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Von Jörg W. Baur

 

Das Glück kommt nicht von Ungefähr

oder

Auch Epikur ist manchmal traurig

 

Erwachen I

Plötzlich habe ich gespürt,
wie es ist,
wenn die Sonne
am Morgen nicht mehr aufgeht.

Wenn die Dunkelheit
sich ums Herz legt,
Kälte durch den
ganzen Körper zieht.

Nur noch Einsamkeit,
Angst und Trauer um das,
was meine Seele
gestern noch erwärmte.

Und endlich
verstehe ich
Lapplands Sehnen
nach dem Süden.




Erwachen II

Warum ist weiß
die Farbe der Unschuld,
so kalt
und unerbittlich wie Schnee?

Warum ist rot
die Farbe der Liebe,
wie vergossenes Blut
auf dem Schlachtfeld?

Warum ist gelb
die Farbe des Neides,
wo doch die Sonne
mit jedem Strahl
mein Herz erwärmt?

Grün,
Hoffnung,
Frühling,
neues Erwachen.


Erwachen III

Ein Lächeln,
wenn du traurig bist,
oder auch eine Träne,
die wir zusammen weinen,
heißer Tee,
wenn du erkältest bist,
dich zudecken,
wenn die Leidenschaft
der Nacht
das Bett mal wieder
zu zerwühlt hat.

Es sind die Kleinigkeiten,
aus denen Liebe besteht.


Erwachen IV

Wenn plötzlich
alle Computer der Welt
Millionen E-Mails
an eine Adresse senden,
deine,
alle mit dem gleichen Inhalt:

"DU FEHLST MIR"
"DU FEHLST MIR"
"DU FEHLST MIR"
"DU FEHLST MIR"
"DU FEHLST MIR"

"DU FEHLST MIR"

dann ist er da,
unser ganz persönlicher
Millennium-Bug.


Erwachen V

Zurück im Alltag,
der doch ganz anders ist,
so ohne dich,
ein Lächeln, das fehlt,
etwas Unbekümmertheit,
die gegangen ist.

Wirklich nur noch Alltag,
ohne das,
was ihn früher
zum Festtag gemacht hat.


Erwachen VI

Ich rede,
weil du mir nichts sagen willst,
du schweigst,
weil ich nicht still war.
Dich schmerzt mein Reden,
mich dein Schweigen.

Und ich schweige auch..

In der Hoffnung auf eine Zeit,
in der wir beide
wieder miteinander
reden können.
 


Erwachen VII

Achterbahn der Gefühle,
immer irgendwo
zwischen Hoffen und Verzweifeln,
Kämpfen und Resignieren,
Lächeln und Tränen.

Über mir der Himmel,
unter mir Leere,
die im Looping
nur die Richtung wechselt,
aber nicht ausgefüllt wird.

Ein Wort von dir,
und ich könnte aussteigen,
mich fallen lassen,
in die Leere
oder den Himmel,
doch du schweigst.

Wie viele Gratisfahrten
willst du mir noch schenken?


Erwachen VIII

Zaghaft und etwas schüchtern
tritt mein Herz
an deins heran
"Darf ich bitten?"

Und gemeinsam tanzen sie,
etwas unbeholfen,
so ganz ohne Hände und Füße,
vorsichtig auf ihren Spitzen,
immer auf die Hilfe
des anderen angewiesen.

Und trotzdem
hat noch niemand
einen schöneren Tanz gesehen...
 


Erwachen IX

Heute morgen
waren mir meine Hemdsärmel zu kurz,
die Hosen
reichten nur noch bis zu den Knien.

Die Liebe zu dir
hat mich größer gemacht
und ich hoffe,
dass du
heute genauso verzweifelt
vor dem Kleiderschrank stehst.


Erwachen X

Wenn ich meine Sinne schärfe,
sind 500 km keine Entfernung.
Ich höre dein Herz schlagen,
sehe dein Lächeln,
fühle dein Haar,
rieche deinen Körper,
schmecke deinen Kuss.

Liebe und Träume,
übersinnliche Kräfte.


Traum XI

Als ich Nostradamus' Prophezeiungen
in ihre einzelnen Buchstaben zerlegt hatte,
konnte ich aus den Schnipseln
meine ganze Vergangenheit zusammenbasteln.

Nur zwei kleine Buchstaben blieben übrig,
ein d,
ein u.

Meine Zukunft?
Du?


