Hörschäden durch Chemotherapie
Mediziner wollen Risiko für krebskranke Kinder verringern
Die Behandlung mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin kann bei Kindern
irreparable Hörschäden hervorrufen. Da aber nicht alle kleinen Patienten unter
dieser Nebenwirkung leiden, wollen Wissenschaftler der Universität Münster
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jetzt herausfinden, welche Faktoren die Entstehung bleibender Schwerhörigkeit
begünstigen.
Zu bestimmten Zeitpunkten vor, während und nach der Therapie überprüfen die
Spezialisten die Funktion des Innenohrs von krebskranken Kindern, die nach
unterschiedlichen Schemata mit Cisplatin behandelt werden. Gleichzeitig werden
die Konzentrationen des Chemotherapeutikums im Blut mit den Veränderungen der
Hörfunktion verglichen. Darüber hinaus wollen die Wissenschaftler untersuchen,
ob zwischen Alter, Geschlecht, Ernährungszustand, Körpertemperatur,
Pigmentierung sowie der Wirkung therapiebegleitender Medikamente und dem
Auftreten der Hörstörung ein Zusammenhang besteht.
Mit steigender Gesamtdosis von Cisplatin nimmt auch das Risiko zu, eine
Hörstörung zu erleiden. Es gibt Hinweise darauf, dass erbliche Faktoren für
die unterschiedliche Empfindlichkeit der Kinder verantwortlich sind. Ziel der
Studie in Münster ist es, künftig vor einer Behandlung mit Cisplatin für jeden
kleinen Patienten ein persönliches Risikoprofil erstellen zu können und die
Therapie-Erfolge bei geringerer Belastung des Gehörs beizubehalten.
Jährlich erkranken etwa 1.750 Jungen und Mädchen unter 15 Jahren an Krebs.
70 Prozent der Kinder können geheilt werden. Leiden sie an einem Neuroblastom,
an einem Knochen-, Keimzell- oder Hirntumor, werden sie meist mit Cisplatin
behandelt. Das Medikament gehört zur Gruppe der alkylierenden Substanzen.
Diese verändern die Bausteine des Erbguts so, dass die dann auseinander
bricht. Dadurch starten die Tumorzellen ihr Selbstmordprogramm und gehen
zugrunde.