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Winzige Krustentiere zur Bekämpfung von Denguefieber
Tests in Vietnam sehr erfolgreich verlaufen 

In Vietnam werden winzige Krustentiere zur Bekämpfung des Denguefiebers eingesetzt. Die Tiere werden in Wassertanks und Brunnen ausgesetzt und fressen dort die Moskitos, die das Fieber übertragen. Über die Erfolge dieser Methode berichtet eine Studie des Queensland Institute of Medical Research http://www.qimr.edu.au . Der leitende Wissenschafter Brian Kay erklärte, dass das Team in 37 Gemeinden gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung einen fast totalen Erfolg erzielen konnte. Das Moskitokontrollprogramm, das Kay gemeinsam mit Vu Sinh Nam vom vietnamesischen Gesundheitsministerium http://www.moh.gov.vn/English aufbaute, soll mehr als 380.000 Menschen vor der Krankheit geschützt haben. Die Ergebnisse der Studie wurden in The Lancet http://www.thelancet.com veröffentlicht.

Entscheidend für den in Vietnam durchgeführten Test war die Beteiligung der lokalen Bevölkerung an dem Einsammeln von so genannten Mesocyclops aus Wassertanks und Brunnen und ihre Transferierung in nicht befallenes Wasser. Diese Krustentiere ernähren sich von den Moskitolarven, die sich im stehenden Wasser voll entwickeln. Zusätzlich wurden die Menschen dazu angeregt, kleine Wasserbehälter zu entfernen. Er habe nie ein Dorf besucht, in dem keine Mesocyclops vorkamen, sagte Kay. Sie sind nur einen Millimeter lang und verfügen über eine charakteristische Form der Fortbewegung. Kay und Nam entwickelten ihr Programm in neun Gemeinden im Norden Vietnams. 2001 wurde das Programm in weiteren 37 Gemeinden eingeführt. Dabei gelang es die Moskitos in 32 der Gemeinden vollständig zu eliminieren. In keiner der Gemeinden wurden seit 2001 Erkrankungen gemeldet. In nahe liegenden Gemeinden, die die Krustentiere nicht einsetzen, liegen die Erkrankungsraten bei 112 Fällen pro 100.000. Die Wirkung des Kontrollprogramms sollte noch größer werden, wenn die stärker betroffenen zentralen Landesteile miteinbezogen werden.

Seit 1970 hat sich das Denguefieber von neun Ländern auf 60 ausgebreitet. Erkrankungen werden derzeit laut NewScientist aus Asien, Nord-, Mittel- und Südamerika sowie aus dem pazifischen Raum gemeldet. Die Ursache für den Anstieg der Erkrankungen ist nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch angenommen, dass die Vermischung der vier verschiedenen Virusstämme durch den internationalen Reiseverkehr eine entscheidende Rolle gespielt hat. Zusätzlich hat die Entstehung von Barackensiedlungen am Rand der größeren Städte einen Anteil an der Verbreitung, da hier der Aedes aegypti Moskito ideale Lebensbedingungen vorfindet.


 

Geschlechtskrankheit LGV in Europa aufgetaucht
Vermehrtes Auftreten von Lymphogranuloma venerum

Eine Geschlechtskrankheit, die bisher nur in Entwicklungsländern vorkam, ist nach Europa übergeschwappt. In London und anderen europäischen Städten sind in vergangener Zeit Fälle von Lymphogranuloma venerum (LGV) bekannt geworden. Laut BBC http://news.bbc.co.uk waren die 24 Infizierten in England allesamt homosexuelle Männer.

LGV wird durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Es wird durch denselben Bakterienstamm verursacht, der für die Bildung von Chlamydien (STI) verantwortlich ist. In den vergangenen Monaten wurde von Ausbrüchen in Rotterdam, Antwerpen, Paris, Stockholm und Hamburg berichtet. "In der westlichen Welt war LGV zuvor kaum bekannt. Es kam in Gebieten von Afrika, Asien, Südamerika und der Karibik vor. Was wir jetzt erleben, ist etwas ganz Neues und es betrifft vor allem homosexuelle Männer", so Neil Macdonald von Englands Health Protection Agency (HPA) http://www.hpa.org.uk .

Seit vergangenem Oktober hat die HPA ein wachsames Auge auf LGV. Bis heute sind in England 24 Fälle aufgetreten. Die HPA konnte 19 der 24 infizierten Männer ausfindig machen. Sie alle sind homosexuell und 17 von ihnen sind HIV-positiv. Macdonald: "Wir wissen, dass LGV hier ist und wir wissen, dass es ein Problem darstellt." Schwierig sei vor allem, dass sich LGV nicht wie ein typisches STI äußert. So wüssten die Patienten oftmals nicht, dass sie infiziert sind. Auch viele Ärzte seien nicht in der Lage, die Infektion zu erkennen. Anfangssymptom ist meist ein schmerzloses Knötchen oder Bläschen im Genitalbereich, was meist unbemerkt bleibt. Dazu kommt eine Entzündung des Mastdarms. Dies äußert sich durch Schmerzen, Ausfluss, rektale Blutungen und blutigen Stuhl. Nach frühestens einer Woche vergrößern sich die Lymphknoten in der Leistengegend. Später bilden sich im Genitalbereich Abszesse, die ein eitriges, später milchig-seröses Sekret absondern.

LGV kann ganz einfach durch eine dreiwöchige Antibiotika-Kur behandelt werden. Aber wenn es nicht entdeckt wird, können Komplikationen auftreten - Fieber, Gewichtsverlust und Vernarbungen im Analbereich, die oftmals operativ behandelt werden müssen. Oftmals werden die Symptome mit Darmproblemen abgetan, was die richtige Diagnose hinauszögert. "Wir arbeiten mit HIV-positiven Männern zusammen. Das Bewusstsein für LGV muss wachsen", so Will Mutland von Terrence Higgins Trust http://www.tht.org.uk .


 

Apotheken unterstützen österreichweite Zeckenimpfaktion

Vergünstigter Impfstoff in den Apotheken bis 31. Juli 2005 

Österreich ist reich an Zecken. Die kleinen Parasiten sind hauptsächlich im Gras, in Sträuchern, in Parks, Gärten und im Wald zu finden. Wer von einem Zeck "gestochen" wird, läuft Gefahr, an Gehirnhautentzündung zu erkranken. Soweit muss es nicht kommen: Denn mit der Zeckenschutzimpfung kann einfach und kostengünstig vorgebeugt werden. Den Impfstoff gibt es bis 31. Juli 2005 zu stark vergünstigten Preisen  in allen Apotheken.