Traum XL

Wenn du neben mir schläfst,
vergesse ich meine Müdigkeit
und möchte dir nur zuschauen.

Ich betrachte dein Gesicht
und erhasche
die Zeichen deiner Träume.
Manchmal lächelst du.
Träumst du dann
von mir?

Ich gäbe alles dafür,
in solchen Momenten
in deine Träume
einzutauchen.

Nur, um sie dir
morgen
zu erfüllen.
 


Traum XLIX

Ich spüre deinen Duft,
sanft und unverkennbar,
mit einer Note,
die dich einzigartig macht.

Ich schmecke dich,
wenn du meine Lippen berührst,
erregend anregend,
ein Gefühl,
dass meinen ganzen Körper erfasst.

Es fällt mir schwer,
mich von dir zu lösen,
will dich kosten,
bis zur Neige...

und dann
das nächste Glas Bordeaux bestellen.


Erwachen XLVI

Ich habe Angst davor,
dich zu verlieren,
zuviel ist schon
durch meine Finger geglitten.

Denn du bist alles,
was ich brauche,
alles,
wofür ich lebe.

Der Stern,
der mich durch die Nacht leitet,
die Sonne,
die meine Tage erwärmt.

Und ich weiß nur zu genau:
wenn ich dich verliere,
verliere ich
auch mich...


Erwachen III

Ein Lächeln,
wenn du traurig bist,
oder auch eine Träne,
die wir zusammen weinen,
heißer Tee,
wenn du erkältest bist,
dich zudecken,
wenn die Leidenschaft
der Nacht
das Bett mal wieder
zu zerwühlt hat.

Es sind die Kleinigkeiten,
aus denen Liebe besteht.


Erwachen XII

Lasst es dunkel werden auf der Erde,
damit ich den Göttern
zum zweiten Mal
das Feuer entreißen kann.

Lasst einen Drachen erscheinen,
stärker als jeden zuvor,
damit ich ihn
im Kampf besiegen kann.

Lasst alle Blumen verdorren
und mich den einzigen Gärtner sein,
der mit seiner Kunst
das Blühen zurückbringen kann...

Lasst alle Meere austrocknen,
damit ich sie
mit meinen Tränen
wieder füllen kann...

Wie soll ich ihr sonst noch zeigen,
wie sehr ich sie liebe?
 


Erwachen XXXI

Nein, ich verschwende
keine Zeit mehr an dich,
keine Träne,
keine Träume.

Es berührt mich nicht mehr,
wenn ich dich sehe,
dich höre,
dich spüre.

Du bist mir egal.

Und ich hoffe,
dass ich meine Lügen
irgendwann mal glaube.


Erwachen XLVIII

Du, allein im Gras,
dein Blick verträumt,
ein bisschen Traurigkeit
in deinen Augen.

Nur ein Bild,
das mir geblieben ist,
das ich hin und wieder hervorkrame,
um in deine Augen einzutauchen,
von Momenten zu träumen,
die wir nie hatten.

Wir, zu zweit im Gras,
unser Blick verträumt,
unendliche Liebe
in unseren Augen.
 
 

Ich möchte nur wissen

Ich möchte nur wissen,
Woran Du glaubst
Woran Du weißt zu glauben
Ich möchte nur wissen,
Ob Du glaubst,
Ob Du weißt, wie zu glauben.
Ich möchte nur wissen,
Was Du weißt,
Was Du glaubst zu wissen.
Ich möchte nur wissen,
Wie Du weißt,
Wie Du glaubst zu wissen.
Ich glaube,
Zu glauben
Ich weiß,
Nichts zu wissen
Manchmal glaube ich
Zu sehr
Dann glaube ich
Zu wissen
Doch zwischen
Glauben und wissen
Liegen Welten! 
 

Hilferuf

Hohe Mauern
Undurchdringlich
Baue ich um mich auf
Mit jedem Wort, mit jeder Geste
Lege ich einen neuen Stein
Die Mauer verwandelt
Hilfloses Schluchzen in geselliges Lächeln
Zärtliche Hände in unbeholfene Tatzen
Liebevolle Worte in banales Gerede
Siehst Du die Mauer nicht?
Reich mir Deine Hand
Und die Mauer zerfällt
Vor Dir stehe ich
Und sage
Ich liebe Dich!

