Seetiere produzieren
Chemikalien
Schadstoffe im Tran von Walen sind natürlicher
Art
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass giftige
Chemikalien, die in Waltran gefunden wurden, nicht gänzlich
künstlicher Art sind. Einige der Komponenten, die den
umweltschädlichen, flammenhemmenden Chemikalien ähnlich sind, werden
von Schwämmen und anderen Meereslebewesen produziert, berichtet
Nature
http://www.nature.com .
Es ist schon seit langem bekannt, dass sich bestimme künstliche
Chemikalien in Tieren ansammeln können. Oft ist dies bei Raubtieren
der Fall, die andere verseuchte Tiere essen. Solche hartnäckigen
Moleküle, halogenisierte organische Verbindungen genannt, enthalten
das giftige Pestizid DDT. Kürzlich wurde eine Gruppe ähnlicher
Präparate in Seetieren ausgemacht, aber woher diese stammen, ist
nicht bekannt. Es stellte sich die Frage, ob diese methoxylierten
polybromierten Diphenylether (PBDE) von langsamen, weichen Seetieren
(z.B. Schwämmen) produziert werden, oder ob sie von abgelegten
flammenhemmenden Chemikalien stammen. Unveränderte flammenhemmende
Moleküle wurden schon im Tier- und Fischgewebe gefunden und sogar in
menschlicher Muttermilch.
Chris Reddy von der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI)
http://www.whoi.edu
versuchte dieser Frage zu nachzugehen, indem er die
verschiedenen Karbon-Isotopen in den Molekülen untersuchte.
Methoxyliertes PBDE, das von Pflanzen oder Tieren produziert wurde,
enthält einen beständigen Anteil des radioaktiven Karbon-14, das in
geringen Mengen überall im Ozean enthalten ist. Wenn das
methoxylierte PBDE künstlicher Art wäre, müsste es von Karbon aus
Erdöl stammen, das so alt gewesen sein müsste, dass alles Karbon-14
zerfallen wäre. "Wir nennen das einen 'Tod oder Leben'-Ansatz", so
Reddy. Reddys Kollegin Emma Teuten arbeitete monatelang mit einem
stinkenden zehn Kilo schweren Tranexemplar von einem gestrandeten
Wal. "Ich trennte die Haut ab, würfelte und zerschnitt sie. Das
ergab eine Konsistenz, die einem Erdbeershake ähnlich kam",
berichtet Teuten. Danach brannte sie mit Hilfe von Säure das Fett
weg und erhielt dadurch eine geringe Menge von methoxyliertem PBDE.
Wahrscheinlich stammt es von einem Tintenfisch, den der Wal gegessen
hatte.
Ein einziger Wal, der wahrscheinlich auch noch krank war, ist kein
großer Beweis. Aber Meeressäugetier-Toxikologe Paul Ross ist
beeindruckt: "Der Fall scheint klar zu sein." |

Plasma-Ofen verbrennt
chemische Kampfstoffe
Projekt mit fünfjähriger Verspätung gestartet
Nach gravierenden Pannen bei der Bauausführung und
mit fünfjähriger Verspätung soll im Sommer dieses Jahres auf dem
Truppenübungsplatz Munster-Nord ein neuer Verbrennungsofen zur
Beseitigung von chemischen Kampfstoffen belasteter Erde seinen
Probebetrieb aufnehmen. Das berichtet die Zeitschrift
Wirtschaftsbild
http://www.wirtschaftsbild.de in ihrer Februar-Ausgabe.
Wie die Zeitschrift weiter schreibt, handelt es sich dabei um einen
so genannten "Plasma-Ofen", in dem das belastete Material mit einem
Lichtbogen geschmolzen und von einem speziellen Plasmabrenner in
einem Temperaturbereich von bis zu 1.550 Grad Celsius gehalten wird.
Dabei entsteht eine glasartige Schlacke, in der die nicht brennbaren
Schadstoffe wie Arsen unlösbar eingebunden sind. Das nach Angaben
des Ofenbetreibers, der bundeseigenen Gesellschaft zur Entsorgung
chemischer Kampfstoffe und Rüstungsaltlasten (GEKA)
http://www.geka-munster.de , unschädliche Material soll im
Straßenbau eingesetzt werden.