   Der Impfstoff kostet vergünstigt für Kinder 19,30 EUR und für Erwachsene EUR 22,50. Das entspricht einer Einsparung von knapp 30 Prozent. Im Rahmen dieser Impfaktion verzichten die österreichischen Apothekerinnen und Apotheker auf einen beträchtlichen Teil ihrer Spanne, um die wichtige Zeckenschutzimpfung zu diesem Sonderpreis anbieten zu können. Je nach Krankenkasse werden noch Zuschüsse zwischen EUR 3,60 und EUR 15 geleistet.

   Auf Grund der Zeckenhäufigkeit sollte sich jeder in Österreich impfen lassen. "Wir bieten den FSME-Impfstoff zu einem derart günstigen Preis an, weil uns die Gesundheit der Menschen am Herzen liegt. Durch diese einfache Impfung wird Leben gerettet", so Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.  Für die Grundimmunisierung lautet das Schema: Die erste Impfung möglichst noch in der kalten Jahreszeit. Die zweite Impfung sollte einen Monat danach erfolgen, die dritte Impfung ein Jahr darauf. Die Schutzdauer beträgt fünf Jahre.


 

Impfstoffe gegen SARS sind gefährlich
Wahrscheinlichkeit einer Infizierung kann steigen

Forscher, die an Impfstoffen gegen das schwere akute respiratorische Syndrom (SARS) arbeiten, müssen sehr vorsichtig sein. Einige Impfstoffe können sich gegen bestimmte Stämme als nutzlos erweisen, so eine Studie. Was noch schwerer wiegt, ist die Möglichkeit, dass sie eine Infektion sogar verschlimmern können, berichtet Nature http://www.nature.com .

Als SARS 2002 in China auftrat, kostete es beinahe 800 Menschen das Leben und in der ersten Jahreshälfte 2003 breitete sich die Erkrankung in der ganzen Welt aus. Seit der ersten Epidemie wurde aber nur noch eine Handvoll isolierter Ausbrüche bekannt. Im Wissen, dass die Krankheit wieder auftreten kann, machten sich verschiedene Gruppen daran, einen Impfstoff gegen das Virus herzustellen. Sie beschränkten sich dabei hauptsächlich auf die rekombinante Vakzine. Dabei wird als Impfung nicht das gesamte (inaktivierte) Virus verabreicht, sondern nur Teile davon. Dies sind in der Virushülle eingelagerte Eiweißmoleküle, die der Erreger benötigt, um in eine fremde Körperzelle einzudringen. Ein solches Protein ist beim SARS-Erreger das so genannte Spike-Protein. Es soll dem Immunsystem dabei helfen, den Virus zu erkennen und Antikörper zu produzieren.

In der neuen Studie injizierte Gary Nabel und seine Kollegen vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases http://www.niaid.nih.gov/ Mäusen das Spike-Protein von einem SARS-Patient, der Anfang des Jahres 2003 infiziert wurde. Danach sammelten sie die von den Mäusen produzierten Antikörper. In Laborversuchen stellten sie fest, dass diese Antikörper nicht in der Lage waren, das Spike-Protein eines Patienten anzugreifen, der Ende 2003 infiziert wurde. In einem nächsten Versuch testeten die Forscher, ob die Antikörper SARS-Stämme von Schleichkatzen angreifen würden, die das Virus ursprünglich auf den Menschen übertragen hatten. Dabei stellten sie fest, dass die Antikörper die Wahrscheinlichkeit einer Zellinfizierung sogar erhöhen.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Virus von Zeit zu Zeit verändert. Nabel: "Das Virus steht nicht still und wir müssen das berücksichtigen." Dies steigert die Annahme, dass eine Impfung gegen einen Stamm des SARS-Virus nutzlos gegen andere Stämme sein kann. Schlimmer ist die Möglichkeit, dass eine Impfung gegen einen Stamm die Gefahr einer Infektion mit dem Virus von Schleichkatzen oder anderen Tieren vergrößern kann.


 

Erreger der Hasenpest als Biowaffe
Francisella tularensis verbreitet sich extrem schnell

Experten haben die komplette DNA-Sequenz eines extrem ansteckenden Krankheitskeims entschlüsselt. Das Bakterium Francisella tularensis kommt für die Verwendung als Bioterror-Waffe in Frage - es sind nur zehn Mikroben erforderlich, um den Menschen krank zu machen. Die Erzeugung der Genom-Sequenzierung beschleunigt die Suche nach einem Impfstoff gegen das potenzielle tödliche Bakterium, berichtet BBC http://news.bbc.co.uk/ .

"Ich kenne keinen anderen Erreger, der infektiöser ist", so Richard Titball vom Defence Science and Technology Laboratory (DSTL) http://www.dstl.gov.uk/ . "Es gibt einige wenige Erreger, die in derselben Liga spielen und ebenfalls zu den Biowaffenkandidaten zählen." Das Bakterium führt in Mensch und Tier zur Krankheit Tularämie, auch Hasenpest genannt. Wegen seiner schnellen Verbreitung steht es auf der Liste von Biologieexperten ganz oben - es besteht die Gefahr, dass das Bakterium bei einem Terroranschlag eingesetzt wird. "Bisher schenkte man Francisella tularensis in England keine große Beachtung und es gab auch fast keine Krankheitsfälle. Aber nun, angesichts des Terrorismus, sieht die Lage anders aus", so Bill Keevil, Mikrobiologe an der Universität in Southampton.

Natürliche Fälle von Tularämie gab es bisher in Nordamerika, Europa und Asien. Auf den Menschen wird die Krankheit durch Zecken-, Fliegen- oder Moskitobisse sowie durch das Inhalieren von Luftpartikeln übertragen. 2002 gab es in Martha's Vineyard (USA) einen Ausbruch, als beim Rasenmähen ein Hasenkadaver überfahren wurde. Die Bakterien in der Luft infizierten zwei Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt an, dass 50 Kilogramm Bakterium über einer urbanen Region mit fünf Mio. Einwohnern verteilt, 19.000 Menschen umbringen und weitere 250.000 außer Gefecht setzten würde. Titball: "Auch Menschen, die nicht sterben, sind für Wochen oder Monate chronisch krank." Es wird gehofft, dass die Erzeugung der Genom-Sequenzierung, welche fünf Jahre dauern wird, auch ein weltweites Bio-Abwehrprogramm in Gang setzt.

1911 wurde Tularämie zuerst als seuchenähnliche Krankheit angesehen, die ursprünglich von Nagetieren stammt. Die Japaner waren die ersten, die die Erreger als Kriegswaffe in Betracht zogen (1932-1945). Ken Alibek, ein früherer sowjetischer Wissenschaftler für Biowaffen, hatte der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg vorgeschlagen, die Bakterien gegen die deutschen Truppen einzusetzen.