Nicht Fair

Erfüllender Schmerz
Zerreißendes Glück
Entreißt mir mein Herz
Pflanzt es tot wieder zurück
Vom strahlendsten Hell
Ins finsterste Tief
Es ging zu schnell
Ich wünschte, ich lief
Doch es läßt mich nicht,
Saugt mich in sich auf
Denn ich liebe Dich!
Nun dreh Dich um und lauf!

 

 

S(e)in(n)los 

Psyche ist Sein.
Sein heißt Bewußtsein.
Bewußtsein erdrückt -
Zersticht das Herz -
besessen von -
der Suche nach -
viel Ruhe und Zufriedenheit.

Warum nur fühlt man
sich so sehr?
Warum nur quält man
sich so sehr?
die Tiefe ist -
zu dunkel um -
mit Freude daran teilzunehmen. 
 

Erlösung?

Einsam wandernd durch den Schatten 

der Nacht Fliehend vor Ängsten und 

Schmerz Die Seele verschlossen und 

leer Vereinsamt und vergessen

Die letzte Emotion verschwindet Zurück 

bleibt nur der Wunsch Der endlosen Hölle 

des Lebens zu entkommen 

Und Erlösung zu finden Im Tod


 

Am ersten Eistag

Am ersten Eistag
suchte ich nach einer
gewissermassen
objektiven Definition
unserer Freundschaft
und musste mir die Antwort
selber geben.
So dünn war das Eis.

 


Mir ist kalt und niemand ist da keiner ist da Ich möchte mich ausweinen, anschmiegen, in Armen einschlafen und bemerken dürfen ich bin nicht allein. Viel zu oft täusche ich vor stark zu sein obwohl es in mir brennt. Ich könnte schreien vor Schmerz doch ich tu es lieber nicht - man könnte sich vielleicht vor mir erschrecken. Ich könnte schlagen vor Wut doch ich tu es lieber nicht - man könnte mich vielleicht verachten. Ich könnte ehrlich sein die maske ablegen und so sein wie ich wirklich bin und auch sein möchte doch ich tu es lieber nicht - man könnte sich vielleicht vor mir erschrecken.
Doch ebenfalls glaube ich, daß es Hoffnung gibt da es Menschen gibt wie Du, die mir zeigen: * Du ich mag Dich *
Diese Worte sind wie ein Netz - daß mich hält falls die Lawiene ins Rollen kommt die tickende Bombe explodiert und ich mich zunächst fallen lasse um dann langsam wieder aufzustehen

 

Die Angst,
sie wuchtet
aus der Welt
den letzten Keil,
der einander
zur Festigkeit
das Lose preßte.

Die Angst,
sie reißt
den letzten Baum aus,
der im Wahn des Durstes
nach dem Licht,
das keiner je
in diesem Leben sah,
sich reckte,
unsern Blick
nach oben riß.

Die Angst
vorm Seelenabgrund,
wenn da alles wegbricht
und 'ne Fratze
dich von unten angähnt.

Die Angst,
sie lähmt das Fleisch,
alljeden Nerv und jede Sehne,
sie lähmt das pochnde Innre,
alljed' Gedanken, alljed' Gefühl,
das Brücken bauen will.

Die Angst,
sie frißt, was kommt.

Unbelehrbar besitzergreifend
ist diese starrsinnige Liebe,
die nicht loslassen kann,
sich nicht abfinden will
mit dem Loch in der Leinwand.

Geben will sie, geben, geben,
ihren Gott nur glücklich machen,
ihm das Leiden nehmen,
doch sie erträgt es nicht,
wenn nicht sie erlöst,
wenn vor dem Gang nach Eden
ihre Fesseln durchschnitten werden.

Hände, mit Tränen verschmiert,
weil kein Taschentuch
die Wunde stopfen soll.
Salzige Einsamkeit als letzte Zuflucht,
wo der Dorn zwar ritzt und ritzt,
doch ins Herz nicht stößt.

Das Leben geht weiter -
wie ein Uhrwerk, Tick für Tick
im Rhythmus der Gewohnheiten,
dasselbe Lachen, nur ein bißchen
gedämpfter, seltener, gekünstelter -
doch eigentlich bloß gespieltes Lachen,
bis die Bühnenbretter brechen.

Nur das Herz, es schlägt und schlägt,
immer schneller, schneller, schneller.
Hetzt ziellos durch die dunklen Gänge,
Blut auf einer Treibjagd durch die Adern,
bis sie platzen, schwarzes Rot verspritzen.


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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