Die ersten Planungen des Plasma-Ofens, mit dem seinerzeit
technologisches Neuland betreten wurde, liegen bereits 15 Jahre
zurück. Mit dem Bau begonnen wurde 1996. Anlässlich der Expo 2000 in
Hannover, so die ursprüngliche Planung des
Bundesverteidigungsministeriums, hätte die Anlage eigentlich in
Betrieb gehen sollen.
Zu den erheblichen Verzögerungen war es unter anderem gekommen, weil
sich das Bundesverteidigungsministerium offenbar auf ein
kompliziertes Geflecht an Zuliefererbetrieben eingelassen hat.
Nachdem schließlich ein Schweizer Unternehmen als Lieferant des
wichtigsten Bauteils, des Plasmareaktors, Konkurs anmelden musste,
lag das Projekt zwei Jahre auf Eis.
Weitergebaut wurde der Ofen schließlich von Ingenieuren der GEKA.
Die erforderlichen Bauteile, so Wirtschaftsbild, habe sich das
Unternehmen auf dem freien Markt zusammengesucht, teilweise sogar
über das Internet. Die Verzögerungen beim Bau haben dazu geführt,
dass der Plasma-Ofen bei Kosten von rund 135 Mio. Euro den
Steuerzahler mehr als doppelt so teuer zu stehen kommt wie jene 112
Mio. Mark, die für die Anlage ursprünglich veranschlagt worden
waren. Zu entsorgen gibt es für den Ofen reichlich: In Munster-Nord
liegen mittlerweile mehr als 40.000 Tonnen mit Giftgaschemikalien
belasteter Erde in Silos auf Halde. Der Ofen hat eine Kapazität von
17 Tonnen pro Tag. |

EU will
Chemikalienrecht neu regeln
Beweislast wird umgekehrt
Die Europäische Kommission plant eine Neuregelung
des Chemikalienrechts - die geltende Beweislast soll umgekehrt
werden Bisher mussten die Behörden nachweisen, dass ein Stoff
schädlich ist. Nun sollen die Hersteller bestätigen, dass ihre
Stoffe nicht schädlich sind, so das Fraunhofer-Institut für
Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI)
http://www.isi.fraunhofer.de .
In Europa werden über 100.000 chemikalische Stoffe in unzähligen
Mischungen genutzt. Darunter fallen unter anderem Waschmitteltenside
und Lösungsmittel in Lacken. Im Oktober 2003 hat die Europäische
Kommission unter der Bezeichnung REACH (Registration, Evaluation and
Authorisation of Chemicals) einen Verordnungsentwurf vorgelegt.
Während die Behörden bisher nachweisen mussten, dass Stoffe
schädliche Auswirkungen haben, soll künftig die Industrie den
Nachweis erbringen, dass angebotene Chemikalien sicher sind. Über
diese Neuregelung wird nun heftig debattiert. Den Umweltverbänden
geht sie nicht weit genug und auch die Chemische Industrie kämpft
dagegen an. Sie hat Angst vor hohen Kosten und fürchtet im
internationalen Wettbewerb benachteiligt zu sein.
Das Fraunhofer ISI hat Kosten und Nutzen von REACH für zwei
Produktketten exemplarisch untersucht - Farben und Lacke sowie
Wasch- und Reinigungsmittel. Laut der Untersuchung könnten sich die
Marktpreise für einzelne Stoffe in Farben und Lacken um 20 Prozent
erhöhen, bei einigen Spezialtensiden in Reinigungsmitteln sogar um
50 Prozent. Solche Preiserhöhungen seien aber nur bei Stoffen mit
geringem Produktionsvolumen zu erwarten.
