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Israelische Forscher entdecken Anämie-Gen
Beduinen führen zur genetischen Aufklärung des Rätsels

Eine seltene Form der Blutarmut, die vor allem bei Beduinen verbreitet ist, könnte die Anämie-Forschung voranbringen. Israelische Forscher haben das Gen, das für die Erkrankung verantwortlich ist, entdeckt, berichten die Forscher in der jüngsten Ausgabe des American Journal for Human Genetics http://www.journals.uchicago.edu/AJHG/home.html . Die Erkenntnisse sollen zur frühzeitigen Erkennung der Krankheit und schließlich zu einer neuen Therapie führen, erklären die Wissenschaftler.

Durch Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern des Schneider-Kinderkrankenhauses in Israel, der Universität Tel Aviv und dem Weizmann Institut http://wis-wander.weizmann.ac.il gelang die Entdeckung des Gens einer bestimmten Form der Anämie, die besonders bei Beduinen-Familien im Negev auftritt: Kongenitale Dyserytropoetische Anämie-1 (CDA-1). Die Erkrankung äußert sich durch mäßige bis starke Unterproduktion von Blutkörperchen. In schwierigen Fällen benötigen Patienten lebenslänglich Bluttransfusionen. Die seltene CDA-1 Anämie tritt weltweit auf, die größte anfällige Gruppe ist jedoch die der Beduinen, wo Verwandtschaftsehen häufig sind. Das häufige Auftreten der Krankheit in dieser Bevölkerungsgruppe war für die Bestimmung des Gens für CDA-1 von entscheidender Bedeutung, berichten die Wissenschaftler.

Im ersten Schritt gelang es dem Team von Hannah Tamary, die sowohl am Schneider-Krankenhaus als auch am Felsenstein-Zentrum für medizinische Forschung an der Universität Tel Aviv arbeitet, die Suche nach dem Gen auf eine Region eines bestimmten Chromosoms (Chromosom 15) einzugrenzen. Um das Gen in dieser Region zu finden, haben die Mediziner mit Forschern vom Crown-Humangenomzentrum an der Abteilung für Molekulargenetik des Weizmann Instituts zusammengearbeitet. Nach vier Jahren intensiver Forschung konnte das bisher unbekannte Gen, namens CDAN1, von beiden Forschergruppen entdeckt und beschrieben werden.

"Die Genomregion, in der sich unser Gen versteckte, ist ungewöhnlich komplex. Bei einigen Patienten fehlte ein ganzes DNS-Segment, doch es stellte sich heraus, dass dies nicht die Ursache für die Krankheit war", so Orly Degani, die gemeinsam im Team mit Tamary arbeitete. Die Forscher beobachteten, dass Mutationen bei diesem bestimmten Gen mit der Krankheit korrelieren. Die Mutationen verändern ein bisher unbekanntes Protein, das die Forscher Codanin-1 getauft haben. Das Protein, so vermuten sie, kommt in der Kernhülle von Knochenmarkszellen vor, die sich teilen und rote Blutkörperchen produzieren. Untersuchungen des Proteins, das ähnlich wie Erytropoetin (EPO) von pharmazeutischem Interesse sein könnte, gewährt möglicherweise Einblicke in die Reifung von Blutkörperchen und die Ursachen für Anämie, und könnte schließlich zu einem Wirkstoff zur Behandlung von CDA-1 führen.

Weitere Erkenntnisse über die Rolle des Proteins, für dessen Produktion das Gen verantwortlich ist, könnten außerdem einen wichtigen Beitrag zum Verständnis anderer Typen der Anämie, sowie zum Verständnis der Bildung von Blutzellen überhaupt leisten.


 

Anämie-Behandlung verbessert Lebensqualität von Krebspatienten
Epoetin alfa senkt Chemoherapie bedingte Müdigkeit
 

Die Anämie ist eine häufige Begleiterscheinung einer Chemotherapie bei Krebspatienten. Sie bedingt eine starke Müdigkeit und führt dazu, dass Patienten ein stark eingeschränktes Leben führen. Britische Forscher haben nachgewiesen, dass durch die Behandlung der Anämie mit dem Medikament Epoetin alfa die Energie von Krebspatienten gesteigert werden kann und sich damit die Lebensqualität verbessert.
 