 

Würmer zur Behandlung der Crohn-Krankheit
Parasiten unterdrücken Immunantwort auf Bakterien

Parasitäre Würmer sind scheinbar eine effektive Behandlungsmethode für die entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn. Ein Forscherteam von der Universität Iowa http://www.uiowa.edu/ wies bei einer großen Mehrheit von 29 Crohn-Patienten nach, dass sie eine Besserung erfuhren, wenn sie über einen Zeitraum von 24 Wochen einen bestimmten parasitären Wurm schluckten. Die Wissenschaftler glauben, dass Darmwürmer, wie beispielsweise Spulwürmer und Fadenwürmer, die Crohn-Krankheit in den Entwicklungsländern verhindern. Dort ist es durchaus gewöhnlich, dass Menschen diese Würmer beherbergen und die Raten einer Crohn-Erkrankung sind niedrig. Dagegen sind sie in der entwickelten Welt relativ hoch, wo nur wenige Menschen Darmwürmer in sich tragen.

In den Entwicklungsländern kontaminieren die Eier des Wurms Essen, Wasser, Luft, Fäkalien, Haus- und Wildtiere. Sie treten auf Toilettensitzen und Türklinken auf. Sind die Eier erst einmal im Körper, schlüpfen im Darm bald die ersten Würmer aus den Eiern. Im Gegensatz zu anderen Würmern, wie Bandwürmern, verursachen sie keine Krankheiten und breiten sich nicht zu anderen Körperteilen aus. In der aktuellen Studie wurden 29 erwachsene Crohn-Patienten angehalten, alle drei Wochen 2.500 Peitschenwurm-Eier der Spezies Trichuris suis, die normalerweise beim Schwein auftritt, für einen Zeitraum von 24 Wochen zu schlucken.

Fünf der Patienten stiegen aus, aber schon nach der Hälfte der Behandlungszeit berichteten 22 Patienten eine signifikante Verbesserung ihrer Symptome. 19 Personen hatten gar keine Symptome mehr. Am Ende des Versuchs hatten alle bis auf einen Patienten Verbesserungen gezeigt, 21 waren nach eigenen Angaben symptomfrei. Es gab keinen Hinweis darauf, dass die Würmer irgendwelche Nebenwirkungen verursachten, doch denjenigen Probanden, die zusätzlich Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems nahmen, ging es noch eine Spur besser.

Die Crohn-Krankheit wird durch eine übertriebene Immunantwort auf normale Eingeweidebakterien verursacht. Die Forscher gehen davon aus, dass die Darmwürmer die Immunantwort unterdrücken und infolgedessen die Entzündung dämpfen. Damit wären sie eine einfache Alternative zu herkömmlichen Therapien oder könnten kombiniert genutzt werden. Die Eier der Würmer werden im Stuhl ausgeschieden, können aber keinen anderen Wirt besiedeln, bevor sie nicht einige Wochen lang im Erdboden ausgebrütet worden sind. Somit stellen sie kein Risiko für die öffentliche Gesundheit dar. Es sind aber noch Studien in größerem Umfang notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.


 

Anti-Syphilis-Kampagne nicht im US-TV
Für lokale Sender ist Aufklärungs-Spot ungeeignet

Ein TV-Spot von der Gesundheitsbehörde Los Angeles County ist von vielen Fernsehstationen abgelehnt worden. Der Spot, der auf die Gefahren von Syphilis aufmerksam machen soll, wurde von den lokalen TV-Stationen als unpassend eingestuft, so die Los Angeles Times http://www.latimes.com/ . Dies vor allem, weil sich der Spot an die Syphilis-Risikogruppe der homosexuellen Männer richtet.

Hauptfigur des 30-Sekunden-Spots ist "Phil the Sore" - eine rote Comicfigur. Phil folgt zwei Männern, die zusammen nach Hause gehen. Als der eine nach dem Sexualakt gehen will, sagt der andere: "Lass es uns irgendwann wieder tun." Phil ruft daraufhin seine Familie herbei, die beschriftete Kisten trägt: "Hirnschaden", "Hautausschlag" und "Blindheit" - die Folgeschäden von Syphilis.

Nach der Nipplegate-Affäre von Janet Jackson sind die TV-Stationen vorsichtig auch bei Werbeeinschaltungen. Der Sprecher von KCBS-TV Channel 2, Mike Nelson, findet, dass der Spot in einer zu unbeschwerten Weise mit dem ernsten Thema Geschlechtskrankheiten umgeht.

"Es ist erschreckend zu hören, dass wichtige Gesundheitsbotschaften nicht verbreitet werden", so Jonathan Fielding, Direktor der Gesundheitsbehörde. Er wirft die Frage auf, ob sich der Inhalt dieses Spots weniger für Erwachsene eigne als andere Sendungen des Nachtprogramms. Er finde ihn nicht anstößig, wobei er ihn einem 5-Jährigen nicht zeigen würde.

Offizielle des Gesundheitsamtes erklären, dass sie für diese Kampagne mit der AIDS-Healthcare-Foundation zusammen gearbeitet haben. Das Ziel der Initiative ist es, das vermehrte Aufkommen von Geschlechtskrankheiten zu bekämpfen. Diese hätten nach 2000 dramatisch zugenommen - vor allem bei homosexuellen Männern. Bei dieser Risikogruppe ist die Zahl der Syphilisfälle in der Zeit von 2000 bis 2003 von 93 auf 364 Erkrankungen angestiegen, so die Behörde. Dieses Jahr habe es schon 254 Fälle gegeben.


 

Psoriasin schützt gegen E. coli
Protein tötet Bakterien ab

Wissenschafter der Christian-Albrechts-Universität http://www.uni-kiel.de haben erforscht, wie sich die Haut an den Fingerspitzen gegen E. coli schützt. Die Haut gibt mit Psoriasin ein Protein ab, das mehrere Stämme der Bakterie dadurch abtötet, dass es ihr das lebensnotwendige Zink nimmt. Die meisten E. coli Stämme sind harmlos und leben im Darm. Einige wie O157 können jedoch zu einer Lebensmittelvergiftung mit tödlichem Ausgang führen. Die Ergebnisse der Studie wurden in Nature Immunology http://www.nature.com/ni veröffentlicht.

Die Forscher analysierten das Wasser, mit dem die Teilnehmer ihre Hände sowie andere Teile des Körpers gewaschen hatten und Hautproben von verschiedenen Bereichen des Körpers. Es konnten keine lebenden Spuren bestimmter E. coli Stämme auf der Haut und im Wasser nachgewiesen werden. Der Nachweis gelang auch unter Bedingungen nicht, wenn den Teilnehmern heiß war und sie schwitzten. Weitere Labortests ermöglichten dem Team um Jens-Michael Schröder diesen Effekt auf das Psoriasin festzulegen. Dieses Protein wurde laut BBC vor einigen Jahren bei Patienten mit Psoriasis in größeren Mengen als normal nachgewiesen. Zusätzlich wurde es auf der Haut von Neugeborenen gefunden. Aus diesem Grund könnte dies das Kind während der Geburt vor Infektionen schützen.