REACH wirke auf die Wettbewerbsfähigkeit europäischer
Chemiehersteller positiv. Dies sei vor allem auf das verbesserte
Wirtschaftsmanagement und mehr Transparenz bei der
Chemikaliennutzung zurückzuführen. "Europäische Unternehmen werden
dank REACH zu Pionieren eines modernen Chemikalien-Managements",
verspricht ISI-Projektleiterin Katrin Ostertag. |

Globales
Stickstoff-Modell konzipiert
Nachhaltiges Management gegen Überdüngung
erforderlich
Forscher der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt
http://uni-frankfurt.de arbeiten an einem globalen Modell, das
den Transport von Stickstoff für alle Landflächen der Erde aufzeigen
soll. Obwohl Stickstoff als harmlos und ungefährlich gilt, hat er
einen negativen Einfluss auf die Umwelt und nicht zuletzt auch auf
unsere Gesundheit, da eine Gefahr der Stickstoffüberdüngung von
Flüssen und Küstengewässern droht.
Am Institut für Physische Geographie wird derzeit am globalen
Stickstoff-Transport-Modell WaterGAP-N gearbeitet. Dabei geht es
unter anderem darum, die Verbindung zwischen Nahrungsmittelerzeugung
und dem Zustand von Grundwasser, Flüssen und Küstengewässern zu
analysieren. Vor allem in landwirtschaftlich stark genutzten
Regionen werden Böden mit Überdosen an synthetischen oder tierischen
Düngern belastet, die zu wesentlichen Teilen aus
Stickstoffverbindungen bestehen. Der übermäßige Stickstoffeintrag
wird aber nur zu einem geringen Teil von Nutzpflanzen verbraucht,
der Rest fließt durch Regenabflüsse in Bäche und Flüsse.
Dünger, der Weizen, Mais und Kartoffeln wachsen lässt, lässt aber
auch Wasserpflanzen, vor allem Algen, vermehrt wachsen. Gehäuftes
Auftreten von Algen in Flüssen und Küstengewässern birgt ein
erhebliches, durchaus auch gesundheitsgefährdendes Gefahrenpotenzial
für die Umwelt. Darüber hinaus verbraucht eine ansteigende
Algenpopulation den im Wasser gelösten Sauerstoff, der auch für die
anderen Wasserlebewesen lebensnotwendig ist. So führt Überdüngung
auch zum Absterben von Korallenriffen. Das United Nations
Environment Programme (UNEP) hat die Stickstoffproblematik in den
vergangenen Jahren immer wieder zum Diskussionsschwerpunkt gemacht.
Umgekehrt ist jedoch auch zu wenig Stickstoff eine Gefahr. Vor allem
in den Ländern der Dritten Welt fallen die Ernten nach einer
jahrzehntelangen Nutzung an Stickstoff verarmten Böden schlecht aus.
Dadurch werden immer neue Urwaldgebiete gerodet, um weitere
Anbauflächen zu erhalten, die wiederum zu steigender Bodenerosion
führt. Reaktive Stickstoffverbindungen, die durch die Verbrennung
fossiler Energieträger in die Atmosphäre gelangen, tragen dort zur
Zerstörung der Ozonschicht und zum globalen Klimawandel bei. Sie
sind zudem eine Quelle für sauren Regen, der Pflanzen im Wachstum
hindert und zu Korrosion an Gebäuden führt.
Ziel ist es daher effektive Strategien zu entwickeln, die helfen,
den Stickstoffeintrag dort zu reduzieren, wo es möglich ist,
andererseits ihn dort nachhaltig zu steigern, wo Bedürfnisse
bestehen. Dabei soll das Modell, das in der Arbeitsgruppe von Petra
Döll entwickelt wird, helfen.
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Chemiker verliert Titel wegen wissenschaftlicher
Fälschung
Manipulierte Experimente führen zur Aberkennung des
akademischen Grades
Dem Bonner Chemiker Guido Zadel ist wegen wissenschaftlicher
Fälschung der Doktortitel aberkannt worden. Der Forscher hatte vorgegeben, mit
Hilfe eines Magnetfeldes die Drehrichtung von Molekülen verändern zu können.
Eine Kommission hatte erfolglos versucht die Experimente nachzustellen,
berichtet die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
http://www.uni-bonn.de heute, Dienstag. Die Universität begrüßte die
Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster als "deutliches Signal gegen
Fälschung in der Wissenschaft".
