Hormone plagen auch Männer-Gemüter
Sinkende Testosteron-Spiegel sollen "irritable male syndrome"
auslösen
Männer leiden wie Frauen unter hormonell bedingten Gemütsschwankungen. Dies
besagt eine Studie der Human Reproductive Sciences Unit des Medical Research
Councils (MRC) in Edinburgh
http://www.hrsu.mrc.ac.uk. Die Gemütsschwankungen, die durch ein Absinken
des Testosteron-Spiegels bei männlichen Säugetieren nach Ende der Paarungszeit
entstehen, sollen in ähnlicher Weise den Menschen betreffen. Die Studie wurde
im Journal "Reproduction, Fertility and Development" Vol. 13, p. 567
publiziert und ist auf der Homepage
http://www.publish.csiro.au/journals/rfd/pip.cfm abrufbar.
Benannt wird dieser hormonell bedingte Zustand der Lethargie, Depression
und Nervosität mit dem englischen Begriff "irritable male syndrome" (IMS). Die
Symptome gleichen der männlichen Menopause. Es ist ein bekanntes Phänomen bei
Tieren nach der Paarungszeit, wenn die sexuelle Aktivität sinkt. Der Forscher
Gerald Lincoln untersuchte das IMS zuerst an Schafen. Im Herbst steigt das
Testosteron rasant an und fällt im Winter rasch wieder ab. Ursprünglich wurde
aggressives Verhalten mit einem hohen Testosteron-Spiegel in Verbindung
gebracht. Lincoln bemerktejedoch, dass Böcke sich eher Verletzungen zufügten,
wenn sie einen niedrigen Testosteron-Spiegel aufwiesen. Weitere Untersuchungen
an Elefanten und Rentieren zeigten ebenfalls das Auftreten des IMS nach der
Paarungszeit.
Bekannt ist, dass das Testosteron beim Mann einen großen Einfluss auf sein
Verhalten hat. Im Gehirn sitzen viele Rezeptoren für Testosteron und seine
Umwandlungsprodukte. Setzt man bei Männern, die kein Testosteron produzieren
können, die Hormonersatztherapie ab, zeigen jene die von Tieren bekannte
Symptome des IMS, sagte Richard Anderson vom MRC. Ihr positiver Gemütszustand
stellt sich wieder her, wenn die Behandlung erneut aufgenommen wird. Lincoln
bezeichnet Stresssituationen als einen möglichen Grund für den
Testosteron-Abfall. Es gibt wenige Studien, die dieses Phänomen am Menschen
erklären, aber viele an Tieren. Untersuchungen an Primaten zeigen, dass,
"Testosteron sinkt, wenn Stress die Corticoide (in der Nebenniere gebildete
Hormone, zu denen unter anderem die Geschlechtshormone und Cortison zählen)
himmelwärts schickt", so Lincoln.
David Handelsman, ein Experte auf dem Gebiet männlicher Hormone der
Universität von Sydney
http://www.usyd.edu.au , sieht die Auswirkungen von
Testosteron-Schwankungen beim Mann vorsichtiger: "Die Änderungen des
Testosteron-Spiegels sind beim erwachsenen Mann weitaus geringer, als die
drastischen Schwankungen beim Schafbock." Der Endokrinologe David Abbott des
Wisconsin Regional Primate Research Center in Madison
http://www.primate.wisc.edu
meint hingegen: " Die Auswirkungen von Testosteron wurden lange Zeit nicht
beachtet. Es wäre interessant, das IMS noch genauer zu untersuchen."