Die aktuellen Ergebnisse erklären laut den Wissenschaftern warum Hautregionen, die häufig großen Mengen von E. coli ausgesetzt sind, wie die Haut rund um den After, selten mit dieser Bakterie infiziert sind. Größere Mengen Psoriasin wurden auf den Händen, in den Achselhöhlen und im Gesicht nachgewiesen. Geringere Mengen wurden auf der Rückseite der Beine und Arme gefunden. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Psoriasin bei der angeborenen Abwehr der gesunden Haut gegen E. coli eine entscheidende Rolle spielt.


 

Warnung vor tödlichen Pneumokokken
Apotheker: Bakterieninfektion als unterschätzte Gefahr

Nach einer Untersuchung der Apothekerkammer http://www.apotheker.or.at herrscht in der österreichischen Bevölkerung große Unwissenheit über die Gefahren einer Pneumokokken-Infektion. Eine solche Infektion, die durch diese Bakterien ausgelöst wird, fordert jährlich etwa 1.200 Menschenleben. Abhilfe kann nur durch eine Schutzimpfung geschaffen werden.

Die Apothekerkammer startet Anfang Oktober wieder eine österreichweite Impfaktion. Die Impfung wird Kindern, Jugendlichen und allen Erwachsenen ab 60 Jahren empfohlen. "Zur Risikogruppe zählen vor allem Menschen mit einem schwachen Abwehrsystem, Kleinkinder, Personen mit chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetiker, Lungenkranke, Alkoholiker und starke Raucher", so Christiane Körner, Vizepräsidentin der österreichischen Apothekerkammer.

Für Kinder in den ersten beiden Lebensjahren ist aufgrund der noch bestehenden Unreife ihres Immunsystems ein eigener Impfstoff entwickelt worden, der laut dem Zentrum für Krankheitskontrolle in den USA nicht nur die Zahl der Erkrankungen deutlich senkt, sondern auch die Zahl der Keimträger. "Offenbar wird durch die Pneumokokken-Impfung ein Kollektivschutz bei Kleinkindern erreicht", erklärt Wilhelm Sedlak, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer. "Wir konnten im Geriatriezentrum Am Wienerwald zeigen, dass die Pneumokokken-Impfung bei betagten und chronisch Kranken die Zahl aller Lungenentzündungen um mehr als 50 Prozent reduziert", berichtet Wolfgang Popp, Leiter des "Gesunde Lunge"-Instituts für Atemwegs- und Lungenerkrankungen und Vizepräsident des Österreichischen Grünen Kreuzes.

Experten schätzen, dass Pneumokokken jährlich etwa 18.000 Fälle von Lungenentzündung auslösen. Die Bakterien können außerdem Mittelohrentzündung, akute eitrige Gehirnhautentzündung, Bauchfellentzündung oder Herzmuskelentzündungen hervorrufen. Angesichts der Schwere und der Häufigkeit der Erkrankungen zählen Pneumokokken-Erkrankungen zu den gefährlichsten Infektionserkrankungen in Österreich, die auch eine der häufigsten Todesursachen bei Menschen über 65 Jahre sind. Rund 80 bis 90 Prozent aller durch Pneumokokken bedingten Todesfälle fallen in diese Altersgruppe. Pneumokokken sind winzige Bakterien, die durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen werden.
 


 

Tödliche Grippe im Labor nachgebildet
Experten fordern bessere Beobachtung von Virusstämmen

Heutige Grippeviren können durch kleinste Veränderungen so tödlich gemacht werden wie der Stamm von 1918, der Millionen von Menschen getötet hat. Das haben Wissenschaftler von der Universität von Wisconsin http://www.wisc.edu/ unter der Leitung von Yoshihiro Kawaoka nachgewiesen. Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat einem modernen Stamm zwei Gene von einer Probe des 1918er-Virus zugefügt, von dem bekannt war, dass er keinen Effekt auf Mäuse hat. Tiere, die diesem Gemisch ausgesetzt wurden, starben innerhalb weniger Tage an den gleichen Symptomen wie die menschlichen Opfer der Epidemie von 1918. Diese Erkenntnisse wurden im Journal Nature http://www.nature.com publiziert.

Die Forschungsarbeit wurde unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Die Experten konzentrierten sich auf zwei Gene, die eine Schlüsselrolle beim Infektionsprozess zu spielen scheinen. Eines kontrolliert die Produktion eines dornenähnlichen Moleküls, Hämagglutinin (HA), das vom Virus benutzt wird, um sich an Zellen anzuhängen, die er infizieren wird. Frühere Studien haben HA als entscheidendes Element identifiziert, das den 1918er-Virus so tödlich machte. Die aktuelle Arbeit scheint das zu bestätigen. Obduktionen von Mäusen, denen das Virusgemisch in die Nase injiziert worden war, zeigten, dass es sich zu den Lungen ausbreitete, wo es Entzündungen und Blutungen verursachte. Die Forscher betonen aber, dass das Experiment nur für Mäuse beweiskräftig sei, nicht für Menschen.

Allerdings hoffen sie, dass ihre Arbeit zu besseren Möglichkeiten führt, die potenzielle Gefahr eines Grippevirus zu beurteilen. "Werden die Eigenschaften des (1918) HA-Gens besser verstanden, das die tödliche Infektiosität verursacht, sollte es möglich sein effektive Kontrollmaßnahmen zu entwerfen und globale Beobachtungsnetzwerke für Influenza-Viren zu verbessern, die eine große Bedrohung für Menschen und Tierspezies darstellen." Die Wissenschaftler glauben, dass der 1918er-Virus von einem mutierten Vogelgrippevirus auf den Menschen übergesprungen ist. Wahrscheinlich ist er vom Schwein übertragen worden, das sowohl den menschlichen als auch den Vogelvirus beherbergt und ihnen so einen Genaustausch ermöglicht, wenn sich der Virus reproduziert. Aus diesem Grund sind die Experten zutiefst besorgt, dass sich die Vogelgrippe, die in Geflügelherden in Südostasien ausgebrochen ist, Gene aneignet, die sie für Menschen hochinfektiös und unter Umständen sogar tödlich macht. Die Botschaft, die dahinter steckt, formuliert der Virologie-Experte John Oxford vom Queen Mary College in London folgendermaßen: "Jeder Grippevirus transportiert Gepäck, das uns potenziell schaden kann, und wir sind gut beraten, diese Tatsache nicht zu ignorieren."