Der Chemiker hatte Anfang der 90er Jahre in seiner Doktorarbeit behauptet,
dass er mit Hilfe eines Magnetfeldes bei einer Synthese die Drehrichtung der
entstehenden Moleküle beeinflussen kann. Der Fall hatte deshalb großes
Aufsehen erregt, weil die Versuchsreihe ein wichtiges chemisches Problem zu
lösen schien. Linksdrehende Moleküle entfalten nämlich im Körper häufig ganz
andere Wirkungen als ihre rechtsdrehenden Pendants. "Da beide Formen
spiegelbildlich zueinander aufgebaut sind, vergleichbar mit einem rechten und
linken Handschuh, sich ansonsten aber nicht unterscheiden, sind sie nur schwer
voneinander zu trennen", berichtet Karl-Werner Glombitza vom Institut für
Pharmazeutische Biologie der Universität Bonn. Ein Beispiel bildet das
Schlafmittel Contergan, das in den sechziger Jahren traurige Berühmtheit
erlangte, weil die rechtsdrehende Variante des Wirkstoffs ein effektives und
nebenwirkungsarmes Schmerzmittel ist, die linksdrehende Form aber schwerste
Missbildungen bei Embryonen erzeugt.
Die von der Universität Bonn eingesetzte Kommission, die mehrmals versuchte,
die Experimente nachzustellen, kam zum Schluss, dass die Resultate durch
geschickt getarnte Manipulation zustande gekommen sind. Die
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät beschloss daraufhin dem Chemiker
seinen akademischen Titel abzuerkennen. Der Forscher klagte erfolglos gegen
diesen Beschluss vor dem Verwaltungsgericht Köln. Zadel erhob nochmals
Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht Münster. Das Gericht kam zur
Erkenntnis, die Berufung nicht zur Entscheidung anzunehmen. Damit wurde das
Ersturteil rechtskräftig.

Mini-Sensor ermöglicht simultane Chemikalien-Detektion
Vorläufiges Patent für münzgroße Technologie bereits
eingereicht
Chemiker der Universität Buffalo
http://www.buffalo.edu
arbeiten zurzeit an der Entwicklung eines Sensors, der Hunderte Chemikalien
gleichzeitig nachweisen kann. Dabei besitzt der Mini-Sensor lediglich die
Größe einer Münze. Von der simultanen Detektions-Technologie sollen
hauptsächlich pharmazeutische, umwelttechnische sowie klinische Labors
profitieren. Vorteile sehen die Entwickler in der Schnelligkeit und
Transportfähigkeit der Ausrüstung, die in der 1.März-Ausgabe des Fachmagazins
Analytical Chemistry
http://pubs.acs.org/journals/ancham vorgestellt wird.
Das Sensormaterial besteht aus speziellen porösen Gläsern, die auf eine
gewünschte Oberfläche aufgedruckt werden. Den Nachweis der Chemikalien
erbringen Eiweißverbindungen, die in die feinen nanogroßen Poren dieser so
genannten Xerogele eingebaut werden. Um die empfindlichen Stoffe auf einer
noch kleineren Fläche unterzubringen zu können, verwendete das Team um Eun
Jeong Cho ein Druckverfahren, wie es in der Biotechnologie bereits Einsatz
findet. "Das Xerogel wird gelöst und wie Tinte aus einer Feder auf die
gewünschte Oberfläche aufgebracht", erklärte Frank Bright, Co-Autor der
Studie. Auf der Oberfläche härtet das Gel zu einer schwammartigen Form aus. So
ist es möglich, eine große Anzahl verschiedener Sensoren in extremer Dichte zu
platzieren. Für die Entwicklung haben die Forscher bereits ein vorläufiges
Patent angemeldet.
Herkömmliche Sensoren auf Xerogel-Basis haben den Nachteil, dass sie nur
eine Chemikalien-Spezies detektieren können. "Der zeitgleiche Analyseprozess
für verschiedene Moleküle ist derzeit noch sehr zeitaufwendig und ein Großteil
der Proben wird wieder weggeworfen", so Bright.

