit den sich wandelnden gesellschaftlichen Wertvorstellungen entwickle. Eine Festlegung, was der Menschenwürde entspricht, werde in Deutschland "aus gutem Grund" vermieden und führe zu einer "schleichenden Versteinerung". Im Übrigen forderte Taupitz vehement, dass die Forschung nicht in der Privatwirtschaft verschwinde, sondern öffentlich sei.
 

Die philosophische Kompetente dieses komplexen Themas rollte Ludwig Siep auf. Er verwies zunächst auf die lange philosophische Tradition des Begriffs der Menschenwürde. Dabei würden die metaphysische und die rechtshistorische Strömung eine wichtige Rolle spielen. Metaphysisch betrachtet nehme der Mensch in der Natur eine sehr hohe Stufe ein, über ihm stünden rein geistliche Wesen. Die Tradition und unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüche seien lange mit der Würde des Menschen vereinbar gewesen. "Unbeantwortet ist bis jetzt, wie weit Ungeborene Menschenwürde haben", führte Siep aus. Die Erfahrungen mit den Rechten der Menschen seien rechtshistorisch ganz wesentlich. Diese hätten zur Formulierung der Menschenrechte, in denen auch die Inhalte der Menschenwürde integriert seien, geführt. "Insgesamt ist die Menschenwürde ein unentbehrlicher Maßstab in der Medizin, der in vielen Fällen nicht ausreicht", schloss der Philosoph sein Statement.
 

Die Alpacher Gesundheitsgespräche sind Teil des international besetzten Europäischen Forums Alpbach 2001. Sie dauern von heute, Sonntag, bis am Montag an. Sonntagnachmittag steht eine Plenarveranstaltung zum Thema "Forschung an Embryonen: Wohin tendiert Eruopa?" auf dem Programm. Hauptreferenten sind der Wiener Gynäkologe Johannes Huber und Ludwig Siep. Morgen findet den ganzen Tag über eine Workshop über die "Perspektiven der Bioethik" statt. Das Forum Alpbach läuft noch bis 1. August, wobei noch heute Nachmittag die politischen Gespräche eröffnet werden.
 


 

Busch befürwortet begrenzte Stammzellen-Forschung
Staatliche Förderung nur für bestehende Zell-Linien
 

US-Präsident George W. Bush hat gestern, Donnerstag, in einer Fernsehrede mitgeteilt, dass die Forschung an menschlichen Stammzellen nur in begrenztem Umfang staatlich unterstützt und genau kontrolliert werden soll. Die Forschung an neuen Stammzellen soll nicht gefördert werden, nur Experimente mit bereits bestehenden Linien von bereits zerstörten Embryos. Die Rede des Präsidenten http://www.whitehouse.gov/news/releases/2001/08/20010809-2.html
 

Bush erklärte, er habe sich für die Förderung entschieden, weil diese Forschungsansätze ein großes Potenzial für die Heilung chronischer Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson beinhalteten. "Ich habe diese Entscheidung mit großer Sorgfalt getroffen und hoffe, dass es die richtige war." Er kündigte die Schaffung eines President’s Council on Bioethics an, das als Beratergremium wissenschaftliche und ethische Fragestellungen behandeln soll. Die Leitung soll laut CNN der Wissenschaftler Leon Kass von der University of Chicago http://www.uchicago.edu übernehmen.
 

Die National Institutes of Health (NIH) http://www.nih.gov zeigten sich, anders als die zahlreichen Gegner dieser Entscheidung, in einer Aussendung mit der Entscheidung des Präsidenten zufrieden. Der präsentierte Ansatz sei vernünftig. Der Einsatz der mehr als 60 weltweit bestehenden Zell-Linien, werde mehr Wissenschaftlern die Erforschung embryonaler Stammzellen ermöglichen, erklärte NIH-Direktorin Ruth Kirschstein. http://www.nih.gov/news/pr/aug2001/od-09.htm Embryonale Stammzellen werden durch die Entfernung der inneren Zellmasse eines fünf bis sieben Tage alten Embryos gewonnen, der dabei getötet wird.
 


 

Medizinrechtler Taupitz, Mitglied im Nationalen Ethikrat, in der
ZEIT: Stammzellenverbot verstößt gegen Verfassung

Der Medizinrechtler Jochen Taupitz sieht keine
legale Möglichkeit, die Einfuhr embryonaler Stammzellen nach
Deutschland zu verbieten. Sollte der Bundestag, wie einige Politiker
fordern, eine Einfuhrbeschränkung beschließen, verstieße das gegen
die vom Grundgesetz garantierte Forschungsfreiheit. "Vor dem
Bundesverfassungsgericht hätte ein Importverbot keinen Bestand",
sagte Taupitz, dem als einziger Medizinrechtler im Nationalen
Ethikrat eine Schlüsselrolle zugesprochen wird, in der neuen Ausgabe
der Wochenzeitung DIE ZEIT.

   Auch ein Moratorium hält Taupitz für fragwürdig: "Für eine
Einschränkung eines Grundrechts wie der Forschungsfreiheit muss man
tragfähige Gründe vorbringen. Der Wunsch nach mehr Zeit zum
Nachdenken ist kein tragfähiger Grund." Ebenso sei es erlaubt, wenn
ein deutscher Forscher im Ausland Stammzellen gewinnt und diese nach
Deutschland einführt, so Taupitz.

   Gleichzeitig plädierte der Jurist dafür, die Gewinnung embryonaler
Stammzellen auch in Deutschland zuzulassen, solange sie von
sogenannten verwaisten Embryonen stammen, die wie ursprünglich
vorgesehen in den Mutterleib eingesetzt werden.

   Jochen Taupitz nannte es "katastrophal", mögliche Entscheidungen
bezüglich der Stammzellen zu verschieben, bis der Ethikrat eine
Stellungnahme abgegeben hat: "Im Augenblick wird das Gremium etwas
überschätzt."



 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:33:53
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