Die Epidemie von 1918, auch als "Spanische Grippe" bekannt, hat angeblich eine Mrd. Menschen infiziert, die Hälfte der Weltbevölkerung zu dieser Zeit. Der Virus tötete mehr Menschen als die Pest im Mittelalter. Obwohl die Ursprünge der Epidemie wahrscheinlich im Fernen Osten liegen, wurde sie als "Spanische Grippe" bezeichnet, weil die spanische Presse die erste war, die sich intensiv mit den Auswirkungen beschäftigt hat.


Desinfizierende Seifen gegen Schlafkrankheit
Triclosan stoppt Wachstum des Parasiten Trypanosoma brucei

Die Organochlorverbindung Triclosan könnte sich zur Behandlung der Schlafkrankheit (Trypanosoma) eignen. Im Labor stoppte Triclosan das Wachstum des Parasiten Trypanosoma brucei (T. brucei), berichtet Kimberly Paul von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore/Maryland http://www.hopkinsmedicine.org/medicalschool auf dem Jahrestreffen der American Society for Cell Biology in San Francisco http://www.ascb.org/meetings/am2002/main02mtg.htm . Triclosan wird wegen ihrer desinfizierenden Wirkung in kosmetischen Präparaten, als desodorierender Zusatz in festen Seifen und Flüssigseifen sowie in desinfizierenden Seifen und chirurgischen Händedesinfektionsmitteln eingesetzt.

Paul´s Team entdeckte, dass bestimmte Gene des Parasiten, die er zum Aufbau von Fettsäuren benötigt, eine nähere Verwandtschaft zu Genen in Bakterien aufweisen als zu Genen in Säugetieren oder Hefen. Die Forscher stellten dies unter Verwendung von DNA-Sequenzdaten des T.-brucei-Genom-Projekts fest. Die Ergebnisse überraschen die Wissenschaftler, da Triclosan eine antibakterielle Chemikalie, T. brucei aber kein Bakterium ist.

Triclosan könnte eine Verbesserung gegenüber bestehenden Medikamenten, insbesondere Arsen-Derivaten, darstellen, die für Patienten toxisch sind. Triclosan greift nur den Parasiten und keine menschliche Zellen an. Noch müssen die Forscher aber testen, ob die Substanz tatsächlich auch die Symptome der Schlafkrankheit lindert. Selbst wenn sich die Wirkung bestätigt, könnte der Parasit durch die Resistenz-Entwicklung auf Triclosan die Hoffnung der Forscher zunichte machen. Die Schlafkrankheit wird durch die Tse Tse Fliege (Glossina morsitans centralis) übertragen.

In Afrika südlich der Sahara leiden mehr als eine halbe Million Menschen an Trypanosoma. Unbehandelt ist die Schlafkrankheit in der Regel eine tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Es treten schwere Schlafstörungen mit Schlaflosigkeit in der Nacht und gesteigertem Schlafbedürfnis am Tag auf. Das Spätstadium der Schlafkrankheit ist durch eine Vielzahl neurologischer Symptome gekennzeichnet, wie verwaschene Sprache, Gang- und Koordinationsstörungen sowie Krampfanfälle. Sie sind die Folge einer Entzündung des Gehirns und des Rückenmarkes durch auf dem Blutweg verschleppte Parasiten. Eine gestörte Nahrungsaufnahme führt zur typischen drastischen Gewichtsabnahme.


"Infektionsnetz Österreich" geht online
Infos und News für Fachkreise

Medizinischen Fachkreisen steht ab heute, Donnerstag, das "Infektionsnetz Österreich" http://www.infektionsnetz.at kostenlos zur Verfügung. Das Netz stellt Ärzten, Apothekern, Gesundheitsbehörden, Studenten, Pharmamitarbeitern und Gesundheitspersonal aktuelle Infos über Infektionen, Erreger und Antiinfektiva wie z.B. Antibiotika bereit. Die Initiatoren hoffen, dass auch an Österreich grenzende Länder diese Idee aufgreifen, um Infektionskrankheiten besser in den Griff zu bekommen.

"Infektionsnetz Österreich" ist eine Initiative der Klinischen Abteilung für Infektionen und Chemotherapie http://www.univie.ac.at/infektionsmedizin der Universitätsklinik für Innere Medizin I am Wiener AKH und der Österreichischen Gesellschaft für Chemotherapie. An der Plattform sind Institutionen und Experten aus ganz Österreich beteiligt. Die teilnehmenden Institutionen können das Infektionsnetz mit entsprechenden Fakten füllen und entwickeln. Es wird laufend ergänzt und aktualisiert. Ein Redaktionsteam unter Aufsicht des Infektionsspezialisten Wolfgang Graninger von der Abteilung für Infektionen und Chemotherapie und ein wissenschaftlicher Beirat, in den alle teilnehmenden Institutionen ihre Vertreter entsenden, sorgen für die Qualitätskontrolle der medizinischen Inhalte. Die Internet-Plattform soll darüber hinaus den Dialog zwischen dem niedergelassenen Bereich und den Experten in den universitären Zentren fördern und anregen.

Das "Infektionsnetz Österreich" ist auch als Appell zur nationalen Zusammenarbeit zu sehen. Die Infektionsbekämpfung und die Resistenzsituation kann selbst in verschiedenen Abteilungen stark variieren, weshalb eine gemeinsame Informationsgrundlage erforderlich ist. Innerhalb des kommenden Jahres soll der Informationspool noch wesentlich erweitert werden. Die neu eröffnete Plattform versteht sich somit als elektronisches "work in progress".


Krankenhaus-Superbakterium auf tödlichem Vormarsch
Experten: Einfaches Händewaschen könnte Problem schnell lösen

Die multiresistenten "Superbakterien" MRSA sorgen in Großbritannien für Aufregung. Nach Aussagen von Wissenschaftlern werden sie für eine immer größere Zahl von Krankenhauspatienten zu einer tödlichen Gefahr. 1993 sind an dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus 13 Patienten gestorben, knapp fünf Jahre später waren es bereits 114, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk heute, Freitag.

Das multiresistente MRSA wird nach Ansicht der Wissenschaftler durch mangelnde Hygiene zur tödlichen Falle. Nach Angaben der Forscher vom Public Health Laboratory Service (PHLS), die sämtliche Todesfälle untersucht haben, hätten die Todesfälle relativ einfach verhindert werden können. Häufigeres Händewaschen der Krankenhausbediensteten sei eine effektive Methode, so die Forscher. Ohne weitere Maßnahmen hat MRSA jedenfalls freie Wildbahn und die Experten befürchten, dass das Superbakterium bis zu 5.000 Todesopfer jährlich fordern könnte.