Enzym der Kieselalge liefert Kunststoffe
Forscher stellen organisch-anorganische Zwitterstrukturen
her
Wissenschaftler der University of Cincinnati
http://www.uc.edu/ und des Air
Force Research Laboratory in Dayton
http://www.wpafb.af.mil/
haben ein Verfahren entwickelt, um aus einem Enzym der Kieselalge
Cylindrotheca fusiformis neue Kunststoffe herzustellen. Mit Hilfe dieses
Enzyms bilden Kieselalgen Silikatschalen aus. Den Forschern gelang es, daraus
organisch-anorganische "Zwittersturkturen" im Nanobereich zu schaffen.
Die Kunststoffe sollen vor allem bei der Herstellung neuer Sensoren oder
spezieller Schutzbrillen für das Militär Verwendung finden, ebenso für
verbesserte Nachtsichtgeräte und Systeme, die ultraschnelle Hologramme
erzeugen können. Langfristig hoffen die Wissenschaftler auch auf den Einsatz
der Materialien in der nicht-invasiven Krebstherapie, bei der Speicherung
optischer Daten und in Lasersystemen, die auf blauem Licht basieren. Ihre
Forschungsergebnisse stellen sie im Fachmagazin "Nature"
http://www.nature.com vor.

Chemische Industrie diskutiert über sicheren Transport von Chemikalien
Bereits zum sechsten Mal veranstaltete der Fachverband der chemischen
Industrie heute, Dienstag, die Konferenz "Chemikalien sicher transportieren".
Gemeinsam mit ihren österreichischen Kollegen haben Vertreter der deutschen
Schwesterorganisation VCI und des europäischen Chemieverbandes CEFIC ihre
Erfahrungen beim sicheren Transport von Chemikalien ausgetauscht. Ziel der
Branche ist es, die Sicherheitsstandards dauernd zu erhöhen, um ein
nachhaltiges Wirtschaften zu gewährleisten. Die Grundlage dafür bildet in der
chemischen Industrie die freiwillige Initiative "Responsible Care" für
Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz. Unterstützt wurde die Konferenz von
der EU-Kommission und den Vereinten Nationen. Sowohl EU-Kommissar Olli
Pirkanniemi als auch Olivier Kervella von der Transportdivision der Vereinten
Nationen haben Grußadressen an die Teilnehmer gerichtet.
"Die chemische Industrie hat sich verpflichtet, ihre Produkte sicher und ohne
unvertretbare Risiken für Mensch und Umwelt herzustellen, zu transportieren,
zu gebrauchen und zu entsorgen. Wir wollen nicht nur im Einklang mit den
Gesetzen, sondern auch darüber hinaus in Eigenverantwortung handeln", erklärte
Wolfgang Frank, Vorsteher des Fachverbandes der chemischen Industrie, in
seinem Einleitungsstatement.
Dieses "Verantwortliche Handeln" im Rahmen von Responsible Care gelte, so
Frank, nicht nur für den Produktionsprozess im Chemiebetrieb, sondern
erstrecke sich über den gesamten Einflussbereich des Chemiebetriebes und ende
weder beim Werkszaun, noch an der österreichischen Staatsgrenze oder an der
EU-Außengrenze. "Dieses Verantwortungsbewusstsein ist der wahre Grund, warum
wir so bemüht sind, diese Konferenz zu organisieren und alle zur Diskussion
einladen. Wir sind sehr stolz über die jährlich steigende Teilnahme", sagte
Frank, der heuer etwa 300 Transportexperten und Einsatzkräfte aus 24 Ländern
begrüßen konnte.
Ein wichtiges Ziel der Tagung sei es, nicht nur immer besser und sicherer
werden, sondern die Erfahrungen den Ländern außerhalb der EU anzubieten, deren
Probleme und Vorschläge kennen zu lernen und gemeinsam mit ihnen zu
diskutieren. Bei den Vorträgen wurden nicht nur die Neuigkeiten im
Transportrecht (Straße, Schiene, Hochseeschifffahrt) und zur behördlichen
Umsetzung angesprochen, sondern durch zahlreiche Experten der europäischen
Chemie praktische Problemlösungen und Hilfestellungen angeboten.