Müdigkeit wird zum Teil durch einen sinkenden Hämoglobinspiegel im Blut ausgelöst. Hämoglobin befördert Sauerstoff durch den Körper. Ein hoher Spiegel bedingt, dass Muskeln mehr Sauerstoff zur Energieproduktion erhalten. Ist dies nicht der Fall, entwickeln Patienten eine Anämie. "Dies ist bei rund 80 Prozent aller Chemotherapie-Patienten der Fall", erläuterte Lesley Fallowfield, die die Cancer Research UK Psychosocial Oncology Group an der University of Sussex http://www.biols.susx.ac.uk/pog/ leitet. Epoetin alfa ahmt laut Forschern ein natürliches Hormon der Nieren nach, das die Produktion der roten Blutzellen im Körper stimuliert.
 

Forscher um Fallowfield untersuchten, ob eine Steigerung des Hämoglobinspiegels durch Epoetin alfa die Müdigkeit beseitigen kann. Für die Studie wurden 300 Patienten aus Südafrika und 75 Probanden aus Europa vor einer Chemotherapie, die zwischen zwölf und 24 Wochen dauern sollte, rekrutiert. Eine Hälfte erhielt drei Wochen lang eine Epoetin-alfa-Injektion, die andere Hälfte ein Placebo während der Behandlung. Die Patienten wurden über ihren körperlichen und emotionalen Zustand, ihre Müdigkeit und Lebensqualität vor und nach der Behandlung befragt.
 

Bei jenen Probanden, die Epoetin-alfa-Injektionen erhielten, stieg das Energiepotenzial. Die Situation im Alltag verbesserte sich, Tätigkeiten während der Chemotherapie konnten ohne große Einschränkungen bewältigt werden. Die Ergebnisse wurden im British Journal of Cancer publiziert http://www.nature.com/bjc/press_releases/press_release_24.html .
 


 

Anämie - das Blutbild

Anämie bedeutet Blutarmut, genauer gesagt, den Mangel an Blutkörperchen und/oder Hämoglobin (Blutfarbstoff). Die Ursachen dafür sind vielfältig und können Blutkrankheiten, aber auch eine Vielzahl anderer Störungen sein. "Zur Feststellung einer Anämie dient zunächst das so genannte "kleine Blutbild", eine der häufigsten Laboruntersuchungen", sagt Univ. Prof. Dr. Renate Heinz vom Österreichischen Roten Kreuz.

Beim "kleinen Blutbild" wird unter anderem die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen festgestellt. "Die roten Blutkörperchen transportieren den Sauerstoff. Mangel führt zu Schwäche, Müdigkeit oder Blässe. Fehlen weiße Blutkörperchen, ist der Körper einer höheren Infektionsgefahr ausgesetzt. Mangelt es an Blutplättchen, können Blutungen nur sehr schwer gestoppt werden", sagt Heinz.

Anämien haben viele Ursachen. Sie können angeboren oder vererbt sein oder durch Blutverlust etwa bei einem Unfall entstehen. In Europa ist die Eisenmangelanämie die häufigste Form. Betroffen sind vor allem Frauen im gebärfähigen Alter, weil durch die Regelblutung und in der Schwangerschaft ein erhöhter Eisenbedarf besteht. Aber auch Darmerkrankungen oder falsche Ernährung können Anämien nach sich ziehen.

Für die Diagnose einer so genannten "einfachen Blutarmut", also dem Rückgang der roten Blutkörperchen allein, ist die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Menge des Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und der Anteil der Blutzellen am Gesamtblut (Hämatokrit) ausschlaggebend. Heinz: "Das Hämoglobin ist der wichtigste Bestandteil der roten Blutkörperchen und für den Sauerstofftransport verantwortlich. Fällt dieser Wert bei Frauen unter 12 g/dl oder bei Männern unter 14 g/dl, liegt eine Anämie vor."

Die Ursachen werden beim "kleinen Blutbild" durch elektronisch erhobene Zusatzbefunde ermittelt. So deutet etwa eine geringere Größe der roten Blutkörperchen auf Blutarmut durch Eisenmangel hin. Sind die Blutkörperchen jedoch vergrößert, deutet es auf Vitaminmangel-Anämien hin, zum Beispiel, wenn zu wenig Folsäure oder Vitamin B 12 aufgenommen wurde.
 


 
Joerg W. Baur [REGIO-PRESS] 91801237



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Stand der letzten Bearbeitung:
 13.02.2007 03:33:40
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