"Die Präsenz von Antibiotika hat die Menschen faul und unaufmerksam gemacht", so Claire Rayner von der britischen Patients Association. Nach Ansicht der Expertin müsse man wieder zu den Zeiten zurückgehen, in denen Krankenhäuser nach Seifen und antiseptischen Mitteln gerochen haben und in denen sich sowohl Ärzte als auch Krankenpfleger regelmäßig die Hände waschen. Warnungen vor dem MRSA hat es in diesem Jahr schon einmal gegeben: das National Audit Office hatte vor den Folgen des Virus gewarnt. (pte berichtete http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=021007039 )

Das Public Health Department hat nach der jüngsten Studie 6.700 Todesfälle nach Staphylococcus aureus untersucht. Der Anteil der multiresistenten MRSA-Fälle stieg von acht Prozent 1993 auf 44 Prozent im Jahr 1998. "Die 114 Todesfälle sind zwar zahlenmäßig niedrig, wenn man bedenkt, wie viele tausende Menschen an anderen Erkrankungen sterben. Andererseits ist die Zahl extrem hoch, wenn man in Betracht zieht, dass einfaches Händewaschen den Tod der Menschen hätte verhindern können", so Natasha Crowcroft vom Public Health Service. Wie hoch in diesem Jahr die Opferzahlen sein werden, darüber wagt offensichtlich noch niemand zu sprechen. Das britische Gesundheitsministerium hat lediglich gemeint, dass fast 94 Mio. Euro für die Reinigung der Krankenhäuser und Kliniken aufgewendet werden und der Hygiene-Zustand mehrmals jährlich untersucht wird.

Das Forschungsergebnis über die MRSA-Bakterien wird auch im British Medical Journal (BMJ) http://bmj.com erscheinen.


 

Mittelalterpest vielleicht auch heute möglich
Forscher verdächtigen Ebola-ähnliches Virus als Epidemieursache
 

Nicht die Beulenpest, sondern ein Ebola-ähnliches Fieber soll im Mittelalter rund ein Viertel der europäischen Gesamtbevölkerung – mindestens 25 Mio. Menschen -dahingerafft haben. Das behaupten zwei Wissenschaftler der University of Liverpool gegenüber der britischen Zeitung "The Independent" http://www.independent.co.uk . Danach wurde die Krankheit wahrscheinlich nicht über Bakterien, sondern über Viren übertragen. http://news.independent.co.uk/uk/health/story.jsp?story=84800
 

Die beiden Spezialisten für Infektionskrankheiten haben die Epedemieverläufe im 14. Jahrhundert studiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass die zu Grunde liegende Krankheit eine viel größere Ähnlichkeit mit der Krankheitsklasse der hämorrhagischen Fieber hat. Diese werden durch Viren wie Ebola ausgelöst und sind in den letzten Jahrzehnten vermehrt aufgetreten. Für diese These spreche, dass die mittelalterlichen Pestepidemien durch eine 40-tägige Quarantäne der betroffenen Menschen unter Kontrolle gebracht werden konnten. Da sich Ratten, deren Flöhe die Beulenpestbakterien übertragen, jedoch nicht an Quarantänebestimmungen halten, hätte die Bakterienkrankheit durch Quarantäne nicht ausgemerzt werden können.
 

Die Forscher behaupten weiter, dass parallel zum Grassieren des Schwarzen Todes im menschlichen Genom jene Gen-Mutation aufgetaucht sei, die manche HIV-infizierte vor dem Ausbruch der Immunschwächekrankheit schütze. Die hohe Verbreitung der Mutation lasse darauf schließen, dass sie auch ein Schutz gegen das damals grassierende Virus gewesen ist.
 

Sollte sich das Untersuchungsergebnis bewahrheiten, bestünde durchaus die Möglichkeit, dass eine moderne Version des Schwarzen Todes unabhängig von unhygienischen Bedingungen auftauchen könne.
 


 

Parvovirus B19 soll seine Infektionswege offenbaren
Ringelrötel-Erreger gibt Forschern immer noch Rätsel auf
 

Ein internationaler Forschungsverbund http://www.uni-bonn.de , finanziell gefördert von der EU, will die Infektionswege des Parvovirus B19 bestimmen. Das Virus ruft die Ringelröteln hervor, die häufig mit lebensbedrohlichen Komplikationen verbunden sind. Da sich das Virus nicht in Zellkulturen züchten lässt, wissen Mediziner nur sehr wenig über die einzelnen Infektionsabläufe. Darüber hinaus lässt sich eine Infektion bislang nur in wenigen Laboratorien zuverlässig diagnostizieren - tragisch vor allem deshalb, weil die Gefahr einer Ansteckung über Bluttransfusionen bestehen kann. Zudem fehlen ausreichende Therapiemöglichkeiten sowie eine prophylaktische Impfung.
 

Das Parvovirus B19 wurde im Jahr 1975 per Zufall in der Blutprobe eines ansonsten gesunden Blutspenders mit der Codenummer B19 entdeckt. Es vermehrt sich in den Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen und zerstört sie. Bei vorbelasteten Personen kann diese Abnahme der roten Blutzellen (Anämie) lebensbedrohende Ausmaße annehmen. Die Virusvermehrung erfolgt äußerst effizient: Pro Milliliter Blut treten Konzentrationen von bis zu 1.000 Mrd. Viruspartikeln auf - so viele wie bei keinem anderen Virus. Mitunter beobachten die Mediziner nach einer Infektion schmerzhafte, chronische Gelenkbeschwerden, die über Monate und Jahre bestehen bleiben können, ebenso schwere, zum Teil transplantationsbedürftige Leber- und Herzmuskelentzündungen. Gefürchtet ist auch eine Infektion während der Schwangerschaft. In bis zu 15 Prozent der Fälle führt sie zum Tod des ungeborenen Kindes. Nur vereinzelt kann die Erkrankung durch die Transfusion roter Blutkörperchen therapiert werden. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass etwa sieben Prozent der Knochenmarkstransplantierten an einer B19-Infektion sterben.
 


 

Vitaminrezeptoren transportieren tödliche Viren
Medikamente gegen Ebola und Marburg-Virus in weiter Ferne
 

Amerikanische Wissenschaftler scheinen einen Weg gefunden zu haben, wie man zwei tödlichen Viren den Weg durch den menschlichen Körper abschneiden kann. Wie das Team um Mark A. Goldsmith von der University of California im Fachmagazin "Cell" http://www.cell.com berichtet, benutzen das Ebola- und das Marburg-Virus einen Vitaminrezeptor, um in Körperzellen einzudringen. Diesen Transportweg entdeckten die Forscher, als sie nach der Stelle an der Zellmembran suchten, an der die Viren andocken können.
 

Die Forscher isolierten vereinzelte Gene von infizierbaren Zellen und schleusten sie in andere Zellen ein, die normalerweise nicht von den Viren befallen werden können. Einige der genetisch-veränderten Zellen waren anschließend mit den Viren infizierbar, andere nicht. Als unterscheidendes Merkmal identifizierten die Forscher das Gen mit dem Bauplan für den Folsäure-Rezeptor. Der befand sich in allen Zellen, die infiziert werden konnten.
 