Wischtest erkennt giftigen Berrylium-Staub
Kissen verfärbt sich bei kontaminierten Oberflächen blau
Forscher des Los Alamos National Laboratory des US-Energieministeriums
http://www.lanl.gov haben einen
Farbtest entwickelt, der giftiges Berrylium auf Oberflächen in Echtzeit
detektiert. Ähnlich eines Lackmus-Tests, der den Säuregehalt von
Wasserlösungen feststellt, ändert ein Kissen in der Ab- bzw. Abwesenheit des
Stoffes die Farbe. Die Detektionsmethode ist allerdings nicht als Ersatz
herkömmlicher Tests gedacht, sondern soll mit Berrylium hantierenden Arbeitern
auf schnellstem Weg das Vorhandensein des krebserregenden Metalls anzeigen.
Berrylium wird weltweit als Material für Computer, Sportartikel, in der
Elektronikindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt. Staub und
Dämpfe können zu chronischen Lungenleiden führen.
Bei der neuen Detektionsmethode wird die Oberfläche mit einem
vorbehandelten Kissen abgewischt und anschließend mit einer Lösung behandelt.
Verfärbt sich das Kissen blau, ist Berrylium vorhanden. Bleibt das Kissen
orange, ist die Oberfläche frei von einer signifikanten Kontamination. Die
Methode ist laut Ansicht der Entwickler kostengünstig und zeitsparend.
Herkömmliche Tests dauern durch langwierige Laboranalysen Tage bis Wochen.
Dies führe häufig zu Arbeitsstopps, da zur Fortsetzung sicher gestellt werden
müsste, dass der Berrylium-Wert unter dem akzeptierten Kontaminationsgrenzwert
für Oberflächen liegt.
"Da es keinen bekannten Sicherheitswert für Berrylium gibt und bereits
minimale Dosen bei anfälligen Personen zu einer chronischen
Berrylium-Erkrankung führen, wurde unter den strengsten
Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet", erklärte die Entwicklerin, Tammy Taylor.
Aus Sicherheitsgründen wurden auch vom Energieministerium Limits für die
Verunreinigung mit Berrylium auf Oberflächen festgelegt. "Der Farbtest ist so
empfindlich, dass Berrylium innerhalb dieser Grenze festgestellt werden kann",
betonte Taylor.
Die Einatmung von feinen Berrylium-Partikeln kann bei ein bis sechs Prozent
der in Kontakt tretenden Personen zu einer Autoimmunreaktion führen und die so
genannte chronische Berrylium-Erkrankung auslösen. Die Krankheit verläuft
mitunter tödlich, da es derzeit noch keine Heilung gibt. Der Staub bleibt in
der Kleidung haften und kann auch bei Familienmitgliedern von
Berrylium-Arbeitern zum Auslöser der Erkrankung werden.
Ein im Jahr 2000 ausgearbeitetes Programm unterstützt jene Tausende
Personen, die im Zuge des Kalten Krieges mit radioaktiven Materialien
arbeiteten und in Kontakt mit Berrylium kamen. Das Programm sieht einmalige
Zahlungen in der Höhe von 150.000 Dollar sowie eine lebenslange medizinische
Versorgung vor. Für Arbeiter mit einer Berrylium-Empfindlichkeit ist eine
kostenlose regelmäßige medizinische Untersuchung vorgesehen.

Aminosäuren als Ursubstanz des Lebens
Thermische Umwandlung bildet Moleküle anderer
Verbindungsklassen
Wissenschaftler der Universität Oldenburg http://www.uni-oldenburg.de
haben herausgefunden, dass Aminosäuren bei der Entstehung des Lebens auf der
Erde wahrscheinlich eine entscheidende Rolle spielten. Die Forscher nehmen an,
dass die Aminosäuren mit Metallverbindungen so genannte Metall-Aminoacidate
gebildet haben. Im Labor konnten sie aus einfachen Ausgangsverbindungen wie
Zinkoxid oder Calciumhydroxid zahlreiche neue Zink- und Calcium-Aminoacidate
gewinnen, indem sie die jeweilige Aminosäure in heißer wässriger Lösung
umsetzten. Die Endprodukte wurden als Kristalle isoliert. Die eingesetzten
Aminosäuren waren racemisch, d. h. sie bestanden aus gleichen Teilen links-
und rechtshändiger Moleküle. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass
bestimmte Metall-Aminoacidate tatsächlich auf der Urerde existiert haben.
Diese waren vermutlich zumindest lokal hohen Temperaturen ausgesetzt.
Deshalb untersuchten die Chemiker auch ihre thermische Zersetzung. Sie hielten
die im Labor gewonnenen Kristalle mehrere Stunden lang in einem 320 Grad
Celsius heißen Stickstoffstrom. Dabei wurden die Aminoacidate einerseits in
kleine Bruchstücke zerlegt. Zum anderen entstanden in erheblichem Umfang auch
größere Moleküle, die zu gänzlich anderen Verbindungsklassen gehören als
die Aminosäuren. Das stützt wiederum die Vermutung, dass thermische
Umwandlungen von Metall-Aminoacidaten zum präbiotischen chemischen Inventar
auf der jungen Erde gehörten.
Zwar wurden bei den Experimenten keine Verbindungen gefunden, die den
chemischen Bausteinen heutiger Lebewesen nahe kommen. Allerdings konnte bisher
erst ein geringer Teil der entstandenen Kristalle identifiziert werden. Die
Untersuchungen der Oldenburger Wissenschaftler wurden in "Chemistry"
veröffentlicht, einer der weltweit renommiertesten Chemie-Zeitschriften.

Bewegte Moleküle machen Plastik hart
Recyclebarer Kunststoff schont durch Vibrationstechnik
Umwelt
Wissenschaftler der Lehigh University
http://www2.lehigh.edu haben
einen Weg gefunden, Plastik nicht nur stärker, sondern auch umweltfreundlicher
zu produzieren. Möglich wurde dies mit einer einfachen Software-geleiteten
Entwicklung, die geschmolzenes Plastik in eine Einspritzform "vibriert". Die
Vibrationstechnik soll Produzenten die Wiederverwertung von einst
unbrauchbarem und umweltschädlichem Plastik ermöglichen.
"Beim Spritzgießen wird geschmolzenes Plastik in eine Form gebracht. Es
wird nur sehr wenig recycletes Plastik für diesen Prozess verwendet", erklärte
John Coulter vom Institut für Maschinenbau an der Lehigh University. Dies aus
dem Grund, da wiederverwertetes Plastik von schlechter Qualität, ist und ein
Zuviel die Stärke reduzieren würde. Wird die Vorrichtung für die
Materialzufuhr, die flüssiges Plastik in die Form transportiert, geschüttelt,
erreichte Coulter ein zufriedenstellendes Ergebnis und das, ohne Bewegung
der Form. Die Forscher veränderten zudem geringfügig das hydraulische System.
Eine eigens entwickelte Software steuert den Vibriervorgang, wenn das Plastik
in die Form gefüllt wurde. Bei einer Kombination von Vibration und 50 Prozent
Abfall-Polystyrolen konnte nach Ansicht der Entwickler härteres Plastik
gewonnen werden als bei 100 Prozent neuem Polystyrol ohne Rütteltechnik.
Zukünftig werde es allerdings bedeutender sein, Plastik in größerem Ausmaß
wieder zu verwerten als härteres Plastik produzieren zu können.
"Kunststoff wird durch Vibrationen gehärtet, da die Bewegung die
Orientierung und Anordnung der Moleküle verändert. Moleküle, die von
nicht-vibriertem Plastik stammen, bleiben an der Formwand hängen oder falten
sich", erklärte Coulter. Vibrationen rütteln die Moleküle und mixen sie
gleichmäßiger. Dadurch können sie sich ausdehnen. Die Technik sei zudem
kostengünstig und einfach von Herstellern zu adaptieren, so der
Maschinenbauer. Jedes Unternehmen, das Spritztechniken anwendet, könnte das
Verfahren nutzen.