Sobald dieser Rezeptor in den Zellen blockiert wurde, konnten die Viren nicht mehr in die Zelle eindringen. Auch wenn Antikörper gegen den Folsäurerezeptor in die Zellen eingebracht wurden, fanden die Viren keinen Eingang mehr. Bis zu entsprechenden Medikamenten sei es aber noch ein langer Weg, schreiben die Wissenschaftler. Möglicherweise benutzen die Viren auch noch andere Wege auf der Zellmembran als Eintrittsort.
 

Das Marburg-Virus hat morphologisch eine große Ähnlichkeit mit dem Ebola-Virus und gehört wie dieses zu den Auslösern eines hämorrhagischen Fiebers. Es ist erstmalig 1967 in Deutschland und Jugoslawien aufgetreten. Ein Viertel der infizierten Menschen stirbt an der Infektion. Ebola trat erstmals 1976 in Zaire auf und ist erst seit 1997 bekannt geworden. Die Sterberate liegt bei 50 bis 80 Prozent.
 


 

Virus zerstört tödliche Bakterien
Forscher hoffen auf neue Medikamente gegen Lungenentzündung und Cholera

Forscher der Texas A&M University http://www.tamu.edu haben ein Virus entdeckt, das tödliche E. Coli Bakterien, die für Lebensmittelvergiftungen verantwortlich sind, zerstört. Die Wissenschaftler suchen nun nach weiteren Viren, die krankheitsauslösende Bakterien abtöten sollen. Dies könnte letztendlich zu neuen Medikamenten für die Behandlung von Erkrankungen wie der Cholera, der Lyme-Erkrankung sowie der Lungenentzündung führen. http://www.news.bbc.co.uk .

Die Forschergruppe um den Genetiker Douglas Struck von der Texas Agricultural Experiment School entdeckte in einem Virus, bekannt als Q-beta Phage, ein Protein, das wie Antibiotika gegen Bakterienzellen vorgeht. Es blockiert die Zelle in der Erstellung einer zähen Außenwand. Dadurch zerstört sich das Bakterium viel eher selbst als sich in mehrere Zellen zu teilen. Tote Bakterienzellen bedeuten ein Ende der Erkrankung. "Letztendlich begeht die Zelle Selbstmord", erklärte der Biochemiker Ry Young. "Ein Pharmaunternehmen könnte durchaus diesen kleinen Proteinteil nachahmen und ein Medikament entwickeln, das allgemein gegen viele Bakterien oder spezifisch gegen einige wenige Pathogene wirkt", so Struck ergänzend.

Als Phagen werden Viren bezeichnet, die nur Bakterien befallen. Sie bestehen aus DNA (Desoxyribonukleinsäure) oder RNA (Ribonukleinsäure) und werden von einem Proteinmantel umhüllt. Beim Kontakt mit Bakterien replizieren sie sich in der Zelle. "Phagen sind eine Goldgrube für Protein-Antibiotika", so der Forscher Ing-Nang Wang. Dies vor allem aufgrund der derzeitigen weltweiten Antibiotika-Resistenz-Krise.



 

Viren-Diagnostik per Chip
Forscher machen geringste Konzentrationen messbar

Israelische Forscher http://www.gdch.de haben eine Methode entwickelt, mit der Viren als elektrisches Signal angezeigt werden. Damit überbrücken sie eine große Schwierigkeit bei der Entwicklung von DNA-Chips, die Keime anhand ihres Erbgutes entlarven sollen: Die Analyse der Gene muss auf einer festen Oberfläche ablaufen. Sie braucht wegen der winzigen Konzentrationen eine Verstärkung und eine Übersetzung in ein einfach messbares Signal. Außerdem soll sie möglichst eine Quantifizierung zulassen.

Herzstück der Detektionseinheit ist ein elektrischer Signalwandler – eine winzige Elektrode oder ein piezoelektrischer Kristall http://abraxas.physik.uni-mainz.de/Anne/examen_html/node6.html mit einer Oberfläche aus Gold. Darauf werden kurze Nukleinsäurestränge verankert. Die Stränge sind das Gegenstück zu einer spezifischen Sequenz, die nur in der Nukleinsäure der jeweils gesuchten Virenspezies auftritt. Kommen diese Viren in der jeweiligen Probe vor, bleiben ihre Nukleinsäuren an den Strängen kleben wie an einer Leimrute. Dann wird ein Enzym in Aktion gesetzt, das die kurzen "Leimruten" entlang der Virus-Nukleinsäure wie an einer Blaupause zu einem fast kompletten Gegenstück vervollständigt.

Einen Teil der dazu verwendeten Bausteine versahen die Wissenschaftler zuvor mit einer zusätzlichen molekularen "Anhängerkupplung". Im nächsten Schritt dockt dort der passende "Anhänger" an, der wiederum mit dem Enzym "Alkalische Phosphatase" zusammengeschweißt wurde. Die "Phosphatase-Kette", die nun an der Detektionseinheit hängt, bildet den so genannten ersten Verstärungsschritt. Als Substrat für die Phosphatase wählten die Forscher eine lösliche Indigo-Verbindung. Sobald die Phosphatase reagiert und eine Phosphatgruppe abspaltet, wird das Indigo unlöslich und schlägt sich auf dem Detektor nieder (zweiter Verstärkungsschritt).

Für die Signalbildung haben sich die Forscher zwei Alternativen überlegt: Basiert der Mini-Detektor auf einer Mikroelektrode, können sie messen, wie stark die entstehende Schicht den Elektronentransfer behindert. Wählen sie dagegen einen piezoelektrischen Kristall als Träger, lässt sich die Massenzunahme der Schicht registrieren, da die Schwingungsfrequenz des Kristalls massenabhängig ist. Dicke und Masse der Schicht wiederum sind abhängig von der Virenkonzentration in der Probe. Die kleinste auf diese Weise registrierte Konzentration waren 60 Viren in einem 10-µl-Tröpfchen.



 

Keine Zeckenimpfung für deutsche Kinder
Baxter-Serum trotz teilweise auftretender Nebenwirkungen in Österreich zugelassen
 

Die deutschen Behörden haben heuer keinen FSME-Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen. Grund dafür seien die Nebenwirkungen, die der neue Impfstoff hervorrufe, berichtet heute, Montag, die Gesundheitsplattform Surfmed http://www.surfmed.at. Eine Studie von Baxter mit deutschen Kindern musste im Oktober des Vorjahres abgebrochen werden, da das neue Serum bei 64 Prozent der 178 Geimpften Fieber über 38 Grad ausgelöst hatte. In Österreich wird mit diesem Präparat, FSME-Immun-Inject 2001, seit einigen Wochen - mit einer empfohlenen Kinderdosis - geimpft. FSME wird ebenso wie Borreliose durch Zecken übertragen.
 

"Es hat sich nämlich herausgestellt, dass unser in der deutschen Studie verwendete Impfstoff noch zu frisch war", zitiert Surfmed Susanne Schober-Bendixen, beim Impfstoffhersteller Baxter http://www.baxter.at zuständig für den Bereich Produktqualität. Eine derzeit laufende Studie habe von inzwischen 226 geimpften Kindern "nur bei 26 Prozent Nebenwirkungen, hauptsächlich Fieberreaktionen, gezeigt". Mit dem Argument, es handle sich ohnehin nur um eine geringe Rezepturänderung des seit zwanzig Jahren bewährten Impfstoffes, haben die österreichischen Gesundheitsbehörden den Baxter-Antrag genehmigt. Es seien aber diesmal keine so schweren Fieberreaktionen wie im Vorjahr aufgetreten, wird die Expertin der Herstellerfirma zitiert.
 

Beim Impfstoff des Vorjahres von Baxter-Immuno, TicoVac, gingen beim Paul Ehrlich Institut in Langen weit mehr als tausend Nebenwirkungsmeldungen ein, vor allem wegen Fieberattacken mit Temperaturen über 39 Grad. Die Produktion von TicoVac wurde inzwischen eingestellt. Der Impfstoff 2001 ist ein Mix aus der Rezeptur von TitoVac und des Impfstoffes von 1999, so Surfmed.
 

Auch in Österreich sei eine Zulassung des Impfstoffes nur für Kinder und Erwachsene über zwölf Jahren erwogen worden. "Das Risiko konnten und wollten wir dann aber doch nicht übernehmen", so Ingomar Mutz, Vorstand des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates. In der österreichischen Ärztezeitung von 25. Februar dieses Jahres bat Baxter die Ärzte, die Eltern darauf hinzuweisen, dass "es insbesondere bei Erstimmunisierungen von Kindern je nach individueller Reaktionsbereitschaft zu Fieber über 39 Grad Celsius kommen kann".
 

In Österreich liegt die Durchimpfungsrate in der Bevölkerungsgruppe der Sieben- bis Dreißigjährigen bei 94 Prozent. Die Zahl der Hirnhautentzündungen durch Zeckenbisse ging von 700 Infektionen in den 70er Jahren auf 60 FSME-Fälle im Vorjahr zurück.
 

http://www.surfmed.at/surfmed-redaktionstool/index.php3?action=showarticle&ressortname=thema&ueberblick=j
 


Halsentzündung als Grund für CJD
US-Forscher hat Verbindung zwischen Creutzfeld-Jakob und Mandelentzündungen entdeckt
 

Halsinfektionen und Halsweh könnten nach Ansicht eines amerikanischen Forschers der Grund für das Ausbrechen der Variante der Creutzfeldt-Jakobschen Erkrankung (vCJD) sein. Die Patienten hätten kontaminiertes Fleisch zu der Zeit gegessen, als sie Infektionen im Hals- und Rachenraum hatten. Das berichtet der Nachrichtensender BBC heute, Freitag.
 

Die Theorie stammt vom berühmten amerikanischen Forscher Stephen deArmond von der Universität von Kalifornien in San Francisco http://www.ucsf.edu . Er geht davon aus, dass dies auch der Grund sei, warum so wenige Patienten daran erkrankt sind.
 

Britische Wissenschaftler hingegen zweifeln an der Theorie des Amerikaners. Sie sei zwar plausibel, es fehle aber an genauen Daten um sie zu beweisen. Die Forscher wissen über die vCJD noch immer viel zu wenig. Vor allem die Tatsache, dass manche Personen erkranken, andere hingegen nicht, gibt den Wissenschaftlern Rätsel auf. Bis heute sind 94 Personen in Großbritannien an CJD gestorben. Acht andere sind möglicherweise daran erkrankt, leben aber noch immer. Die Zahl der Opfer unter 35 Jahren ist relativ hoch.
 

DeArmond, Spezialist auf dem Gebiet der Erforschung der Prionen, die für die Erkrankung verantwortlich sein sollen, glaubt, dass die Entzündungen im Hals- und Rachenraum der Schlüssel zur Lösung der CJD sind. "Alles was ich beweisen will, ist der Weg, wie die Prionen ins lymphoretikuläre System des Menschen gelangen konnten", so der Wissenschaftler. "Die Mandeln sind ein Reservoir für Prionen. Daher müssen wir den Zusammenhang mit Halsentzündungen genau untersuchen"
 

Kalifornische Wissenschaftler arbeiten zurzeit an einer Therapie, um die Wirksamkeit der infizierten Prionen zu blockieren. Diese Therapie, die vielversprechend ist, wird in den kommenden 12 Monaten im Tierversuch getestet. "Falls diese Experimente erfolgreich sind, könnten sie ein effektives Behandlungsmittel für spongiforme Erkrankungen beim Menschen innerhalb der nächsten zehn Jahre sein", so Professor deArmond.
 

Weitere Informationen: http://news.bbc.co.uk/hi/english/sci/tech/newsid_1223000/1223872.stm



Experten: 30 Jahre Inkubationszeit bei vCJK
Britischer BSE-Spezialist rechnet mit bis zu 10.000 neuen Fällen
 

Die Inkubationszeit der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) könnte bis zu 30 Jahre betragen. Experten rechnen daher mit Tausenden oder sogar Zehntausenden neuen Fällen der für den Menschen tödlichen Erkrankung, wie BBC http://news.bbc.co.uk berichtet.
 

Die Zeitberechnung stammt von John Collinge, Mitglied der von der britischen Regierung eingesetzten Untersuchungskommission zu BSE (SEAC). In einem BBC-Interview heute, Donnerstag, reagierte er auf eine unter seiner Mitarbeit entstandene Studie. Diese stellte fest, dass in fünf Fällen die menschliche Form des Rinderwahnsinns offenbar über die Messer eines Fleischers übertragen wurden.
 

"Obwohl die Studie von einer geschätzten Inkubationszeit zwischen zehn und 16 Jahren ausgeht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die größte Gefährdung vor 1985 bestand", so Collinge. Die derzeitigen Fälle seien per Definition jene mit der kürzesten Inkubationszeit. In Großbritannien sind bisher 97 Menschen an vCJK erkrankt, von denen heute nur noch sieben leben. Der BSE-Spezialist ist aber dennoch überzeugt, dass die Erkrankung keine sechsstellige Zahl erreichen wird. Das vollständige Interview ist auf BBC-Online zu hören.
 

 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:33:52
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